Leichtes Fasten im Frühling

Die traditionelle Fastenzeit

In unse­rer Kul­tur wird die Fas­ten­zeit über den Früh­lings­be­ginn (21. März), den ers­ten Voll­mond danach, den Oster­sonn­tag (Ende der Fas­ten­zeit) und einem Stich­tag 40 Tage vor Ostern (Fas­ten­be­ginn) defi­niert. Die­sen Zyklus hal­ten nicht mehr beson­ders vie­le Men­schen ein, schei­nen doch 40 Fas­ten­ta­ge eine sehr lan­ge Zeit zu sein in der schnel­le­bi­gen Welt. Und manch­mal erle­ben wir in den besag­ten Wochen ein Kli­ma von plötz­li­chen Win­ter­ein­brü­chen incl. Schnee, bei dem uns eher der Sinn nach wär­men­dem reich­hal­ti­gen Essen steht.

Trotz­dem ist es eine gute Zeit, bevor­zugt in den bereits war­men Früh­lings­ta­gen, dem Kör­per einen guten Teil der Win­ter­last abzu­neh­men. Denn die Saat der Gesund­heit für das rest­li­che Jahr legen wir im Frühling. Wenn spä­tes­tens im März/April die Natur den Win­ter abstreift, seh­nen wir uns nach Leich­tig­keit und den­ken über Abneh­men, Rei­ni­gen, Ent­gif­ten und Fas­ten nach. In die­ser Jah­res­zeit öff­nen sich alle Kanä­le, was das Frei­set­zen und Aus­lei­ten von Gift­stof­fen in Gang bringt. Egal, ob man einen Tag oder eine Woche fas­tet, man gibt dem Ver­dau­ungs­feu­er auf alle Fäl­le eine heil­sa­me Ver­schnauf­pau­se zum Reset. Bei meh­re­ren Tagen (>3) wird die Ent­gif­tung ange­regt, der Geschmacks­sinn ver­bes­sert sich und man spürt als Neben­ef­fekt eine men­ta­le Klar­heit und inne­res Gleichgweicht. Es kann auch pas­sie­rern, dass sich klei­ne und grö­ße­re Aus­rich­tun­gen im Leben, in den Bezie­hun­gen, der Ernäh­rung, dem eige­nen Bio­rhyth­mus oder der Arbeit neu justieren.

Da sich län­ge­re Fas­ten­ku­ren oft schwer in die Arbeits- und Fami­li­en­rou­ti­ne inte­grie­ren las­sen, stel­le ich hier Alter­na­ti­ven vor im Sin­ne von: bes­ser ein klei­ne­res Detox als den gan­zen Win­ter­bal­last wei­ter­tra­gen. Bei die­sen Mög­lich­kei­ten muss man kei­ne „Aus­zeit” neh­men, wenn man nicht will oder nicht anders kann. Okay, auf inten­si­ve Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten ver­zich­tet man bes­ser, vor allem auf sol­che, die Hun­ger pro­du­zie­ren. Eher nutzt man die Zeit für Ent­span­nung und inne­res (und äuße­res) Auf­räu­men. Dabei muss man nicht unbe­dingt ganz auf Essen ver­zich­ten bzw. nur „Was­ser und Brot” zu sich neh­men. Eine Ent­schla­ckungs­mög­lich­keit ist z.B., bestimm­te Lebens- und Genuss­mit­tel weg zu las­sen, man ver­zich­tet also meh­re­re Tage oder eine Woche auf Zucker, Des­serts, Scho­ko­la­de, Milch­pro­duk­te und Käse, Fleisch, Kaf­fee und Alko­hol. Oder man kocht sich sehr simp­le und sehr leich­te Mahl­zei­ten. Hier zwei Möglichkeiten:

 

- Fasten mit Obst und Gemüse

Ein Rei­ni­gungs­tag ist eine ein­fa­che Form des Fas­tens. Man­che wäh­len bestimm­te Tage wie z.B. Voll­mond, Neu­mond oder Sonn­tag. Wich­ti­ger als der Tag ist die Regel­mä­ßig­keit des Fas­tens.
Fol­gen­der Tages­ab­lauf hat sich bewährt: die ers­te Mahl­zeit nimmt man zu sich, wenn Hun­ger oder Müdigkeit spürbar wer­den (meist so zwi­schen 13 und 15 Uhr), am bes­ten eine Scha­le Obst – ent­we­der pur, gedünstet oder als Kom­pott – optio­nal mit etwas Man­deln oder Samen. Alter­na­tiv (oder als spä­te­re zwei­te Mahl­zeit) berei­tet man sich einen Tel­ler gedämpf­tes Gemüse mit etwas Ghee, Gewürzen, Kräu­tern und Samen, bzw. eine Gemüsesuppe zu. Je spä­ter der Hun­ger auf­tritt, des­to eher reicht eine Mahl­zeit aus. Getrei­de, Hülsenfrüchte, Milch­pro­duk­te und Zucker wer­den an die­sem Tag weg­ge­las­sen.
Die­ses Fas­ten kann man um 1–2 Tage ganz nach Belie­ben ver­län­gern und mit Früch­te- oder Gemü­ses­moot­hies erweitern.

gemüse gedünstet    

 

- Fasten mit Reis- und/oder Gemüsesuppen

Für vie­le hat sich ein Rei­ni­gungs­pro­to­koll mit Sup­pen­fas­ten über 1–3 Tage bewährt. Auch wäh­rend oder nach einer Erkäl­tung kön­nen sie uns scho­nend wie­der Kraft zurückgeben. Man nimmt 2–3 Sup­pen am Tag zu sich und kom­bi­niert sie je nach Belie­ben und Hungergefühl, begin­nend mit einer Reis­sup­pe. Die letz­te Sup­pe isst man vor 18 Uhr. Zwi­schen den Sup­pen soll­ten mind. 3–4 Stun­den Zeit sein; es gibt kei­ne Zwi­schen­mahl­zei­ten. Wich­tig: An Sup­pen­ta­gen trinkt man über den Tag ver­teilt aus­rei­chend hei­ßes Was­ser und 1–2 Glä­ser Kräu­ter- oder Gewürztee. Am Ende der Fas­ten­ta­ge kann man ein Kit­cha­ri zube­rei­ten oder ein ein­fa­ches gedämp­tes Gemüsegericht wie beim Gemü­se­fas­ten (s,o.).

Reissuppe

Die­se sehr unkom­pli­zier­te Sup­pe heißt in Indi­en Kan­ji, in der TCM (Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­sche Medi­zin) Con­gee. In Sri Lan­ka gibt es jeden Tag Kola Kan­da, eine Kräu­ter-Reis­sup­pe. Die Basis-Reis­sup­pe ist iden­tisch, man lässt nur den Kräu­ter­saft weg.

3 Reissuppen

 
Mungbohnensuppe

Sie lie­fert mit ihrem hohen Pro­te­in­ge­halt zusätz­li­che Ener­gie und sät­tigt län­ger. Hülsenfrüchte wir­ken aus­trock­nend und unterstützen das Abneh­men. Die­se Sup­pe nicht am Abend ver­wen­den. Als Vari­an­te lässt sich die Mung­boh­nen­sup­pe mit einer dicke­ren Reis­sup­pe (Kon­sis­tenz wie Por­ridge) kom­bi­nie­ren für eine voll­wer­ti­ge Mahl­zeit. Hier fin­dest du das Rezept.

mungbohnen suppe

 

Für eine gan­ze Fas­ten­wo­che las­sen sich die­se 2 Pro­to­kol­le übri­gens kombinieren.

 
Gewürztees

Sie die­nen als zusätz­li­che Fas­ten­be­glei­ter, kön­nen aber das gan­ze Jahr über ein­ge­setzt werden.

Ing­wer-Zitro­nen-Tee wärmt und facht an kühlen Frühlingsmorgen das Ver­dau­ungs­feu­er an. Dazu gibt man eini­ge Schei­ben Ing­wer und etwas Zitro­nen­saft in eine Ther­mos­kan­ne, füllt sie mit kochend hei­ßem Was­ser und läßt alles  min­des­tens 15 Minu­ten zie­hen. Nach Belie­ben vor dem Trin­ken mit Honig mischen.
Nel­ken-Tee wirkt bit­ter, herb und scharf, ist somit per­fekt im Frühling zum Ent­gif­ten. 8–10 Nel­ken wer­den mit 500 ml Was­ser auf­ge­kocht. Danach den Herd abschal­ten und zuge­deckt ca. 10 Min zie­hen lassen.

Ande­re Gewür­ze und Kom­bi­na­tio­nen wie Fen­chel (ca. 1 TL / 500 ml Was­ser) oder Ing­wer-Kori­an­der (ca. 1,5 TL /500 ml Was­ser) oder Fen­chel-Kreuz­küm­mel-Kori­an­der (je 1/2 TL auf 500 ml Was­ser) funk­tio­nie­ren eben­falls bestens.

 

gewuerze-ingwer-tee

Du bist dein bester Gesundheitsmanager

Gesund­heit und ein lan­ges Leben, das wünscht man sich gegen­sei­tig u.a. zum Neu­en Jahr, Geburts­tag oder ein­fach zwi­schen­durch. Es schien bis­her ein leicht erziel­ba­rer Wunsch zu sein, den man mit gesun­dem Essen, aus­rei­chend Bewe­gung und einer guten Work-Life-Balan­ce in Eigen­re­gie errei­chen konn­te. Oder in letz­ter Instanz auch mal den Arzt oder Apo­the­ker in zu Rate zog.

Doch seit dem Jahr 2020 besetzt Gesund­heit eine stär­ke­re Gewich­tung auf unse­rer Wunsch­lis­te der bevor­zug­ten Din­ge im Leben. Etwas aus den Augen ver­lo­ren hat man schein­bar die eige­nen Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten dafür, der Gang zum Arzt oder Apo­the­ker domi­niert heut­zu­ta­ge. Klar, wir erle­ben eine immer grö­ßer wer­den­de Zahl an chro­ni­schen Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten und wür­den uns mehr Kon­trol­le über Infek­ti­ons­krank­hei­ten wün­schen. Die klas­si­sche Schul­me­di­zin scheint die Lösung, beschäf­tigt sie sich über­wie­gend mit der Ent­ste­hung und dem Manage­ment die­ser Krank­hei­ten, der sog. Patho­ge­ne­se. Und behan­delt dabei meis­tens die Sym­pto­me, ohne die zugrun­de lie­gen­de Ursa­che der Krank­heit zu adres­sie­ren. Aber es gibt auch einen alter­na­ti­ven Weg.

 

Salutogenese — die Gesundheit erhalten

Die­ses vom Medi­zin­so­zio­lo­gen Aaron Anto­novs­ky in den 1970er Jah­ren ent­wi­ckel­te Kon­zept beschäf­tigt sich mit den Fak­to­ren und dyna­mi­schen Wech­sel­wir­kun­gen, die zur Ent­ste­hung und Erhal­tung von Gesund­heit füh­ren. Dabei gibt es kei­ne abso­lu­te Gesund­heit oder Krank­heit, son­dern der Mensch bewegt sich kon­ti­nu­ier­lich zwi­schen die­sen bei­den Polen.

Je öfter/länger er sich dem Gesund­heits­pol nähert, umso leis­tungs­fä­hi­ger und ener­ge­ti­scher fühlt er sich, was sich posi­tiv auf sei­ne Lebens­freu­de und Lang­le­big­keit aus­wirkt. Trotz­dem kann er durch Krank­heits­er­re­ger (Gif­te, Viren, Bak­te­ri­en), Umwelt­ein­flüs­se (Luft­ver­schmut­zung, Lärm, Hit­ze) oder psy­chi­sche Fak­to­ren (Stress, Kon­flik­te, Trau­er, Mob­bing) erkran­ken. Idea­ler­wei­se hat er dann einen Schatz an phy­si­schen, sozia­len, mate­ri­el­len oder psy­chi­schen Res­sour­cen zur Hand, mit deren Hil­fe er rela­tiv eigen­stän­dig wie­der in eine Balan­ce zurück­fin­den kann.

Ein wich­ti­ger Bau­stein ist dabei das Kohä­renz­ge­fühl, das sich im Lau­fe des Lebens auf der Basis die­ser Res­sour­cen ent­wi­ckelt. Es besagt, ob das eige­ne Leben als ver­steh­bar (Fähig­keit die Situa­ti­on auf ihre Ursa­chen hin zu ana­ly­sie­ren), bewäl­tig­bar (Wis­sen um die eige­nen Res­sour­cen) und sinn­haft (Sinn­haf­tig­keit eines Bewäl­ti­gungs­ver­su­ches) erlebt wird. Ein hohes Kohä­renz­ge­fühl führt zu Gesund­heit, ein gerin­ges Kohä­renz­ge­fühl zu Krankheit.

Das Kon­zept bin­det die Har­mo­nie von Kör­per, Geist und See­le in den Gesund­heits­pro­zess mit ein. Eben­so das sozia­le Umfeld und die Regi­on in der man lebt, und nicht zuletzt die men­ta­le Resi­li­enz. Eigent­lich soll­te das selbst­ver­ständ­lich sein. Doch lei­der ist die Salu­to­ge­ne­se ein Stief­kind der her­kömm­li­chen Medi­zin, die die Inter­ak­ti­on zwi­schen Arzt und Pati­ent auf ein Mini­mum ver­kürzt hat.

 

Gesundheit ist eigenaktiv

Was uns die Salu­to­ge­nes zeigt: Gesund­heit ist nicht dele­gier­bar. Sie lebt vom Ver­trau­en in sich selbst, die Natur und den rhyth­mi­schen Abläu­fen (Wel­len) im Leben. Wenn man erfah­ren hat, wie hilf­reich es ist, sich die­sem Fluss anzu­ver­trau­en, hat man in der Regel wenig Angst vor Krank­heit. Die­se ist einer der größ­ten Fein­de der Gesund­heit. Angst ver­hin­dert das fei­ne Zusam­men­spiel aller Kör­per­funk­tio­nen, ange­fan­gen von der Ver­dau­ung, über den Auf­bau eines gesun­den Mikro­bi­o­ms, aus dem neben­bei eine men­ta­le Balan­ce ent­steht, die wie­der­um die Angst ausbremst.

Ver­trau­en wir blind einer gro­ben oder che­mi­schen Tech­no­lo­gie, einer Magic Pill oder einer „One-Size-Fits-All-Behand­lung“, geben wir unse­re Gesund­heit in frem­de Hän­de, wir ver­lie­ren die Kon­trol­le und wer­den dadurch fremd­be­stimmt. Wenn die­se Heil­ver­spre­chen dann eine kur­ze Halb­wert­zeit haben, wie wir es der­zeit erle­ben, kol­la­biert die Psy­che, die Angst schlägt in Panik um und unser Immun­sys­tem wird radi­kal geschwächt.

Der Weg der Salu­to­ge­ne­se ist eine Rei­se zum stär­ken­den und angst­frei­en Gesund­heits­ma­nage­ment. Steht man aus­nahms­wei­se mal vor einer Hür­de, ste­hen in der Regel Ärz­te mit einem natur­heil­kund­li­chen Hin­ter­grund, ganz­heit­li­chen Coa­ches, erfah­re­nen Kör­per­the­ra­peu­ten o.ä. mit Rat und Tat zur Sei­te. Die­se Rei­se wird der­zeit zwar künst­lich erschwert, aber das Ziel bleibt sicht­bar, ver­ständ­lich, mach­bar und sinnvoll.

Was brau­chen wir dafür? Fast nichts, was wir nicht schon wissen:

  1. Eine aus­ge­wo­ge­ne gesun­de Ernäh­rung mit viel sai­so­na­lem Obst und Gemü­se, ein­fach und frisch gekocht und warm verzehrt
  2. Aus­rei­chend Bewe­gung in der Natur, so oft es mög­lich ist
  3. Ruhe­pau­sen zur Rege­ne­ra­ti­on, Me-time, Medi­ta­ti­on, Yoga, Ausruhen
  4. Ein Beruf, der sinn­stif­tend erlebt wird und Freu­de macht
  5. Ein Netz­werk von lie­be­vol­len und acht­sa­men Men­schen, Kol­le­gen und Freunden
  6. Digi­ta­les Fas­ten und ein­tau­chen in die ana­lo­ge Welt so oft es geht.

 

Vie­le inter­es­sier­te Men­schen lesen, ler­nen oder besu­chen gesund­heits­för­dern­de Kur­se, um die­sen Weg zu star­ten. Der Markt an Infor­ma­tio­nen ist aller­dings ein oft undurch­schau­ba­rer Dschun­gel, in dem sich die Ideen ger­ne mal dia­me­tral wider­spre­chen. Oder es wird kom­ple­xen Vor­gän­gen im Kör­per mit unter­kom­ple­xen Ver­hal­tens­wei­sen begeg­net. Was meis­tens nicht nach­hal­tig hilft.

Was aus mei­ner Sicht funk­tio­niert, ist altes, tra­di­tio­nel­les Heil­wis­sen, ange­passt an unse­re heu­ti­ge Zeit. Dabei ist es egal, ob das aus Chi­na, Indi­en, Per­si­en, Euro­pa, Peru oder sonst wo her­kommt. Die meis­ten Theo­rien haben sehr ähn­li­che Inhal­te, z.B. Darm­ge­sund­heit oder Immun­stär­kung, um zwei wich­ti­ge zu nen­nen. Und sie belas­sen die Gesund­heit in der Hand der Men­schen. Wird man krank, geht man in Indi­en erst mal in die Küche und holt sich Gewür­ze zur The­ra­pie. Ansons­ten hat ein Hei­ler, Arzt, Scha­ma­ne, Psy­cho­lo­ge o.ä. immer etwas parat, das er dem Pati­en­ten zur Ver­fü­gung stellt, damit die­ser sich selbst hei­len kann.

Ein beson­ders inspi­rie­ren­der Lebens­stil, der die Salu­to­ge­ne­se per­fekt ver­kör­pert, ist das Leben der 100-Jäh­ri­gen, die ich in zwei Blog­ar­ti­keln (Nr.2) beschrie­ben habe. Letzt­end­lich ist Lebens­glück und Selbst­be­wußt­sein dann sehr groß, wenn man Krank­hei­ten so gut wie mög­lich ver­hin­dert. Die­ser Prä­ven­ti­ons­ge­dan­ke ist auch die Grund­la­ge der ayur­ve­di­schen Leh­re, die mich vor über 20 Jah­ren auf die­sen Pfad gebracht hat.

Wer mehr über Salu­to­ge­ne­se wis­sen möch­te, fin­det hier einen infor­ma­ti­ven Arti­kel und ein Video von Dr Gerald Hüt­her.

 

Pho­to by Timon Stud­ler on Unsplash

Essen für die mentale Balance

Men­tal aus­ge­gli­chen sein, das wün­schen sich die Men­schen der­zeit mehr denn je. Doch in psy­chi­schen Aus­nah­me­zei­ten erfor­dert es für vie­le einen ordent­li­chen Kraft­akt, um die fra­gi­le Balan­ce im Geist auf­recht zu halten.

Nun kommt die moder­ne Ernäh­rungs­leh­re, beein­flusst von der Mikro­bio­m­for­schung der letz­ten 20 Jah­re, immer wie­der zum Ergeb­nis, dass jede Mahl­zeit beein­flusst, wie wir uns men­tal füh­len. Wir ken­nen heu­te Lebens­mit­tel, die die Stim­mung direkt heben kön­nen. In mei­nem letz­ten blog­post habe ich eini­ge vor­ge­stellt. Doch man­che Effek­te ver­flie­gen schon nach ein paar Stun­den, wenn sie nur an einer wech­sel­haf­ten Ober­flä­che wir­ken.
Will man eine lang anhal­ten­de und tie­fe Wir­kung erzie­len, brauchts ein Set an Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten, das über Wochen, Mona­te und Jah­re unse­re Sicht auf uns und die Welt prägt: rosig oder eher dun­kel. Ent­spannt oder gestresst. Halb voll oder halb leer, usw.. For­scher gehen davon aus, dass die Wir­kung der Nah­rung auf die Psy­che so mäch­tig ist, dass wir uns ein Lebens­ge­fühl buch­stäb­lich her­bei essen können.

 

Der vedische Weg zum friedvollen Geist 

Auch vor tau­sen­den von Jah­ren gab es offen­sicht­lich her­aus­for­dern­de Zei­ten, in denen Ego, Gier, Angst und Hass über­hand­nah­men und Bauch, Herz und Hirn der Men­schen ins Ungleich­ge­wicht stürz­ten. In der Bha­ga­vad Gita, der wohl bekann­tes­ten phi­lo­so­phi­schen Schrift Indi­ens, wer­den 3 geis­ti­ge Eigen­schaf­ten Satt­va, Rajas und Tamas beschrie­ben und zusätz­lich ihr Kon­text mit Ernäh­rung dar­ge­stellt (17. Kapi­tel). Dabei gibt es 3 Grup­pen von Nah­rung­mit­teln, die unter­schied­li­che Wir­kun­gen auf die men­ta­le Befinglich­keit haben. Mit Wis­sen über die­sen Ein­fluss, kann man ent­schei­den, aus wel­chem „Topf” man sich ver­mehrt bedie­nen mag.

 

1. Nahrung für einen harmonischen Geist (Sattva)

Lebens­mit­tel in hoher Qua­li­tät, natur­be­las­sen und mög­lichst wenig ver­ar­bei­tet, dazu noch frisch, reif und wohl­schme­ckend, haben das größ­te Poten­ti­al, dem Esser Klar­heit, Frie­den, Har­mo­nie, Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und Lebens­freu­de zu ermög­li­chen. Ist die Mahl­zeit auch noch frisch gekocht, eher ein­fach als kom­pli­ziert und hat der Koch/die Köchin Freu­de in der Küche, wirkt das Essen ener­ge­ti­sie­rend, aus­glei­chend und ver­jün­gend.
Man nennt die­se Eigen­schaf­ten und das Resul­tat satt­visch.

Men­schen, die sich ver­mehrt satt­visch ernäh­ren, ent­wi­ckeln Gemein­schafts­ge­fühl, betei­li­gen sich an (ana­lo­gen) sozia­len Netz­wer­ken, ent­wi­ckeln Lie­be, Für­sor­ge, Ethik, Tole­ranz, Mit­ge­fühl, Demut, Auf­merk­sam­keit, Lang­le­big­keit, Leich­tig­keit im Leben/im Kör­per. In ihrer Spra­che sind sie fried­voll, das Wort, das mit f beginnt und mit k endet, kommt ihnen nie aus dem Mund. Eher mal ein Lie­bes­ge­dicht. Mit die­em Mind­set bringt man unwei­ger­lich auch Frie­den in sein direk­tes Umfeld.

Die Eigen­schaf­ten, die wir in der momen­ta­nen Situa­ti­on am meis­ten brau­chen, wer­den stark geför­dert: Klar­heit im Geist, star­ker mora­li­scher Kom­pass, das Erken­nen von Lügen, fake news und kor­rup­ten Men­schen. Mit die­sem Mind­set fin­den wir auch die für uns rich­ti­gen Infor­ma­tio­nen, um eigen­stän­dig für unse­re Gesund­heit ent­schei­den zu können.

Bei­spie­le für satt­vi­sches Essen:

  • frisch geern­te­tes und frisch gekoch­tes Gemü­se in der jewei­li­gen Sai­son, frei von Che­mi­ka­li­en und Zusatz­stof­fen (Aus­nah­me: Nacht­schat­ten­ge­wäch­se, Pil­ze, Zwie­beln, Knoblauch)
  • fri­sches, rei­fes, süßes Obst der Saison
  • Rosi­nen, getrock­ne­te Dat­teln und Feigen
  • hoch­wer­ti­ges Getrei­de wie Reis, Hafer, Din­kel, Kamut, Qui­noa, Gers­te, Ein­korn, Emmer
  • Mung­boh­nen und Linsen
  • Roh­milch, Ghee, Honig, (gel­ten in der rich­ti­gen Qua­li­tät und Quan­ti­tät als Nektar)
  • Man­deln, Sesam, Kür­bis­ker­ne, ande­re Nüs­se und Samen in klei­nen Men­gen (Stu­den­ten­fut­ter)
  • fri­sche und getrock­ne­te Kräu­ter und Gewürze
  • gene­rell süße und saf­ti­ge Zuta­ten (jui­cy)
  • hoch­wer­ti­ge Süß­mit­tel in sehr klei­nen Men­gen (aus Kokos­blü­ten oder Dat­teln, Jag­ge­ry, Ahorn­si­rup, Reis­si­rup etc.)
  • wohl­schme­cken­de Gerich­te ohne Über­maß an Wür­ze, Zucker und Salz
  • maß­vol­le Menge
  • Was­ser, Kräu­ter­tees, Gewürztees

Die­se Lebens­mit­tel fin­det man auf dem Wochen­markt, im Hof­la­den, in guten Bio­lä­den und vor allem in Restau­rants, die sich die­ser Qua­li­tät verschreiben.

Eine satt­vi­sche Lebens­wei­se wird unter­stützt mit Pau­sen, Yoga, Medi­tai­on, Tai­Chi und vor allem einer star­ken Ver­bin­dung zur Natur incl. einem Leben im Rhyth­mus der Natur. Bar­fuß im Gras gehen, nachts den Ster­nen­him­mel oder Voll­mond bewun­dern, unter einem Baum medi­tie­ren, das alles stärkt unse­re Aus­ge­gli­chen­heit und kos­tet nix.

 

2. Nahrung für einen aktiven Geist (Rajas)

För­der­lich für Dyna­mik, Ziel­ori­en­tie­rung und Moti­va­ti­on sind Lebens­mit­tel, die anre­gen und akti­vie­ren. Die­se Ener­gie hilft uns, die all­fäl­li­gen Rou­ti­nen des Lebens zu bewäl­ti­gen: zur Arbeit gehen, kochen und essen, sport­li­che Akti­vi­tä­ten, Kin­der erzie­hen, Steu­er­erklä­run­gen aus­fül­len usw.. Und den Lei­den­schaf­ten zu fol­gen, die uns im Leben Freu­de geben, für die wir „bren­nen“.

Man nennt die­se Lebens­mit­tel und die ver­bun­de­nen Eigen­schaf­ten raja­sisch. Wer eher lang­sam und trä­ge ist, wird durch die­se Nah­rung akti­viert, was zu mehr Antriebs­kraft und Ent­schlos­sen­heit führt. Rajas sti­mu­liert und för­dert Appe­tit und Verdauung.

Die für unse­re Zeit wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten: wach und aktiv im Leben ste­hen und für eine gerech­te Zukunft ein­tre­ten. Kri­tisch blei­ben und auch mal gegen den Strom schwim­men. Im raja­si­schen Mind­set spü­ren man­che den Wil­len, die ein­ge­ros­te­ten und unge­rech­ten „Sys­te­me” der Welt kräf­tig durch­zu­schüt­teln, aus­ein­an­der­zu­bau­en und gerech­ter, öko­lo­gi­scher, fried­li­cher wie­der zusam­men­zu­fü­gen. Gepaart mit satt­vi­schen Gedan­ken, könn­te dar­aus tat­säch­lich etwas neu­es und frucht­ba­res ent­ste­hen, das der Gesell­schaft als Gan­zes zugu­te kommt.

Bei­spie­le für raja­si­sches Essen:

  • sehr feu­ri­ges, sau­res oder salziges
  • öli­ges und frit­tier­tes Essen
  • schwe­re und schwer ver­dau­li­che Nahrung
  • unrei­fe und über­rei­fe Lebens­mit­tel, sau­res Obst
  • Nacht­schat­ten­ge­wäch­se (Toma­ten, Kar­tof­feln, Papri­ka und Auberginen)
  • Zwie­beln und Knob­lauch, Schnitt­lauch, Lauch, Frühlingszwiebeln
  • schar­fe und über­mä­ßig vie­le Gewür­ze, z.B. Chi­li, Meer­ret­tich, Senf­sa­men, Pfeffer
  • Fleisch, Fisch, Mee­res­früch­te, Eier (in klei­nen Men­gen und Bioqualität)
  • min­der­wer­ti­ge Zucker­sor­ten wie Roh­rohr­zu­cker, wei­ßer Zucker, Agavensirup
  • fer­men­tier­te Lebens­mit­tel wie Joghurt, Essig, ein­ge­leg­tes Gemü­se, Soja
  • Kaf­fee, Schwarztee
  • Alko­hol, Niko­tin und ande­re Genuss­mit­tel in klei­nen Men­gen, Energydrinks
  • (sehr oft) Restau­rant­essen (wenn viel Salz, Gewür­ze und Zucker ver­wen­det wird)

In klei­nen Men­gen kön­nen die­se Lebens­mit­tel anre­gend wir­ken. Wer sie über­kon­su­miert, wird leicht irri­tiert, ist latent aggres­siv in Wor­ten und Hand­lun­gen, neigt zu Über­säue­rung und ande­ren Ver­dau­ungs­pro­ble­men. Das hohe Tem­po der heu­ti­gen Lebens­wei­se ist sehr raja­sisch und führt leicht zu Stress, Burn-Out und Schmer­zen durch Über­for­de­rung.
Die Über­sti­mu­la­ti­on auf kör­per­li­cher und geis­ti­ger Ebe­ne führt zu Unge­duld, Rast­lo­sig­keit, Gier, Neid, Ehr­geiz, Über­ak­ti­vi­tät, Stress, Unauf­rich­tig­keit, Hoch­mut, Angst, und Sucht­ver­hal­ten (Ver­gnü­gungs­sucht, Pres­ti­ge­sucht, Eifer­sucht, Arbeits­sucht etc.). Der Fokus rich­tet sich ver­stärkt auf mate­ri­el­le Wer­te, Macht­stre­ben, Ego­ma­nie, Kon­kur­renz­den­ken und Recht­ha­be­rei bis hin zum Fana­tis­mus. Sehr aggres­si­ve und mani­pu­la­ti­ve Men­schen sind immer raja­sisch. Die Medi­en, Poli­tik und Spit­zen­sport sind voll davon.

 

3. Nahrung für einen dumpfen Geist (Tamas)

Eine drit­te Grup­pe von Lebens­mit­teln unter­stüt­zen auf der einen Sei­te Sta­bi­li­tät, Ent­span­nung, Stil­le, Tie­fe und guten Schlaf. Auf der ande­ren Sei­te macht sie den Men­schen trä­ge, dumpf, lethar­gisch, müde und schwer. Man nennt sie und die damit ver­bun­de­nen geis­ti­gen Attri­bu­te tama­sisch.

Die­se Ernäh­rung för­dert Illu­si­on und Ver­wir­rung, dem Geist fehlt die Ori­en­tie­rung, er neigt zu Fehl­ein­schät­zung, die Wahr­neh­mung ist getrübt, hate speech wird zum All­tag, man kann nicht mehr zwi­schen rich­tig und falsch unter­schei­den. Tama­si­sche Nah­rung ist eine tote Nah­rung und ver­stärkt ent­zünd­li­che Krankheiten.

Bei­spie­le für tama­si­sche Nahrungsmittel:

  • raja­si­sches Essen aus der vori­gen Lis­te im Übermaß
  • min­der­wer­ti­ges, über­la­ger­tes oder unrei­fes Obst und Gemüse
  • über­koch­tes, abge­stan­de­nes, ange­brann­tes, ver­un­rei­nig­tes und schlecht schme­cken­des Essen
  • (mehr­fach) auf­ge­wärm­tes Essen
  • Pil­ze (Aus­nah­me: Heil­pil­ze wie Shi­ta­ke, Rei­shi etc.)
  • ran­zi­ge Nüs­se, Erdnüsse
  • H‑Milch und alle Milch­pro­duk­te aus Massentierhaltungs-Milch
  • wei­ßer Haus­halts­zu­cker, Weiß­mehl­pro­duk­te, zuck­ri­ge Lebensmittel
  • Fleisch, Fisch, Mee­res­früch­te, Eier aus Mas­sen­tier­hal­tung und in gro­ßer Menge
  • raf­fi­nier­tes Tafel­salz, Geschmacks­ver­stär­ker (Glut­amat, Hefe)
  • gen­ma­ni­pu­lier­te Nahrungsmittel
  • syn­the­ti­sche Zusät­ze wie Aro­men, Far­ben, Konservierungsstoffe
  • Fast­food, Dosen­es­sen, Mikro­wel­len­ge­rich­te, Tief­kühl­kost, Fer­tig­ge­rich­te, Instantprodukte
  • (sehr oft) Restau­rant­essen, spe­zi­ell aus der Systemgastronomie
  • Alko­hol (beson­ders Spi­ri­tuo­sen), Niko­tin und ande­re Genuss­mit­tel in gro­ßer Menge
  • Ener­gy­drinks in gro­ßen Men­gen, Softdrinks

Fol­ge einer sol­chen Nah­rung sind Igno­ranz, Depres­si­on, Unsi­cher­heit, frü­he Alte­rung, Dun­kel­heit, Pes­si­mis­mus, Min­der­wer­tig­keits­kom­ple­xe, Feind­schaft, Aggres­si­on, Unru­he, Ver­wir­rung und star­ke Ängs­te. Die Gier nach Sucht­mit­teln kann zu Selbst­zer­stö­rung und Gewalt­tä­tig­keit füh­ren. Men­schen, die sich haupt­säch­lich aus die­ser Grup­pe ernäh­ren, wer­den über kurz oder lang immer krank. Die­se Lebens­mit­tel sind tot und ermög­li­chen kein „näh­ren“, vor allem nicht des Gehirns.

Eine stark tama­si­sche Per­son bewegt sich lang­sam, ist schwer, lethar­gisch und oft depres­siv. Ein Lebens­stil von ent­we­der zu viel Träg­heit oder zu viel Über­trei­bung ver­ur­sacht men­ta­le Dumpf­heit und Ener­gie­man­gel, was schließ­lich zu Erschöp­fung führt. Ein Über­maß an Rajas führt zu Tamas.
Tamas wird auch geför­dert durch über­mä­ßi­gen Kon­sum von TV oder sozia­len Medi­en und bewirkt die Abspal­tung von der Natur. Die Spra­che von tama­sisch domi­nan­ten Men­schen ist manch­mal gewalt­voll und belei­di­gend. Mit die­ser Geis­tes­hal­tung folgt man oft blind, sogar wenn man unge­sun­de Struk­tu­ren noch erken­nen könn­te. Paart sich ein raja­si­scher Mind­set mit Tamas, kön­nen krän­keln­de Sys­te­me nicht zum guten ver­bes­sert wer­den, da die destruk­ti­ven Kräf­te zu stark wirken.

 

Fazit

Wir neh­men immer Nah­rung zu uns, die Bestand­tei­le aus allen 3 Grup­pen beinhal­ten. Wel­che Aspek­te wir im Leben beto­nen möch­ten, lässt uns ent­schei­den, aus wel­cher Grup­pe wir uns ver­stärkt ernäh­ren.
Die satt­vi­schen Lebens­mit­teln kann man nie über­do­sie­ren, doch sie ste­hen nicht immer und über­all zur Ver­fü­gung. Des­halb ist eine Kom­bi­na­ti­on mit akti­vie­ren­den (raja­si­schen) Lebens­mit­teln für unse­re der­zei­ti­ge Lebens­wei­se am prak­ti­ka­bels­ten.
Lebens­mit­tel aus der tama­si­schen Grup­pe neh­men heu­te den meis­ten Platz in Super­markt und Restaurant/Kantine ein. Die­se Ent­wick­lung ist kaum 50 Jah­re alt und der Grund dafür, dass sich neue kör­per­li­che und men­ta­le Krank­heits­bil­der mani­fes­tie­ren, bei denen die Schul­me­di­zin rat­los ist. Bzw. über Dau­er­me­di­ka­ti­on das Tamas noch erhöht. Die tama­si­schen Lebens­mit­tel zu redu­zie­ren und mit haupt­säch­lich satt­vi­schen und etwas rasi­schen zu erset­zen führt auf den Weg in eine men­ta­le Balan­ce in desta­bi­li­sie­ren­den Zeiten.

Die Sah­ne auf der Tor­te: jede men­ta­le Sta­bi­li­sie­rung dient auch der Stär­kung des kör­per­li­chen Immunsystems :-).

 

Pho­to: Bryan Rein­hardt

Gegen den Blues

Puhh, das drückt aufs Gemüt. Wenn die Leit­plan­ken des Lebens auf­wei­chen, die gefühl­ten „Sicher­hei­ten” sich alles ande­re als sicher erwei­sen, das Ver­trau­en in Insti­tu­tio­nen implo­diert, Freund­schaf­ten Ris­se bekom­men und man den sehn­li­chen Wunsch ver­spürt, das gan­ze möge bit­te bald vor­bei sein.

Alles, was den Geist zum schwin­gen bringt und unse­re Lebens­freu­de nährt, ist der­zeit ver­bo­ten: Sport in der Gemein­schaft, Kino und Kon­zert, der gemüt­li­che Abend im Gast­haus mit Freun­den, Nähe und sozia­les Leben, und so vie­les mehr. Also müs­sen wir ande­re Stra­te­gien zuhil­fe neh­men, um gut durch die­se Zeit zu kom­men. Tech­ni­ken, um die psy­chi­sche Resi­li­enz zu erhö­hen sind z.B. Media­ti­on, Yoga, Tai­Chi oder Acht­sam­keits­übun­gen, Sport im Frei­en bzw. jede Form, sich so oft wie mög­lich mit der Natur zu ver­bin­den. Aber auch die Struk­tu­rie­rung des Tages, digi­tal fas­ting, weg von Inter­net und TV, dafür ein gutes Buch lesen oder Hob­bies nach­ge­hen.
Und für vie­le gilt: Zeit in der Küche ver­brin­gen mit der phan­ta­sie­vol­len Krea­ti­on von lecke­ren Spei­sen hebt die Stim­mung, ganz beson­ders wenn man die „mmm­m­m­mhhh-lecker” Kom­men­ta­re der Mit­es­ser zu hören bekommt.
Die­se Anbin­dung an sich sel­ber, sei­ne Intui­ti­on und sei­ne Emp­fin­dun­gen, das prä­sent und wahr­haf­tig sein, erzeugt eine inne­re Kon­gru­enz, die wohl­tu­end beru­higt und stabilisiert. 

 

Good Food — Happy Mood

Den wenigs­ten ist bewußt, wie sehr die Nah­rung Ein­fluß nicht nur auf die phy­si­sche Gesund­heit hat, son­dern auch auf unser Gehirn und unse­re Lebens­freu­de. Und dass es spe­zi­el­le Nah­rungs­mit­tel und Spei­sen gibt, die uns aktiv gute Lau­ne machen kön­nen. Die Erkennt­nis­se dazu sind tat­säch­lich noch gar­nicht so lan­ge erforscht. Heu­te weiß man jedoch, dass ein gesun­der Darm die Glücks­hor­mo­ne im Gehirn akti­vie­ren kann. Gleich­zei­tig weiß man, dass Nah­rungs­mit­tel, die Über­ge­wicht, Dia­be­tes, Glu­ten- und Lak­to­se­into­le­ranz begünstigen, die Lebens­freu­de in den Kel­ler fah­ren. Des­halb sitzt eine Ant­wort für unser see­li­sches Wohl­be­fin­den auch im Bauch, denn das Essen bestimmt, wie wir uns fühlen. In der der­zeit so fremd­be­stimm­ten Situa­ti­on kön­nen wir mit ein­fa­chen Küche­tools selbst­be­stimmt einen klei­nen (oder gro­ßen) Licht­blick in unser Leben bringen.

 

Das Mikrobiom

Ent­schei­dend dafür ist eine gesun­de und viel­fäl­ti­ge Darm­flo­ra. Je mehr »gute« Mikro­ben im Darm ange­sie­delt sind, des­to bes­ser ist die Stim­mung. Ein gesun­des Mikro­bi­om ent­steht durch überwiegend fri­sche und faser­rei­che Pflan­zen­kost in Bio­qua­li­tät. Zur rich­ti­gen Zeit in der rich­ti­gen Men­ge geges­sen, ver­hin­dern hoch­wer­ti­ge Nah­rungs­mit­tel nicht nur Gift­stof­fe im Kör­per, auch das gedank­li­che Gift wird stark redu­ziert. Zucker­hal­ti­ge, stark ver­ar­bei­te­te Indus­trie­pro­duk­te, schlech­te Fet­te und Soft­drinks erhö­hen dage­gen das Risi­ko von Entzündungen in Darm und Gehirn, was zu star­ker Beein­träch­ti­gung der Stim­mung führen kann.
Einen tie­fe­ren Ein­blick in die Ver­bin­dung Mikro­bi­om und Lebens­freu­de fin­det man in die­sem Arti­kel des ame­ri­ka­ni­schen Ayur­ve­darz­tes Dr. John Douil­lard (engl.).

Im fol­gen­den eine klei­ne Auf­lis­tung, wie Nah­rungs­mit­teln die Stim­mung beeinflussen:

Glücksbringer

  • Gemüse: Rote Bete, grünes Blattgemüse wie Man­gold, Grünkohl und Spi­nat, Stan­gen­sel­le­rie, Sauerkraut
  • Hülsenfrüchte. beson­ders Kichererbsen
  • Ome­ga-3-Fett­säu­ren (Lein­sa­men, Hanf­sa­men, Chia­sa­men, Lachs, Makre­le, Forel­le, Sar­di­nen, Algen)
  • Bee­ren
  • Hafer, Voll­korn­pro­duk­te
  • hoch­wer­ti­ge Milchprodukte
  • kalt­ge­press­tes Oli­ven­öl, Lein­öl, Hanf­öl, Walnussöl
  • Paranüsse, Walnüsse, Kürbiskerne
  • die Gewürze Safran, Zimt, Kur­ku­ma, Ing­wer, Pfeffer
  • roher Honig
  • Bit­ter­scho­ko­la­de, Kakao
  • medi­ter­ra­ne Kost
  • Melis­sen­tee, Laven­del­tee, Rosenblütentee
  • Johan­nis­kraut, Süßholzwurzel

Glücksdiebe

  • Zucker
  • süßes Gebäck
  • Wei­zen
  • Weiß­mehl, Weiß­brot, wei­ßer Reis, wei­ße Pasta
  • min­der­wer­ti­ge Milchprodukte
  • Lebens­mit­tel mit che­mi­scher Belas­tung (Pes­ti­zi­de etc.)
  • syn­the­ti­sche Zusät­ze (Aro­ma, Far­be, E‑Nummern)
  • raf­fi­nier­te Öle, Palm­öl, Transfette
  • frit­tier­tes Essen
  • rotes Fleisch
  • ver­ar­bei­te­te Fer­tig­ge­rich­te, Junkfood
  • auf­ge­wärm­tes Essen
  • Essen aus der Mikrowelle
  • zu viel Alkohol
Tryptophan, die Vorstufe zum Glück

Lebens­mit­tel mit einem signi­fi­kan­ten Anteil an Tryp­tophan akti­vie­ren im Gehirn die Bil­dung des »Glückshormons« Sero­to­nin. Dazu gehö­ren z. B. Kürbiskerne, Nüsse, Hafer, Voll­korn­ge­trei­de, Hülsenfrüchte, Fisch und Käse.

 

Gute Laune mit Vitamin D

Vit­amin D ist als Hor­mon­vor­stu­fe ein wich­ti­ger Hel­fer bei der Umwand­lung von Tryp­tophan in Sero­to­nin. Der Kör­per bil­det es selbst, wenn er über die Haut genug Son­ne auf­neh­men kann. Im Win­ter ist das nicht aus­rei­chend mög­lich. Des­halb kann es nicht scha­den, unser Vit­amin D Depot ab und an mit Hil­fe hoch­wer­ti­ger Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel aufzufüllen. Das macht man am bes­ten mit dem Arzt / der Ärz­tin sei­nes Ver­trau­ens.
Es gibt inzwi­schen sehr viel Lite­ra­tur und Arti­kel zum The­ma Vit­amin D, durch­aus auch kon­tro­vers. Doch es ver­dich­tet sich die Erkennt­nis, dass Vit­amin D deut­li­che Vor­tei­le hat auf sehr vie­len Ebe­nen unse­res Orga­nis­mus. Im Kon­text mit der Covid-Erkran­kung gibt es Hin­wei­se dar­auf, dass eine unzu­rei­chen­de Vit­amin-D-Ver­sor­gung häu­fi­ger mit schwe­ren Coro­na-Ver­läu­fen in Zusam­men­hang gebracht wer­den kann. Dies mög­li­cher­wei­se im Kon­text mit den Vor­er­kran­kun­gen der Pati­en­ten. Das eng­li­sche Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um hat immer­hin pro­phy­lak­tisch vor dem Win­ter sei­ne Bür­ger mit kos­ten­lo­sen Vit.D‑Rationen unterstützt.

 

Fazit

Es ist durch­aus mög­lich, dass wir noch eine unbe­stimm­te wei­te­re Zeit (oder immer wie­der) auf unse­re eige­ne Küchen­apo­the­ke für Kör­per und Geist zurück­grei­fen müs­sen. Wir haben ein star­kes Werk­zeug in der Hand, wenn wir so oft wie mög­lich frisch und mit hoch­wer­ti­gen Zuta­ten kochen. Und so sel­ten wie mög­lich auf auf­ge­wärm­tes Essen und Fer­tig­es­sen aus der Dose oder Tief­kühl­tru­he zurück­grei­fen. Dies garan­tiert glück­li­che Darm­bak­te­ri­en für einen glück­li­chen Geist. Für die gan­ze Familie.

 

Weiterführender Link

Der Wie­ner Psy­cho­the­ra­peut Rapha­el Bonel­li gibt seit fast einem Jahr wert­vol­le Tipps, um gut durch die Coro­na-Kri­se zu kom­men. Die­ses aktu­el­le Video befasst sich mit 5 Aus­we­gen aus der Depression.

 

© Bei­trags­pho­to: ben-white@unsplash

Die Kraft der Prävention

Wie wol­len wir leben auf einem gesun­den Weg ins hohe Alter? Die­se Fra­ge beschäf­tigt vie­le und das seit tau­sen­den von Jah­ren. Nun steht sie wie ein Brenn­glas im Raum und wir sind mehr oder weni­ger gezwun­gen, uns damit aus­ein­an­der zu set­zen. Ein beson­ders tücki­sches Virus kon­fron­tiert uns mit unbe­ant­wor­te­ten Gesund­heits­fra­gen, aber auch mit The­men wie Vor­sor­ge, Frei­heit und Angst.

In die­sem Span­nungs­feld sind mir in den letz­ten Mona­ten immer wie­der die Begrif­fe Keim­theo­rie (germ theo­ry) und Ter­rain­theo­rie (ter­rain theo­ry) begegnet.

 

Die Keimtheorie

Sie wur­de von Lou­is Pas­teur auf­ge­stellt und besagt, dass man in der Regel dann erkrankt, wenn man einem Infek­ti­ons­er­re­ger (Bak­te­ri­en, Viren, Pil­ze, Para­si­ten) aus­ge­setzt ist. In der Fol­ge wird alles getan, um den Erre­ger mit medi­zi­ni­scher Inter­ven­ti­on zu „eli­mi­nie­ren”, sei es durch Medi­ka­men­te, Anti­bio­ti­ka oder Imp­fun­gen. In der Regel ver­spricht die­ser Weg einen rela­tiv schnel­len Erfolg, wenn geeig­ne­te Mit­tel zur Bekämp­fung der Krank­heit vor­han­den sind. Wenn das nicht geht wie in der aktu­el­len Pan­de­mie, kom­men hygie­ni­sche Maß­nah­men, Kon­takt­ver­mei­dung und Mas­ken­tra­gen zum Einsatz.

 

Die Terraintheorie

Die­se Theo­rie sieht das Krank­heits­ge­sche­hen ganz­heit­li­cher. Sie wur­de von Antoi­ne Bech­amp ent­wi­ckelt und besagt, dass unser Gesund­heits­zu­stand durch die inne­re Umge­bung (Ter­rain) unse­res Kör­pers bestimmt wird, man kann es auch als inne­res Milieu bezeich­nen.
Die­se Theo­rie wird duch die Erfor­schung des Mikro­bi­o­ms in den letz­ten 20 Jah­ren unter­mau­ert. Ein Kör­per mit einem gesun­den Mikro­bi­om oder Darm­mi­lieu leis­tet einem Erre­ger ordent­lich Wider­stand und kann ihn evtl. sel­ber „ent­sor­gen”. Auch hier kön­nen Krank­heits­sym­pto­me auf­tre­ten, die Ver­läu­fe sind aber sehr mild.

 

Welche Theorie ist nun die „richtige”?

Die 2 Ansät­ze wer­den ger­ne mit dem Bei­spiel eines Fisches visua­li­siert. Annah­me: Der Fisch ist krank. In der Ter­rain­theo­rie wür­de man sagen: rei­ni­ge das Was­ser­be­cken (clean the tank), in dem der Fisch schwimmt. In der Keim­theo­rie wür­de man dan Fisch iso­lie­ren, behan­deln und evtl. imp­fen (iso­la­te or vac­ci­na­te the fish). Das schmut­zi­ge Was­ser wür­de im Becken bleiben.

fisch im glas

In den Dis­kus­sio­nen, die ich zu den Theo­rien gele­sen habe, schei­nen sich die 2 Lager dog­ma­tisch gegenüberzustehen.

Die Keim­theo­re­ti­ker glau­ben, das Milieu hat kei­nen Ein­fluss auf Krank­hei­ten. Ein Erre­ger wird mit che­mi­scher Inter­ven­ti­on unschäd­lich gemacht und der Pati­ent gesun­det. Pro­blem gelöst. Man muss nichts ändern, die Ver­ant­wor­tung wird an exter­ne Fak­to­ren abge­ge­ben.
Wenn wir die Sicht­wei­se dar­auf redu­zie­ren, lau­fen wir Gefahr, dass wir in immer kür­ze­ren Zeit­räu­men eine Infek­ti­ons­krank­heit nach der ande­ren mit immer neu­en Kei­men bekämp­fen und uns nie­mals auf die Ursa­chen ein­las­sen. Dazu müss­ten wir tie­fer schau­en, in die The­men Umwelt­schutz, gesun­de Böden und art­ge­rech­te Tier­hal­tung. Und natür­lich in die Lebens- und Ernäh­rungs­wei­se der Men­schen. Es gibt kei­nen Erre­ger, der Dia­be­tes oder Fett­lei­big­keit, Sucht und Depres­si­on ver­ur­sacht. Aber jeder Erre­ger oder Virus fin­det im Umfeld eines trü­ben Was­ser­be­ckens (Über­ge­wicht, Dia­be­tes, redu­zier­te Immun­kraft, geschwäch­te Lun­gen durch Umwelt und Rau­chen, etc.) ein frucht­ba­res Feld, um sich aus­zu­brei­ten und Scha­den anzurichten.

Die Ter­rain­theo­re­ti­ker haben in einer infek­tö­sen Erkran­kung die Zeit gegen sich. Um ein unge­sun­des Mikro­bi­om in ein gutes Milieu zu ver­wan­deln, bedarf es meist einer Umstel­lung zu guter Ernäh­rung, regel­mä­ßi­ger Bewe­gung, aus­rei­chen­dem Schlaf, gerin­ger Trauma­be­las­tung, stress­frei­em Lebens­stil. Das geht nicht von heu­te auf mor­gen, es kann Wochen, Mona­te oder län­ger dau­ern, bis die Maß­nah­men zur „Rei­ni­gung des Beckens“ umge­setzt sind. Und es erfor­dert eini­ges an akti­ver Mit­ar­beit.
Für man­che sind es gro­ße Hür­den,
schlech­te Gewohn­hei­ten auf­zu­ge­ben, Gewicht zu redu­zie­ren, Ände­run­gen des Lebens­stils vor­zu­neh­men und chro­ni­schen Stress abzu­bau­en. Es bedeu­tet auch, sel­ber Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men für die Stär­kung des Immun­sys­tems. Die Nah­rungs­mit­tel-Indus­trie ist dabei übri­gens kein Ver­bün­de­ter. Die über­dreh­te Frei­zeit­in­dus­trie auch nicht. Hel­fen kön­nen Men­schen, die sich damit aus­ken­nen, anfan­gen könn­te man mit den Weis­hei­ten der Groß­müt­ter. Oder alten Heil­tra­di­tio­nen wie Ayur­ve­da und TCM

 

Beide Theorien haben unterschiedliche Funktionen

Sie kön­nen sich ergän­zen und gemein­sam den Men­schen auf sei­nem Gesund­heits­weg unter­stüt­zen. Sie wer­den je nach Kon­text ein­ge­setzt. Ein akut bedroh­li­ches Virus ist mit der Ter­rain­theo­rie schwe­rer zu bekämp­fen. Hier wür­de man je nach Erkran­kung eine keim­theo­re­ti­sche Behand­lung wäh­len, sogar dann, wenn das Milieu kurz­fri­sitg wei­ter geschä­digt wer­den könn­te (z.B. län­ge­re Anti­bio­ti­ka-Behand­lun­gen). Aber: In die­ser Theo­rie ist der Keim ein „Feind”, dem man den Kampf ansa­gen muss. Bei vie­len Men­schen ent­steht dadurch Angst, was das Immun­sys­tem und die Hei­lungs­chan­cen mindert.

Auf der ande­ren Sei­te kann man klar erken­nen: das Milieu beein­flusst die Wahr­schein­lich­keit, Schwe­re und Dau­er einer Infek­ti­on. Das Zau­ber­wort heißt  Prä­ven­ti­on, was der Ter­rain­theo­rie ent­spricht. Es ist nie zu spät, damit zu begin­nen. Es ist auch der Weg der ayur­ve­di­schen Wei­sen. Die ers­ten Kapi­tel ihrer umfang­rei­chen Schrif­ten waren den The­men Lebens­stil und Ernäh­rung gewid­met. „Clean the tank” ist die Devi­se. Dies wie­der­um nimmt die Angst vor schwe­rer Krank­heit und ermög­licht ein lan­ges und gesun­des Leben.

 

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