Ich möch­te ger­ne 100 Jah­re alt wer­den. Wenns sein muss mit tie­fen Fal­ten, Haupt­sa­che alters­ent­spre­chend gesund, vital und glas­klar im Kopf. Vor­bil­der hät­te ich da auch, z.B. die Queen (91). Mit wel­cher Ele­ganz sie die­ses Jahr in ihrem euro­pablau­en Kos­tüm mit den gel­ben Ster­nen am Hut die Par­la­ments­er­öff­nung absol­vier­te, das hat­te gro­ße Klas­se. Aber auch Queen Mom war schliess­lich eine coo­le Lady. Kürz­lich habe ich in einem lus­ti­gen Buch der Zeit-Kolum­nis­tin Susan­ne May­er „Die Kunst, stil­voll älter zu wer­den” über „das Grand-Old-Schach­tel-Fee­ling” gelacht. So stel­le ich mir das Altern vor :-).

Wenn man bei Dr. Goog­le nach­fragt, wie man gesund alt wird, kommt man in rela­tiv kur­zer Zeit zu den Blue Zones, ein anthro­po­lo­gi­sches Kon­zept, das Lebens­stil, Ernäh­rung und Umwelt von Bevöl­ke­rungs­grup­pen beschreibt, die sta­tis­tisch ein über­durch­schnitt­lich hohes Alter errei­chen, vie­le wer­den auch über 100 Jah­re alt. Sie blei­ben dabei rela­tiv gesund, chro­ni­sche Krank­hei­ten wie Krebs, Dia­be­tes, Herz­er­kran­kun­gen und Demenz kennt man in die­sen Regio­nen kaum.

Vor über 10 Jah­ren erforsch­te der ame­ri­ka­ni­sche Autor Dan Buett­ner mit einem Exper­ten­team von Anthro­po­lo­gen, His­to­ri­kern, Ernäh­rungs­me­di­zi­ne­ren und Gene­ti­kern die­ses Phä­no­men und ver­öf­fent­lich­te 2005 für Natio­nal Geo­gra­phic eine Repor­ta­ge mit dem Titel „The Secrets of a Long Life”.
Die der­zeit erforsch­ten Zonen befin­den sich in Oki­na­wa (Japan), Ika­ria (Grie­chen­land), Sar­di­ni­en (Ita­li­en), Loma Lin­da (Kali­for­ni­en) und der Nicoya Halb­in­sel (Cos­ta Rica). Wenn man die­se Auf­lis­tung liest, stellt sich schon die Fra­ge, wie die­se Men­schen völ­lig unab­hän­gig von geo­gra­fi­scher Lage (man­che leben in Städ­ten, man­che im Berg­land, ande­re am Meer) oder Kli­ma­zo­ne das glei­che ange­neh­me Schick­sal tei­len. Auch bei der Ernäh­rungs­wei­se scheint es auf den ers­ten Blick wenig iden­ti­sches zu geben, doch bei genaue­rem For­schen fin­den sich Gemein­sam­kei­ten, die ein inter­es­san­tes Bild zeich­nen. Ein Ver­gleich der 3 Blue Zones Loma Lin­da, Sar­di­ni­en und Oki­na­wa ergab z.B. die­ses Dia­gramm.

 

blue zones gemeinsamkeiten

 

Nun haben die ayur­ve­di­schen Wei­sen vor ein paar tau­send Jah­ren ja eben­falls die­ses Ziel defi­niert, 100 Jah­re alt zu wer­den ohne einen Arzt zu brau­chen. Dazu wur­den aus­führ­li­che Emp­feh­lun­gen zu Lebens­wei­se und Ernäh­rung gege­ben und ver­gleicht man die­se mit den Erfah­run­gen der Blue Zone-For­scher, ist das nahe­zu deckungs­gleich. Sur­pri­se, sur­pri­se, die Blue Zone Men­schen sind wasch­ech­te Ayur­ve­dis :-).

Dan Buett­ner hat mit sei­nem Team den gemein­sa­men Nen­ner in Lebens- und Ernäh­rungs­wei­se destil­liert und ver­sucht, Mög­lich­kei­ten zu ent­wi­ckeln, dass auch wir so lan­ge und gesund leben kön­nen wie Bewoh­ner der Blau­en Zonen. Denn in der Ver­wir­rung um Detox und Diä­ten, der Fra­ge, ob nun Bio­fleisch oder Tofu essen bes­ser ist, wel­che Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel gera­de der neu­es­te Hype sind, scheint Hil­fe­stel­lung nötig zu sein.
Auf sei­ner Web­site gibt er Hin­wei­se zu 9 lebens­ver­län­gern­de Prin­zi­pi­en und kom­bi­niert dazu 10 Ernäh­rungs­re­geln, die uns zwar nicht garan­tie­ren, dass wir 100 Jah­re alt wer­den, aber zumin­dest die Chan­ce dar­auf deut­lich stei­gen las­sen, wenn man die pas­sen­den Gene und das för­der­li­che Lebens­um­feld hat. Eine Behand­lung, mit der man das Altern ver­lang­sa­men, stop­pen oder umkeh­ren kann, gibt es jedoch nicht und das ist ver­mut­lich auch gut so.
Die Prin­zi­pi­en und Regeln kann man auf sei­nen eige­nen Kul­tur­kreis und die Nah­rungs­mit­tel sei­ner Regi­on adap­tie­ren. Die Ernäh­rung gilt dabei als Schlüs­sel für den Erfolg.

 

Die Gemeinsamkeiten der Bewohner von Blue Zones in der Lebensweise:

  • Viel natür­li­che Bewe­gung. Kür­ze­re Wege zur Arbeit oder zum Ein­kau­fen wer­den zu Fuß absol­viert und wo die Men­schen in hüge­li­gem Gelän­de leben (z.B. in Ika­ria oder Sar­di­ni­en), ist der natür­li­che Work-Out eh garan­tiert. Auf einem Spin­nin­grad oder Lauf­band sieht man da auf jeden Fall nie­man­den. Hier trai­niert auch nie­mand für einen Mara­thon oder ande­ren Leis­tungs­sport, dafür wird der Gar­ten das gan­ze Jahr über bear­bei­tet und der Brot­teig von Hand gekne­tet. Die Men­schen sind gene­rell viel in der Natur und in der Son­ne.
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  • Ein effek­ti­ves Stress-Manage­ment. Man macht Pau­sen, um den Stress auf ein Min­umum zu redu­zie­ren, z.B. ein Mit­tags­schläf­chen, einen gan­zen Tag oder nimmt sich grö­ße­re Aus­zei­ten. Zeit­druck ist unbe­kannt, die Din­ge dür­fen sich ent­wi­ckeln, vie­le Men­schen tra­gen nicht mal Uhren. Man lebt qua­si in einem slow flow. Hier rennt kei­ner durch die Gegend, schon gar­nicht mit einem Papp­be­cher-Mac­chia­to in der einen und einem Sand­wich in der ande­ren Hand. Man gönnt sich eher ein Gläs­chen Wein mit Freun­den am Nach­mit­tag (Hap­py Hour). Zu den Trend­the­men Slow down und Mini­ma­lis­mus könn­ten Blue Zone Bewoh­ner ver­mut­lich die kom­pe­ten­tes­ten Rat­ge­ber schrei­ben…
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  • Die Men­schen sehen einen Sinn in ihrem Leben, sie fol­gen ihrer Bestim­mung oder haben einen Lebens­plan. Sie wis­sen, wofür sie auf­ste­hen am Mor­gen und suchen sich eine erfül­len­de Arbeit. Oder eine erfül­len­de Neben­tä­tig­keit bzw. Hob­by. Auch im Alter neh­men Sie ger­ne neue Her­aus­fo­de­run­gen an. Auf Oki­na­wa gibt es nicht mal ein Wort für Ruhe­stand.
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  • Die fami­liä­ren Ver­bin­dun­gen sind eng. Über Ritua­le in Fami­li­en und bei Fes­ten wird die tra­di­tio­nel­le Lebens­wei­se erhal­ten. Meh­re­re Genera­tio­nen leben oft im nähe­ren Umfeld, in man­chen Blue Zones ist es nor­mal, dass Enkel und Groß­el­tern sich täg­lich sehen. Man inves­tiert viel Zeit und Lie­be in sei­ne Kin­der, Unter­stüt­zung und Zuge­hö­rig­keit sind die Basis des Fami­li­en­le­bens.
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  • Die sozia­len Netz­wer­ke sind sehr nach­hal­tig geknüpft. Freund­schaf­ten dau­ern oft ein Leben lang und wer­den z.B. auf Oki­na­wa über sog. Moais ermög­licht. Das sind Gemein­schaf­ten von 5 Freun­den, die sich ein Leben lang beglei­ten. Es wird getratscht, argu­men­tiert, Sake getrun­ken, aber in schwie­ri­gen Zei­ten steht jeder für den ande­ren ein.
    Man­che Com­mu­nities fol­gen einem gemein­sa­men spi­ri­tu­el­len Weg wie z.B. die Aven­tis­ten-Gemein­de in Loma Lin­da und erle­ben damit ein stär­ken­des Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl.
    Die­se sozia­len Netz­wer­ke wir­ken unter­stüt­zend, aus­glei­chend und lebens­ver­län­gernd. Älte­re Men­schen erfül­len dar­in eine gleich­wer­ti­ge Funk­ti­on wie alle ande­ren Genera­tio­nen, sie wer­den gebraucht. Nach­barn besu­chen sich regel­mä­ßig und lachen viel gemein­sam. Der Kon­takt mit Men­schen mit ähn­li­chen Wer­ten und Lebens­wei­sen wirkt anste­ckend und posi­tiv auf Vita­li­tät und Gesund­heit.

 

Die Gemeinsamkeiten in der Ernährungsweise:

  • Eine aus­ge­wo­ge­ne und nicht über­mä­ßi­ge Ernäh­rung. Man isst sich nicht voll bzw. folgt der japa­ni­schen Regel „Hara Hachi Bu”: wenn der Magen zu 80% voll ist, hört man auf zu essen. Ein Trick, um die Kalo­ri­en­auf­nah­me zu redu­zie­ren, sind klei­ne­re Tel­ler und Schüs­seln.
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  • Die Nah­rung basiert über­wie­gend auf pflanz­li­cher Kost (90–95%), die Adven­tis­ten-Gemein­de in Loma Lin­da pro­pa­giert eine vegetarische/vegane Ernäh­rungs­wei­se. Es wird sehr wenig Fleisch geges­sen, eher etwas mehr Fisch, beson­ders Süß­was­ser­fisch, auch Algen (Oki­na­wa). Die Nah­rung ent­hält nur sehr wenig Zucker.
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  • Die Mahl­zei­ten sind frisch gekocht, die Lebens­mit­tel kom­men zum grö­ße­ren Teil aus der Regi­on und Sai­son, man isst eine gesun­de tra­di­tio­nel­le Küche. In Oki­na­wa ist das z.B. viel Tofu, Algen und Süß­kar­tof­feln, in Ika­ria eher eine medi­ter­ra­ne Diät mit Oli­ven­öl, viel Gemü­se, Käse, Boh­nen, Fisch.
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  • Die Haupt­mahl­zeit wird immer mit­tags ver­zehrt, Früh­stück und Abend­essen sind eher klein.
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  • Hül­sen­früch­te ste­hen bei allen Bewoh­nern der Blue Zones täg­lich auf dem Spei­se­plan. Auf Oki­na­wa ist es z.B. der Tofu, auf Sar­di­ni­en fällt die Wahl auf Fava Boh­nen.
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  • Soft­drinks und zucker­hal­ti­ge Geträn­ke sind unbe­kannt.

 

Die 10 bes­ten Tipps für eine gesun­de Blue Zones Ernäh­rung fin­det man im nächs­ten Post

 

Fazit

Es sind ein­fa­che Metho­den, mit der die Men­schen in den Blue Zones auch im Alter glück­lich und vital blei­ben. Die Prin­zi­pi­en und Emp­feh­lun­gen bie­ten wenig neue Erkennt­nis­se. Gesun­de Ernäh­rung, viel Bewe­gung, wenig Stress, gute Freun­de, eine spi­ri­tu­el­le Zuge­hö­rig­keit ken­nen wir als Bau­stei­ne für ein glück­li­ches Leben schon lan­ge. Offen­sicht­lich leben wir die­ses Wis­sen nicht immer aus­rei­chend, sonst hät­te Dan Buett­ner wohl mehr als 5 Blue Zones ent­deckt. Sei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen zei­gen uns, was mög­lich wäre und wie wir unse­re Lebens­er­war­tung erhö­hen kön­nen, wenn wir uns im Tem­po und Rhyth­mus der Natur bewe­gen, die Ernäh­rung ver­än­dern, das Leben ver­ein­fa­chen und ent­schleu­ni­gen und die Men­schen um uns her­um ach­ten und unter­stüt­zen. Glück ist ein hohes Gut und erreich­bar, das beweist Dan Buett­ner durch sei­ne wert­vol­len Publi­ka­tio­nen.

 

Lesens­wert: Here Are the Secrets to a Long and Healt­hy Life (Natio­nal Geo­gra­phic)

 

Bild­quel­le Titel: pixabay.com

 

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