Men­tal aus­ge­gli­chen sein, das wün­schen sich die Men­schen der­zeit mehr denn je. Doch in psy­chi­schen Aus­nah­me­zei­ten erfor­dert es für vie­le einen ordent­li­chen Kraft­akt, um die fra­gi­le Balan­ce im Geist auf­recht zu halten.

Nun kommt die moder­ne Ernäh­rungs­leh­re, beein­flusst von der Mikro­bio­m­for­schung der letz­ten 20 Jah­re, immer wie­der zum Ergeb­nis, dass jede Mahl­zeit beein­flusst, wie wir uns men­tal füh­len. Wir ken­nen heu­te Lebens­mit­tel, die die Stim­mung direkt heben kön­nen. In mei­nem letz­ten blog­post habe ich eini­ge vor­ge­stellt. Doch man­che Effek­te ver­flie­gen schon nach ein paar Stun­den, wenn sie nur an einer wech­sel­haf­ten Ober­flä­che wir­ken.
Will man eine lang anhal­ten­de und tie­fe Wir­kung erzie­len, brauchts ein Set an Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten, das über Wochen, Mona­te und Jah­re unse­re Sicht auf uns und die Welt prägt: rosig oder eher dun­kel. Ent­spannt oder gestresst. Halb voll oder halb leer, usw.. For­scher gehen davon aus, dass die Wir­kung der Nah­rung auf die Psy­che so mäch­tig ist, dass wir uns ein Lebens­ge­fühl buch­stäb­lich her­bei essen können.

 

Der vedische Weg zum friedvollen Geist 

Auch vor tau­sen­den von Jah­ren gab es offen­sicht­lich her­aus­for­dern­de Zei­ten, in denen Ego, Gier, Angst und Hass über­hand­nah­men und Bauch, Herz und Hirn der Men­schen ins Ungleich­ge­wicht stürz­ten. In der Bha­ga­vad Gita, der wohl bekann­tes­ten phi­lo­so­phi­schen Schrift Indi­ens, wer­den 3 geis­ti­ge Eigen­schaf­ten Satt­va, Rajas und Tamas beschrie­ben und zusätz­lich ihr Kon­text mit Ernäh­rung dar­ge­stellt (17. Kapi­tel). Dabei gibt es 3 Grup­pen von Nah­rung­mit­teln, die unter­schied­li­che Wir­kun­gen auf die men­ta­le Befinglich­keit haben. Mit Wis­sen über die­sen Ein­fluss, kann man ent­schei­den, aus wel­chem „Topf” man sich ver­mehrt bedie­nen mag.

 

1. Nahrung für einen harmonischen Geist (Sattva)

Lebens­mit­tel in hoher Qua­li­tät, natur­be­las­sen und mög­lichst wenig ver­ar­bei­tet, dazu noch frisch, reif und wohl­schme­ckend, haben das größ­te Poten­ti­al, dem Esser Klar­heit, Frie­den, Har­mo­nie, Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und Lebens­freu­de zu ermög­li­chen. Ist die Mahl­zeit auch noch frisch gekocht, eher ein­fach als kom­pli­ziert und hat der Koch/die Köchin Freu­de in der Küche, wirkt das Essen ener­ge­ti­sie­rend, aus­glei­chend und ver­jün­gend.
Man nennt die­se Eigen­schaf­ten und das Resul­tat satt­visch.

Men­schen, die sich ver­mehrt satt­visch ernäh­ren, ent­wi­ckeln Gemein­schafts­ge­fühl, betei­li­gen sich an (ana­lo­gen) sozia­len Netz­wer­ken, ent­wi­ckeln Lie­be, Für­sor­ge, Ethik, Tole­ranz, Mit­ge­fühl, Demut, Auf­merk­sam­keit, Lang­le­big­keit, Leich­tig­keit im Leben/im Kör­per. In ihrer Spra­che sind sie fried­voll, das Wort, das mit f beginnt und mit k endet, kommt ihnen nie aus dem Mund. Eher mal ein Lie­bes­ge­dicht. Mit die­em Mind­set bringt man unwei­ger­lich auch Frie­den in sein direk­tes Umfeld.

Die Eigen­schaf­ten, die wir in der momen­ta­nen Situa­ti­on am meis­ten brau­chen, wer­den stark geför­dert: Klar­heit im Geist, star­ker mora­li­scher Kom­pass, das Erken­nen von Lügen, fake news und kor­rup­ten Men­schen. Mit die­sem Mind­set fin­den wir auch die für uns rich­ti­gen Infor­ma­tio­nen, um eigen­stän­dig für unse­re Gesund­heit ent­schei­den zu können.

Bei­spie­le für satt­vi­sches Essen:

  • frisch geern­te­tes und frisch gekoch­tes Gemü­se in der jewei­li­gen Sai­son, frei von Che­mi­ka­li­en und Zusatz­stof­fen (Aus­nah­me: Nacht­schat­ten­ge­wäch­se, Pil­ze, Zwie­beln, Knoblauch)
  • fri­sches, rei­fes, süßes Obst der Saison
  • Rosi­nen, getrock­ne­te Dat­teln und Feigen
  • hoch­wer­ti­ges Getrei­de wie Reis, Hafer, Din­kel, Kamut, Qui­noa, Gers­te, Ein­korn, Emmer
  • Mung­boh­nen und Linsen
  • Roh­milch, Ghee, Honig, (gel­ten in der rich­ti­gen Qua­li­tät und Quan­ti­tät als Nektar)
  • Man­deln, Sesam, Kür­bis­ker­ne, ande­re Nüs­se und Samen in klei­nen Men­gen (Stu­den­ten­fut­ter)
  • fri­sche und getrock­ne­te Kräu­ter und Gewürze
  • gene­rell süße und saf­ti­ge Zuta­ten (jui­cy)
  • hoch­wer­ti­ge Süß­mit­tel in sehr klei­nen Men­gen (aus Kokos­blü­ten oder Dat­teln, Jag­ge­ry, Ahorn­si­rup, Reis­si­rup etc.)
  • wohl­schme­cken­de Gerich­te ohne Über­maß an Wür­ze, Zucker und Salz
  • maß­vol­le Menge
  • Was­ser, Kräu­ter­tees, Gewürztees

Die­se Lebens­mit­tel fin­det man auf dem Wochen­markt, im Hof­la­den, in guten Bio­lä­den und vor allem in Restau­rants, die sich die­ser Qua­li­tät verschreiben.

Eine satt­vi­sche Lebens­wei­se wird unter­stützt mit Pau­sen, Yoga, Medi­tai­on, Tai­Chi und vor allem einer star­ken Ver­bin­dung zur Natur incl. einem Leben im Rhyth­mus der Natur. Bar­fuß im Gras gehen, nachts den Ster­nen­him­mel oder Voll­mond bewun­dern, unter einem Baum medi­tie­ren, das alles stärkt unse­re Aus­ge­gli­chen­heit und kos­tet nix.

 

2. Nahrung für einen aktiven Geist (Rajas)

För­der­lich für Dyna­mik, Ziel­ori­en­tie­rung und Moti­va­ti­on sind Lebens­mit­tel, die anre­gen und akti­vie­ren. Die­se Ener­gie hilft uns, die all­fäl­li­gen Rou­ti­nen des Lebens zu bewäl­ti­gen: zur Arbeit gehen, kochen und essen, sport­li­che Akti­vi­tä­ten, Kin­der erzie­hen, Steu­er­erklä­run­gen aus­fül­len usw.. Und den Lei­den­schaf­ten zu fol­gen, die uns im Leben Freu­de geben, für die wir „bren­nen“.

Man nennt die­se Lebens­mit­tel und die ver­bun­de­nen Eigen­schaf­ten raja­sisch. Wer eher lang­sam und trä­ge ist, wird durch die­se Nah­rung akti­viert, was zu mehr Antriebs­kraft und Ent­schlos­sen­heit führt. Rajas sti­mu­liert und för­dert Appe­tit und Verdauung.

Die für unse­re Zeit wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten: wach und aktiv im Leben ste­hen und für eine gerech­te Zukunft ein­tre­ten. Kri­tisch blei­ben und auch mal gegen den Strom schwim­men. Im raja­si­schen Mind­set spü­ren man­che den Wil­len, die ein­ge­ros­te­ten und unge­rech­ten „Sys­te­me” der Welt kräf­tig durch­zu­schüt­teln, aus­ein­an­der­zu­bau­en und gerech­ter, öko­lo­gi­scher, fried­li­cher wie­der zusam­men­zu­fü­gen. Gepaart mit satt­vi­schen Gedan­ken, könn­te dar­aus tat­säch­lich etwas neu­es und frucht­ba­res ent­ste­hen, das der Gesell­schaft als Gan­zes zugu­te kommt.

Bei­spie­le für raja­si­sches Essen:

  • sehr feu­ri­ges, sau­res oder salziges
  • öli­ges und frit­tier­tes Essen
  • schwe­re und schwer ver­dau­li­che Nahrung
  • unrei­fe und über­rei­fe Lebens­mit­tel, sau­res Obst
  • Nacht­schat­ten­ge­wäch­se (Toma­ten, Kar­tof­feln, Papri­ka und Auberginen)
  • Zwie­beln und Knob­lauch, Schnitt­lauch, Lauch, Frühlingszwiebeln
  • schar­fe und über­mä­ßig vie­le Gewür­ze, z.B. Chi­li, Meer­ret­tich, Senf­sa­men, Pfeffer
  • Fleisch, Fisch, Mee­res­früch­te, Eier (in klei­nen Men­gen und Bioqualität)
  • min­der­wer­ti­ge Zucker­sor­ten wie Roh­rohr­zu­cker, wei­ßer Zucker, Agavensirup
  • fer­men­tier­te Lebens­mit­tel wie Joghurt, Essig, ein­ge­leg­tes Gemü­se, Soja
  • Kaf­fee, Schwarztee
  • Alko­hol, Niko­tin und ande­re Genuss­mit­tel in klei­nen Men­gen, Energydrinks
  • (sehr oft) Restau­rant­essen (wenn viel Salz, Gewür­ze und Zucker ver­wen­det wird)

In klei­nen Men­gen kön­nen die­se Lebens­mit­tel anre­gend wir­ken. Wer sie über­kon­su­miert, wird leicht irri­tiert, ist latent aggres­siv in Wor­ten und Hand­lun­gen, neigt zu Über­säue­rung und ande­ren Ver­dau­ungs­pro­ble­men. Das hohe Tem­po der heu­ti­gen Lebens­wei­se ist sehr raja­sisch und führt leicht zu Stress, Burn-Out und Schmer­zen durch Über­for­de­rung.
Die Über­sti­mu­la­ti­on auf kör­per­li­cher und geis­ti­ger Ebe­ne führt zu Unge­duld, Rast­lo­sig­keit, Gier, Neid, Ehr­geiz, Über­ak­ti­vi­tät, Stress, Unauf­rich­tig­keit, Hoch­mut, Angst, und Sucht­ver­hal­ten (Ver­gnü­gungs­sucht, Pres­ti­ge­sucht, Eifer­sucht, Arbeits­sucht etc.). Der Fokus rich­tet sich ver­stärkt auf mate­ri­el­le Wer­te, Macht­stre­ben, Ego­ma­nie, Kon­kur­renz­den­ken und Recht­ha­be­rei bis hin zum Fana­tis­mus. Sehr aggres­si­ve und mani­pu­la­ti­ve Men­schen sind immer raja­sisch. Die Medi­en, Poli­tik und Spit­zen­sport sind voll davon.

 

3. Nahrung für einen dumpfen Geist (Tamas)

Eine drit­te Grup­pe von Lebens­mit­teln unter­stüt­zen auf der einen Sei­te Sta­bi­li­tät, Ent­span­nung, Stil­le, Tie­fe und guten Schlaf. Auf der ande­ren Sei­te macht sie den Men­schen trä­ge, dumpf, lethar­gisch, müde und schwer. Man nennt sie und die damit ver­bun­de­nen geis­ti­gen Attri­bu­te tama­sisch.

Die­se Ernäh­rung för­dert Illu­si­on und Ver­wir­rung, dem Geist fehlt die Ori­en­tie­rung, er neigt zu Fehl­ein­schät­zung, die Wahr­neh­mung ist getrübt, hate speech wird zum All­tag, man kann nicht mehr zwi­schen rich­tig und falsch unter­schei­den. Tama­si­sche Nah­rung ist eine tote Nah­rung und ver­stärkt ent­zünd­li­che Krankheiten.

Bei­spie­le für tama­si­sche Nahrungsmittel:

  • raja­si­sches Essen aus der vori­gen Lis­te im Übermaß
  • min­der­wer­ti­ges, über­la­ger­tes oder unrei­fes Obst und Gemüse
  • über­koch­tes, abge­stan­de­nes, ange­brann­tes, ver­un­rei­nig­tes und schlecht schme­cken­des Essen
  • (mehr­fach) auf­ge­wärm­tes Essen
  • Pil­ze (Aus­nah­me: Heil­pil­ze wie Shi­ta­ke, Rei­shi etc.)
  • ran­zi­ge Nüs­se, Erdnüsse
  • H‑Milch und alle Milch­pro­duk­te aus Massentierhaltungs-Milch
  • wei­ßer Haus­halts­zu­cker, Weiß­mehl­pro­duk­te, zuck­ri­ge Lebensmittel
  • Fleisch, Fisch, Mee­res­früch­te, Eier aus Mas­sen­tier­hal­tung und in gro­ßer Menge
  • raf­fi­nier­tes Tafel­salz, Geschmacks­ver­stär­ker (Glut­amat, Hefe)
  • gen­ma­ni­pu­lier­te Nahrungsmittel
  • syn­the­ti­sche Zusät­ze wie Aro­men, Far­ben, Konservierungsstoffe
  • Fast­food, Dosen­es­sen, Mikro­wel­len­ge­rich­te, Tief­kühl­kost, Fer­tig­ge­rich­te, Instantprodukte
  • (sehr oft) Restau­rant­essen, spe­zi­ell aus der Systemgastronomie
  • Alko­hol (beson­ders Spi­ri­tuo­sen), Niko­tin und ande­re Genuss­mit­tel in gro­ßer Menge
  • Ener­gy­drinks in gro­ßen Men­gen, Softdrinks

Fol­ge einer sol­chen Nah­rung sind Igno­ranz, Depres­si­on, Unsi­cher­heit, frü­he Alte­rung, Dun­kel­heit, Pes­si­mis­mus, Min­der­wer­tig­keits­kom­ple­xe, Feind­schaft, Aggres­si­on, Unru­he, Ver­wir­rung und star­ke Ängs­te. Die Gier nach Sucht­mit­teln kann zu Selbst­zer­stö­rung und Gewalt­tä­tig­keit füh­ren. Men­schen, die sich haupt­säch­lich aus die­ser Grup­pe ernäh­ren, wer­den über kurz oder lang immer krank. Die­se Lebens­mit­tel sind tot und ermög­li­chen kein „näh­ren“, vor allem nicht des Gehirns.

Eine stark tama­si­sche Per­son bewegt sich lang­sam, ist schwer, lethar­gisch und oft depres­siv. Ein Lebens­stil von ent­we­der zu viel Träg­heit oder zu viel Über­trei­bung ver­ur­sacht men­ta­le Dumpf­heit und Ener­gie­man­gel, was schließ­lich zu Erschöp­fung führt. Ein Über­maß an Rajas führt zu Tamas.
Tamas wird auch geför­dert durch über­mä­ßi­gen Kon­sum von TV oder sozia­len Medi­en und bewirkt die Abspal­tung von der Natur. Die Spra­che von tama­sisch domi­nan­ten Men­schen ist manch­mal gewalt­voll und belei­di­gend. Mit die­ser Geis­tes­hal­tung folgt man oft blind, sogar wenn man unge­sun­de Struk­tu­ren noch erken­nen könn­te. Paart sich ein raja­si­scher Mind­set mit Tamas, kön­nen krän­keln­de Sys­te­me nicht zum guten ver­bes­sert wer­den, da die destruk­ti­ven Kräf­te zu stark wirken.

 

Fazit

Wir neh­men immer Nah­rung zu uns, die Bestand­tei­le aus allen 3 Grup­pen beinhal­ten. Wel­che Aspek­te wir im Leben beto­nen möch­ten, lässt uns ent­schei­den, aus wel­cher Grup­pe wir uns ver­stärkt ernäh­ren.
Die satt­vi­schen Lebens­mit­teln kann man nie über­do­sie­ren, doch sie ste­hen nicht immer und über­all zur Ver­fü­gung. Des­halb ist eine Kom­bi­na­ti­on mit akti­vie­ren­den (raja­si­schen) Lebens­mit­teln für unse­re der­zei­ti­ge Lebens­wei­se am prak­ti­ka­bels­ten.
Lebens­mit­tel aus der tama­si­schen Grup­pe neh­men heu­te den meis­ten Platz in Super­markt und Restaurant/Kantine ein. Die­se Ent­wick­lung ist kaum 50 Jah­re alt und der Grund dafür, dass sich neue kör­per­li­che und men­ta­le Krank­heits­bil­der mani­fes­tie­ren, bei denen die Schul­me­di­zin rat­los ist. Bzw. über Dau­er­me­di­ka­ti­on das Tamas noch erhöht. Die tama­si­schen Lebens­mit­tel zu redu­zie­ren und mit haupt­säch­lich satt­vi­schen und etwas rasi­schen zu erset­zen führt auf den Weg in eine men­ta­le Balan­ce in desta­bi­li­sie­ren­den Zeiten.

Die Sah­ne auf der Tor­te: jede men­ta­le Sta­bi­li­sie­rung dient auch der Stär­kung des kör­per­li­chen Immunsystems :-).

 

Pho­to: Bryan Rein­hardt

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