Gesund­heit und ein lan­ges Leben, das wünscht man sich gegen­sei­tig u.a. zum Neu­en Jahr, Geburts­tag oder ein­fach zwi­schen­durch. Es schien bis­her ein leicht erziel­ba­rer Wunsch zu sein, den man mit gesun­dem Essen, aus­rei­chend Bewe­gung und einer guten Work-Life-Balan­ce in Eigen­re­gie errei­chen konn­te. Oder in letz­ter Instanz auch mal den Arzt oder Apo­the­ker in zu Rate zog.

Doch seit dem Jahr 2020 besetzt Gesund­heit eine stär­ke­re Gewich­tung auf unse­rer Wunsch­lis­te der bevor­zug­ten Din­ge im Leben. Etwas aus den Augen ver­lo­ren hat man schein­bar die eige­nen Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten dafür, der Gang zum Arzt oder Apo­the­ker domi­niert heut­zu­ta­ge. Klar, wir erle­ben eine immer grö­ßer wer­den­de Zahl an chro­ni­schen Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten und wür­den uns mehr Kon­trol­le über Infek­ti­ons­krank­hei­ten wün­schen. Die klas­si­sche Schul­me­di­zin scheint die Lösung, beschäf­tigt sie sich über­wie­gend mit der Ent­ste­hung und dem Manage­ment die­ser Krank­hei­ten, der sog. Patho­ge­ne­se. Und behan­delt dabei meis­tens die Sym­pto­me, ohne die zugrun­de lie­gen­de Ursa­che der Krank­heit zu adres­sie­ren. Aber es gibt auch einen alter­na­ti­ven Weg.

 

Salutogenese — die Gesundheit erhalten

Die­ses vom Medi­zin­so­zio­lo­gen Aaron Anto­novs­ky in den 1970er Jah­ren ent­wi­ckel­te Kon­zept beschäf­tigt sich mit den Fak­to­ren und dyna­mi­schen Wech­sel­wir­kun­gen, die zur Ent­ste­hung und Erhal­tung von Gesund­heit füh­ren. Dabei gibt es kei­ne abso­lu­te Gesund­heit oder Krank­heit, son­dern der Mensch bewegt sich kon­ti­nu­ier­lich zwi­schen die­sen bei­den Polen.

Je öfter/länger er sich dem Gesund­heits­pol nähert, umso leis­tungs­fä­hi­ger und ener­ge­ti­scher fühlt er sich, was sich posi­tiv auf sei­ne Lebens­freu­de und Lang­le­big­keit aus­wirkt. Trotz­dem kann er durch Krank­heits­er­re­ger (Gif­te, Viren, Bak­te­ri­en), Umwelt­ein­flüs­se (Luft­ver­schmut­zung, Lärm, Hit­ze) oder psy­chi­sche Fak­to­ren (Stress, Kon­flik­te, Trau­er, Mob­bing) erkran­ken. Idea­ler­wei­se hat er dann einen Schatz an phy­si­schen, sozia­len, mate­ri­el­len oder psy­chi­schen Res­sour­cen zur Hand, mit deren Hil­fe er rela­tiv eigen­stän­dig wie­der in eine Balan­ce zurück­fin­den kann.

Ein wich­ti­ger Bau­stein ist dabei das Kohä­renz­ge­fühl, das sich im Lau­fe des Lebens auf der Basis die­ser Res­sour­cen ent­wi­ckelt. Es besagt, ob das eige­ne Leben als ver­steh­bar (Fähig­keit die Situa­ti­on auf ihre Ursa­chen hin zu ana­ly­sie­ren), bewäl­tig­bar (Wis­sen um die eige­nen Res­sour­cen) und sinn­haft (Sinn­haf­tig­keit eines Bewäl­ti­gungs­ver­su­ches) erlebt wird. Ein hohes Kohä­renz­ge­fühl führt zu Gesund­heit, ein gerin­ges Kohä­renz­ge­fühl zu Krankheit.

Das Kon­zept bin­det die Har­mo­nie von Kör­per, Geist und See­le in den Gesund­heits­pro­zess mit ein. Eben­so das sozia­le Umfeld und die Regi­on in der man lebt, und nicht zuletzt die men­ta­le Resi­li­enz. Eigent­lich soll­te das selbst­ver­ständ­lich sein. Doch lei­der ist die Salu­to­ge­ne­se ein Stief­kind der her­kömm­li­chen Medi­zin, die die Inter­ak­ti­on zwi­schen Arzt und Pati­ent auf ein Mini­mum ver­kürzt hat.

 

Gesundheit ist eigenaktiv

Was uns die Salu­to­ge­nes zeigt: Gesund­heit ist nicht dele­gier­bar. Sie lebt vom Ver­trau­en in sich selbst, die Natur und den rhyth­mi­schen Abläu­fen (Wel­len) im Leben. Wenn man erfah­ren hat, wie hilf­reich es ist, sich die­sem Fluss anzu­ver­trau­en, hat man in der Regel wenig Angst vor Krank­heit. Die­se ist einer der größ­ten Fein­de der Gesund­heit. Angst ver­hin­dert das fei­ne Zusam­men­spiel aller Kör­per­funk­tio­nen, ange­fan­gen von der Ver­dau­ung, über den Auf­bau eines gesun­den Mikro­bi­o­ms, aus dem neben­bei eine men­ta­le Balan­ce ent­steht, die wie­der­um die Angst ausbremst.

Ver­trau­en wir blind einer gro­ben oder che­mi­schen Tech­no­lo­gie, einer Magic Pill oder einer „One-Size-Fits-All-Behand­lung“, geben wir unse­re Gesund­heit in frem­de Hän­de, wir ver­lie­ren die Kon­trol­le und wer­den dadurch fremd­be­stimmt. Wenn die­se Heil­ver­spre­chen dann eine kur­ze Halb­wert­zeit haben, wie wir es der­zeit erle­ben, kol­la­biert die Psy­che, die Angst schlägt in Panik um und unser Immun­sys­tem wird radi­kal geschwächt.

Der Weg der Salu­to­ge­ne­se ist eine Rei­se zum stär­ken­den und angst­frei­en Gesund­heits­ma­nage­ment. Steht man aus­nahms­wei­se mal vor einer Hür­de, ste­hen in der Regel Ärz­te mit einem natur­heil­kund­li­chen Hin­ter­grund, ganz­heit­li­chen Coa­ches, erfah­re­nen Kör­per­the­ra­peu­ten o.ä. mit Rat und Tat zur Sei­te. Die­se Rei­se wird der­zeit zwar künst­lich erschwert, aber das Ziel bleibt sicht­bar, ver­ständ­lich, mach­bar und sinnvoll.

Was brau­chen wir dafür? Fast nichts, was wir nicht schon wissen:

  1. Eine aus­ge­wo­ge­ne gesun­de Ernäh­rung mit viel sai­so­na­lem Obst und Gemü­se, ein­fach und frisch gekocht und warm verzehrt
  2. Aus­rei­chend Bewe­gung in der Natur, so oft es mög­lich ist
  3. Ruhe­pau­sen zur Rege­ne­ra­ti­on, Me-time, Medi­ta­ti­on, Yoga, Ausruhen
  4. Ein Beruf, der sinn­stif­tend erlebt wird und Freu­de macht
  5. Ein Netz­werk von lie­be­vol­len und acht­sa­men Men­schen, Kol­le­gen und Freunden
  6. Digi­ta­les Fas­ten und ein­tau­chen in die ana­lo­ge Welt so oft es geht.

 

Vie­le inter­es­sier­te Men­schen lesen, ler­nen oder besu­chen gesund­heits­för­dern­de Kur­se, um die­sen Weg zu star­ten. Der Markt an Infor­ma­tio­nen ist aller­dings ein oft undurch­schau­ba­rer Dschun­gel, in dem sich die Ideen ger­ne mal dia­me­tral wider­spre­chen. Oder es wird kom­ple­xen Vor­gän­gen im Kör­per mit unter­kom­ple­xen Ver­hal­tens­wei­sen begeg­net. Was meis­tens nicht nach­hal­tig hilft.

Was aus mei­ner Sicht funk­tio­niert, ist altes, tra­di­tio­nel­les Heil­wis­sen, ange­passt an unse­re heu­ti­ge Zeit. Dabei ist es egal, ob das aus Chi­na, Indi­en, Per­si­en, Euro­pa, Peru oder sonst wo her­kommt. Die meis­ten Theo­rien haben sehr ähn­li­che Inhal­te, z.B. Darm­ge­sund­heit oder Immun­stär­kung, um zwei wich­ti­ge zu nen­nen. Und sie belas­sen die Gesund­heit in der Hand der Men­schen. Wird man krank, geht man in Indi­en erst mal in die Küche und holt sich Gewür­ze zur The­ra­pie. Ansons­ten hat ein Hei­ler, Arzt, Scha­ma­ne, Psy­cho­lo­ge o.ä. immer etwas parat, das er dem Pati­en­ten zur Ver­fü­gung stellt, damit die­ser sich selbst hei­len kann.

Ein beson­ders inspi­rie­ren­der Lebens­stil, der die Salu­to­ge­ne­se per­fekt ver­kör­pert, ist das Leben der 100-Jäh­ri­gen, die ich in zwei Blog­ar­ti­keln (Nr.2) beschrie­ben habe. Letzt­end­lich ist Lebens­glück und Selbst­be­wußt­sein dann sehr groß, wenn man Krank­hei­ten so gut wie mög­lich ver­hin­dert. Die­ser Prä­ven­ti­ons­ge­dan­ke ist auch die Grund­la­ge der ayur­ve­di­schen Leh­re, die mich vor über 20 Jah­ren auf die­sen Pfad gebracht hat.

Wer mehr über Salu­to­ge­ne­se wis­sen möch­te, fin­det hier einen infor­ma­ti­ven Arti­kel und ein Video von Dr Gerald Hüt­her.

 

Pho­to by Timon Stud­ler on Unsplash

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