Die „neue“ Esskultur?

Für die jüngere Generation scheint dies die heutige Welt des Essgenusses zu sein: Multitasking. Während der Löffel zum Mund geht wird gleichzeitig der FB-, Twitter-, WA-Feed o.ä. erkundet bzw. durch die Weltnachrichten gescrollt. Man isst die News, nicht das feine Essen.

Unsere Verdauung funktioniert allerdings nicht in diesem Modus. Biologisch sind wir so programmiert, dass das Nervensystem in den parasympatischen Modus switchen muss, um verdauen zu können. Nennt sich auch rest-and-digest-Modus. Wird gleichzeitig der Fokus auf etwas anderes gelenkt, verbleiben wir im sympatischen Nervensystem, auch fight-and-flight-Modus genannt. In diesem Modus steht der Schalter der Verdauung auf OFF. Das ist einfache Biologie bzw. sind die Gesetze der Natur. Nicht auszuhebeln.

Wenn das Verdauungssystem abgeschaltet ist, führt das über kurz oder lang zu einem Berg von Unverdautem im Körper. Was nicht verdaut wird lagert der Körper an. Eher in der Breite. Die Zellen können die Nährstoffe nicht verwerten, wir fühlen uns müde. Und unterernährt auch bei qualitativ hochwertigem Essen.
Diese Art zu Essen wird uns noch viel gesundheitlichen Verdruß bringen. Das gilt auch für Essen vor dem Fernseher oder Computer, Essen beim Zeitungslesen, Essen im Stehen oder Business-Lunches/-Dinners.

Der Idealzustand wäre, das Essen an einem ruhigen Platz zu sich zu nehmen und dabei so wenig wie möglich abgelenkt zu sein. Manche lieben das Schweigen beim Essen, für Familien mit Sicherheit eine weniger praktikable Lösung. Dr. Rangan Chatterjee hat in seinem SEHR lesenswerten Buch „Der 4-Säulen-Plan“ dem Smartphone eine extra Passage gewidmet. Beim Essen bleibt es außer Reichweite, aber er geht darüber hinaus und wirbt für einen smartphone-freien Tag pro Woche. Digital fasting auch um den Kopf frei zu kriegen.

Cool durch die Sommerhitze

Sommer. Hitze. Baden. Biergarten. Leichte Kleidung. Im Gras liegen. Lange Abende. Urlaub… :-).
Doch kaum ist die Sonne in ihrer stärksten Phase, kann sie uns schnell zum kochen bringen. Gut, wenn man ein paar Feuerlöschertipps für Essen und Lebenstil kennt, um die Sommerhitze in Schach zu halten.

Naturgmäß ist im Sommer das Feuerelement stärker und somit Pitta dominant, die Sonnenstrahlen entziehen der Erde Feuchtigkeit, alles wird trockener und leichter. Pitta wird neben dem Feuerelement auch von einem kleinen Anteil des Wasserelements begleitet. Wenn dieses überhand nimmt, wird der Sommer nass und es entstehen Überschwemmungen.

Alle Lebewesen suchen während des Tages einen kühlen Platz und sind schläfrig. Nicht umsonst sind in mediteranen Ländern ab Mittag die Strassen wie leergefegt. Es ist Siestazeit, das Leben beginnt am späten Nachmittag wieder, mit viel Lebensfreude und tamtam ;-).

Das normalerweise dominierende Feuerelement des Sommers läßt uns ordentlich schwitzen und schwächt unsere Kraft, Aktivität fällt schwer und manchmal fühlen wir uns überhitzt, fast fiebrig. Die innere Hitze zeigt sich in der Körperperipherie durch entzündliche Prozesse wie Heuschnupfen, Hitzebläschen, rote Haut etc..

Die Sommerhitze schwächt auch das Verdauungsfeuer (agni), denn dieses wird zum Ausgleich der äußeren Hitze zurückgefahren, der Appetit ist nicht sehr groß. Man kann es auch vergleichen mit einem Eimer heißem Wasser (= flüssiges Pitta), das man auf einen Grill oder das Lagerfeuer schüttet. Ähnlich ist das übrigens mit Eiscreme und eiskalten Getränken, das innere Feuer hat Mühe, seine „Arbeit“ zu erledigen. Obwohl im Sommer die Verdauungskraft am schwächsten ist, essen wir liebend gerne z.B. schwer verdauliche Salate und andere Speisen am Abend. Was vielen Menschen Blähungen in der Nacht und Müdigkeit am Morgen beschert.

Idealerweise passt man seine Aktivitäten und die Ernährung den äußeren Umständen an. Mit einigen kleinen Gegenmaßnahmen kann man aus der Sommerzeit eine Sommerfrische gestalten.

 

Kühlende Ernährungstipps

Diese Nahrungsmittel sollte man bevorzugen (reduzieren Pitta):

  • süßes, bitteres und herbes Essen
  • leichtes und leicht verdauliches Essen
  • mehr befeuchtende und flüssige Nahrung (z.B. Suppen)
  • weniger essen, auf Sättigungsgefühl achten
  • frisches, regionales Obst, das süß und reif ist
  • Zitronen und Limonen in Essen und Getränken
  • kühlendes Essen
  • fast alle Gemüse (saisonal Fenchel, Artischoken, Erbsen), wässrige Gemüse wie Gurken, Zucchini, grüne Blattgemüse (Mangold)
  • etwas Salat und Rohkost mittags (bei guter Verdauungskraft)
  • Hülsenfrüchte (Dal, Humus, Mungbohnen)
  • öfter kühlendes Kokosöl zum Kochen verwenden
  • Buttermilchsuppe
  • ideale Gewürze: Fenchel, Koriander, Anis, Petersilie, Minze, frische Kräuter
  • mehr trinken: Wasser, Fruchtsäfte, Kräutertees (auch lauwarm), Zitronenwasser, Rosenwasser, Getränke mit natürlicher Süße,

 

Diese Nahrungsmittel sollte man reduzieren oder meiden (erhöhen Pitta):

  • saure, salzige, scharfe Speisen
  • frittiertes und sehr heißes Essen
  • Nachtschattengewächse (Kartoffeln, Paprika, Chili, Tomaten, Auberginen)
  • saures und unreifes Obst
  • Ananas, Tomaten (süße Sorten sind ok), Tamarinde, Essig, Chutneys
  • scharfes wie Senf, Meerettich, Pickles, Knoblauch, Zwiebeln und sehr scharfe Gewürze
  • rotes Fleisch, Meerestiere und Schalentiere (Muscheln, Shrimps, Garnelen etc.), Eigelb
  • Sauermilchprodukte, Joghurt (gilt als stark erhitzend während der Verdauung)
  • Salat am Abend
  • alkoholische Getränke (!)

 

Gewürzmix für den Sommer (kühlendes Würzen ohne Schärfe)

1 EL Koriandersamen
1 EL Fenchelsamen (je nach Präferenz kann auch die halbe Menge ausreichen)
1 EL Kreuzkümmelsamen
1 EL Kardamonsamen
1 EL Kurkumapulver

Die ersten 4 Zutaten in einer Gewürzmühle mahlen, Kurkuma zufügen und in einem dunklen Glas oder Gewürzdose lagern. Innerhalb eines Monats verbrauchen.
Alternativ kann man die Samen vor dem mahlen kurz trocken anrösten. Dies verändert das Aroma.

 

 

Sommer-Getränke, die Pitta reduzieren

Im Sommer wird man buchstäblich überschüttet mit Tipps für kühlende Getränke. Da sind dann auch zuckrige Siruplimonaden und eiswürfelhaltige Getränke wie alkoholfreie Cocktails und Eistees dabei. Beides würde das Verdauungsfeuer eher belasten, vor allem das Eiswasser. In heißen Ländern trinkt man den ganzen Tag warmes Wasser oder Kräutertees, sie schocken den Körper nicht so krass mit dem anderen Extrem.

Beispiele für hitze-ausgleichende Sommergetränke

  • Aloeverasaft und Kokoswasser
  • Tees: z.B. aus Pfefferminze oder Süßholz oder Fenchel oder Salbei, bzw. gemischt
  • Minze-Melissen-Zitronenwasser (Rezept)
  • Rosinen-Koriander-Tee: Eine Handvoll Rosinen/Korinten und eine Handvoll gemörserte Korandersamen werden in Wasser ca. 10 Minuten gekocht, dann mit heißem Wasser bis auf 1 Liter Gesamtmenge verdünnt. Abkühlen lassen und lauwarm trinken.
  • Rosen-Fenchel-Tee: 1 TL Fenchelsamen in eine Tasse kochendes Wasser geben und einige Minuten bei wenig Hitze leicht köcheln.Den Herd ausschalten und das Wasser abkühlen lassen. 4-5 Minzeblätter zugeben und ca. 5-10 minuten ziehen lassen. Danach das Wasser durch ein Sieb geben und einen TL Rosenwasser zufügen. Alternative: Fenchelsamen mit heißem Wasser in einer Teekanne übergiessen, Minze zugeben und am Schluss das Rosenwasser. Optional kann auch Kokosmilch/Kokoswasser zugegeben werden.
  • Rosensirup: frisch gepflückte Rosenblätter in ein Glas geben und mit Zucker bedecken. Am Morgen den Sirup in Mandelmilch oder Wasser geben.

 

Hitzereduzierender Lifestyle

Nicht nur beim Essen, auch sonst kann man dem Sommer genügend kühlendes entlocken:

  • in der Regel wachen wir früher auf, das Aufstehen mit der Sonne oder kurz danach ist sehr energetisierend und wir nutzen die kühlen Morgenstunden
  • Barfuß gehen auf einer Tauwiese ist seit alters her ein sehr erfrischendes und befriedigendes Morgenerlebnis
  • Massagen mit Kokosöl haben einen kühlenden und nährenden Effekt für die Haut. Mit lauwarmem Wasser abwaschen.
  • ein kleiner Mittagsschlaf wirkt ausgleichend
  • Für Kühlung und Entspannung sorgen
  • zwischen 11 und 15 Uhr nicht in die Sonne gehen und körperliche Anstrengungen meiden
  • Schattenplätze bevorzugen, Windzufuhr durch Fächer oder Ventilator ermöglichen
  • kühlende Sportarten wie Schwimmen bevorzugen
  • Spaziergänge im Mondlicht erfrischen und kühlen
  • Rosendüfte kühlen und erleichtern das Schlafen im Sommer
  • im Freien schlafen, sofern man in einer ruhigen und grünen Umgebung lebt

 

Hitzige Temperamentsausbrüche können im Sommer verstärkt auftreten. Schnellhilfe: Einen großen Schluck kaltes Wasser eine Weile im Mund behalten. Das Wasser kühlt das Pitta und beruhigt, verhindert außerdem unbedachte Worte…

Somit wünsche ich uns viele schöne Sommertage 🙂

 

überarbeitet Juli 2019

Die Verdauungskraft von Qualität

ayurvedische rishisEinige weise Rishis saßen vor tausenden von Jahren in einem vermutlich indischen Wald zusammen und haben (unter anderem) über die Verbesserung der Verdauungskraft beraten. So sagt es zumindest die Legende :-). Herausgekommen sind dabei 7 (in manchen Texten 8) Leitlinien, die auch mit unsere modernen Essmöglichkeiten äußerst kompatibel sind.

Die erste dieser Empfehlungen betrifft die Qualität der Nahrungsmittel. Damit ist zum einen gemeint, dass man erkennen und erspüren kann, ob Nahrungsmittel leicht oder schwer, trocken oder ölig, wärmend oder kühlend, hart oder weich, rauh oder samtig sind. Es gibt noch weitere 5 Eigenschaftspaare, die hier genannten sind jedoch für die Ernährung die wichtigsten. Man kann dies nicht in der Schule lernen oder in Kochbüchern nachlesen. Ursprünglich wurde dieses Wissen durch die Tradition und Region bestimmt und natürlich auch durch die Weitergabe innerhalb der Familie, das Kochen von Großmüttern, Tanten, Müttern und Kindern zusammen.

Heute geht es nicht mehr ganz so idyllisch und großfamiliär zu und Kinder lernen diese Unterscheidungen nicht beim Fast Food in der großen Pause, oft wissen die Mütter es ebenfalls nicht mehr. Kochshows sind dafür auch nicht hilfreich, da die Show naturgemäß nicht schlicht und alltagstauglich sein kann, sondern von Effekten lebt, mal abgesehen von sehr bodenständigen Programmen. So hilft nur noch die eigene Intuition, das Bauchgefühl und das genaue Beobachten, welche der o.g. Eigenschafen einer Nahrung auf den Körper wirkt. Eine sehr spannende Übung übrigens.
Zum Glück gibt es Kräfte, die das Traditionelle und Regionale zurückzuholen versuchestevan_paul katharina_seisern in unsere Küchen. Tolle Kochbücher wie „Österreich vegetarisch“ oder „Deutschland vegetarisch“ (gerade erschienen), von der quirligen Katharina Seiser herausgegeben und die deutsche Version von einem meiner Lieblings-Foodblogger bestückt, Stevan Paul. Seine App „Go veggie!“ läßt bei jedem größeren Kochevent mein iPad heißlaufen :-).

 

Lebensmittel mit Qualität

Der zweite Qualitätspunkt betrifft die Herstellungsqualität der Nahrungsmittel und darüber kann man nun genügend Informationen aus Medien und Internet beziehen. Am meisten erfährt man, wenn die Qualität daneben ist, sprich wenn mal wieder ein Lebensmittelskandal die mediale Runde dreht.

Qualität ist alles. In jeder großen Ernährungsstudie, bei der die Ernährung der westlichen Welt (raffiniertes, massenproduziertes, fleischlastiges, qualitätsarmes Essen) mit der von Urvölkern (frisches, einfaches, regionales, gemüselastiges Essen) verglichen wurde, waren die Gesundheitswerte der zweiten Gruppe um Welten besser. Was nichts anderes bedeutet, dass man mit der Anhebung der Nahrungsqualität seinen Stoffwechsel und sein Wohlbefinden kräftig ankurbeln kann.

Der ayurvedische Grundsatz lautet, die best möglichen Nahrungsmittel, die in der Region und Saison erhältlich sind, zu verwenden. Meist ist das heute Bioware, die möglichst unbehandelt bzw. wenig verarbeitet ist. Ja natürlicher, desto nährstoffreicher. In der Großstadt wird man mit guter Ware flächendeckend bedient, in ländlichen Regionen bedarf es manchmal einiger Recherchen, um die Bauern, Hofläden oder Wochenmärkte seines Vertrauens zu finden.

Die gute Nachricht: es gibt hierzulande genügend hochwertige Lebensmittel zu kaufen. Die weniger gute: Man muss sie manchmal aus einem Meer an Massenware und industrialisiertem Essen herausfischen. Hat man aber einmal seine Quellen gefunden, wird der Einkauf zum Kinderspiel. Und für alle, die wenig Zeit haben gibt es sowieso die perfekte Lösung: Biokisten.

 

Die Merkmale von Qualität sind: frisch, organic, handgemacht, regional produziert, hohe Nährwertdichte, wenig Toxine, hergestellt mit hlebensmittel michael pollanoher Ethik, geschmackvoll, aromareich, ohne synthetische Zusatzstoffe, die das Fehlen von echten Nährstoffen maskieren soll. Für Michael Pollan sind nur dies echte Lebensmittel, alles andere sind lediglich essbare Substanzen. Dazu gibt es ein unbedingt lesenswertes Buch von ihm.

 

Mit dem Essen ist es wie mit allen Gütern. Man bekommt, was man dafür bezahlt. Und manche investieren wenig in Lebensmittel und viel in Pillen, die die Folgen des billigen Essens reduzieren sollen.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Qualität ist:

Je schlecher das Essen, desto mehr konsumieren wir.

Weil das schlechte Essen wenig Nährstoffe hat, verlangt der Körper nach einer größeren Menge. Das Gehirn registriert fehlende Nährstoffe und sendet das weiseste Signal: iss mehr! Und so beginnt der Kreislauf der Verdauungsprobleme.

Je hochwertiger die Lebensmittel, desto weniger benötigen wir. Große Portionen sind nicht nötig und waren es nie. Es sei den man hat Marathon, Triathlon oder andere Leistungssportarten zum Beruf oder Hobby.

Wenn wir frische und organische Nahrungsmittel wählen, wird die Ernährung nährstoffreicher. Auch wenn die Medien im Quartalsrhythmus gerne Biobashing betreiben. Und dabei nie die Pestizide erwähnen, die dem Körper nachweislich schaden können oder die Böden, die im Biolandbau einfach „gesünder“ sind.

Wer eine hohe Nährstoffdichte konsumiert, ist länger satt und hat weniger Gelüste auf Zwischenmahlzeiten und Snacks. Die höhere Investition in gute Lebensmittel wird durch weniger Menge zumindest etwas ausgeglichen.

 

Ernährung und Wissenschaft

Studien zum Thema Ernährung betrachten selten die Qualität der Nahrung. Dies ist einer der Gründe, warum diese Studien oft zu konträren und sich widersprechenden Ergebnissen kommt. Und vieles ist rein wissenschaftlich nicht erklärbar. Z.B. warum das Karotin einer Karotte eher dem Körper zur Verfügung steht als das Karotin aus einer Pille.

Oder das berühmte French Paradox. Die Amerikaner mit ihren riesigen Gesundheitsproblemen und ihrer lowfat Diät wundern sich, warum die Franzosen, die spät am Abend essen, nicht auf die Kalorien achten, nicht wenig Fettes verzehren, Weißbrot in Mengen konsumieren, ihren Wein geniessen und dann auch noch Käse am Ende der Mahlzeit nehmen, so schlank und gesund sein können, keine Cholesterinprobleme haben, eine deutlich niedrigere Herzinfarktrate und die Frauen so schön und elegant sind. Wissenschaftlich nicht erklärbar.

Sie vergessen, dass Faktoren wie Genuß, Zeit beim Essen, Entspannung und eben hohe Qualität eine nicht minder große Rolle spielen. Und dass die Franzosen am nächsten Morgen nicht ham, beans, bacon und eggs verzehren. Sondern sich ein halbes Croissant in den Kaffee tunken und dem Abendmahl Zeit geben zum Verdauen bis zur Mittagszeit. Das einzige Paradox ist, dass die Wissenschaftler den Zusammenhang nicht verstehen…

Wissenschaftlich wird Nahrung als eine Ansammlung von Vitaminen, Mineralien, Makronährstoffen und anderen chemischen Substanzen beschrieben. Wir sind gewohnt, dass dies gemessen und auf die Etiketten gedruckt wird und wir daran ablesen können, wie viele Nährstoffe wir zu uns nehmen. Doch dieser Ansatz ist veraltet und hat mit der Ernährungsrealität wenig zu tun. Auch Mikrowellenessen und das billigste Fertiggericht kann auf der Verpackung eine Liste von angeblichen Nährstoffen chemisch nachweisen. Doch wir wissen längst, dass man mit einem Dauerkonsum an Fertiggerichten nicht gesund bleiben kann. Essen ist mehr als ein Haufen chemischer Substanzen. Essen ist Energie und Information.

Ayurveda und TCM haben die Nahrung übrigens nie nach Nährstoffen bewertet. Viel wichtiger und relevanter ist die energie-spendende Qualität der Lebensmittel. Beschrieben wird dies über Elemente und Archetypen wie Wasser, Erde, Luft, Feuer, Raum, Metall, Holz, Yin, Yang, Qi, Prana, Vata, Pitta, Kapha etc.. Nichts kann man davon unter dem Mikroskop sehen, doch deren Wirkungen sind spürbar und sichtbar. Yin und Yang sind für einen Chinesen so real wir für uns Proteine oder Kohlenhydrate.

Somit ist der wahre Wert eines Lebensmittels nicht an einem Etikett ablesbar und auch nicht durch pseudowissenschaftliche Faktoren, sondern in der Energie und Information, die es enthält. Und diese beinhaltet nicht nur Kalorien, Vitamine, Eiweißgehalt usw., sondern wie die Nahrung gewachsen, geernet, bearbeitet, transportiert, gekocht und gegessen wurde.

Die meisten Menschen erwarten vom Essen, dass es Ihnen Energie, Glück, Schönheit und Gesundheit liefert. Gut, die einzige Möglichkeit, diesen hohen Anspruch zu realisieren besteht darin, das Essen mit diesem Bild vor Augen herzustellen. Wenn man mit Ethik und Humanität Essen kultiviert, wird die Ernte wie gewünscht ausfallen. Und wenn wir Böden und Tiere auf brutalste Weise ausbeuten, wird sich das in unseren Körpern widerspiegeln. So ist die Natur. Wir haben die Wahl.

Die Natur ist heute bunt und farbig, der Herbst eben. Warum nicht mal eine Qualitätswoche einplanen und die bunte Vielfalt der Möglichkeiten vergrößern? 🙂

 

 

 

Aber bitte mit Sahne?

Erdbeeren mit SahneDa ist sie nun wieder, die Zeit von Wimbledon, dem Tennisturnier von Erdbeeren mit Sahne :-).

Sahne löst die unterschiedlichsten Assoziationen in uns aus und ist in Ernährungskreisen ein weit diskutiertes Lebensmittel. Auch in der Ayurvedawelt, in der es Sahnegegner und Sahnebefürworter gibt.

Fakt ist, dass Sahne das Essen sehr cremig macht, einen guten Geschmack verleiht, durchaus Suchtpotenzial hat und dick macht. Bisher konnte ich keine Studien finden, in denen größere gesundheitliche Vorteile durch Sahnekonsum beschrieben wurden. Es bleibt also der reine Genußfaktor von Sahnesaucen, Sahnedesserts und Sahnetörtchen…

 

Traditionelle Ayurvedaärzte in Indien wundern sich, wie Sahne in westliche Ayurveda-Kochbücher gelangen konnte. Sahne ist der Milch sehr ähnlich, doch ist sie fetter und nahrhafter. Sie macht das Essen schwer, ist schwer verdaulich und fördert Schleimbildung und Verstopfung. In großen Mengen und in Verbindung mit anderen schweren Lebensmitteln (Fleisch, Fisch, Käse) ist Sahne also sehr problematisch.

Wenn Sahne durch Ayurvedaärzte (im Westen) empfohlen wird, handelt es sich vermutlich um Patienten, die eher trocken und ausgezehrt, also untergewichtig sind und die eine nahrhafte, befeuchtende Substanz ganz gut brauchen können. Allerdings muss sichergestellt sein, dass diese Person eine gute Verdauungskraft besitzt, sonst könnte sich die Sahne als belastend erweisen. Ebenso ist das sahnige Essen nur für den Patienten gedacht, denn für weitere Mitesser, die z.B. eine schwächere Verdauungskraft haben oder eher übergewichtig sind, könnte das Essen diese Problematiken verstärken. Somit wird ein kluger Ayurvedakoch, der viele Menschen zu bekochen hat, sicherheitshalber auf Sahne verzichten.

 

Generelle Eigenschaften der Milchprodukte

Sahne und andere Milchprodukte sind wie das Ausgangslebensmittel Milch nährend und schwer verdaulich. Eines der Hauptprinzipien im Ayurveda ist, der eigenen Verdauungskraft angepasst zu essen. Somit können Menschen mit guter Verdauungskraft mehr Milchprodukte zu sich nehmen als Menschen mit schwacher Verdauungskraft. Die Menge hat also einen großen Einfluss auf die gesundheitlichen Wirkungen.

Es gilt jedoch auch für Gesunde und Verdauungsstarke, dass man Milchprodukte eher in kleinen Mengen verzehren soll und nicht am Abend, da die Verdauungskraft nach Sonnenuntergang stark nachlässt.

Zusätzlich ist wie bei der Milch die Qualität des Milchproduktes ausschlaggebend. Nimmt man die bestmögliche Milch und macht daraus Sahne, Buttermilch, Joghurt, Creme Fraiche oder Frischkäse, dann werden diese bekömmlicher sein als dieselben Produkte aus der Milch von unglücklichen Kühen.

 

 

Gut bekömmliche Milchprodukte sind:

Buttermilch – ist sehr leicht verdaulich und hat eine kräftigende Wirkung. In Südindien wird sie als Suppe/Sauce zu jedem Mittagessen gereicht. Sie ist leichter als Joghurt und in Verbindung mit Gewürzen wie Kurkuma, Kreuzkümmel, Korianderblättern, Ingwer etc. unterstützt sie in hohem Maße die Verdauung. Dazu wird sie leicht angewärmt. Buttermilch kalt und ohne Gewürze wird jedoch nicht empfohlen. Buttermilch hat die gegenteiligen Eigenschaften von Joghurt und reduziert Schwellungen (s.u.)

buttermilchsuppeEine Besonderheit sind Bifidusmilch und Acidophilismilch, hier entsteht die Buttermilch durch Zusatz von probiotischen Bakterien.

Rezept für eine schnelle Buttermilchsauce.

 

 

Ghee – das geklärte Butterfett wird zum kochen und als Medizin verwendet. Es ist in kleinen Mengen ideal, um das Verdauungsfeuer zu unterstützen und die Nahrung zu verdauen. In großen Mengen kann es das Gegenteil bewirken und die Verdauungskraft schwächen. Einen Extralöffel Ghee am Ende auf die Speise geben ist somit meistens nicht nötig und eher hilfreich für ausgezehrte Menschen mit guter Verdauung.

Richtig verwendet gilt Ghee als lebensverlängernd, verjüngend, verdauungsfördernd, intelligenzfördernd, stärkend und schützend für den ganzen Körper. Es ist gut für die Augen, wirkt Ermüdung entgegen und hilft bei best. Fiebererkrankungen. Und: und es macht einen schönen Teint (!) 🙂

Altes Ghee (1-10 Jahre alt) wird als Medizin und Medizinträger verwendet.

Ghee läßt sich leicht selber herstellen: 2 kg Butter (ich bevorzuge Rohmilch- oder Süßrahmbutter) werden in einem Topf mit gutem Boden auf kleiner Flamme geköchelt. Eiweiß und Wasser separieren sich bei diesem Prozess vom Fett. Den Schaum nehme ich von Zeit zu Zeit weg, um zu sehen, was auf dem Topfboden passiert. Dort setzt sich ein Teil des Eiweißes ab und es darf nicht verbrennen. Wenn die Flüssigkeit, die am Anfang sehr geräuschvoll vor sich hin gurgelt, sehr leise wird und nussig duftet, ist das Ghee fertig. Meist dauert das 30-60 Minuten, abhängig von Topf und Herd. Dann wird es durch ein Tuch in ein Glas gesiebt und dunkel aufbewahrt. Ghee darf nicht in den Kühlschrank. In der Regel hält es einige Monate.

Eine besonders schmackhafte Variante erhält man, wenn man eine Prise Kurkuma, ein paar Kardamonkapseln und einen halben Teelöffel Bockshornkleesamen beimischt.

Jeder Bioladen verkauft inzwischen Ghee in relativ guter Qualität.

 

 

Belastende Milchprodukte sind

Sahne – s.o.

Joghurt – hat einige gute Eigenschaften, z.B. nährt es die Gewebe sehr gut und fördert den Appetit was für abgemagerte Menschen mit wenig Appetit sehr hilfreich sein kann. Joghurt unterstützt durch den Aufbau des Fettgewebes die Gewichtszunahme und macht vor allem bei übermäßigem Gebrauch dick. Joghurt stärkt die Fortpflanzungsgewebe, das Blut und die Kraft. Die Darmflora wird positiv beeinflusst. Bei Durchfall ist Joghurt sehr hilfreich, da er stark verstopfend wirkt. Äußerlich wirkt Joghurt kühlend, was als sehr angenehm empfunden wird im Gaumen. Hilfreich ist diese Eigenschaft z.B. bei Sonnenbrand.

Selbst hergestellter Joghurt ist wesentlich hochwertiger als industriell gefertigter.

Negative Eigenschaften: Joghurt ist trotz kühlendem „Touch“ sehr stark erhitzend während des Verdauungsprozesses, was zu Hautunreinheiten und  Übersäuerung führen kann. Je saurer der Joghurt schmeckt desto mehr übersäuert er das System. Er verstopft außerdem die Kanäle und den Darm und führt zu Schwellungen im Körper. Joghurt ist extrem schwer verdaulich und verschleimend. Diese Eigenschaften können zu Blockaden in allen Körperkanälen führen.

Verzehrempfehlung nach Ayurveda: Nicht jeden Tag, niemals am Abend und nicht in der heißen Jahreszeit.

Joghurt in Verbindung mit Früchten (Fruchtjoghurt, Müsli etc.) wird als inkompatibel angesehen und ist die Ursache für viele ernährungsbedingte Krankheiten. Dagegen ist Joghurt eher unproblematisch in der Verbindung mit Dalgerichten (vor allem grünen Mungbohnen), Honig, Jaggery (Palmzucker) und Ghee. Je mehr man sich bewegt und je besser die Verdauungskraft ist, umso weniger Probleme macht der Joghurtkonsum.

 

Butter – zählt zu den eher verstopfenden Milchprodukten. In kleinen Mengen wird sie in der Regel aber gut vertragen. Abhängig von der Verdauungskraft.

 

Sauerrahm / Creme Fraiche / Schmand / Quark (Topfen) / Hüttenkäse etc. – in kleinen Mengen und nicht am Abend können sie viele Gerichte verfeinern und können verwendet werden, wenn man keine Probleme mit der Verdauung hat.

 

Inkom­pa­ti­ble Kom­bi­na­tio­nen mit Milchprodukten:

Diese Kom­bi­na­tio­nen sind ungüns­tig und füh­ren im Kör­per sowohl zu sofor­ti­gen Reak­tio­nen (z.B. Ver­dau­ungs­pro­bleme, Haut­pro­bleme) als auch zu Lang­zeit­fol­gen (Ver­schlei­mung, schwa­che Ver­dau­ungs­kraft, unreine Haut, Fie­ber­krank­hei­ten, u.v.m.:

  • Sahne und Milchprodukte in Ver­bin­dung mit Fisch, Fleisch, Blatt­ge­müse, Eiern
  • Milchprodukte in Ver­bin­dung mit Früch­ten und sau­ren Sub­stan­zen (Tomaten)
    Dies betrifft die häufig als sehr gesund verkauften Früchtejoghurts, Müsli mit Früchten und Joghurt (oder Milch) und auch das Mangolassi
  • Milch und Joghurt (z.B. frozen yoghurt!)

 

Alles Käse?

Käse  ist schwer und hat eine kühlende Wirkung. Er fördert die Schleimbildung und wirkt verstopfend. Je frischer der Käse ist, desto besser, besonders leicht verdaulich ist dabei der Ziegenfrischkäse. Leider gilt dies nicht für den Schafskäse. Schalfmilchprodukte sind für den Körper schwer verträglich, weil das Schaf das am Menschen unähnlichste Gewebe hat, ganz im Gegensatz zur Ziege. Moderne Ernährungswissenschaftler sehen das durchaus anders. Doch wir hatten das Thema schon bei der Muttermilch, wo dem Baby als Ersatz gerne mal die Ziegenmilch gegeben wird.

Je älter der Käse ist, desto mehr Erdenergie hat er angesammelt und wird dadurch schwer (verdaulich). Bei Sorten wie Parmesan macht aus ayurvedischer Sicht also der jüngere mehr Sinn, der Gourmet würde den älteren bevorzugen.

Je salziger ein Käse desto mehr erhitzt und übersäuert er das Verdauungssystem.

Je cremiger/fliessender er ist, desto eher verstopft er die Kanäle. Das vertragen nur die Franzosen, die auf eine große Käsekultur zurückblicken können ;-).

Büffelkäse ist extrem schwer verdaulich, so schwerfällig wie das Tier…
Der beliebte Mozarella-Sommer-Salat ist also prima für Popeye, wir Verdauungs-Normalos nehmen das lieber nur einmal die Woche…

 

Käse, der nach alten Traditionen aus guten Ausgangsprodukten hergestellt ist, gilt als bekömmlich für die Menschen, die in diesen Käseregionen (z.B. den Alpen) leben. Diesen Käse findet man auf der Alm, im Käse-Fachgeschäft und im Feinkostladen und er kostet so viel, dass sich die Menge automatisch reguliert. Es geht also wieder zurück auf Qualität, Herstellungsverfahren und Verzehr-Menge, die den Ausschlag gibt, ob ein Milchprodukt gut tut und einen längerfristigen Genuß ermöglicht, oder aber den Körper belastet.

Billigkäse in großen Mengen wird für die meisten Menschen irgendwann zu gesundheitlichen Problemen führen.

 

Für alle Nicht-Veganer wäre es also ein großes Geschenk an den Körper, die bestmöglichen Milchprodukte zu verkosten. In kleiner Menge. Mit großem Genuß! 🙂