Puhh, das drückt aufs Gemüt. Wenn die Leit­plan­ken des Lebens auf­wei­chen, die gefühl­ten „Sicher­hei­ten” sich alles ande­re als sicher erwei­sen, das Ver­trau­en in Insti­tu­tio­nen implo­diert, Freund­schaf­ten Ris­se bekom­men und man den sehn­li­chen Wunsch ver­spürt, das gan­ze möge bit­te bald vor­bei sein.

Alles, was den Geist zum schwin­gen bringt und unse­re Lebens­freu­de nährt, ist der­zeit ver­bo­ten: Sport in der Gemein­schaft, Kino und Kon­zert, der gemüt­li­che Abend im Gast­haus mit Freun­den, Nähe und sozia­les Leben, und so vie­les mehr. Also müs­sen wir ande­re Stra­te­gien zuhil­fe neh­men, um gut durch die­se Zeit zu kom­men. Tech­ni­ken, um die psy­chi­sche Resi­li­enz zu erhö­hen sind z.B. Media­ti­on, Yoga, Tai­Chi oder Acht­sam­keits­übun­gen, Sport im Frei­en bzw. jede Form, sich so oft wie mög­lich mit der Natur zu ver­bin­den. Aber auch die Struk­tu­rie­rung des Tages, digi­tal fas­ting, weg von Inter­net und TV, dafür ein gutes Buch lesen oder Hob­bies nach­ge­hen.
Und für vie­le gilt: Zeit in der Küche ver­brin­gen mit der phan­ta­sie­vol­len Krea­ti­on von lecke­ren Spei­sen hebt die Stim­mung, ganz beson­ders wenn man die „mmm­m­m­mhhh-lecker” Kom­men­ta­re der Mit­es­ser zu hören bekommt.
Die­se Anbin­dung an sich sel­ber, sei­ne Intui­ti­on und sei­ne Emp­fin­dun­gen, das prä­sent und wahr­haf­tig sein, erzeugt eine inne­re Kon­gru­enz, die wohl­tu­end beru­higt und stabilisiert. 

 

Good Food — Happy Mood

Den wenigs­ten ist bewußt, wie sehr die Nah­rung Ein­fluß nicht nur auf die phy­si­sche Gesund­heit hat, son­dern auch auf unser Gehirn und unse­re Lebens­freu­de. Und dass es spe­zi­el­le Nah­rungs­mit­tel und Spei­sen gibt, die uns aktiv gute Lau­ne machen kön­nen. Die Erkennt­nis­se dazu sind tat­säch­lich noch gar­nicht so lan­ge erforscht. Heu­te weiß man jedoch, dass ein gesun­der Darm die Glücks­hor­mo­ne im Gehirn akti­vie­ren kann. Gleich­zei­tig weiß man, dass Nah­rungs­mit­tel, die Über­ge­wicht, Dia­be­tes, Glu­ten- und Lak­to­se­into­le­ranz begünstigen, die Lebens­freu­de in den Kel­ler fah­ren. Des­halb sitzt eine Ant­wort für unser see­li­sches Wohl­be­fin­den auch im Bauch, denn das Essen bestimmt, wie wir uns fühlen. In der der­zeit so fremd­be­stimm­ten Situa­ti­on kön­nen wir mit ein­fa­chen Küche­tools selbst­be­stimmt einen klei­nen (oder gro­ßen) Licht­blick in unser Leben bringen.

 

Das Mikrobiom

Ent­schei­dend dafür ist eine gesun­de und viel­fäl­ti­ge Darm­flo­ra. Je mehr »gute« Mikro­ben im Darm ange­sie­delt sind, des­to bes­ser ist die Stim­mung. Ein gesun­des Mikro­bi­om ent­steht durch überwiegend fri­sche und faser­rei­che Pflan­zen­kost in Bio­qua­li­tät. Zur rich­ti­gen Zeit in der rich­ti­gen Men­ge geges­sen, ver­hin­dern hoch­wer­ti­ge Nah­rungs­mit­tel nicht nur Gift­stof­fe im Kör­per, auch das gedank­li­che Gift wird stark redu­ziert. Zucker­hal­ti­ge, stark ver­ar­bei­te­te Indus­trie­pro­duk­te, schlech­te Fet­te und Soft­drinks erhö­hen dage­gen das Risi­ko von Entzündungen in Darm und Gehirn, was zu star­ker Beein­träch­ti­gung der Stim­mung führen kann.
Einen tie­fe­ren Ein­blick in die Ver­bin­dung Mikro­bi­om und Lebens­freu­de fin­det man in die­sem Arti­kel des ame­ri­ka­ni­schen Ayur­ve­darz­tes Dr. John Douil­lard (engl.).

Im fol­gen­den eine klei­ne Auf­lis­tung, wie Nah­rungs­mit­teln die Stim­mung beeinflussen:

Glücksbringer

  • Gemüse: Rote Bete, grünes Blattgemüse wie Man­gold, Grünkohl und Spi­nat, Stan­gen­sel­le­rie, Sauerkraut
  • Hülsenfrüchte. beson­ders Kichererbsen
  • Ome­ga-3-Fett­säu­ren (Lein­sa­men, Hanf­sa­men, Chia­sa­men, Lachs, Makre­le, Forel­le, Sar­di­nen, Algen)
  • Bee­ren
  • Hafer, Voll­korn­pro­duk­te
  • hoch­wer­ti­ge Milchprodukte
  • kalt­ge­press­tes Oli­ven­öl, Lein­öl, Hanf­öl, Walnussöl
  • Paranüsse, Walnüsse, Kürbiskerne
  • die Gewürze Safran, Zimt, Kur­ku­ma, Ing­wer, Pfeffer
  • roher Honig
  • Bit­ter­scho­ko­la­de, Kakao
  • medi­ter­ra­ne Kost
  • Melis­sen­tee, Laven­del­tee, Rosenblütentee
  • Johan­nis­kraut, Süßholzwurzel

Glücksdiebe

  • Zucker
  • süßes Gebäck
  • Wei­zen
  • Weiß­mehl, Weiß­brot, wei­ßer Reis, wei­ße Pasta
  • min­der­wer­ti­ge Milchprodukte
  • Lebens­mit­tel mit che­mi­scher Belas­tung (Pes­ti­zi­de etc.)
  • syn­the­ti­sche Zusät­ze (Aro­ma, Far­be, E‑Nummern)
  • raf­fi­nier­te Öle, Palm­öl, Transfette
  • frit­tier­tes Essen
  • rotes Fleisch
  • ver­ar­bei­te­te Fer­tig­ge­rich­te, Junkfood
  • auf­ge­wärm­tes Essen
  • Essen aus der Mikrowelle
  • zu viel Alkohol
Tryptophan, die Vorstufe zum Glück

Lebens­mit­tel mit einem signi­fi­kan­ten Anteil an Tryp­tophan akti­vie­ren im Gehirn die Bil­dung des »Glückshormons« Sero­to­nin. Dazu gehö­ren z. B. Kürbiskerne, Nüsse, Hafer, Voll­korn­ge­trei­de, Hülsenfrüchte, Fisch und Käse.

 

Gute Laune mit Vitamin D

Vit­amin D ist als Hor­mon­vor­stu­fe ein wich­ti­ger Hel­fer bei der Umwand­lung von Tryp­tophan in Sero­to­nin. Der Kör­per bil­det es selbst, wenn er über die Haut genug Son­ne auf­neh­men kann. Im Win­ter ist das nicht aus­rei­chend mög­lich. Des­halb kann es nicht scha­den, unser Vit­amin D Depot ab und an mit Hil­fe hoch­wer­ti­ger Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel aufzufüllen. Das macht man am bes­ten mit dem Arzt / der Ärz­tin sei­nes Ver­trau­ens.
Es gibt inzwi­schen sehr viel Lite­ra­tur und Arti­kel zum The­ma Vit­amin D, durch­aus auch kon­tro­vers. Doch es ver­dich­tet sich die Erkennt­nis, dass Vit­amin D deut­li­che Vor­tei­le hat auf sehr vie­len Ebe­nen unse­res Orga­nis­mus. Im Kon­text mit der Covid-Erkran­kung gibt es Hin­wei­se dar­auf, dass eine unzu­rei­chen­de Vit­amin-D-Ver­sor­gung häu­fi­ger mit schwe­ren Coro­na-Ver­läu­fen in Zusam­men­hang gebracht wer­den kann. Dies mög­li­cher­wei­se im Kon­text mit den Vor­er­kran­kun­gen der Pati­en­ten. Das eng­li­sche Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um hat immer­hin pro­phy­lak­tisch vor dem Win­ter sei­ne Bür­ger mit kos­ten­lo­sen Vit.D‑Rationen unterstützt.

 

Fazit

Es ist durch­aus mög­lich, dass wir noch eine unbe­stimm­te wei­te­re Zeit (oder immer wie­der) auf unse­re eige­ne Küchen­apo­the­ke für Kör­per und Geist zurück­grei­fen müs­sen. Wir haben ein star­kes Werk­zeug in der Hand, wenn wir so oft wie mög­lich frisch und mit hoch­wer­ti­gen Zuta­ten kochen. Und so sel­ten wie mög­lich auf auf­ge­wärm­tes Essen und Fer­tig­es­sen aus der Dose oder Tief­kühl­tru­he zurück­grei­fen. Dies garan­tiert glück­li­che Darm­bak­te­ri­en für einen glück­li­chen Geist. Für die gan­ze Familie.

 

Weiterführender Link

Der Wie­ner Psy­cho­the­ra­peut Rapha­el Bonel­li gibt seit fast einem Jahr wert­vol­le Tipps, um gut durch die Coro­na-Kri­se zu kom­men. Die­ses aktu­el­le Video befasst sich mit 5 Aus­we­gen aus der Depression.

 

© Bei­trags­pho­to: ben-white@unsplash

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