Eine gesun­de Ernäh­rung ver­läuft alles ande­re als line­ar. Mei­ne per­sön­li­chen Kom­pro­mis­se, die sehr sub­jek­tiv aus­ge­wählt sind, ori­en­tie­ren sich des­halb an 2 simp­len gui­de­li­nes:

  • so viel wie mög­lich Pra­na in den Mahl­zei­ten zu ermög­li­chen
  • so nahe wie mög­lich im Rhyth­mus der Natur zu leben und zu essen

Die fol­gen­den Kom­pro­mis­se funk­tio­nie­ren aus mei­ner Erfah­rung für die meis­ten von uns. Ich weiß, dass je nach Lebens­re­gi­on oder Fami­li­en­kon­text die Kom­pro­mis­se auch deut­lich wei­ter gefasst wer­den müs­sen. Und wenn etwas nicht mög­lich ist, kann man immer ver­su­chen, bei ande­ren Prin­zi­pen näher ans Opti­mum zu kom­men. Wir kön­nen außer­dem unse­rer Kör­per­in­tel­li­genz ver­trau­en, die ein gewis­ses Maß an nicht so opti­ma­len Nah­rungs­mit­teln wie­der aus dem Kör­per beför­dert.

 

#1: Hochwertige Lebensmittel kommen aus Bioanbau oder vom Bauern nebenan

Bio­le­bens­mit­tel sind bei uns in einer so benei­dens­wer­ten Dich­te erhält­lich, dass man nicht auf kon­ven­tio­nel­le Ware zurück­zu­grei­fen müss­te. Das Leben ist schliess­lich zu kurz, um es mit Pes­ti­zi­den zu belas­ten. Wenn der Bio­la­den mei­nes Ver­trau­ens etwas nicht auf Lager hat, geht’s eben zum Super­markt ins Bio-Regal mit etwas nied­ri­ge­ren Stan­dards.
Man­che fri­schen Lebens­mit­tel fin­det man auf dem Wochen­markt vom Klein­bau­ern, der evtl. nicht bio­ezer­ti­fi­ziert ist. Die­sen Kom­pro­miss, gehe ich ger­ne ein für Karot­ten, die frisch aus der Erde kom­men vs. Bio­ka­rot­ten, die aus Süd­ita­li­en (oder Gott bewah­re, aus Spa­ni­en) ange­lie­fert wer­den und schon eini­ges an Pra­na auf der Stre­cke gelas­sen haben.

Bei den Gemü­sen gibt es eine Grup­pe, die im Kör­per auf­grund der ent­hal­te­nen Alka­lo­ide eher ent­zünd­lich wir­ken, die Nacht­schat­ten­ge­wäch­se (Kar­tof­feln, Toma­ten, Papri­ka, Auber­gi­nen). Man­che Enäh­rungs­schu­len eli­mi­nie­ren die­se Grup­pe kom­plett, ich beschrän­ke mich auf klei­ne Men­gen in der jewei­li­gen Sai­son.

Grö­ße­re Kom­pro­mis­se gehe ich bei Lebens­mit­teln ein, die sehr gesund sind, aber beim bes­ten Wil­len nicht bei uns wach­sen, z.B. fri­scher Ing­wer, die meis­ten Gewür­ze, duf­ten­der Bas­ma­ti­reis, pro­te­in­rei­ches Qui­noa, grü­ne Mung­boh­nen (abso­lu­tes Super­food), Kokos­milch und Kokos­öl und so eini­ges mehr.
Die Ent­schei­dungs­grund­la­ge für impor­tier­te Lebens­mit­tel ist der Gesund­heits­vor­teil. Gibt es kei­nen (aus ayur­ve­di­scher Sicht), las­se ich die Ware lie­gen. Dazu zählt z.B. Ana­nas, unrei­fe Man­gos aus Süd­ame­ri­ka, Schlan­gen­gur­ken aus Indi­en, Zucker­scho­ten aus Kenia uvm.. Es wächst genug Gemü­se und Obst bei uns, als ein­zi­ge Durst­stre­cke muss man die Zeit zwi­schen Febru­ar und März halb­wegs über­ste­hen, wenn die Lager­wa­re lang­sam die Kraft ver­liert.
Impor­tier­te Lebens­mit­tel die auch bei uns Jah­res­zei­ten haben, z.B. Äpfel aus Neu­see­land im Som­mer, Kür­bis aus Süd­ame­ri­ka im Früh­ling, Son­nen­blu­men­ker­ne oder Hir­se aus Chi­na ver­mei­de ich. Dazu muss man im Bio­la­den lei­der immer die Eti­ket­ten lesen.

 

#2: Frische Lebensmittel haben Saisons

Ein Höchst­mass an Nähr­stof­fen (und Pra­na) ist mir so wich­tig, dass ich mehr als die Hälf­te der Lebens­mit­tel frisch und somit sai­so­nal (und regio­nal) kau­fe. Das heißt, Toma­ten ver­wen­de ich nur im Som­mer, Kür­bis oder Grün­kohl  nur im Herbst/Winter, Spar­gel nur im Früh­ling usw.. Klingt selbst­ver­ständ­lich, die Rea­li­tät im Super­markt und in Restau­rants sieht anders aus. Das gan­ze Jahr über gibts Zuc­chi­ni, Papri­ka, Toma­ten, Kar­tof­feln, grü­nen Salat, Gur­ken, Äpfel…
Wenn ich in einem vege­ta­ri­schen Maga­zin Im Dezem­ber ein Rezept für Fen­chel­gra­tin sehe, ahne ich die Qua­li­fi­ka­ti­on der Redak­ti­on. Durch die stän­di­ge Ver­füg­bar­keit so vie­ler Lebens­mit­tel aus aller Welt ken­nen die jun­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen ver­mut­lich kei­ne Sai­son­zei­ten mehr. Kann ich nach­voll­zie­hen. Kommt auch bei sehr renom­mier­ten und hoch­de­ko­rier­ten Koch­buch­au­to­ren vor, z.B. ein Des­sert-Rezept aus Blut­oran­gen und Rha­bar­ber. Wie das tech­nisch (bzw. wo auf der Welt) mög­lich ist, habe ich bis­her nicht her­aus­ge­fun­den.
Mei­ne Lieb­lings-Koch­bü­cher: alle nach Sai­sons ein­ge­teilt. Macht das Koch­le­ben so ein­fach. Für mich die Köni­gin sai­so­na­ler und qua­li­ta­tiv hoch­wer­tigs­ter Koch­bü­cher: Katha­ri­na Sei­ser.

 

#3: Weizen, Milchprodukte und Zucker verzehrt man in Miniportionen

Der Stan­dard­wei­zen hat heu­te kaum noch Aro­ma oder Nähr­stof­fe, aber wir kön­nen leicht auf Din­kel- oder Kamut-Pro­duk­te aus­wei­chen. Vie­le Bio­bä­cker arbei­ten heu­te auch wie­der mit den alten Sor­ten Emmer und Ein­korn. Über­haupt sind gute Bäcker, die Bro­te wie frü­her backen, ein per­fek­ter Kom­pro­miss. Die Qua­li­tät und die tra­di­tio­nel­le Ver­ar­bei­tung machen das Brot sehr gut ver­träg­lich, beson­ders wenn es mit Sauer­teig her­ge­stellt wird. Ein paar­mal im Monat stei­ge ich auch auf ein glu­ten­frei­es Brot um. Ein­fach zur Abwechs­lung und um den Wei­zen­kon­sum zu mini­mie­ren.
Auf Rei­sen ist das alles eher müh­sam, man­gels guter Meh­le, guter Bäcker, alter Tra­di­tio­nen. Ein „ger­man bread” hat da schon mal Malz dabei, um das ursprüng­lich weiß­meh­li­ge Brot zu bräu­nen. Wirkt gesün­der ist aber natür­lich fake food. Da ist die Lösung nur, den Ver­brauch dras­tisch ein­zu­schrän­ken. Gehe ich aus­nahms­wei­se mal Ita­lie­nisch Essen, ver­mei­de ich meh­li­ges ein paar Tage davor oder danach.

Fri­sche Roh­milch (für mei­nen Chai und selbst­ge­mach­ten Frisch­kä­se) hole ich direkt beim Bau­ern. in Bio­lä­den oder Bio­super­märk­ten. Habe ich kei­ne Roh­milch­quel­le zur Ver­fü­gung, neh­me ich aus­nahms­wei­se pas­teu­ri­sier­te Deme­ter-Bio­milch bzw. erset­ze für den Chai die Milch mit Hafer­milch. Auf Milch aus der indus­tri­el­len Tier­hal­tung  ver­zich­te ich fast völ­lig, vor allem nach dem Film „Das Sys­tem Milch“. Die Poli­tik, der öko­no­mi­sche Irr­sinn und der Zynis­mus in der Indus­trie ist ein­fach krass, Da geht nur noch Milch vom regio­na­len Bio­bau­ern, der oft mit weni­gen glück­li­chen Kühen weit mehr Lebens­grund­la­ge erwirt­schaf­tet als tra­di­tio­nel­le Bau­ern mit 1000 Tie­ren im Mas­sen­stall.

Milch­pro­duk­te, sofern sie nicht aus bes­ter Quel­le oder selbst­ge­macht sind, ver­mei­de ich inzwi­schen so gut es geht, ganz vegan wer­de ich ver­mut­lich nicht mehr. Wegen dem Ghee, dem Chai und dem Honig ;-). Ver­mei­det man Milch, kommt man auch nicht in die Gefahr, die inkom­pa­ti­blen Kom­bi­na­tio­nen Milch(produkte) mit sau­rem Obst, Fleisch, Fisch und Salz zu kon­su­mie­ren. Da stockt mir tat­säch­lich manch­mal der Atem, wenn jemand unwis­sent­lich Bana­nens­ha­ke, Früch­temüs­li mit Joghurt oder Fleisch/Fisch mit Sah­ne­sauce ver­zehrt.
Wenn man die ayur­ve­di­schen Prin­zi­pi­en von hoher Qua­li­tät und leich­ter Ver­dau­lich­keit berück­sich­tigt, hat Sah­ne oder kon­ven­tio­nel­ler Käse im Essen eben­falls nichts mehr ver­lo­ren. Da wird die Zun­ge ver­wöhnt, aber die Gewe­be stöh­nen unter der Last.
Alter­na­ti­ven aufs Brot (statt Käse) sind z.B. Gemü­se­auf­s­tri­che, Hum­mus, Gua­ca­mo­le, gute But­ter oder Ghee mit Kräu­tern und Gewür­zen.

Zucker ver­wen­de ich in hoher Qau­li­tät und süße öfter mit Dat­teln oder ande­rem Obst. Des­serts pro­du­zie­re ich in der Men­ge, die in ein Tee­licht-Glas passt, der Kom­pro­miss zum völ­li­gem Ver­zicht. Auf Rei­sen besteht die Gefahr, dass sie mit Unmen­gen von wei­ßem Zucker oder Aga­ven­si­rup her­ge­stellt wer­den. Für den Tee oder ein Früh­stück unter­wegs neh­me ich hoch­wer­ti­gem Zucker mit, weil ich wei­ßen Zucker für abso­lut toxisch hal­te.

Aus­nah­men von die­sen 3 Regeln gibts auch: Ein mit Lie­be zube­rei­te­tes Essen von Freun­den oder der Fami­lie genie­ße ich in vol­len Zügen und fra­ge nicht nach Wei­zen-, Milch- und Zucker­quel­len. Gene­rell glau­be ich, dass Lie­be im Essen das wich­tigs­te Gewürz ist und so eini­ges aus­gleicht… ;-). Aber das hält natür­lich kei­nem wis­sen­schaf­li­chen Beweis stand.

 

#4: Harmonische Mahlzeiten umfassen (fast) alle Lebensmittelgruppen und 6 Geschmacksrichtungen

Die­ses Prin­zip in jeder Mahl­zeit umzu­set­zen, wäre ein Full­time-Job. Wenns zumin­dest in einer Mahl­zeit klappt, am bes­ten in der größ­ten, wäre es schon super. Ansons­ten kann man vom Opti­mum inso­fern abwei­chen, dass zumin­dest über den Tag ver­teilt die­se Kom­po­nen­ten vor­kom­men. Zu den wich­ti­gen Lebens­mit­tel­grup­pen gehö­ren Getrei­de, Hül­sen­früch­te, Gemü­se, Obst, Öle, Süss­mit­tel, Nüs­se und Samen, Kräu­ter und Gewür­ze. Fleisch und Milch­pro­duk­te sind optio­nal.
Die 6 Geschmacks­rich­tun­gen sind süß, sau­er, sal­zig, scharf, bit­ter und herb. So ist eine Viel­falt an Ele­men­ten, Ener­gi­en und Nähr­stof­fen garan­tiert.

 

#5: Frisch und unkompliziert kochen geht fast immer

Frisch gekoch­tes Essen lie­fert die meis­te Lebens­en­er­gie, min­des­tens eine Mahl­zeit pro Tag mach ich des­halb sel­ber. Je unkom­pli­zier­ter, umso bes­ser für die Ver­dau­ung und für das Zeit­ma­nage­ment. Ein­fach wirds, wenn man sich mit ca. 10 Lieb­lings­re­zep­ten ver­traut macht, die sai­so­nal abwan­del­bar sind und die man schnell aus dem Ärmel zau­bern kann.
Wenn etwas über­bleibt, ver­wen­de ich das noch­mals für die nächs­te Mahl­zeit. Das ist ayur­ve­disch gese­hen sub­op­ti­mal, denn es ent­hält weni­ger Pra­na, ver­daut sich schlech­ter und schmeckt nicht mehr ganz so gut. Aber nach einer fri­schen Mahl­zeit am Tag ist das der Kom­pro­miss, mit dem ich leben kann.
Essen, das älter ist als 24 Stun­den, wär­me ich nicht mehr auf. Das meis­te Pra­na ist ver­lo­ren und die Mög­lich­keit, dass sich Unver­dau­tes (im Sans­krit heißt das Ama) im Kör­per ansam­melt und Pro­ble­me macht, ist sehr groß.
Nah­rung beginnt sich zu zer­set­zen, sobald der Koch­vor­gang been­det ist. Das ist ein Natur­ge­setz und kein Kühl­ge­rät kann das stop­pen. In der boo­men­den Meal­Prep Com­mu­ni­ty, die fer­ti­ge Mahl­zei­ten bis zu einer Woche im Kühl­schrank lagert, scheint das nicht bekannt zu sein. Da macht man sich auch kei­ne Gedan­ken über die Hist­amin­ent­wick­lung beim Lagern.

Es gibt eine klei­ne aber gewich­ti­ge Aus­nah­me: das tra­di­tio­nel­le halt­bar machen (ein­we­cken), wie es frü­her üblich war. Wenn uns der Gar­ten z.B. im Herbst noch reich­lich beschenkt, aus den über­schüs­si­gen Toma­ten eine wun­der­ba­re Sugo her­ge­stellt wer­den kann. Wich­tig bei die­sen Vefah­ren ist der Pro­zess, die Sugo wird z.B. kochen­heiß ins Glas gege­ben, mit einem Vak­kum­de­ckel ver­schlos­sen und sofort stark agbe­kühlt. Das­sel­be gilt für Sup­pen, die dann ein paar Wochen halt­bar sind und noch viel Pra­na ent­hal­ten.

Essen in Kan­ti­nen und klas­si­schen Restau­rants hat in der Regel eben­falls wenig Pra­na. Es ist sel­ten frisch gekocht und es wer­den kei­ne hoch­wer­ti­gen Zuta­ten ver­wen­det (weil WIR es ger­ne bil­lig haben möch­ten). Es gibt natür­lich Aus­nah­men, die man über­all fin­den kann. Eine gute Quel­le für ein­fa­ches, fri­sches Essen, vor allem in grö­ße­ren Städ­ten, sind klei­ne vege­ta­ri­sche oder vega­ne Restau­rants. Mein Kom­pro­miss auf Rei­sen.

Fer­tig­ge­rich­te und Nah­rung aus Dosen ver­mei­de ich kom­pro­miss­los. Wür­de man die Essenz des heu­ti­gen Ernäh­rungs­wis­sens in einen Tipp zusam­men­fas­sen, dann wäre es die­ser: avo­id pro­ces­sed food, kürz­lich gehört bei einem Sum­mit über Auto­im­mun-Krank­hei­ten. Hier liegt sehr viel Poten­zi­al für eine gesun­de Ernäh­rung.

 

#6: Mittags ist die beste Zeit für die Hauptmahlzeit

Die Ver­dau­ungs­kraft ist zwi­schen 10 und 14 Uhr am stärks­ten, wenn die Son­ne am höchs­ten steht. In die­sem Zeit­fens­ter kön­nen wir grö­ße­re Men­gen und schwe­re­re Nah­rungs­mit­tel gut ver­dau­en. Das Mit­tag­essen als größ­te Mahl­zeit des Tages zu neh­men, bringt uns in Syn­chro­ni­zi­tät mit der Natur. Drum war bis vor ca. 20 Jah­ren die Mit­tags­pau­se eine Zeit, in der in Unter­neh­men die Anruf­be­ant­wor­ter ein­ge­schal­tet wur­den und die Mit­ar­bei­ter für 1 Stun­de beim aus­gie­bi­gen Mit­tags­mahl waren. In Frank­reich auch ger­ne mal 2–3 Stun­den. Hat kei­nen auf­ge­regt.

Für vie­le scheint es heu­te auf­grund völ­lig zusam­men­ge­schrumpf­ter Mit­tags­pau­sen nicht mög­lich, die Haupt­mahl­zeit mit­tags zu neh­men. Ohne Ener­gie nach­zu­tan­ken, fal­len wir jedoch spä­tes­tens am frü­hen Nach­mit­tag in ein Ener­gie­loch und wer­den unfo­kus­siert und müde. Die Kaf­fee­ma­schi­ne und der Snack­au­to­mat sind dann nicht die idea­len Ener­giebrin­ger.

Es gibt eini­ge logis­ti­sche Lösungs­mög­lich­kei­ten und tech­ni­sche Hilfs­mit­tel, die man indi­vi­du­ell anwen­den kann. Z.B. Reis- und Gemü­se­dämp­fen in der Büro­kü­che, vor­ko­chen am Mor­gen und in Spei­se-Ther­mos mit­neh­men, Kochen am Abend und den Über­schuss mit­neh­men, klei­ne Bis­tros mit weni­gen, frisch gekoch­ten Spei­sen, usw..

Für man­che ist es ein prak­ti­ka­bler Kom­pro­miss, für die Mit­tags- und Abend­mahl­zeit (falls die­se früh ist) in etwa die glei­che Men­ge ein­zu­pla­nen. Somit hat man mit­tags für Ener­gie gesorgt und kann abends in Ruhe genies­sen ohne zu über­es­sen.

Wenn ich in Hotels oder Semi­nar­häu­ser kom­me, die die größ­te Mahl­zeit des Tages am Abend ser­vie­ren, fal­le ich spä­tes­tens nach 2 Tagen aus der Balan­ce, weil das Essen nicht syn­chron mit der Bio­en­er­gie statt­fin­det. Oft ist das Früsh­tück eher ein kal­tes Buf­fet (wenn man nicht auf Ome­letts und unge­würz­te Por­rid­ges steht) und der Mit­tags­snack eine Salat­bar mit Sup­pe. Das ers­te „rich­ti­ge” war­me Essen gibts dann abends. Das ist „crime against wis­dom”, was ich im letz­ten blog­post beschrie­ben habe. Auf Rei­sen in Asi­en bin ich die­se Sor­gen zum Glück los, 3 mal täg­lich war­mes Essen ist Tra­di­ti­on.

Tref­fe ich Freun­de zum Abend­essen im Restau­rant, blei­be ich bei der Haupt­mahl­zeit am Mit­tag. Dann ist der Hun­ger am Abend nicht so groß und ich kann eine Klei­nig­keit genies­sen und mich voll auf die Freun­de ein­stel­len. Es gibt aller­dings eine Aus­nah­me: Ist der Gast­ge­ber ein pas­sio­nier­ter Hob­by­koch,  kom­me ich hung­rig und genies­se jeden Bis­sen. Und freue mich über die Lie­be und Lei­den­schaft, die man dar­in schme­cken kann. Und esse am nächs­ten Tag eher Reis­sup­pe und gedämpf­tes Gemü­se, z.B. 😉

 

#7: Essen braucht Pausen

Eine klei­ne­re Mahl­zeit, z.B. das Früh­stück ist nach ca 2–3 Stun­den ver­daut, eine Haupt­mahl­zeit nach ca. 4–6 Stun­den. Dazwi­schen wär es dem Kör­per am liebs­ten, wir wür­den ihn in Ruhe las­sen, damit er sei­nen Job kom­plett erle­di­gen kann, bevor die nächs­te Mahl­zeit ankommt. Zwi­schen­mahl­zei­ten ver­hin­dern die­se Pau­se für das Ver­dau­ungs­feu­er (Agni), was zu Rück­stän­den von Ama im Kör­per, Über­ge­wicht und Ener­gie­ver­lust führt. Irgend­wann stellt das Agni den Dienst völ­lig ein und es bewegt sich nichts mehr.

Fühlt man einen Hun­ger zwi­schen­durch, funk­tio­nie­ren ein paar Nüs­se, etwas Obst, ein Smoot­hie oder eine Tas­se Gemü­se­brü­he, vor allem dann, wenn die Pau­sen zwi­schen den Mahl­zei­ten län­ger als 5 Stun­den betra­gen, z.B. zwi­schen Mit­tag- und Abend­essen.

Eine wei­te­re belieb­te und sehr gesun­de Pau­se ist das Inter­vall­fas­ten. Dabei ver­klei­nert man das Fens­ter der Nah­rungs­auf­nah­me auf 8–10 Stun­den. Ein spä­tes Früh­stück nach einem frü­hen Abend­essen wäre dafür ein Bei­spiel und bewirkt ener­ge­ti­sche Wun­der.

 

#8: Essen braucht ausreichend Zeit, Ruhe und Aufmerksamkeit

Frü­her war die Zeit zum Kochen und anschlies­sen­den Essen ein fixer Teil des Tages, nie­mand wäre auf die Idee gekom­men, knap­pe Ter­mi­ne drum her­um zu legen. Heu­te lei­den wir unter „over­sche­du­ling”, d.h. der Ter­min­ka­len­der hat kei­ne Lücken mehr.

Über die Vor­zü­ge des auf­merk­sa­men Essens habe ich einen Extra Arti­kel geschrie­ben. Die Kurz­form: Den vol­len Genuss beim Essen und den bes­ten Out­put beim Ver­wer­ten der Nah­rung errei­chen wir, wenn wir mit aus­rei­chend Zeit essen, an einem Tisch sit­zen (der Schreib­tisch ist NICHT gemeint), in ange­neh­mer Atmo­sphä­re essen, die Arbeit und ande­re Ablen­kun­gen abschal­ten und die Nahurng schwei­gend zu uns neh­men.

Das ist natür­lich nicht immer mög­lich, aber es läßt sich damit expe­ri­men­tie­ren. Die gan­ze Zeit zu schwei­gen macht mit Kin­dern sicher wenig Sinn, trotz­dem könn­te man mit ein paar Schwei­ge­se­kun­den am Anfang der Mahl­zeit ihr Bewußt­sein für den Wert des  Essens stär­ken.
Es emp­fieht sich, Essen von Mee­tings zu tren­nen. Man ver­passt zu viel auf bei­den Ebe­nen. Wer­de ich zu einem Arbeits­es­sen ein­ge­la­den, ver­su­che ich, es als ein leich­tes Arbeits­früh­stück oder eine Tee­zeit zu pla­nen. Geht das nicht, pla­ne ich davor oder danach eine nahr­haf­te Spei­se. So kann ich mich voll auf den Out­put des Mee­tings kon­zen­trie­ren und esse etwas leich­tes,  das die feh­len­de Ver­dau­ungs­kraft wett­macht.

Wenn man lang­sam und auf­merk­sam essen will, kann man es auch mal mit den Fin­gern pro­bie­ren. Für indie­ner­prob­te Yogi*nis nichts Unbe­kann­tes. Es ist tech­nisch eher schwie­rig, neben­bei zu tele­fo­nie­ren, die Maus zu bewe­gen, die Zei­tung umzu­schla­gen oder auf dem Smart­pho­ne zu scrol­len ;-).

In einem Retreatcen­ter in Bali schlägt man die­se Vari­an­te vor…

mit staebchen essen

Einen lesens­wer­ter Arti­kel zum The­ma unauf­merk­sa­mes Essen fin­det man hier.

 

#9: Und dann wären da noch die kleinen „Lieblingsspeisen”…

Das Com­fort food, in das man rein­beißt und sofort einen unend­li­chen Genuss ver­spürt. Bei mir wird das meis­tens durch ein saf­ti­ges Brow­nie aus­ge­löst, heu­te war es im fer­nen Bali aller­dings ein Crois­sant, das ech­te, fran­zö­si­sche, but­t­ri­ge, das so irre schmeckt, dass man sofort nach Frank­reich aus­wan­dern möch­te. Ich bin froh, dass es die­se Art von Crois­sants bei uns fast nir­gends gibt. Wenn man ein gutes Ori­gi­nal kennt, fällt es so leicht, auf die fake Kopi­en zu ver­zich­ten. So hat die Indus­trie mit ihrer Durch­schnitts­wa­re auch etwas Gutes.

Der Genuss die­ser Din­ge redu­ziert sich übri­gens für die meis­ten pro­por­tio­nal zur Men­ge, die man davon isst. Somit sind die­se klei­nen „Sün­den” sel­ten schäd­lich, nach dem Mot­to: die Men­ge macht das Gift. Solan­ge das mit Bewußt­heit, Genuss, Selbst­ak­zep­tanz und ohne Schuld­ge­füh­le pas­siert, ist es ab und zu völ­lig okay.

Wür­de mich sehr über eure Erfah­run­gen mit Kom­pro­mis­sen freu­en, es ist sicher ein dis­kus­si­ons­freu­di­ges The­ma 🙂

pho­to: Nora Wen­del / the­pho­to­fo­rest

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