Leichtes Fasten im Frühling

Die traditionelle Fastenzeit

In unserer Kultur wird die Fastenzeit über den Frühlingsbeginn (21. März), den ersten Vollmond danach, den Ostersonntag (Ende der Fastenzeit) und einem Stichtag 40 Tage vor Ostern (Fastenbeginn) definiert. Diesen Zyklus halten nicht mehr besonders viele Menschen ein, scheinen doch 40 Fastentage eine sehr lange Zeit zu sein in der schnellebigen Welt. Und manchmal erleben wir in den besagten Wochen ein Klima von plötzlichen Wintereinbrüchen incl. Schnee, bei dem uns eher der Sinn nach wärmendem reichhaltigen Essen steht.

Trotzdem ist es eine gute Zeit, bevorzugt in den bereits warmen Frühlingstagen, dem Körper einen guten Teil der Winterlast abzunehmen. Denn die Saat der Gesundheit für das restliche Jahr legen wir im Frühling. Wenn spätestens im März/April die Natur den Winter abstreift, sehnen wir uns nach Leichtigkeit und denken über Abnehmen, Reinigen, Entgiften und Fasten nach. In dieser Jahreszeit öffnen sich alle Kanäle, was das Freisetzen und Ausleiten von Giftstoffen in Gang bringt. Egal, ob man einen Tag oder eine Woche fastet, man gibt dem Verdauungsfeuer auf alle Fälle eine heilsame Verschnaufpause zum Reset. Bei mehreren Tagen (>3) wird die Entgiftung angeregt, der Geschmackssinn verbessert sich und man spürt als Nebeneffekt eine mentale Klarheit und inneres Gleichgweicht. Es kann auch passierern, dass sich kleine und größere Ausrichtungen im Leben, in den Beziehungen, der Ernährung, dem eigenen Biorhythmus oder der Arbeit neu justieren.

Da sich längere Fastenkuren oft schwer in die Arbeits- und Familienroutine integrieren lassen, stelle ich hier Alternativen vor im Sinne von: besser ein kleineres Detox als den ganzen Winterballast weitertragen. Bei diesen Möglichkeiten muss man keine „Auszeit“ nehmen, wenn man nicht will oder nicht anders kann. Okay, auf intensive Freizeitaktivitäten verzichtet man besser, vor allem auf solche, die Hunger produzieren. Eher nutzt man die Zeit für Entspannung und inneres (und äußeres) Aufräumen. Dabei muss man nicht unbedingt ganz auf Essen verzichten bzw. nur „Wasser und Brot“ zu sich nehmen. Eine Entschlackungsmöglichkeit ist z.B., bestimmte Lebens- und Genussmittel weg zu lassen, man verzichtet also mehrere Tage oder eine Woche auf Zucker, Desserts, Schokolade, Milchprodukte und Käse, Fleisch, Kaffee und Alkohol. Oder man kocht sich sehr simple und sehr leichte Mahlzeiten. Hier zwei Möglichkeiten:

 

– Fasten mit Obst und Gemüse

Ein Reinigungstag ist eine einfache Form des Fastens. Manche wählen bestimmte Tage wie z.B. Vollmond, Neumond oder Sonntag. Wichtiger als der Tag ist die Regelmäßigkeit des Fastens.
Folgender Tagesablauf hat sich bewährt: die erste Mahlzeit nimmt man zu sich, wenn Hunger oder Müdigkeit spürbar werden (meist so zwischen 13 und 15 Uhr), am besten eine Schale Obst – entweder pur, gedünstet oder als Kompott – optional mit etwas Mandeln oder Samen. Alternativ (oder als spätere zweite Mahlzeit) bereitet man sich einen Teller gedämpftes Gemüse mit etwas Ghee, Gewürzen, Kräutern und Samen, bzw. eine Gemüsesuppe zu. Je später der Hunger auftritt, desto eher reicht eine Mahlzeit aus. Getreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und Zucker werden an diesem Tag weggelassen.
Dieses Fasten kann man um 1-2 Tage ganz nach Belieben verlängern und mit Früchte- oder Gemüsesmoothies erweitern.

gemüse gedünstet    

 

– Fasten mit Reis- und/oder Gemüsesuppen

Für viele hat sich ein Reinigungsprotokoll mit Suppenfasten über 1-3 Tage bewährt. Auch während oder nach einer Erkältung können sie uns schonend wieder Kraft zurückgeben. Man nimmt 2-3 Suppen am Tag zu sich und kombiniert sie je nach Belieben und Hungergefühl, beginnend mit einer Reissuppe. Die letzte Suppe isst man vor 18 Uhr. Zwischen den Suppen sollten mind. 3-4 Stunden Zeit sein; es gibt keine Zwischenmahlzeiten. Wichtig: An Suppentagen trinkt man über den Tag verteilt ausreichend heißes Wasser und 1-2 Gläser Kräuter- oder Gewürztee. Am Ende der Fastentage kann man ein Kitchari zubereiten oder ein einfaches gedämptes Gemüsegericht wie beim Gemüsefasten (s,o.).

Reissuppe

Diese sehr unkomplizierte Suppe heißt in Indien Kanji, in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) Congee. In Sri Lanka gibt es jeden Tag Kola Kanda, eine Kräuter-Reissuppe. Die Basis-Reissuppe ist identisch, man lässt nur den Kräutersaft weg.

3 Reissuppen

 
Mungbohnensuppe

Sie liefert mit ihrem hohen Proteingehalt zusätzliche Energie und sättigt länger. Hülsenfrüchte wirken austrocknend und unterstützen das Abnehmen. Diese Suppe nicht am Abend verwenden. Als Variante lässt sich die Mungbohnensuppe mit einer dickeren Reissuppe (Konsistenz wie Porridge) kombinieren für eine vollwertige Mahlzeit. Hier findest du das Rezept.

mungbohnen suppe

 

Für eine ganze Fastenwoche lassen sich diese 2 Protokolle übrigens kombinieren.

 
Gewürztees

Sie dienen als zusätzliche Fastenbegleiter, können aber das ganze Jahr über eingesetzt werden.

Ingwer-Zitronen-Tee wärmt und facht an kühlen Frühlingsmorgen das Verdauungsfeuer an. Dazu gibt man einige Scheiben Ingwer und etwas Zitronensaft in eine Thermoskanne, füllt sie mit kochend heißem Wasser und läßt alles  mindestens 15 Minuten ziehen. Nach Belieben vor dem Trinken mit Honig mischen.
Nelken-Tee wirkt bitter, herb und scharf, ist somit perfekt im Frühling zum Entgiften. 8-10 Nelken werden mit 500 ml Wasser aufgekocht. Danach den Herd abschalten und zugedeckt ca. 10 Min ziehen lassen.

Andere Gewürze und Kombinationen wie Fenchel (ca. 1 TL / 500 ml Wasser) oder Ingwer-Koriander (ca. 1,5 TL /500 ml Wasser) oder Fenchel-Kreuzkümmel-Koriander (je 1/2 TL auf 500 ml Wasser) funktionieren ebenfalls bestens.

 

gewuerze-ingwer-tee

Du bist dein bester Gesundheitsmanager

Gesundheit und ein langes Leben, das wünscht man sich gegenseitig u.a. zum Neuen Jahr, Geburtstag oder einfach zwischendurch. Es schien bisher ein leicht erzielbarer Wunsch zu sein, den man mit gesundem Essen, ausreichend Bewegung und einer guten Work-Life-Balance in Eigenregie erreichen konnte. Oder in letzter Instanz auch mal den Arzt oder Apotheker in zu Rate zog.

Doch seit dem Jahr 2020 besetzt Gesundheit eine stärkere Gewichtung auf unserer Wunschliste der bevorzugten Dinge im Leben. Etwas aus den Augen verloren hat man scheinbar die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten dafür, der Gang zum Arzt oder Apotheker dominiert heutzutage. Klar, wir erleben eine immer größer werdende Zahl an chronischen Zivilisationskrankheiten und würden uns mehr Kontrolle über Infektionskrankheiten wünschen. Die klassische Schulmedizin scheint die Lösung, beschäftigt sie sich überwiegend mit der Entstehung und dem Management dieser Krankheiten, der sog. Pathogenese. Und behandelt dabei meistens die Symptome, ohne die zugrunde liegende Ursache der Krankheit zu adressieren. Aber es gibt auch einen alternativen Weg.

 

Salutogenese – die Gesundheit erhalten

Dieses vom Medizinsoziologen Aaron Antonovsky in den 1970er Jahren entwickelte Konzept beschäftigt sich mit den Faktoren und dynamischen Wechselwirkungen, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen. Dabei gibt es keine absolute Gesundheit oder Krankheit, sondern der Mensch bewegt sich kontinuierlich zwischen diesen beiden Polen.

Je öfter/länger er sich dem Gesundheitspol nähert, umso leistungsfähiger und energetischer fühlt er sich, was sich positiv auf seine Lebensfreude und Langlebigkeit auswirkt. Trotzdem kann er durch Krankheitserreger (Gifte, Viren, Bakterien), Umwelteinflüsse (Luftverschmutzung, Lärm, Hitze) oder psychische Faktoren (Stress, Konflikte, Trauer, Mobbing) erkranken. Idealerweise hat er dann einen Schatz an physischen, sozialen, materiellen oder psychischen Ressourcen zur Hand, mit deren Hilfe er relativ eigenständig wieder in eine Balance zurückfinden kann.

Ein wichtiger Baustein ist dabei das Kohärenzgefühl, das sich im Laufe des Lebens auf der Basis dieser Ressourcen entwickelt. Es besagt, ob das eigene Leben als verstehbar (Fähigkeit die Situation auf ihre Ursachen hin zu analysieren), bewältigbar (Wissen um die eigenen Ressourcen) und sinnhaft (Sinnhaftigkeit eines Bewältigungsversuches) erlebt wird. Ein hohes Kohärenzgefühl führt zu Gesundheit, ein geringes Kohärenzgefühl zu Krankheit.

Das Konzept bindet die Harmonie von Körper, Geist und Seele in den Gesundheitsprozess mit ein. Ebenso das soziale Umfeld und die Region in der man lebt, und nicht zuletzt die mentale Resilienz. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Doch leider ist die Salutogenese ein Stiefkind der herkömmlichen Medizin, die die Interaktion zwischen Arzt und Patient auf ein Minimum verkürzt hat.

 

Gesundheit ist eigenaktiv

Was uns die Salutogenes zeigt: Gesundheit ist nicht delegierbar. Sie lebt vom Vertrauen in sich selbst, die Natur und den rhythmischen Abläufen (Wellen) im Leben. Wenn man erfahren hat, wie hilfreich es ist, sich diesem Fluss anzuvertrauen, hat man in der Regel wenig Angst vor Krankheit. Diese ist einer der größten Feinde der Gesundheit. Angst verhindert das feine Zusammenspiel aller Körperfunktionen, angefangen von der Verdauung, über den Aufbau eines gesunden Mikrobioms, aus dem nebenbei eine mentale Balance entsteht, die wiederum die Angst ausbremst.

Vertrauen wir blind einer groben oder chemischen Technologie, einer Magic Pill oder einer „One-Size-Fits-All-Behandlung“, geben wir unsere Gesundheit in fremde Hände, wir verlieren die Kontrolle und werden dadurch fremdbestimmt. Wenn diese Heilversprechen dann eine kurze Halbwertzeit haben, wie wir es derzeit erleben, kollabiert die Psyche, die Angst schlägt in Panik um und unser Immunsystem wird radikal geschwächt.

Der Weg der Salutogenese ist eine Reise zum stärkenden und angstfreien Gesundheitsmanagement. Steht man ausnahmsweise mal vor einer Hürde, stehen in der Regel Ärzte mit einem naturheilkundlichen Hintergrund, ganzheitlichen Coaches, erfahrenen Körpertherapeuten o.ä. mit Rat und Tat zur Seite. Diese Reise wird derzeit zwar künstlich erschwert, aber das Ziel bleibt sichtbar, verständlich, machbar und sinnvoll.

Was brauchen wir dafür? Fast nichts, was wir nicht schon wissen:

  1. Eine ausgewogene gesunde Ernährung mit viel saisonalem Obst und Gemüse, einfach und frisch gekocht und warm verzehrt
  2. Ausreichend Bewegung in der Natur, so oft es möglich ist
  3. Ruhepausen zur Regeneration, Me-time, Meditation, Yoga, Ausruhen
  4. Ein Beruf, der sinnstiftend erlebt wird und Freude macht
  5. Ein Netzwerk von liebevollen und achtsamen Menschen, Kollegen und Freunden
  6. Digitales Fasten und eintauchen in die analoge Welt so oft es geht.

 

Viele interessierte Menschen lesen, lernen oder besuchen gesundheitsfördernde Kurse, um diesen Weg zu starten. Der Markt an Informationen ist allerdings ein oft undurchschaubarer Dschungel, in dem sich die Ideen gerne mal diametral widersprechen. Oder es wird komplexen Vorgängen im Körper mit unterkomplexen Verhaltensweisen begegnet. Was meistens nicht nachhaltig hilft.

Was aus meiner Sicht funktioniert, ist altes, traditionelles Heilwissen, angepasst an unsere heutige Zeit. Dabei ist es egal, ob das aus China, Indien, Persien, Europa, Peru oder sonst wo herkommt. Die meisten Theorien haben sehr ähnliche Inhalte, z.B. Darmgesundheit oder Immunstärkung, um zwei wichtige zu nennen. Und sie belassen die Gesundheit in der Hand der Menschen. Wird man krank, geht man in Indien erst mal in die Küche und holt sich Gewürze zur Therapie. Ansonsten hat ein Heiler, Arzt, Schamane, Psychologe o.ä. immer etwas parat, das er dem Patienten zur Verfügung stellt, damit dieser sich selbst heilen kann.

Ein besonders inspirierender Lebensstil, der die Salutogenese perfekt verkörpert, ist das Leben der 100-Jährigen, die ich in zwei Blogartikeln (Nr.2) beschrieben habe. Letztendlich ist Lebensglück und Selbstbewußtsein dann sehr groß, wenn man Krankheiten so gut wie möglich verhindert. Dieser Präventionsgedanke ist auch die Grundlage der ayurvedischen Lehre, die mich vor über 20 Jahren auf diesen Pfad gebracht hat.

Wer mehr über Salutogenese wissen möchte, findet hier einen informativen Artikel und ein Video von Dr Gerald Hüther.

 

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Essen für die mentale Balance

Mental ausgeglichen sein, das wünschen sich die Menschen derzeit mehr denn je. Doch in psychischen Ausnahmezeiten erfordert es für viele einen ordentlichen Kraftakt, um die fragile Balance im Geist aufrecht zu halten.

Nun kommt die moderne Ernährungslehre, beeinflusst von der Mikrobiomforschung der letzten 20 Jahre, immer wieder zum Ergebnis, dass jede Mahlzeit beeinflusst, wie wir uns mental fühlen. Wir kennen heute Lebensmittel, die die Stimmung direkt heben können. In meinem letzten blogpost habe ich einige vorgestellt. Doch manche Effekte verfliegen schon nach ein paar Stunden, wenn sie nur an einer wechselhaften Oberfläche wirken.
Will man eine lang anhaltende und tiefe Wirkung erzielen, brauchts ein Set an Ernährungsgewohnheiten, das über Wochen, Monate und Jahre unsere Sicht auf uns und die Welt prägt: rosig oder eher dunkel. Entspannt oder gestresst. Halb voll oder halb leer, usw.. Forscher gehen davon aus, dass die Wirkung der Nahrung auf die Psyche so mächtig ist, dass wir uns ein Lebensgefühl buchstäblich herbei essen können.

 

Der vedische Weg zum friedvollen Geist 

Auch vor tausenden von Jahren gab es offensichtlich herausfordernde Zeiten, in denen Ego, Gier, Angst und Hass überhandnahmen und Bauch, Herz und Hirn der Menschen ins Ungleichgewicht stürzten. In der Bhagavad Gita, der wohl bekanntesten philosophischen Schrift Indiens, werden 3 geistige Eigenschaften Sattva, Rajas und Tamas beschrieben und zusätzlich ihr Kontext mit Ernährung dargestellt (17. Kapitel). Dabei gibt es 3 Gruppen von Nahrungmitteln, die unterschiedliche Wirkungen auf die mentale Befinglichkeit haben. Mit Wissen über diesen Einfluss, kann man entscheiden, aus welchem „Topf“ man sich vermehrt bedienen mag.

 

1. Nahrung für einen harmonischen Geist (Sattva)

Lebensmittel in hoher Qualität, naturbelassen und möglichst wenig verarbeitet, dazu noch frisch, reif und wohlschmeckend, haben das größte Potential, dem Esser Klarheit, Frieden, Harmonie, Konzentrationsfähigkeit und Lebensfreude zu ermöglichen. Ist die Mahlzeit auch noch frisch gekocht, eher einfach als kompliziert und hat der Koch/die Köchin Freude in der Küche, wirkt das Essen energetisierend, ausgleichend und verjüngend.
Man nennt diese Eigenschaften und das Resultat sattvisch.

Menschen, die sich vermehrt sattvisch ernähren, entwickeln Gemeinschaftsgefühl, beteiligen sich an (analogen) sozialen Netzwerken, entwickeln Liebe, Fürsorge, Ethik, Toleranz, Mitgefühl, Demut, Aufmerksamkeit, Langlebigkeit, Leichtigkeit im Leben/im Körper. In ihrer Sprache sind sie friedvoll, das Wort, das mit f beginnt und mit k endet, kommt ihnen nie aus dem Mund. Eher mal ein Liebesgedicht. Mit dieem Mindset bringt man unweigerlich auch Frieden in sein direktes Umfeld.

Die Eigenschaften, die wir in der momentanen Situation am meisten brauchen, werden stark gefördert: Klarheit im Geist, starker moralischer Kompass, das Erkennen von Lügen, fake news und korrupten Menschen. Mit diesem Mindset finden wir auch die für uns richtigen Informationen, um eigenständig für unsere Gesundheit entscheiden zu können.

Beispiele für sattvisches Essen:

  • frisch geerntetes und frisch gekochtes Gemüse in der jeweiligen Saison, frei von Chemikalien und Zusatzstoffen (Ausnahme: Nachtschattengewächse, Pilze, Zwiebeln, Knoblauch)
  • frisches, reifes, süßes Obst der Saison
  • Rosinen, getrocknete Datteln und Feigen
  • hochwertiges Getreide wie Reis, Hafer, Dinkel, Kamut, Quinoa, Gerste, Einkorn, Emmer
  • Mungbohnen und Linsen
  • Rohmilch, Ghee, Honig, (gelten in der richtigen Qualität und Quantität als Nektar)
  • Mandeln, Sesam, Kürbiskerne, andere Nüsse und Samen in kleinen Mengen (Studentenfutter)
  • frische und getrocknete Kräuter und Gewürze
  • generell süße und saftige Zutaten (juicy)
  • hochwertige Süßmittel in sehr kleinen Mengen (aus Kokosblüten oder Datteln, Jaggery, Ahornsirup, Reissirup etc.)
  • wohlschmeckende Gerichte ohne Übermaß an Würze, Zucker und Salz
  • maßvolle Menge
  • Wasser, Kräutertees, Gewürztees

Diese Lebensmittel findet man auf dem Wochenmarkt, im Hofladen, in guten Bioläden und vor allem in Restaurants, die sich dieser Qualität verschreiben.

Eine sattvische Lebensweise wird unterstützt mit Pausen, Yoga, Meditaion, TaiChi und vor allem einer starken Verbindung zur Natur incl. einem Leben im Rhythmus der Natur. Barfuß im Gras gehen, nachts den Sternenhimmel oder Vollmond bewundern, unter einem Baum meditieren, das alles stärkt unsere Ausgeglichenheit und kostet nix.

 

2. Nahrung für einen aktiven Geist (Rajas)

Förderlich für Dynamik, Zielorientierung und Motivation sind Lebensmittel, die anregen und aktivieren. Diese Energie hilft uns, die allfälligen Routinen des Lebens zu bewältigen: zur Arbeit gehen, kochen und essen, sportliche Aktivitäten, Kinder erziehen, Steuererklärungen ausfüllen usw.. Und den Leidenschaften zu folgen, die uns im Leben Freude geben, für die wir „brennen“.

Man nennt diese Lebensmittel und die verbundenen Eigenschaften rajasisch. Wer eher langsam und träge ist, wird durch diese Nahrung aktiviert, was zu mehr Antriebskraft und Entschlossenheit führt. Rajas stimuliert und fördert Appetit und Verdauung.

Die für unsere Zeit wichtigsten Eigenschaften: wach und aktiv im Leben stehen und für eine gerechte Zukunft eintreten. Kritisch bleiben und auch mal gegen den Strom schwimmen. Im rajasischen Mindset spüren manche den Willen, die eingerosteten und ungerechten „Systeme“ der Welt kräftig durchzuschütteln, auseinanderzubauen und gerechter, ökologischer, friedlicher wieder zusammenzufügen. Gepaart mit sattvischen Gedanken, könnte daraus tatsächlich etwas neues und fruchtbares entstehen, das der Gesellschaft als Ganzes zugute kommt.

Beispiele für rajasisches Essen:

  • sehr feuriges, saures oder salziges
  • öliges und frittiertes Essen
  • schwere und schwer verdauliche Nahrung
  • unreife und überreife Lebensmittel, saures Obst
  • Nachtschattengewächse (Tomaten, Kartoffeln, Paprika und Auberginen)
  • Zwiebeln und Knoblauch, Schnittlauch, Lauch, Frühlingszwiebeln
  • scharfe und übermäßig viele Gewürze, z.B. Chili, Meerrettich, Senfsamen, Pfeffer
  • Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier (in kleinen Mengen und Bioqualität)
  • minderwertige Zuckersorten wie Rohrohrzucker, weißer Zucker, Agavensirup
  • fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Essig, eingelegtes Gemüse, Soja
  • Kaffee, Schwarztee
  • Alkohol, Nikotin und andere Genussmittel in kleinen Mengen, Energydrinks
  • (sehr oft) Restaurantessen (wenn viel Salz, Gewürze und Zucker verwendet wird)

In kleinen Mengen können diese Lebensmittel anregend wirken. Wer sie überkonsumiert, wird leicht irritiert, ist latent aggressiv in Worten und Handlungen, neigt zu Übersäuerung und anderen Verdauungsproblemen. Das hohe Tempo der heutigen Lebensweise ist sehr rajasisch und führt leicht zu Stress, Burn-Out und Schmerzen durch Überforderung.
Die Überstimulation auf körperlicher und geistiger Ebene führt zu Ungeduld, Rastlosigkeit, Gier, Neid, Ehrgeiz, Überaktivität, Stress, Unaufrichtigkeit, Hochmut, Angst, und Suchtverhalten (Vergnügungssucht, Prestigesucht, Eifersucht, Arbeitssucht etc.). Der Fokus richtet sich verstärkt auf materielle Werte, Machtstreben, Egomanie, Konkurrenzdenken und Rechthaberei bis hin zum Fanatismus. Sehr aggressive und manipulative Menschen sind immer rajasisch. Die Medien, Politik und Spitzensport sind voll davon.

 

3. Nahrung für einen dumpfen Geist (Tamas)

Eine dritte Gruppe von Lebensmitteln unterstützen auf der einen Seite Stabilität, Entspannung, Stille, Tiefe und guten Schlaf. Auf der anderen Seite macht sie den Menschen träge, dumpf, lethargisch, müde und schwer. Man nennt sie und die damit verbundenen geistigen Attribute tamasisch.

Diese Ernährung fördert Illusion und Verwirrung, dem Geist fehlt die Orientierung, er neigt zu Fehleinschätzung, die Wahrnehmung ist getrübt, hate speech wird zum Alltag, man kann nicht mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden. Tamasische Nahrung ist eine tote Nahrung und verstärkt entzündliche Krankheiten.

Beispiele für tamasische Nahrungsmittel:

  • rajasisches Essen aus der vorigen Liste im Übermaß
  • minderwertiges, überlagertes oder unreifes Obst und Gemüse
  • überkochtes, abgestandenes, angebranntes, verunreinigtes und schlecht schmeckendes Essen
  • (mehrfach) aufgewärmtes Essen
  • Pilze (Ausnahme: Heilpilze wie Shitake, Reishi etc.)
  • ranzige Nüsse, Erdnüsse
  • H‑Milch und alle Milchprodukte aus Massentierhaltungs-Milch
  • weißer Haushaltszucker, Weißmehlprodukte, zuckrige Lebensmittel
  • Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier aus Massentierhaltung und in großer Menge
  • raffiniertes Tafelsalz, Geschmacksverstärker (Glutamat, Hefe)
  • genmanipulierte Nahrungsmittel
  • synthetische Zusätze wie Aromen, Farben, Konservierungsstoffe
  • Fastfood, Dosenessen, Mikrowellengerichte, Tiefkühlkost, Fertiggerichte, Instantprodukte
  • (sehr oft) Restaurantessen, speziell aus der Systemgastronomie
  • Alkohol (besonders Spirituosen), Nikotin und andere Genussmittel in großer Menge
  • Energydrinks in großen Mengen, Softdrinks

Folge einer solchen Nahrung sind Ignoranz, Depression, Unsicherheit, frühe Alterung, Dunkelheit, Pessimismus, Minderwertigkeitskomplexe, Feindschaft, Aggression, Unruhe, Verwirrung und starke Ängste. Die Gier nach Suchtmitteln kann zu Selbstzerstörung und Gewalttätigkeit führen. Menschen, die sich hauptsächlich aus dieser Gruppe ernähren, werden über kurz oder lang immer krank. Diese Lebensmittel sind tot und ermöglichen kein „nähren“, vor allem nicht des Gehirns.

Eine stark tamasische Person bewegt sich langsam, ist schwer, lethargisch und oft depressiv. Ein Lebensstil von entweder zu viel Trägheit oder zu viel Übertreibung verursacht mentale Dumpfheit und Energiemangel, was schließlich zu Erschöpfung führt. Ein Übermaß an Rajas führt zu Tamas.
Tamas wird auch gefördert durch übermäßigen Konsum von TV oder sozialen Medien und bewirkt die Abspaltung von der Natur. Die Sprache von tamasisch dominanten Menschen ist manchmal gewaltvoll und beleidigend. Mit dieser Geisteshaltung folgt man oft blind, sogar wenn man ungesunde Strukturen noch erkennen könnte. Paart sich ein rajasischer Mindset mit Tamas, können kränkelnde Systeme nicht zum guten verbessert werden, da die destruktiven Kräfte zu stark wirken.

 

Fazit

Wir nehmen immer Nahrung zu uns, die Bestandteile aus allen 3 Gruppen beinhalten. Welche Aspekte wir im Leben betonen möchten, lässt uns entscheiden, aus welcher Gruppe wir uns verstärkt ernähren.
Die sattvischen Lebensmitteln kann man nie überdosieren, doch sie stehen nicht immer und überall zur Verfügung. Deshalb ist eine Kombination mit aktivierenden (rajasischen) Lebensmitteln für unsere derzeitige Lebensweise am praktikabelsten.
Lebensmittel aus der tamasischen Gruppe nehmen heute den meisten Platz in Supermarkt und Restaurant/Kantine ein. Diese Entwicklung ist kaum 50 Jahre alt und der Grund dafür, dass sich neue körperliche und mentale Krankheitsbilder manifestieren, bei denen die Schulmedizin ratlos ist. Bzw. über Dauermedikation das Tamas noch erhöht. Die tamasischen Lebensmittel zu reduzieren und mit hauptsächlich sattvischen und etwas rasischen zu ersetzen führt auf den Weg in eine mentale Balance in destabilisierenden Zeiten.

Die Sahne auf der Torte: jede mentale Stabilisierung dient auch der Stärkung des körperlichen Immunsystems :-).

 

Photo: Bryan Reinhardt

Gegen den Blues

Puhh, das drückt aufs Gemüt. Wenn die Leitplanken des Lebens aufweichen, die gefühlten „Sicherheiten“ sich alles andere als sicher erweisen, das Vertrauen in Institutionen implodiert, Freundschaften Risse bekommen und man den sehnlichen Wunsch verspürt, das ganze möge bitte bald vorbei sein.

Alles, was den Geist zum schwingen bringt und unsere Lebensfreude nährt, ist derzeit verboten: Sport in der Gemeinschaft, Kino und Konzert, der gemütliche Abend im Gasthaus mit Freunden, Nähe und soziales Leben, und so vieles mehr. Also müssen wir andere Strategien zuhilfe nehmen, um gut durch diese Zeit zu kommen. Techniken, um die psychische Resilienz zu erhöhen sind z.B. Mediation, Yoga, TaiChi oder Achtsamkeitsübungen, Sport im Freien bzw. jede Form, sich so oft wie möglich mit der Natur zu verbinden. Aber auch die Strukturierung des Tages, digital fasting, weg von Internet und TV, dafür ein gutes Buch lesen oder Hobbies nachgehen.
Und für viele gilt: Zeit in der Küche verbringen mit der phantasievollen Kreation von leckeren Speisen hebt die Stimmung, ganz besonders wenn man die „mmmmmmhhh-lecker“ Kommentare der Mitesser zu hören bekommt.
Diese Anbindung an sich selber, seine Intuition und seine Empfindungen, das präsent und wahrhaftig sein, erzeugt eine innere Kongruenz, die wohltuend beruhigt und stabilisiert. 

 

Good Food – Happy Mood

Den wenigsten ist bewußt, wie sehr die Nahrung Einfluß nicht nur auf die physische Gesundheit hat, sondern auch auf unser Gehirn und unsere Lebensfreude. Und dass es spezielle Nahrungsmittel und Speisen gibt, die uns aktiv gute Laune machen können. Die Erkenntnisse dazu sind tatsächlich noch garnicht so lange erforscht. Heute weiß man jedoch, dass ein gesunder Darm die Glückshormone im Gehirn aktivieren kann. Gleichzeitig weiß man, dass Nahrungsmittel, die Übergewicht, Diabetes, Gluten- und Laktoseintoleranz begünstigen, die Lebensfreude in den Keller fahren. Deshalb sitzt eine Antwort für unser seelisches Wohlbefinden auch im Bauch, denn das Essen bestimmt, wie wir uns fühlen. In der derzeit so fremdbestimmten Situation können wir mit einfachen Küchetools selbstbestimmt einen kleinen (oder großen) Lichtblick in unser Leben bringen.

 

Das Mikrobiom

Entscheidend dafür ist eine gesunde und vielfältige Darmflora. Je mehr »gute« Mikroben im Darm angesiedelt sind, desto besser ist die Stimmung. Ein gesundes Mikrobiom entsteht durch überwiegend frische und faserreiche Pflanzenkost in Bioqualität. Zur richtigen Zeit in der richtigen Menge gegessen, verhindern hochwertige Nahrungsmittel nicht nur Giftstoffe im Körper, auch das gedankliche Gift wird stark reduziert. Zuckerhaltige, stark verarbeitete Industrieprodukte, schlechte Fette und Softdrinks erhöhen dagegen das Risiko von Entzündungen in Darm und Gehirn, was zu starker Beeinträchtigung der Stimmung führen kann.
Einen tieferen Einblick in die Verbindung Mikrobiom und Lebensfreude findet man in diesem Artikel des amerikanischen Ayurvedarztes Dr. John Douillard (engl.).

Im folgenden eine kleine Auflistung, wie Nahrungsmitteln die Stimmung beeinflussen:

Glücksbringer

  • Gemüse: Rote Bete, grünes Blattgemüse wie Mangold, Grünkohl und Spinat, Stangensellerie, Sauerkraut
  • Hülsenfrüchte. besonders Kichererbsen
  • Omega-3-Fettsäuren (Leinsamen, Hanfsamen, Chiasamen, Lachs, Makrele, Forelle, Sardinen, Algen)
  • Beeren
  • Hafer, Vollkornprodukte
  • hochwertige Milchprodukte
  • kaltgepresstes Olivenöl, Leinöl, Hanföl, Walnussöl
  • Paranüsse, Walnüsse, Kürbiskerne
  • die Gewürze Safran, Zimt, Kurkuma, Ingwer, Pfeffer
  • roher Honig
  • Bitterschokolade, Kakao
  • mediterrane Kost
  • Melissentee, Lavendeltee, Rosenblütentee
  • Johanniskraut, Süßholzwurzel

Glücksdiebe

  • Zucker
  • süßes Gebäck
  • Weizen
  • Weißmehl, Weißbrot, weißer Reis, weiße Pasta
  • minderwertige Milchprodukte
  • Lebensmittel mit chemischer Belastung (Pestizide etc.)
  • synthetische Zusätze (Aroma, Farbe, E-Nummern)
  • raffinierte Öle, Palmöl, Transfette
  • frittiertes Essen
  • rotes Fleisch
  • verarbeitete Fertiggerichte, Junkfood
  • aufgewärmtes Essen
  • Essen aus der Mikrowelle
  • zu viel Alkohol
Tryptophan, die Vorstufe zum Glück

Lebensmittel mit einem signifikanten Anteil an Tryptophan aktivieren im Gehirn die Bildung des »Glückshormons« Serotonin. Dazu gehören z. B. Kürbiskerne, Nüsse, Hafer, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Fisch und Käse.

 

Gute Laune mit Vitamin D

Vitamin D ist als Hormonvorstufe ein wichtiger Helfer bei der Umwandlung von Tryptophan in Serotonin. Der Körper bildet es selbst, wenn er über die Haut genug Sonne aufnehmen kann. Im Winter ist das nicht ausreichend möglich. Deshalb kann es nicht schaden, unser Vitamin D Depot ab und an mit Hilfe hochwertiger Nahrungsergänzungsmittel aufzufüllen. Das macht man am besten mit dem Arzt / der Ärztin seines Vertrauens.
Es gibt inzwischen sehr viel Literatur und Artikel zum Thema Vitamin D, durchaus auch kontrovers. Doch es verdichtet sich die Erkenntnis, dass Vitamin D deutliche Vorteile hat auf sehr vielen Ebenen unseres Organismus. Im Kontext mit der Covid-Erkrankung gibt es Hinweise darauf, dass eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung häufiger mit schweren Corona-Verläufen in Zusammenhang gebracht werden kann. Dies möglicherweise im Kontext mit den Vorerkrankungen der Patienten. Das englische Gesundheitsministerium hat immerhin prophylaktisch vor dem Winter seine Bürger mit kostenlosen Vit.D-Rationen unterstützt.

 

Fazit

Es ist durchaus möglich, dass wir noch eine unbestimmte weitere Zeit (oder immer wieder) auf unsere eigene Küchenapotheke für Körper und Geist zurückgreifen müssen. Wir haben ein starkes Werkzeug in der Hand, wenn wir so oft wie möglich frisch und mit hochwertigen Zutaten kochen. Und so selten wie möglich auf aufgewärmtes Essen und Fertigessen aus der Dose oder Tiefkühltruhe zurückgreifen. Dies garantiert glückliche Darmbakterien für einen glücklichen Geist. Für die ganze Familie.

 

Weiterführender Link

Der Wiener Psychotherapeut Raphael Bonelli gibt seit fast einem Jahr wertvolle Tipps, um gut durch die Corona-Krise zu kommen. Dieses aktuelle Video befasst sich mit 5 Auswegen aus der Depression.

 

© Beitragsphoto: ben-white@unsplash

Die Kraft der Prävention

Wie wollen wir leben auf einem gesunden Weg ins hohe Alter? Diese Frage beschäftigt viele und das seit tausenden von Jahren. Nun steht sie wie ein Brennglas im Raum und wir sind mehr oder weniger gezwungen, uns damit auseinander zu setzen. Ein besonders tückisches Virus konfrontiert uns mit unbeantworteten Gesundheitsfragen, aber auch mit Themen wie Vorsorge, Freiheit und Angst.

In diesem Spannungsfeld sind mir in den letzten Monaten immer wieder die Begriffe Keimtheorie (germ theory) und Terraintheorie (terrain theory) begegnet.

 

Die Keimtheorie

Sie wurde von Louis Pasteur aufgestellt und besagt, dass man in der Regel dann erkrankt, wenn man einem Infektionserreger (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten) ausgesetzt ist. In der Folge wird alles getan, um den Erreger mit medizinischer Intervention zu „eliminieren“, sei es durch Medikamente, Antibiotika oder Impfungen. In der Regel verspricht dieser Weg einen relativ schnellen Erfolg, wenn geeignete Mittel zur Bekämpfung der Krankheit vorhanden sind. Wenn das nicht geht wie in der aktuellen Pandemie, kommen hygienische Maßnahmen, Kontaktvermeidung und Maskentragen zum Einsatz.

 

Die Terraintheorie

Diese Theorie sieht das Krankheitsgeschehen ganzheitlicher. Sie wurde von Antoine Bechamp entwickelt und besagt, dass unser Gesundheitszustand durch die innere Umgebung (Terrain) unseres Körpers bestimmt wird, man kann es auch als inneres Milieu bezeichnen.
Diese Theorie wird duch die Erforschung des Mikrobioms in den letzten 20 Jahren untermauert. Ein Körper mit einem gesunden Mikrobiom oder Darmmilieu leistet einem Erreger ordentlich Widerstand und kann ihn evtl. selber „entsorgen“. Auch hier können Krankheitssymptome auftreten, die Verläufe sind aber sehr mild.

 

Welche Theorie ist nun die „richtige“?

Die 2 Ansätze werden gerne mit dem Beispiel eines Fisches visualisiert. Annahme: Der Fisch ist krank. In der Terraintheorie würde man sagen: reinige das Wasserbecken (clean the tank), in dem der Fisch schwimmt. In der Keimtheorie würde man dan Fisch isolieren, behandeln und evtl. impfen (isolate or vaccinate the fish). Das schmutzige Wasser würde im Becken bleiben.

fisch im glas

In den Diskussionen, die ich zu den Theorien gelesen habe, scheinen sich die 2 Lager dogmatisch gegenüberzustehen.

Die Keimtheoretiker glauben, das Milieu hat keinen Einfluss auf Krankheiten. Ein Erreger wird mit chemischer Intervention unschädlich gemacht und der Patient gesundet. Problem gelöst. Man muss nichts ändern, die Verantwortung wird an externe Faktoren abgegeben.
Wenn wir die Sichtweise darauf reduzieren, laufen wir Gefahr, dass wir in immer kürzeren Zeiträumen eine Infektionskrankheit nach der anderen mit immer neuen Keimen bekämpfen und uns niemals auf die Ursachen einlassen. Dazu müssten wir tiefer schauen, in die Themen Umweltschutz, gesunde Böden und artgerechte Tierhaltung. Und natürlich in die Lebens- und Ernährungsweise der Menschen. Es gibt keinen Erreger, der Diabetes oder Fettleibigkeit, Sucht und Depression verursacht. Aber jeder Erreger oder Virus findet im Umfeld eines trüben Wasserbeckens (Übergewicht, Diabetes, reduzierte Immunkraft, geschwächte Lungen durch Umwelt und Rauchen, etc.) ein fruchtbares Feld, um sich auszubreiten und Schaden anzurichten.

Die Terraintheoretiker haben in einer infektösen Erkrankung die Zeit gegen sich. Um ein ungesundes Mikrobiom in ein gutes Milieu zu verwandeln, bedarf es meist einer Umstellung zu guter Ernährung, regelmäßiger Bewegung, ausreichendem Schlaf, geringer Traumabelastung, stressfreiem Lebensstil. Das geht nicht von heute auf morgen, es kann Wochen, Monate oder länger dauern, bis die Maßnahmen zur „Reinigung des Beckens“ umgesetzt sind. Und es erfordert einiges an aktiver Mitarbeit.
Für manche sind es große Hürden,
schlechte Gewohnheiten aufzugeben, Gewicht zu reduzieren, Änderungen des Lebensstils vorzunehmen und chronischen Stress abzubauen. Es bedeutet auch, selber Verantwortung zu übernehmen für die Stärkung des Immunsystems. Die Nahrungsmittel-Industrie ist dabei übrigens kein Verbündeter. Die überdrehte Freizeitindustrie auch nicht. Helfen können Menschen, die sich damit auskennen, anfangen könnte man mit den Weisheiten der Großmütter. Oder alten Heiltraditionen wie Ayurveda und TCM.

 

Beide Theorien haben unterschiedliche Funktionen

Sie können sich ergänzen und gemeinsam den Menschen auf seinem Gesundheitsweg unterstützen. Sie werden je nach Kontext eingesetzt. Ein akut bedrohliches Virus ist mit der Terraintheorie schwerer zu bekämpfen. Hier würde man je nach Erkrankung eine keimtheoretische Behandlung wählen, sogar dann, wenn das Milieu kurzfrisitg weiter geschädigt werden könnte (z.B. längere Antibiotika-Behandlungen). Aber: In dieser Theorie ist der Keim ein „Feind“, dem man den Kampf ansagen muss. Bei vielen Menschen entsteht dadurch Angst, was das Immunsystem und die Heilungschancen mindert.

Auf der anderen Seite kann man klar erkennen: das Milieu beeinflusst die Wahrscheinlichkeit, Schwere und Dauer einer Infektion. Das Zauberwort heißt  Prävention, was der Terraintheorie entspricht. Es ist nie zu spät, damit zu beginnen. Es ist auch der Weg der ayurvedischen Weisen. Die ersten Kapitel ihrer umfangreichen Schriften waren den Themen Lebensstil und Ernährung gewidmet. „Clean the tank“ ist die Devise. Dies wiederum nimmt die Angst vor schwerer Krankheit und ermöglicht ein langes und gesundes Leben.

 

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