Essen für die mentale Balance

Men­tal aus­ge­gli­chen sein, das wün­schen sich die Men­schen der­zeit mehr denn je. Doch in psy­chi­schen Aus­nah­me­zei­ten erfor­dert es für vie­le einen ordent­li­chen Kraft­akt, um die fra­gi­le Balan­ce im Geist auf­recht zu halten.

Nun kommt die moder­ne Ernäh­rungs­leh­re, beein­flusst von der Mikro­bio­m­for­schung der letz­ten 20 Jah­re, immer wie­der zum Ergeb­nis, dass jede Mahl­zeit beein­flusst, wie wir uns men­tal füh­len. Wir ken­nen heu­te Lebens­mit­tel, die die Stim­mung direkt heben kön­nen. In mei­nem letz­ten blog­post habe ich eini­ge vor­ge­stellt. Doch man­che Effek­te ver­flie­gen schon nach ein paar Stun­den, wenn sie nur an einer wech­sel­haf­ten Ober­flä­che wir­ken.
Will man eine lang anhal­ten­de und tie­fe Wir­kung erzie­len, brauchts ein Set an Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten, das über Wochen, Mona­te und Jah­re unse­re Sicht auf uns und die Welt prägt: rosig oder eher dun­kel. Ent­spannt oder gestresst. Halb voll oder halb leer, usw.. For­scher gehen davon aus, dass die Wir­kung der Nah­rung auf die Psy­che so mäch­tig ist, dass wir uns ein Lebens­ge­fühl buch­stäb­lich her­bei essen können.

 

Der vedische Weg zum friedvollen Geist 

Auch vor tau­sen­den von Jah­ren gab es offen­sicht­lich her­aus­for­dern­de Zei­ten, in denen Ego, Gier, Angst und Hass über­hand­nah­men und Bauch, Herz und Hirn der Men­schen ins Ungleich­ge­wicht stürz­ten. In der Bha­ga­vad Gita, der wohl bekann­tes­ten phi­lo­so­phi­schen Schrift Indi­ens, wer­den 3 geis­ti­ge Eigen­schaf­ten Satt­va, Rajas und Tamas beschrie­ben und zusätz­lich ihr Kon­text mit Ernäh­rung dar­ge­stellt (17. Kapi­tel). Dabei gibt es 3 Grup­pen von Nah­rung­mit­teln, die unter­schied­li­che Wir­kun­gen auf die men­ta­le Befinglich­keit haben. Mit Wis­sen über die­sen Ein­fluss, kann man ent­schei­den, aus wel­chem „Topf” man sich ver­mehrt bedie­nen mag.

 

1. Nahrung für einen harmonischen Geist (Sattva)

Lebens­mit­tel in hoher Qua­li­tät, natur­be­las­sen und mög­lichst wenig ver­ar­bei­tet, dazu noch frisch, reif und wohl­schme­ckend, haben das größ­te Poten­ti­al, dem Esser Klar­heit, Frie­den, Har­mo­nie, Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und Lebens­freu­de zu ermög­li­chen. Ist die Mahl­zeit auch noch frisch gekocht, eher ein­fach als kom­pli­ziert und hat der Koch/die Köchin Freu­de in der Küche, wirkt das Essen ener­ge­ti­sie­rend, aus­glei­chend und ver­jün­gend.
Man nennt die­se Eigen­schaf­ten und das Resul­tat satt­visch.

Men­schen, die sich ver­mehrt satt­visch ernäh­ren, ent­wi­ckeln Gemein­schafts­ge­fühl, betei­li­gen sich an (ana­lo­gen) sozia­len Netz­wer­ken, ent­wi­ckeln Lie­be, Für­sor­ge, Ethik, Tole­ranz, Mit­ge­fühl, Demut, Auf­merk­sam­keit, Lang­le­big­keit, Leich­tig­keit im Leben/im Kör­per. In ihrer Spra­che sind sie fried­voll, das Wort, das mit f beginnt und mit k endet, kommt ihnen nie aus dem Mund. Eher mal ein Lie­bes­ge­dicht. Mit die­em Mind­set bringt man unwei­ger­lich auch Frie­den in sein direk­tes Umfeld.

Die Eigen­schaf­ten, die wir in der momen­ta­nen Situa­ti­on am meis­ten brau­chen, wer­den stark geför­dert: Klar­heit im Geist, star­ker mora­li­scher Kom­pass, das Erken­nen von Lügen, fake news und kor­rup­ten Men­schen. Mit die­sem Mind­set fin­den wir auch die für uns rich­ti­gen Infor­ma­tio­nen, um eigen­stän­dig für unse­re Gesund­heit ent­schei­den zu können.

Bei­spie­le für satt­vi­sches Essen:

  • frisch geern­te­tes und frisch gekoch­tes Gemü­se in der jewei­li­gen Sai­son, frei von Che­mi­ka­li­en und Zusatz­stof­fen (Aus­nah­me: Nacht­schat­ten­ge­wäch­se, Pil­ze, Zwie­beln, Knoblauch)
  • fri­sches, rei­fes, süßes Obst der Saison
  • Rosi­nen, getrock­ne­te Dat­teln und Feigen
  • hoch­wer­ti­ges Getrei­de wie Reis, Hafer, Din­kel, Kamut, Qui­noa, Gers­te, Ein­korn, Emmer
  • Mung­boh­nen und Linsen
  • Roh­milch, Ghee, Honig, (gel­ten in der rich­ti­gen Qua­li­tät und Quan­ti­tät als Nektar)
  • Man­deln, Sesam, Kür­bis­ker­ne, ande­re Nüs­se und Samen in klei­nen Men­gen (Stu­den­ten­fut­ter)
  • fri­sche und getrock­ne­te Kräu­ter und Gewürze
  • gene­rell süße und saf­ti­ge Zuta­ten (jui­cy)
  • hoch­wer­ti­ge Süß­mit­tel in sehr klei­nen Men­gen (aus Kokos­blü­ten oder Dat­teln, Jag­ge­ry, Ahorn­si­rup, Reis­si­rup etc.)
  • wohl­schme­cken­de Gerich­te ohne Über­maß an Wür­ze, Zucker und Salz
  • maß­vol­le Menge
  • Was­ser, Kräu­ter­tees, Gewürztees

Die­se Lebens­mit­tel fin­det man auf dem Wochen­markt, im Hof­la­den, in guten Bio­lä­den und vor allem in Restau­rants, die sich die­ser Qua­li­tät verschreiben.

Eine satt­vi­sche Lebens­wei­se wird unter­stützt mit Pau­sen, Yoga, Medi­tai­on, Tai­Chi und vor allem einer star­ken Ver­bin­dung zur Natur incl. einem Leben im Rhyth­mus der Natur. Bar­fuß im Gras gehen, nachts den Ster­nen­him­mel oder Voll­mond bewun­dern, unter einem Baum medi­tie­ren, das alles stärkt unse­re Aus­ge­gli­chen­heit und kos­tet nix.

 

2. Nahrung für einen aktiven Geist (Rajas)

För­der­lich für Dyna­mik, Ziel­ori­en­tie­rung und Moti­va­ti­on sind Lebens­mit­tel, die anre­gen und akti­vie­ren. Die­se Ener­gie hilft uns, die all­fäl­li­gen Rou­ti­nen des Lebens zu bewäl­ti­gen: zur Arbeit gehen, kochen und essen, sport­li­che Akti­vi­tä­ten, Kin­der erzie­hen, Steu­er­erklä­run­gen aus­fül­len usw.. Und den Lei­den­schaf­ten zu fol­gen, die uns im Leben Freu­de geben, für die wir „bren­nen“.

Man nennt die­se Lebens­mit­tel und die ver­bun­de­nen Eigen­schaf­ten raja­sisch. Wer eher lang­sam und trä­ge ist, wird durch die­se Nah­rung akti­viert, was zu mehr Antriebs­kraft und Ent­schlos­sen­heit führt. Rajas sti­mu­liert und för­dert Appe­tit und Verdauung.

Die für unse­re Zeit wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten: wach und aktiv im Leben ste­hen und für eine gerech­te Zukunft ein­tre­ten. Kri­tisch blei­ben und auch mal gegen den Strom schwim­men. Im raja­si­schen Mind­set spü­ren man­che den Wil­len, die ein­ge­ros­te­ten und unge­rech­ten „Sys­te­me” der Welt kräf­tig durch­zu­schüt­teln, aus­ein­an­der­zu­bau­en und gerech­ter, öko­lo­gi­scher, fried­li­cher wie­der zusam­men­zu­fü­gen. Gepaart mit satt­vi­schen Gedan­ken, könn­te dar­aus tat­säch­lich etwas neu­es und frucht­ba­res ent­ste­hen, das der Gesell­schaft als Gan­zes zugu­te kommt.

Bei­spie­le für raja­si­sches Essen:

  • sehr feu­ri­ges, sau­res oder salziges
  • öli­ges und frit­tier­tes Essen
  • schwe­re und schwer ver­dau­li­che Nahrung
  • unrei­fe und über­rei­fe Lebens­mit­tel, sau­res Obst
  • Nacht­schat­ten­ge­wäch­se (Toma­ten, Kar­tof­feln, Papri­ka und Auberginen)
  • Zwie­beln und Knob­lauch, Schnitt­lauch, Lauch, Frühlingszwiebeln
  • schar­fe und über­mä­ßig vie­le Gewür­ze, z.B. Chi­li, Meer­ret­tich, Senf­sa­men, Pfeffer
  • Fleisch, Fisch, Mee­res­früch­te, Eier (in klei­nen Men­gen und Bioqualität)
  • min­der­wer­ti­ge Zucker­sor­ten wie Roh­rohr­zu­cker, wei­ßer Zucker, Agavensirup
  • fer­men­tier­te Lebens­mit­tel wie Joghurt, Essig, ein­ge­leg­tes Gemü­se, Soja
  • Kaf­fee, Schwarztee
  • Alko­hol, Niko­tin und ande­re Genuss­mit­tel in klei­nen Men­gen, Energydrinks
  • (sehr oft) Restau­rant­essen (wenn viel Salz, Gewür­ze und Zucker ver­wen­det wird)

In klei­nen Men­gen kön­nen die­se Lebens­mit­tel anre­gend wir­ken. Wer sie über­kon­su­miert, wird leicht irri­tiert, ist latent aggres­siv in Wor­ten und Hand­lun­gen, neigt zu Über­säue­rung und ande­ren Ver­dau­ungs­pro­ble­men. Das hohe Tem­po der heu­ti­gen Lebens­wei­se ist sehr raja­sisch und führt leicht zu Stress, Burn-Out und Schmer­zen durch Über­for­de­rung.
Die Über­sti­mu­la­ti­on auf kör­per­li­cher und geis­ti­ger Ebe­ne führt zu Unge­duld, Rast­lo­sig­keit, Gier, Neid, Ehr­geiz, Über­ak­ti­vi­tät, Stress, Unauf­rich­tig­keit, Hoch­mut, Angst, und Sucht­ver­hal­ten (Ver­gnü­gungs­sucht, Pres­ti­ge­sucht, Eifer­sucht, Arbeits­sucht etc.). Der Fokus rich­tet sich ver­stärkt auf mate­ri­el­le Wer­te, Macht­stre­ben, Ego­ma­nie, Kon­kur­renz­den­ken und Recht­ha­be­rei bis hin zum Fana­tis­mus. Sehr aggres­si­ve und mani­pu­la­ti­ve Men­schen sind immer raja­sisch. Die Medi­en, Poli­tik und Spit­zen­sport sind voll davon.

 

3. Nahrung für einen dumpfen Geist (Tamas)

Eine drit­te Grup­pe von Lebens­mit­teln unter­stüt­zen auf der einen Sei­te Sta­bi­li­tät, Ent­span­nung, Stil­le, Tie­fe und guten Schlaf. Auf der ande­ren Sei­te macht sie den Men­schen trä­ge, dumpf, lethar­gisch, müde und schwer. Man nennt sie und die damit ver­bun­de­nen geis­ti­gen Attri­bu­te tama­sisch.

Die­se Ernäh­rung för­dert Illu­si­on und Ver­wir­rung, dem Geist fehlt die Ori­en­tie­rung, er neigt zu Fehl­ein­schät­zung, die Wahr­neh­mung ist getrübt, hate speech wird zum All­tag, man kann nicht mehr zwi­schen rich­tig und falsch unter­schei­den. Tama­si­sche Nah­rung ist eine tote Nah­rung und ver­stärkt ent­zünd­li­che Krankheiten.

Bei­spie­le für tama­si­sche Nahrungsmittel:

  • raja­si­sches Essen aus der vori­gen Lis­te im Übermaß
  • min­der­wer­ti­ges, über­la­ger­tes oder unrei­fes Obst und Gemüse
  • über­koch­tes, abge­stan­de­nes, ange­brann­tes, ver­un­rei­nig­tes und schlecht schme­cken­des Essen
  • (mehr­fach) auf­ge­wärm­tes Essen
  • Pil­ze (Aus­nah­me: Heil­pil­ze wie Shi­ta­ke, Rei­shi etc.)
  • ran­zi­ge Nüs­se, Erdnüsse
  • H‑Milch und alle Milch­pro­duk­te aus Massentierhaltungs-Milch
  • wei­ßer Haus­halts­zu­cker, Weiß­mehl­pro­duk­te, zuck­ri­ge Lebensmittel
  • Fleisch, Fisch, Mee­res­früch­te, Eier aus Mas­sen­tier­hal­tung und in gro­ßer Menge
  • raf­fi­nier­tes Tafel­salz, Geschmacks­ver­stär­ker (Glut­amat, Hefe)
  • gen­ma­ni­pu­lier­te Nahrungsmittel
  • syn­the­ti­sche Zusät­ze wie Aro­men, Far­ben, Konservierungsstoffe
  • Fast­food, Dosen­es­sen, Mikro­wel­len­ge­rich­te, Tief­kühl­kost, Fer­tig­ge­rich­te, Instantprodukte
  • (sehr oft) Restau­rant­essen, spe­zi­ell aus der Systemgastronomie
  • Alko­hol (beson­ders Spi­ri­tuo­sen), Niko­tin und ande­re Genuss­mit­tel in gro­ßer Menge
  • Ener­gy­drinks in gro­ßen Men­gen, Softdrinks

Fol­ge einer sol­chen Nah­rung sind Igno­ranz, Depres­si­on, Unsi­cher­heit, frü­he Alte­rung, Dun­kel­heit, Pes­si­mis­mus, Min­der­wer­tig­keits­kom­ple­xe, Feind­schaft, Aggres­si­on, Unru­he, Ver­wir­rung und star­ke Ängs­te. Die Gier nach Sucht­mit­teln kann zu Selbst­zer­stö­rung und Gewalt­tä­tig­keit füh­ren. Men­schen, die sich haupt­säch­lich aus die­ser Grup­pe ernäh­ren, wer­den über kurz oder lang immer krank. Die­se Lebens­mit­tel sind tot und ermög­li­chen kein „näh­ren“, vor allem nicht des Gehirns.

Eine stark tama­si­sche Per­son bewegt sich lang­sam, ist schwer, lethar­gisch und oft depres­siv. Ein Lebens­stil von ent­we­der zu viel Träg­heit oder zu viel Über­trei­bung ver­ur­sacht men­ta­le Dumpf­heit und Ener­gie­man­gel, was schließ­lich zu Erschöp­fung führt. Ein Über­maß an Rajas führt zu Tamas.
Tamas wird auch geför­dert durch über­mä­ßi­gen Kon­sum von TV oder sozia­len Medi­en und bewirkt die Abspal­tung von der Natur. Die Spra­che von tama­sisch domi­nan­ten Men­schen ist manch­mal gewalt­voll und belei­di­gend. Mit die­ser Geis­tes­hal­tung folgt man oft blind, sogar wenn man unge­sun­de Struk­tu­ren noch erken­nen könn­te. Paart sich ein raja­si­scher Mind­set mit Tamas, kön­nen krän­keln­de Sys­te­me nicht zum guten ver­bes­sert wer­den, da die destruk­ti­ven Kräf­te zu stark wirken.

 

Fazit

Wir neh­men immer Nah­rung zu uns, die Bestand­tei­le aus allen 3 Grup­pen beinhal­ten. Wel­che Aspek­te wir im Leben beto­nen möch­ten, lässt uns ent­schei­den, aus wel­cher Grup­pe wir uns ver­stärkt ernäh­ren.
Die satt­vi­schen Lebens­mit­teln kann man nie über­do­sie­ren, doch sie ste­hen nicht immer und über­all zur Ver­fü­gung. Des­halb ist eine Kom­bi­na­ti­on mit akti­vie­ren­den (raja­si­schen) Lebens­mit­teln für unse­re der­zei­ti­ge Lebens­wei­se am prak­ti­ka­bels­ten.
Lebens­mit­tel aus der tama­si­schen Grup­pe neh­men heu­te den meis­ten Platz in Super­markt und Restaurant/Kantine ein. Die­se Ent­wick­lung ist kaum 50 Jah­re alt und der Grund dafür, dass sich neue kör­per­li­che und men­ta­le Krank­heits­bil­der mani­fes­tie­ren, bei denen die Schul­me­di­zin rat­los ist. Bzw. über Dau­er­me­di­ka­ti­on das Tamas noch erhöht. Die tama­si­schen Lebens­mit­tel zu redu­zie­ren und mit haupt­säch­lich satt­vi­schen und etwas rasi­schen zu erset­zen führt auf den Weg in eine men­ta­le Balan­ce in desta­bi­li­sie­ren­den Zeiten.

Die Sah­ne auf der Tor­te: jede men­ta­le Sta­bi­li­sie­rung dient auch der Stär­kung des kör­per­li­chen Immunsystems :-).

 

Pho­to: Bryan Rein­hardt

Gegen den Blues

Puhh, das drückt aufs Gemüt. Wenn die Leit­plan­ken des Lebens auf­wei­chen, die gefühl­ten „Sicher­hei­ten” sich alles ande­re als sicher erwei­sen, das Ver­trau­en in Insti­tu­tio­nen implo­diert, Freund­schaf­ten Ris­se bekom­men und man den sehn­li­chen Wunsch ver­spürt, das gan­ze möge bit­te bald vor­bei sein.

Alles, was den Geist zum schwin­gen bringt und unse­re Lebens­freu­de nährt, ist der­zeit ver­bo­ten: Sport in der Gemein­schaft, Kino und Kon­zert, der gemüt­li­che Abend im Gast­haus mit Freun­den, Nähe und sozia­les Leben, und so vie­les mehr. Also müs­sen wir ande­re Stra­te­gien zuhil­fe neh­men, um gut durch die­se Zeit zu kom­men. Tech­ni­ken, um die psy­chi­sche Resi­li­enz zu erhö­hen sind z.B. Media­ti­on, Yoga, Tai­Chi oder Acht­sam­keits­übun­gen, Sport im Frei­en bzw. jede Form, sich so oft wie mög­lich mit der Natur zu ver­bin­den. Aber auch die Struk­tu­rie­rung des Tages, digi­tal fas­ting, weg von Inter­net und TV, dafür ein gutes Buch lesen oder Hob­bies nach­ge­hen.
Und für vie­le gilt: Zeit in der Küche ver­brin­gen mit der phan­ta­sie­vol­len Krea­ti­on von lecke­ren Spei­sen hebt die Stim­mung, ganz beson­ders wenn man die „mmm­m­m­mhhh-lecker” Kom­men­ta­re der Mit­es­ser zu hören bekommt.
Die­se Anbin­dung an sich sel­ber, sei­ne Intui­ti­on und sei­ne Emp­fin­dun­gen, das prä­sent und wahr­haf­tig sein, erzeugt eine inne­re Kon­gru­enz, die wohl­tu­end beru­higt und stabilisiert. 

 

Good Food — Happy Mood

Den wenigs­ten ist bewußt, wie sehr die Nah­rung Ein­fluß nicht nur auf die phy­si­sche Gesund­heit hat, son­dern auch auf unser Gehirn und unse­re Lebens­freu­de. Und dass es spe­zi­el­le Nah­rungs­mit­tel und Spei­sen gibt, die uns aktiv gute Lau­ne machen kön­nen. Die Erkennt­nis­se dazu sind tat­säch­lich noch gar­nicht so lan­ge erforscht. Heu­te weiß man jedoch, dass ein gesun­der Darm die Glücks­hor­mo­ne im Gehirn akti­vie­ren kann. Gleich­zei­tig weiß man, dass Nah­rungs­mit­tel, die Über­ge­wicht, Dia­be­tes, Glu­ten- und Lak­to­se­into­le­ranz begünstigen, die Lebens­freu­de in den Kel­ler fah­ren. Des­halb sitzt eine Ant­wort für unser see­li­sches Wohl­be­fin­den auch im Bauch, denn das Essen bestimmt, wie wir uns fühlen. In der der­zeit so fremd­be­stimm­ten Situa­ti­on kön­nen wir mit ein­fa­chen Küche­tools selbst­be­stimmt einen klei­nen (oder gro­ßen) Licht­blick in unser Leben bringen.

 

Das Mikrobiom

Ent­schei­dend dafür ist eine gesun­de und viel­fäl­ti­ge Darm­flo­ra. Je mehr »gute« Mikro­ben im Darm ange­sie­delt sind, des­to bes­ser ist die Stim­mung. Ein gesun­des Mikro­bi­om ent­steht durch überwiegend fri­sche und faser­rei­che Pflan­zen­kost in Bio­qua­li­tät. Zur rich­ti­gen Zeit in der rich­ti­gen Men­ge geges­sen, ver­hin­dern hoch­wer­ti­ge Nah­rungs­mit­tel nicht nur Gift­stof­fe im Kör­per, auch das gedank­li­che Gift wird stark redu­ziert. Zucker­hal­ti­ge, stark ver­ar­bei­te­te Indus­trie­pro­duk­te, schlech­te Fet­te und Soft­drinks erhö­hen dage­gen das Risi­ko von Entzündungen in Darm und Gehirn, was zu star­ker Beein­träch­ti­gung der Stim­mung führen kann.
Einen tie­fe­ren Ein­blick in die Ver­bin­dung Mikro­bi­om und Lebens­freu­de fin­det man in die­sem Arti­kel des ame­ri­ka­ni­schen Ayur­ve­darz­tes Dr. John Douil­lard (engl.).

Im fol­gen­den eine klei­ne Auf­lis­tung, wie Nah­rungs­mit­teln die Stim­mung beeinflussen:

Glücksbringer

  • Gemüse: Rote Bete, grünes Blattgemüse wie Man­gold, Grünkohl und Spi­nat, Stan­gen­sel­le­rie, Sauerkraut
  • Hülsenfrüchte. beson­ders Kichererbsen
  • Ome­ga-3-Fett­säu­ren (Lein­sa­men, Hanf­sa­men, Chia­sa­men, Lachs, Makre­le, Forel­le, Sar­di­nen, Algen)
  • Bee­ren
  • Hafer, Voll­korn­pro­duk­te
  • hoch­wer­ti­ge Milchprodukte
  • kalt­ge­press­tes Oli­ven­öl, Lein­öl, Hanf­öl, Walnussöl
  • Paranüsse, Walnüsse, Kürbiskerne
  • die Gewürze Safran, Zimt, Kur­ku­ma, Ing­wer, Pfeffer
  • roher Honig
  • Bit­ter­scho­ko­la­de, Kakao
  • medi­ter­ra­ne Kost
  • Melis­sen­tee, Laven­del­tee, Rosenblütentee
  • Johan­nis­kraut, Süßholzwurzel

Glücksdiebe

  • Zucker
  • süßes Gebäck
  • Wei­zen
  • Weiß­mehl, Weiß­brot, wei­ßer Reis, wei­ße Pasta
  • min­der­wer­ti­ge Milchprodukte
  • Lebens­mit­tel mit che­mi­scher Belas­tung (Pes­ti­zi­de etc.)
  • syn­the­ti­sche Zusät­ze (Aro­ma, Far­be, E‑Nummern)
  • raf­fi­nier­te Öle, Palm­öl, Transfette
  • frit­tier­tes Essen
  • rotes Fleisch
  • ver­ar­bei­te­te Fer­tig­ge­rich­te, Junkfood
  • auf­ge­wärm­tes Essen
  • Essen aus der Mikrowelle
  • zu viel Alkohol
Tryptophan, die Vorstufe zum Glück

Lebens­mit­tel mit einem signi­fi­kan­ten Anteil an Tryp­tophan akti­vie­ren im Gehirn die Bil­dung des »Glückshormons« Sero­to­nin. Dazu gehö­ren z. B. Kürbiskerne, Nüsse, Hafer, Voll­korn­ge­trei­de, Hülsenfrüchte, Fisch und Käse.

 

Gute Laune mit Vitamin D

Vit­amin D ist als Hor­mon­vor­stu­fe ein wich­ti­ger Hel­fer bei der Umwand­lung von Tryp­tophan in Sero­to­nin. Der Kör­per bil­det es selbst, wenn er über die Haut genug Son­ne auf­neh­men kann. Im Win­ter ist das nicht aus­rei­chend mög­lich. Des­halb kann es nicht scha­den, unser Vit­amin D Depot ab und an mit Hil­fe hoch­wer­ti­ger Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel aufzufüllen. Das macht man am bes­ten mit dem Arzt / der Ärz­tin sei­nes Ver­trau­ens.
Es gibt inzwi­schen sehr viel Lite­ra­tur und Arti­kel zum The­ma Vit­amin D, durch­aus auch kon­tro­vers. Doch es ver­dich­tet sich die Erkennt­nis, dass Vit­amin D deut­li­che Vor­tei­le hat auf sehr vie­len Ebe­nen unse­res Orga­nis­mus. Im Kon­text mit der Covid-Erkran­kung gibt es Hin­wei­se dar­auf, dass eine unzu­rei­chen­de Vit­amin-D-Ver­sor­gung häu­fi­ger mit schwe­ren Coro­na-Ver­läu­fen in Zusam­men­hang gebracht wer­den kann. Dies mög­li­cher­wei­se im Kon­text mit den Vor­er­kran­kun­gen der Pati­en­ten. Das eng­li­sche Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um hat immer­hin pro­phy­lak­tisch vor dem Win­ter sei­ne Bür­ger mit kos­ten­lo­sen Vit.D‑Rationen unterstützt.

 

Fazit

Es ist durch­aus mög­lich, dass wir noch eine unbe­stimm­te wei­te­re Zeit (oder immer wie­der) auf unse­re eige­ne Küchen­apo­the­ke für Kör­per und Geist zurück­grei­fen müs­sen. Wir haben ein star­kes Werk­zeug in der Hand, wenn wir so oft wie mög­lich frisch und mit hoch­wer­ti­gen Zuta­ten kochen. Und so sel­ten wie mög­lich auf auf­ge­wärm­tes Essen und Fer­tig­es­sen aus der Dose oder Tief­kühl­tru­he zurück­grei­fen. Dies garan­tiert glück­li­che Darm­bak­te­ri­en für einen glück­li­chen Geist. Für die gan­ze Familie.

 

Weiterführender Link

Der Wie­ner Psy­cho­the­ra­peut Rapha­el Bonel­li gibt seit fast einem Jahr wert­vol­le Tipps, um gut durch die Coro­na-Kri­se zu kom­men. Die­ses aktu­el­le Video befasst sich mit 5 Aus­we­gen aus der Depression.

 

© Bei­trags­pho­to: ben-white@unsplash

Die Kraft der Prävention

Wie wol­len wir leben auf einem gesun­den Weg ins hohe Alter? Die­se Fra­ge beschäf­tigt vie­le und das seit tau­sen­den von Jah­ren. Nun steht sie wie ein Brenn­glas im Raum und wir sind mehr oder weni­ger gezwun­gen, uns damit aus­ein­an­der zu set­zen. Ein beson­ders tücki­sches Virus kon­fron­tiert uns mit unbe­ant­wor­te­ten Gesund­heits­fra­gen, aber auch mit The­men wie Vor­sor­ge, Frei­heit und Angst.

In die­sem Span­nungs­feld sind mir in den letz­ten Mona­ten immer wie­der die Begrif­fe Keim­theo­rie (germ theo­ry) und Ter­rain­theo­rie (ter­rain theo­ry) begegnet.

 

Die Keimtheorie

Sie wur­de von Lou­is Pas­teur auf­ge­stellt und besagt, dass man in der Regel dann erkrankt, wenn man einem Infek­ti­ons­er­re­ger (Bak­te­ri­en, Viren, Pil­ze, Para­si­ten) aus­ge­setzt ist. In der Fol­ge wird alles getan, um den Erre­ger mit medi­zi­ni­scher Inter­ven­ti­on zu „eli­mi­nie­ren”, sei es durch Medi­ka­men­te, Anti­bio­ti­ka oder Imp­fun­gen. In der Regel ver­spricht die­ser Weg einen rela­tiv schnel­len Erfolg, wenn geeig­ne­te Mit­tel zur Bekämp­fung der Krank­heit vor­han­den sind. Wenn das nicht geht wie in der aktu­el­len Pan­de­mie, kom­men hygie­ni­sche Maß­nah­men, Kon­takt­ver­mei­dung und Mas­ken­tra­gen zum Einsatz.

 

Die Terraintheorie

Die­se Theo­rie sieht das Krank­heits­ge­sche­hen ganz­heit­li­cher. Sie wur­de von Antoi­ne Bech­amp ent­wi­ckelt und besagt, dass unser Gesund­heits­zu­stand durch die inne­re Umge­bung (Ter­rain) unse­res Kör­pers bestimmt wird, man kann es auch als inne­res Milieu bezeich­nen.
Die­se Theo­rie wird duch die Erfor­schung des Mikro­bi­o­ms in den letz­ten 20 Jah­ren unter­mau­ert. Ein Kör­per mit einem gesun­den Mikro­bi­om oder Darm­mi­lieu leis­tet einem Erre­ger ordent­lich Wider­stand und kann ihn evtl. sel­ber „ent­sor­gen”. Auch hier kön­nen Krank­heits­sym­pto­me auf­tre­ten, die Ver­läu­fe sind aber sehr mild.

 

Welche Theorie ist nun die „richtige”?

Die 2 Ansät­ze wer­den ger­ne mit dem Bei­spiel eines Fisches visua­li­siert. Annah­me: Der Fisch ist krank. In der Ter­rain­theo­rie wür­de man sagen: rei­ni­ge das Was­ser­be­cken (clean the tank), in dem der Fisch schwimmt. In der Keim­theo­rie wür­de man dan Fisch iso­lie­ren, behan­deln und evtl. imp­fen (iso­la­te or vac­ci­na­te the fish). Das schmut­zi­ge Was­ser wür­de im Becken bleiben.

fisch im glas

In den Dis­kus­sio­nen, die ich zu den Theo­rien gele­sen habe, schei­nen sich die 2 Lager dog­ma­tisch gegenüberzustehen.

Die Keim­theo­re­ti­ker glau­ben, das Milieu hat kei­nen Ein­fluss auf Krank­hei­ten. Ein Erre­ger wird mit che­mi­scher Inter­ven­ti­on unschäd­lich gemacht und der Pati­ent gesun­det. Pro­blem gelöst. Man muss nichts ändern, die Ver­ant­wor­tung wird an exter­ne Fak­to­ren abge­ge­ben.
Wenn wir die Sicht­wei­se dar­auf redu­zie­ren, lau­fen wir Gefahr, dass wir in immer kür­ze­ren Zeit­räu­men eine Infek­ti­ons­krank­heit nach der ande­ren mit immer neu­en Kei­men bekämp­fen und uns nie­mals auf die Ursa­chen ein­las­sen. Dazu müss­ten wir tie­fer schau­en, in die The­men Umwelt­schutz, gesun­de Böden und art­ge­rech­te Tier­hal­tung. Und natür­lich in die Lebens- und Ernäh­rungs­wei­se der Men­schen. Es gibt kei­nen Erre­ger, der Dia­be­tes oder Fett­lei­big­keit, Sucht und Depres­si­on ver­ur­sacht. Aber jeder Erre­ger oder Virus fin­det im Umfeld eines trü­ben Was­ser­be­ckens (Über­ge­wicht, Dia­be­tes, redu­zier­te Immun­kraft, geschwäch­te Lun­gen durch Umwelt und Rau­chen, etc.) ein frucht­ba­res Feld, um sich aus­zu­brei­ten und Scha­den anzurichten.

Die Ter­rain­theo­re­ti­ker haben in einer infek­tö­sen Erkran­kung die Zeit gegen sich. Um ein unge­sun­des Mikro­bi­om in ein gutes Milieu zu ver­wan­deln, bedarf es meist einer Umstel­lung zu guter Ernäh­rung, regel­mä­ßi­ger Bewe­gung, aus­rei­chen­dem Schlaf, gerin­ger Trauma­be­las­tung, stress­frei­em Lebens­stil. Das geht nicht von heu­te auf mor­gen, es kann Wochen, Mona­te oder län­ger dau­ern, bis die Maß­nah­men zur „Rei­ni­gung des Beckens“ umge­setzt sind. Und es erfor­dert eini­ges an akti­ver Mit­ar­beit.
Für man­che sind es gro­ße Hür­den,
schlech­te Gewohn­hei­ten auf­zu­ge­ben, Gewicht zu redu­zie­ren, Ände­run­gen des Lebens­stils vor­zu­neh­men und chro­ni­schen Stress abzu­bau­en. Es bedeu­tet auch, sel­ber Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men für die Stär­kung des Immun­sys­tems. Die Nah­rungs­mit­tel-Indus­trie ist dabei übri­gens kein Ver­bün­de­ter. Die über­dreh­te Frei­zeit­in­dus­trie auch nicht. Hel­fen kön­nen Men­schen, die sich damit aus­ken­nen, anfan­gen könn­te man mit den Weis­hei­ten der Groß­müt­ter. Oder alten Heil­tra­di­tio­nen wie Ayur­ve­da und TCM

 

Beide Theorien haben unterschiedliche Funktionen

Sie kön­nen sich ergän­zen und gemein­sam den Men­schen auf sei­nem Gesund­heits­weg unter­stüt­zen. Sie wer­den je nach Kon­text ein­ge­setzt. Ein akut bedroh­li­ches Virus ist mit der Ter­rain­theo­rie schwe­rer zu bekämp­fen. Hier wür­de man je nach Erkran­kung eine keim­theo­re­ti­sche Behand­lung wäh­len, sogar dann, wenn das Milieu kurz­fri­sitg wei­ter geschä­digt wer­den könn­te (z.B. län­ge­re Anti­bio­ti­ka-Behand­lun­gen). Aber: In die­ser Theo­rie ist der Keim ein „Feind”, dem man den Kampf ansa­gen muss. Bei vie­len Men­schen ent­steht dadurch Angst, was das Immun­sys­tem und die Hei­lungs­chan­cen mindert.

Auf der ande­ren Sei­te kann man klar erken­nen: das Milieu beein­flusst die Wahr­schein­lich­keit, Schwe­re und Dau­er einer Infek­ti­on. Das Zau­ber­wort heißt  Prä­ven­ti­on, was der Ter­rain­theo­rie ent­spricht. Es ist nie zu spät, damit zu begin­nen. Es ist auch der Weg der ayur­ve­di­schen Wei­sen. Die ers­ten Kapi­tel ihrer umfang­rei­chen Schrif­ten waren den The­men Lebens­stil und Ernäh­rung gewid­met. „Clean the tank” ist die Devi­se. Dies wie­der­um nimmt die Angst vor schwe­rer Krank­heit und ermög­licht ein lan­ges und gesun­des Leben.

 

Titel­bild aus Pixabay/Elenza

Ayurvedische Sicht auf Epidemien

Die Wis­sen­schaf­ten der letz­ten Jahr­zehn­te bestä­ti­gen immer wie­der alte, tra­di­tio­nel­le Heil­leh­ren. Ein Para­dies für uns Ayur­ve­dis oder die Ver­tre­ter der Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Medi­zin. Die Erfor­schung des Mikro­bi­o­ms und die Chro­no­bio­lo­gie (Medi­zin-Nobel­preis 2017) sind bes­te Bei­spie­le.
Nun gibt es in den über 2000 Jahe alten Tex­ten der Ayur­ve­dis — man hören und stau­ne — ein Kapi­tel über Epi­de­mien (1). Wie sie ent­ste­hen, sich mani­fes­tie­ren und was man dage­gen tun kann. Man kann­te damals Krank­hei­ten, die eine gan­ze Regi­on oder ein gan­zes Land betref­fen und zer­stö­ren kön­nen (heu­te Epi­de­mien). Das Kapi­tel schil­dert einen Dia­log zwi­schen dem Meis­ter Atreya und sei­nem Schü­ler Agni­ve­sa. Über die Aktua­li­tät der Aus­sa­gen war ich bei jedem Satz ein ums ande­re Mal verblüfft.

 

Die Charakteristik von Epidemien

Agni­ve­sa fragt: Wie kommt es, dass Men­schen mit unter­schied­li­cher Vita­li­tät, Lebens­wei­se, Ernäh­rung, geis­ti­ger Fähig­kei­ten und Alter gleich­zei­tig von der­sel­ben epi­de­mi­schen Krank­heit betrof­fen wer­den können?”

Atreya ant­wor­tet: „Agni­ve­sha! Obwohl die phy­si­sche Kon­sti­tu­ti­on des Men­schen unter­schied­lich sein kann, gibt es exter­ne Fak­to­ren, die allen Indi­vi­du­en gemein­sam sind: Luft, Was­ser, Erde/Boden und Jah­res­zei­ten (sans­krit: Vayu, Jala, Desha und Kala). Eine abnor­ma­le Ver­än­de­rung bzw. Ver­schmut­zung die­ser Natur­ele­men­te führt zu öko­lo­gi­schen Ungleich­ge­wich­ten und dar­aus resul­tie­ren­den zer­stö­re­ri­schen Krankheiten”.

Atreya beschreibt im wei­te­ren Ver­lauf, wie sich die unheil­vol­len Ver­än­de­run­gen zeigen:

  • Die Luft­ver­schmut­zung wird bestimmt von einer Häu­fung von Wind­stil­le oder über­mä­ßi­gen Stür­men, Wir­bel­stür­men und Zyklo­nen. Hit­ze­pe­ri­oden und Käl­te­ein­brü­che sind ein wei­te­rer Fak­tor, eben­so das Vor­han­den­sein von unge­sun­dem Geruch, Gasen, Sand, Asche und Rauch.
  • Eine Was­ser­ver­schmut­zung erkennt man an abnor­ma­lem Geruch, Far­be und Geschmack, einer bestimm­ten Kleb­rig­keit und dar­an, dass es kei­ne Was­ser­vö­gel sowie kaum Fische gibt und ande­re Tie­re das Was­ser nicht trin­ken würden.
  • Die Ver­schmut­zung des Bodens defi­niert er mit abnor­ma­ler Far­be, Geruch und Geschmack, unge­wöhn­li­cher Kleb­rig­keit, einer über­mä­ßi­gen Anzahl u.a. von Schlan­gen, Mücken, Flie­gen, Rat­ten, Gei­ern und Scha­ka­len sowie Unkraut und Kriech­pflan­zen. Aus­ge­laug­te und aus­ge­trock­ne­te Böden sind wei­te­re Merk­ma­le. Die Ern­ten blei­ben aus bzw. wer­den von Schäd­lin­gen ver­nich­tet. Unwet­ter, Über­schwem­mun­gen, Erd­be­ben und Natur­ka­ta­stro­phen tre­ten gehäuft auf. Eben­so wird die Rauch­ent­wick­lung am Boden erwähnt.
  • Ungüns­ti­ge Ände­run­gen in den Jah­res­zei­ten zei­gen sich, wenn ihr Ver­lauf zu früh oder spät ein­setzt oder es für die Jah­res­zeit zu kalt oder zu heiß ist. Ver­än­de­rung der Pla­ne­ten und der Son­ne, die sich kup­fer­rot oder sehr weiß färbt, dau­er­haft trü­be, wie von Wol­ken ver­han­gen ist, wer­den eben­falls beschrieben.

 

Die Ursache von Epidemien

Dann fragt Agni­ve­sa Atreya: „Meis­ter! Was ist die Haupt­ur­sa­che für das Ungleich­ge­wicht und die Ver­schmut­zung, die ein Fak­tor für zer­stö­re­ri­sche Epi­de­mien sind?” 

Atrey­as Ant­wort: „Die Haupt­ur­sa­che für eine Epi­de­mie ist Unge­rech­tig­keit. Wenn z,B. die Herr­scher von Staa­ten, Städ­ten und Gemein­schaf­ten nicht mehr dem recht­schaf­fe­nen Weg fol­gen und ihre Unter­ge­be­nen unge­recht behan­deln, tra­gen die­se ein­fa­chen Men­schen aus Dör­fern und Städ­ten und die Kauf­leu­te die­ses unre­de Ver­hal­ten wei­ter. Wenn Gerech­tig­keit und Tugend ver­schwin­den, hat die Unge­rech­tig­keit die Ober­hand und die Göt­ter ver­las­sen die­sen Ort. An die­sen Plät­zen ver­än­dern sich die Jah­res­zei­ten, z.B. es reg­net nicht zur rich­ti­gen Zeit, gar nicht oder es gibt abnor­ma­le Nie­der­schlä­ge, Der Wind weht nicht rich­tig, die Böden sind beein­träch­tigt, die Was­ser­re­ser­voirs trock­nen aus. In die­sem Pro­zess ver­lie­ren Kräu­ter ihre Wirk­sam­keit und ster­ben ab, Lebens­mit­tel ver­lie­ren ihren Nähr­wert, die Trink­quel­len sind beein­träch­tigt. Dar­aus fol­gen Epidemi­en auf­grund ver­schmutz­ter Umwelt und Lebensmittel.

Eben­so ist Unge­rech­tig­keit eine Ursa­che für die Zer­stö­rung von Gemein­schaft und sozia­lem Leben durch Krieg. Auf­grund von zuneh­men­der Gier, Wut, Anhaf­tung und Ego, grei­fen sich Men­schen in Tötungs­ab­sicht gegen­sei­tig an. Sie kön­nen den Feind angrei­fen oder von ihm ange­grif­fen wer­den, weil sie als schwach ange­se­hen werden.

 

Atrey­as Ant­wort bezieht sich hier auf die Begrif­fe von Dhar­ma und Adhar­ma. Dhar­ma wird mit Ethik, Recht, Gerech­tig­keit, Tugend, Wahr­haf­tig­keit, Beschei­den­heit oder Reli­gi­on über­setzt. Adhar­ma ist das genaue Gegen­teil, das in fal­sches Ver­hal­ten, fal­sche Lebens­füh­rung, fal­sches Vor­bild, Belei­di­gung des eige­nen Intel­lekts (sans­krit: pra­j­na­pa­ra­dha) und letzt­lich immer in die Kri­se führt. Ein unrei­nes Herz oder ein Man­gel an Tugend  stört die sub­ti­len Rhyth­men der Natur, von denen unser Leben abhängt. 

Aus die­sem Kon­text lässt sich schlie­ßen, dass die Immun­kraft auf­grund der beschrie­be­nen mate­ri­el­len und psy­chi­schen Fak­to­ren abnimmt und der Kör­per anfäl­lig wird für ver­schie­de­ne Infek­tio­nen. Die Pro­ble­me der Men­schen beein­träch­ti­gen in Fol­ge auch die Tier- und Pflan­zen­welt und ver­min­dern die Lebens­en­er­gie so stark, dass die Abwehr­me­cha­nis­men nicht mehr aus­rei­chen, um Epi­de­mien zu verhindern. 
Das ein­zi­ge Mit­tel, um eine Pest zu bekämp­fen, ist all­ge­mei­ner Anstand. Albert Camus, The Pla­gue, 1947
 

Vorbeugung und Hilfreiche Maßnahmen bei Epidemien

Atreya erklärt Agnis­e­sha: Des­halb, O! Agni­ve­sha, sollt ihr medi­zi­ni­sche Kräu­ter sam­meln, bevor die Böden zer­stört sind und ihre Frucht­bar­keit ver­lie­ren, was zu Beein­träch­ti­gun­gen des Geschmacks, der Potenz, der trans­for­ma­to­ri­schen Wir­kung und der spe­zi­fi­schen Heil­ei­gen­schaf­ten führt. Wir wer­den mit die­sen poten­ten Kräu­tern epi­de­mi­sche Krank­hei­ten lin­dern, vor­aus­ge­setzt, die Kräu­ter wer­den recht­zei­tig gesam­melt, ver­ar­bei­tet, kon­ser­viert und ord­nungs­ge­mäß verabreicht”.

Zusätz­li­che ayur­ve­di­sche Heil­me­tho­den sieht Atreya als Rezept für das, was er „das Manage­ment und den Schutz des Lebens in einer Zeit der Epi­de­mie“ nann­te. Auf der kör­per­li­chen Ebe­ne ist das z.B. die Rei­ni­gungs­kur Pan­cha­k­ar­ma und die Behand­lung mit stär­ken­den Eli­xie­ren (Rasaya­nas) aus den recht­zei­tig gesam­mel­ten Heil­pflan­zen. Eben­so ein Lebem in Ruhe, Har­mo­nie und im Rhyth­mus der Natur (Tages- und Jah­res­zei­ten), der Auf­ent­halt an fried­li­chen Orten und das Woh­nen in einem gesun­den Zuhause.

Auf der men­ta­len Ebe­ne wird ein tugend­haf­tes Leben emp­foh­len. Die Wir­kung von Wahr­haf­tig­keit, Mit­ge­fühl für Lebe­we­sen, Respekt vor der Natur, Wohl­tä­tig­keit, reli­giö­se Pra­xis oder Man­tra­sin­gen wer­den als sehr effek­tiv ange­se­hen. Eben­so die Gemein­schaft und der Aus­tausch mit Älte­ren, Gebil­de­ten und Wei­sen, die sich durch Selbst­be­herr­schung, Glau­ben und einen rei­nen Geist auszeichnen.

 

Conclusio

Die­ser Text ist ein Spie­gel für die The­men unse­rer Zeit. Wir fin­den Hin­wei­se zu Kli­ma­ver­än­de­rung, der Aus­wir­kung von Luft­ver­schmut­zung durch Indus­trie, Brand­ro­dung und Wald­brän­de (die rote Son­ne im rauch­ver­han­ge­nen Him­mel), Dür­ren, Über­schwem­mun­gen, der Min­de­rung der Nah­rungs­mit­tel- und Was­ser­qua­li­tät, usw.. Zahl­rei­che Wis­sen­schaft­ler haben in den letz­ten Mona­ten immer wie­der auf die Ver­knüp­fung von Kli­ma und Epi­de­mien hin­ge­wie­sen. Der öster­rei­chi­sche Gesund­heits­öko­lo­ge Cle­mens Arvay hat ein lesens­wer­tes Buch „Wir kön­nen es bes­ser” dazu ver­öf­fent­licht. Lösen wir das Kli­ma­pro­blem, wer­den wir alle gesün­der leben, das ist auch mei­ne per­sön­li­che Überzeugung.

Eben­so fin­den wir im Text Hin­wei­se zu Fol­gen von kor­rup­ten Eli­ten und Macht­ha­bern (der Fisch stinkt vom Kopf), der Sche­re zwi­schen arm und reich, dem Ver­lust von sozia­ler Gerech­tig­keit, der Spal­tung der Gesell­schaft, usw.. Ver­blei­ben wir in die­sem Adhar­ma-Zustand, wer­den wir in einer per­ma­nen­ten Kri­se leben mit all den bekann­ten gesund­heit­li­chen, men­ta­len und sozia­len Fol­gen und ab und an in einem epidemischen/pandemischen Ausnahmezustand. 

Doch wir kön­nen kraft­voll gegen­steu­ern. Ein authen­ti­sches und auf­rich­ti­ges Leben füh­ren, auf die Gesund­heit ach­ten, Men­schen und Flücht­lin­gen in Not hel­fen, geeig­ne­te Cha­rak­te­re in Füh­rungs­po­si­tio­nen wäh­len und vie­les mehr.
Dies kre­iert eine heil­sa­me Ener­gie, die das eige­ne Umfeld und weit dar­über hin­aus tau­sen­de von Men­schen indi­rekt posi­tiv beein­flus­sen kann. Gutes Essen, Medi­ta­ti­on, Yoga, Atem­übun­gen, Ent­span­nung, sozia­les Enga­ge­ment sind z.B. per­fek­te Werk­zeu­ge auf die­sem Weg. 

 

Quel­len: (1) Jana­pa­dodhwansani­yam / Cha­ra­ka Sam­hi­ta, Vima­na stahna, Ch.3

Wei­te­re Links: sehens­wer­tes Video von Dr. John Douil­lard zu Ayur­ve­da und Epidemien

Titel-Pho­to by Tonik on Unsplash

Das Immunsystem „hochfahren”

Lang­sam und vor­sich­tig beginnt ein neu­er Lebens­ab­schnitt. Wir dür­fen das home­of­fice ver­las­sen, uns mit der erwei­ter­ten Fami­lie und Freun­den tref­fen, ins Restau­rant gehen und im Park Yoga machen. Wer noch Lust und Geld zum Shop­pen hat kann auch das fast unein­ge­schänkt wie­der tun. Was fehlt ist die früh­lings­haf­te Leich­tig­keit, die uns in die­sen Wochen nor­ma­ler­wei­se auf allen Ebe­nen auf­le­ben lässt.

Für die meis­ten von uns stellt sich nach den Lock­down-Ein­schrän­kun­gen nun die Fra­ge, wie wir nach den Locke­run­gen „wei­ter machen“. Was wir ändern (oder auch bei­be­hal­ten) möch­ten im Leben. Und vor allem wie wir sicher­ge­hen, dass wir gesund blei­ben und dem Virus angst­frei begeg­nen können.

 

Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen

Es gibt eine Ant­wort, die uns sehr viel Macht gibt, aber auch unse­re vol­le Eigen­ver­ant­wor­tung ein­for­dert. Wir bestim­men über­wie­gend sel­ber, wie stark unser Immunys­tem Ein­dring­lin­ge abweh­ren kann. Wie leicht oder schwer wir auf all­fäl­li­ge Gesund­heits­ri­si­ken reagie­ren. Vie­len ist gar­nicht bewußt, wie viel Selbst­hei­lungs­kräf­te in uns ste­cken, wie­vie­le Krank­hei­ten wir eh per­ma­nent abweh­ren, wenn unser Immun­sys­tem sei­nen Job machen kann. Die stärks­ten Unter­stüt­zer sind dabei Ernäh­rung, Lebens­stil, Bewe­gung, Schlaf und Gelassenheit.

Heu­te (Mit­te Mai) sind wir in der Situa­ti­on, dass wir gleich­zei­tig viel und wenig über Coro­na­vi­ren wis­sen. Die Wis­sen­schaft­ler und Medi­zi­ner sind sich über vie­le Din­ge nicht ganz klar und vor allem nicht einig. Es wird noch dau­ern, bis alle Fak­ten gesam­melt und aus­ge­wer­tet sind. Ganz wird das nie gelin­gen, vie­les wird in dem Daten­sa­lat ver­schwom­men und kon­tro­vers dis­ku­tier­bar blei­ben, damit wer­den wir leben müssen.

Aber das spielt kei­ne Rol­le für unse­ren ganz per­sön­li­chen Gesund­heits­plan. In unse­rer direkt erleb­ba­ren Wahr­neh­mung gibt es einen Virus und unse­re Gesund­heit. Damit die­se zwei sich nicht nega­tiv beein­flus­sen gibt es Emp­feh­lun­gen, auf die wir uns rela­tiv leicht ver­stän­di­gen kön­nen. Z.B. dass regel­mä­ßi­ges Hän­de­wa­schen eine gute Idee ist. Oder dass man zuhau­se blei­ben soll­te, wenn man sich fieb­rig und geschwächt fühlt. Ein rück­sichts­vol­les Mit­ein­an­der wird noch für eine län­ge­re Zeit einen gewis­sen Abstand zu ande­ren Men­schen erfor­dern. Vie­le über­brü­cken die­se räum­li­che Distanz mit Herzenswärme.

Mehr ist nicht zu tun. Wir kön­nen pro­ak­tiv han­deln, uns ohne Angst stär­ken und schüt­zen und damit auch für die Men­schen um uns her­um sor­gen. Ich gehe davon aus, dass durch die Angst und Panik in vie­len Hot­spots eine kol­lek­ti­ve Immun­schwä­chung statt­ge­fun­den hat. Das gilt es für die Zukunft zu verhindern.

Gehen wir davon aus, dass Viren uns schon immer beglei­tet haben und das wei­ter­hin wer­den, ist unser stärks­ter Game­ch­an­ger ein gesun­der Kör­per. Das momen­ta­ne Coro­na-Virus ist tücki­scher als ande­re, aber die meis­ten Men­schen schei­nen asym­pto­ma­tisch oder mit eher leich­te­ren Sym­pto­men zu reagie­ren. Anders als die SARS-Epi­de­mie 2002 traf das neue Coro­na­vi­rus aller­dings auf eine Bevöl­ke­rung, die sich in den letz­ten 10–15 Jah­ren wesent­lich unge­sün­der ernährt und kräf­te­mä­ßig am Anschlag gelebt hat. Es ist durch­aus mög­lich, dass die­ses Virus uns vor 15 Jah­ren weit weni­ger belas­tet hätte.

 

Die Grenzen des Public Health

Wie und wo das öffent­li­che Gesund­heits­we­sens an sei­ne Gren­zen stößt haben wir schmerz­lich erlebt. Und wir zäh­len in Deutsch­land und Öster­reich zu den Glück­li­che­ren, wofür ich sehr dank­bar bin. In die­sem Kon­strukt sind wir eher macht­los und die ange­bo­te­nen Lösun­gen beschrän­ken sich auf Medi­ka­men­te und Impf­stof­fe, die dem Spuk ein Ende berei­ten sol­len. So opti­mis­tisch ich beim ers­te­ren bin, so unwahr­schein­lich erscheint mir eine schnel­le Lösung durch einen ver­ant­wor­tungs­voll aus­ge­tes­te­ten Impf­stoff. Nicht zuletzt des­halb schrei­be ich die­ses Plä­doy­er für die Stär­kung des Immun­sys­tems in Eigen­re­gie, denn das ist rela­tiv ein­fach zu bewerkstelligen.

Von den Gesund­heits­mi­nis­tern wer­den lei­der kei­ne Infor­ma­tio­nen geteilt zur Stär­kung des Immun­sys­tems. Dass da mal einer sagen wür­de, dass gute Ernäh­rung, viel Bewe­gung und aus­rei­chend Schlaf gesund hält?
Aber dann den­ke ich, wenn Polit­kern unse­re Gesund­heit wirk­lich ein Anlie­gen wäre, wenn „Leben ret­ten” Prio­ri­tät hät­te, dann gäbe es gut bezahl­te Pfle­ge­kräf­te, kein Gly­pho­sat auf den Fel­dern, elen­de Bedin­gun­gen in der Mas­sen­tier­hal­tung oder völ­lig über­zu­cker­te Kin­der­le­bens­mit­tel. Die nähr­stoffreie und pes­ti­zid-belas­te­ten Lebens­mit­tel in den Super­märk­ten kann man auch lega­li­sier­te Ver­gif­tung nen­nen. Dafür hät­ten wir Lebens­mit­telam­peln, auf­klä­ren­de Hin­wei­se auf den Ver­pa­ckun­gen von beson­ders krank­ma­chen­dem Junk­food, Kam­pa­gnen für prä­ven­ti­ve Gesund­heits­maß­nah­men, Ernäh­rungs­leh­re in der Schu­le, fri­sches und gesun­des Essen in Kan­ti­nen und jetzt kom­me ich vom The­ma ab… ;-).

 

Erfolgreich das Immunsystem stärken

Dies sind die wich­tigs­ten immun­stär­ken­den Tipps, als Spick­zet­tel für die nächs­te Pres­se­kon­fer­nez unse­rer Gesundheitsminister.

 

1. Sich viel in der Natur bewegen

Der Früh­ling mit sei­nen vie­len son­ni­gen Tagen ist wie von Gott gesandt, als Hil­fe in die­ser ange­spann­ten Zeit. Wir kön­nen fri­sche Luft tan­ken, spa­zie­ren oder wan­dern gehen, Rad fah­ren, an einem Fluss oder See sit­zen, je nach­dem wo man zuhau­se ist. Bewe­gen wir uns im Wald, kön­nen wir die beru­hi­gen­de und hei­len­de Kraft der Bäu­me ein­at­men. Heu­te nennt man das „Wald­ba­den” und die Ter­pe­ne als Boten­stof­fe zwi­schen den Bäu­men wer­den in vie­len Publi­ka­tio­nen gepriesen.

Wer ger­ne Aus­dau­er­sport­ar­ten und High inten­si­ty Trai­ning mit hohem Mus­kel­ein­satz betreibt, schüt­tet sog. Myo­ki­ne aus, das sind Mus­kel­hor­mo­ne, die sich sehr posi­tiv auf die Immun­re­gu­la­ti­on auswirken.

 

2. Die Ernährung optimieren

Die Ver­dau­ung ist der wich­tigs­te Schlüs­sel für die Gesund­heit. Läuft sie rund, dann ist in der Regel das Mikro­bi­om im Darm vari­an­ten­reich und ein Power­house für den Stoff­wech­sel und die Auf­nah­me von Nähr­stof­fen. Hier kann man mit einer gesun­den Ernäh­rung immens viel errei­chen. Ein star­kes Ver­dau­ungs­sys­tem ist gleich­be­deu­tend mit einem star­ken Immun­sys­tem.
Das Mikro­bi­om wird übri­gens vom Virom in unse­rem Kör­per beein­flusst. Viren sind per­ma­nen­te Bewoh­ner in unse­rem Kör­per, man ver­gisst das in der gan­zen Dis­kus­si­on ger­ne mal. Ihre Infor­ma­tio­nen ermög­li­chen unse­re Evo­lu­ti­on. Wür­den Viren und Bak­te­ri­en nicht stän­dig unser Abwehr­sys­tem aktiv hal­ten, wäre es bald aus mit der Immun­kraft. Wenn wir zuviel des­in­fi­zie­ren übri­gens auch.

Die wich­tigs­ten Ernährungstipps:

  • Hoch­wer­ti­ge Bio-Lebens­mit­tel ein­kau­fen, vor allem fri­sches Obst und Gemü­se der Saison
  • Frisch und unkom­pli­ziert kochen
  • Pflan­zen­ba­sier­te Nah­rung bevorzugen
  • Hoch­wer­ti­ge Gewür­ze und Kräu­ter verwenden
  • zur rich­ti­gen Zeit die rich­ti­ge Men­ge essen, ide­al ist ein klei­nes Früh­stück, gro­ßes Mit­tag­essen, klei­nes und frü­hes Abendessen
  • Mit Ruhe und Auf­merk­sam­keit essen
  • Auf Zwi­schen­mahl­zei­ten verzichten
  • Zwi­schen den Mahl­zei­ten aus­rei­chend Zeit las­sen für die Ver­dau­ung, je nach indi­vi­du­el­ler Ver­dau­ungs­kraft ca. 3–5 Stunden
  • Wei­zen, Zucker und Milch­pro­duk­te aus Mas­sen­tier­hal­tung vermeiden
  • Con­ve­ni­ent Food vermeiden
  • Die Essens­men­ge der Ver­dau­ung­kraft anpas­sen, meist heißt das weni­ger essen
  • Hei­ßes Was­ser, Ing­wer- oder Zitro­nen­was­ser, Kräu­ter­tees trin­ken, am bes­ten schluck­wei­se über den Tag verteilt
 
3. Fastentage einplanen

In der ers­ten Pha­se des Lock­downs habe ich vom Fas­ten abge­ra­ten, weil es unter Stress den Kör­per eher desta­bi­li­siert. Inzwi­schen wäre die Zeit reif für ein mil­des Detox- oder Fas­ten­pro­gramm. Kei­ne Extrem­ku­ren, eher Boden­stän­di­ges: z.B. einen oder meh­re­re Tage pro Woche oder zwei mal im Monat nur Gemü­se­sup­pen, klei­ne Men­gen gedämpf­tes Gemü­se, etwas Obst essen. Dazu sind der­zeit Kohl­ra­bi, Spar­gel, Radies­chen, Brok­ko­li, Karot­ten, Stan­gen­sel­le­rie, Früh­kraut, Ruco­la, Asi­en­sa­la­te, Man­gold und Spi­nat per­fekt. Eben­so hei­mi­sche Wild­pflan­zen, die gera­de über­all wach­sen: Bär­lauch, Bren­nes­sel, Löwen­zahn, Sauer­amp­fer, Gän­se­blüm­chen, Thy­mi­an, Sal­bei, Peter­si­lie oder Holun­der.
Eine Aus­wahl an Fas­ten­tags-Rezep­ten: Kit­cha­ri, Mung­boh­nen­sup­pe, Reis­sup­pe, gedämpf­tes Gemü­se, Sel­le­rie-Shot

 

4. Immunstärkende Supplemente ergänzen

Vit­amin C, Vit­amin D und Zink sind die bekann­tes­ten immun­stär­ken­den Mikronährstoffe.

Vit­amin C kann man durch opti­ma­le Ernäh­rung gene­rie­ren, dazu braucht es nicht liter­wei­se Oran­gen­saft (zu viel Zucker), ein Weiß­kraut­ge­richt oder Weiß­kraut­saft sind viel stär­ke­re Vit­amin-C-Boos­ter. Auch Brok­ko­li, Sel­le­rie, Spi­nat, Zitrus­früch­te, San­dorn, Bee­ren und Ace­ro­la gehö­ren zu den idea­len Lieferanten.

Vit­amin D ist ein Eck­pfei­ler des Immun­sys­tems und bil­det sich durch einen Auf­ent­halt in der Son­ne, dabei sind Mor­gen- und Abend­son­ne meist nicht aus­rei­chend. Ca 20–30 Minu­ten in der Mit­tags­son­ne ermög­li­chen eine gute Ver­sor­gung. Ist das nicht mög­lich, eig­nen sich Vitamin-D-Tropfen.

Die­se inter­es­san­te Gra­fik ver­an­schau­licht die mil­den Krank­heits­ver­läu­fe von Covid-19-Pati­en­ten mit höhe­ren Vitamin-D-Spiegeln.

 

Für Freun­de des bri­ti­schen Humors: Dr. John Camp­bell, ein Medi­zi­ner mit der benei­dens­wer­ten Gabe, kom­ple­xe medi­zi­ni­sche Ver­bin­dun­gen für den Lai­en leicht ver­ständ­lich auf den Punkt zu brin­gen, erklärt in die­sem Video die Vor­tei­le von Vit­amin D für unser Immunsystem.

Zink kann man als Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel ein­setz­ten. Bei Vit­amin D und Zink ist es wich­tig, vor­her mit einem Arzt oder Heil­prak­ti­ker sei­nen Sta­tus bestim­men zu las­sen. Dann kann eine sinn­vol­le Dosie­rung ein­ge­stellt werden.

 

5. Mental entspannen

Unser Leben war für die meis­ten ein­deu­tig zu schnell. Umso mehr erken­nen wir jetzt den Sinn in der Ent­schleu­ni­gung. Durch Yoga, Medi­ta­ti­on, Tai Chi/Qi Gong, in die Natur gehen, Pau­sen machen, ein Buch lesen, in der Hän­ge­mat­te schau­keln, Me-time ein­pla­nen und vie­les mehr. Abwä­gen, was bringt oder hält mich in Balan­ce, was för­dert ein gesun­des und glück­li­ches Leben, das auch für mein Umfeld för­der­lich ist.

Beson­ders ent­span­nend: Digi­tal Fas­ting. Pau­sen von News und sozia­len Medi­en sind immens wich­tig für die men­ta­le Gesund­heit. In den letz­ten Wochen hat sich die Ver­wir­rung und Unsi­cher­heit von Wis­sen­schaft, Medi­zin und Poli­tik in äußerst pola­ri­sie­ren­den News ent­la­den. Eine Ernäh­rung mit viel Vital­stof­fen macht den Geist sehr klar, in der Yoga­spra­che nennt man das satt­visch. Ein kla­rer Geist ist der bes­te Schutz gegen den Angst­vi­rus. Mit die­ser offe­nen inne­ren Hal­tung kann man Infor­ma­tio­nen wert­frei ver­ar­bei­ten, trotz­dem kri­tisch hin­ter­fra­gen, und ech­te von gefak­ten news unter­schei­den. Damit bleibt man ent­spannt und angst­frei. Das bla­me game, woher das Virus kommt und wer davon pro­fi­tiert, ist nur fürs Ego und den Prä­si­den­ten wich­tig, hat mit unse­rem Leben aber wenig zu tun.

 

6. Ausreichend schlafen

Klappt das mit der Ent­span­nung dann ist auch der Schlaf tie­fer und erhol­sa­mer. Geht man ca. 2 Stun­den vor Mit­ter­nacht ins Bett, hat der Kör­per aus­rei­chend Zeit zu rege­ne­rie­ren. Und sich neben­bei zu ver­jün­gen, auf­zu­räu­men, Fal­ten zu glät­ten, die Emo­tio­nen des Tages zu ver­abei­ten und vie­les mehr. Es wird emp­foh­len, min­des­tens 30 Minu­ten bis 1 Stun­de vor dem Schla­fen­ge­hen Fern­se­her, Com­pu­ter und Smart­pho­ne abzu­schal­ten und dem Tag einen fried­li­chen Abschluss zu geben. Was immer das für jeden ein­zel­nen ist.

 

 
7. Die Prioritäten im Leben feintunen

Wenn man den Stu­di­en zu den Lebens­ge­heim­nis­sen der Hun­dert­jäh­ri­gen folgt, lernt man über Dhar­ma (Sans­krit) oder iki­gai (Japan), bei­des Syn­ony­me für den Sinn des Lebens. Die Men­schen in die­sen Gesell­schaf­ten ver­su­chen, ihrer inne­ren Stim­me zu fol­gen, im Rhyth­mus mit der Natur und inner­halb ihrer per­sön­li­chen Glücks­zo­ne zu leben. Die inne­re Kon­gru­enz mit dem äuße­ren Tun ist eine sehr wich­ti­ge Kom­po­nen­te für Gesund­heit.
Jetzt haben wir die Zeit, unser bis­he­ri­ges Leben neu zu sor­tie­ren, wenn wir es möch­ten. Fra­gen dazu sind: Was tut mir gut, wo sind mei­ne Talen­te, was lie­be ich, womit nüt­ze ich mir und mei­nen Mit­men­schen glei­cher­ma­ßen und kann ich damit mei­nen Lebens­un­ter­halt bestreiten.

Posi­ti­ve Gedan­ken und Hand­lun­gen sowie live Kon­tak­te mit ande­ren Men­schen sor­gen für ein men­ta­les und see­li­sches Gleich­ge­wicht. Wenn man in die­sem inne­ren flow lebt, wird/bleibt das Immun­sys­tem stark. Und es kön­nen schmerz­li­che Ein­schnit­te, wie wir sie gera­de erle­ben, leich­ter abge­fe­dert wer­den, man wird resi­li­ent und nicht so schnell aus der Bahn gewor­fen. Das inne­re Glück ist virenfrei :-).