Lieblingsrestaurants in Wien

Wenn man auf die Reise geht und frisch gekochtes Essen zuhause der Standard ist, hat man es nicht so einfach, halbwegs qualitative Lokale in der Fremde zu finden. Manche Empfehlungen aus Apps oder Restaurantkritiken entpuppen sich als Fehlschlag, vermutlich weil die Tester nur auf den Geschmack achten, nicht jedoch auf Verträglichkeit, Nachhaltigkeit, Frische oder die Zutaten-Kombination.
In Wien ist die Auswahl zum Glück so groß, dass ich bei meinen kurzen Besuchen von einem Lokal zum anderen wandern müsste, um alles, was ich gut finde, auszuprobieren.

Hier also meine unvollständigen und völlig subjektiven Empfehlungen, die ich sukzessive updaten werde. Sortiert aufsteigend nach Stadtteilen.
Indische Lokale und alles was mit vegetarisch/veganen Burgern, Donuts, Süßspeisen etc. zu tun hat, habe ich nicht berücksichtigt (wegen der Weizenlastigkeit), ebensowenig Lokale mit fake Fleisch.

Es gibt sehr viel mehr Optionen in Wien, manche habe ich probiert und verworfen und andere habe ich noch nicht persönlich getestet. Es kommen ja auch ständig neue Lokale dazu, da wird man nie fertig, wenn man nur selten in der Hauptstadt ist ;-).

 

Labstelle – Großartige regionale Küche, für Vegetarier geeignet, Luegeck (1.)

Wrenkh Wiener Kochsalon – alt eingesessenes vegetarisches Lokal (inzwischen mit Fleischspeisen), Kochschule, Bauernmarkt (1.)

O.M.K. – japanisches Streetfood zum Mitnehmen, sensationelle Sushirollen, warme asiatische Speisen, tolle Desserts, mein all-time-favorite, Praterstrasse (2.)

Mochi Ramen Bar – neueste Schwester von Mochi und O.M.K., Ramensuppen, Reisschalen, tolle Tapas, Vorgartenmarkt (2.)

Cuchina – kleines vegetarisches (TCM) Lokal für Mittagsgerichte, Lilienbrunngasse (2.)

Zimmer 37 – vegetarisches Bistro fürs Mittagessen am Karmelitermarkt (2.)

Joseph Bistro – eine der besten Bäckereien der Stadt (hier würde ich sogar Weizenbrot essen), kleine Mittagsspeisen und Smoothies, kleiner Delishop, Landstraßer Hauptstraße (3.)

Tian Bistro – kreative vegetarische Küche, wem die Haute Cuisine im Tian zu teuer und verkünstelt ist, findet hier eine Alternative, Schrankgasse (4.)

Suppito – Shop und Takeaway, 1 Tagesgericht zum mitnehmen, ansonsten tolle Suppen, Eintöpfe, Frühstücksgerichte und Desserts für Zuhause, nach TCM Prinzipien gekocht, Girardigasse (6. – Nähe Naschmarkt)

Deli Bluem – vegan, für Lunch oder Nachmittag, sehr helle, angenehme Athmosphäre, Hamerlingplatz (8.)

Birdyard – ganz neues Restaurant (Sept. 17), kreative Küche, viele vegetarische Optionen, Lange Gasse (8.)

Kräuterdrogerie – Shop für Kräuter, Gewürze, Bücher, Kosmetik und jeden Tag ein vegetarisches Mittagsmenü, Kochgasse (8.)

Pramerl & the Wolf – fixes Menü, sehr kreativ, minimalistisches Lokal mit Überraschungen, hohe Qualität, gehobene Preise, für Vegetarier geeignet, Pramergasse (9.)

Hollerei – sehr gemütliches vegetarisches Restaurant, indisch-asiatische Optionen, Hollergasse (15.)

 

 

 

 

Flexi, Pesci, Veggie oder Vegan?

In unserem strukturverliebten Schubladendenken gab es bisher Allesesser (Omnivoren) und Vegetarier. Heute steht da ein ganzes Schubladenregal, mit lustigen Wortkombinationen etikettiert. Da gibt es den Pescitarier, der sich hauptsächlich von Gemüse und Fisch ernährt. Oder den Flexitarier, der seiner  überwiegend vegetarischen Ernährung ab und an Fleisch und Fisch zufügt. Das wiederum geht nicht bei den Veganern, die nicht mal vom lebenden Tier etwas zu sich nehmen, also auch nicht Butter, Milch, Eier, Honig usw.. Dies ist die in den Medien derzeit aufmerksamkeitsstärkste Gruppe. Eine neuere Welle, die aus Kalifornien, Bali und anderen wellnessorientierten Regionen dieser Welt anrollt sind die vegetarischen raw foodies, wie sich die Zeitgeist-Röhköstler nennen.

 

Die ayurvedische Sicht

Oft werde ich gefragt, welche Ernährungsweise den ayurvedischen Prinzipien am meisten nahekommt. Es gibt dazu jedoch keine Regeln oder Präferenzen, da alles Einengende, reduzierende nicht dem individuellen Ansatz dieses Systems entspricht. Bis auf einige Hinweise auf sehr ungesunde Ernährungsformen, kann man frei entscheiden, was man seinem Körper als „Treibstoff“ zuführen möchte. Am ehesten gilt der Grundsatz, dass man sich ein Wissen über die Nahrungsmittel  aneignet und dann mit Weisheit entscheidet, das zu essen, was individuell leicht verdaut werden kann, den Körper gut nährt, den Geist klar macht und vor allem gut schmeckt. Unweise ist entsprechend alles, was schwer im Magen liegt, den Geist dumpf macht und zu Beschwerden im Körper führt. Trotzdem ist genau das die Ernährung, die man bei uns scheinbar am meisten verzehrt (Massengastronomie und Fertiggerichte).

In den alten Texten werden alle Nahrungsmittelgruppen beschrieben mit ihren Vorteilen und Nachteilen. Fleisch umfasst ein besonders langes Kapitel, wurde es damals (wie heute) sehr oft medizinisch und zur generellen Stärkung verwendet. Daneben werden Ghee (ausgelassene Butter), Milch und Honig sogar als „Nektar“ angesehen.

Viele Beschreibungen decken sich mit dem Essverhalten und der Lebensmittelwahl unserer Mütter und Großmütter. Traditionelle Ernährung, die sich an der Region und Kultur orientiert, in der man sich gerade befindet, ist also selten verkehrt. Wenn man dazu die Prinzipien von Qualität, Saison, und Kombinationen beachtet, ist man in allen o.g. Ernährungsformen beheimatet mit Ausnahme von raw food. Offene Regale – ohne Schubladen.

Die Offenheit und Flexibilität des Systems beinhaltet, dass man auch überregionale Lebensmittel, die den o.g. Kriterien entsprechen, hinzufügen kann, sofern man will. Sei es aus Gründen der größeren Vielfalt (alle Kokosprodukte, Chiasamen, Quinoa, Ingwer, Tamari, Nori uvm.), oder weil diese z.B. in anderen Kulturkreisen als Heilmittel gelten (Umeboshi, Kuzu, Shitakepilze, Mungbohnen).

Gepaart mit exotischeren Würzmischungen (z.B. äthiopisches Buttergewürz, Ras-El-Hanout, Za’atar, Safran, Curry in allen Varianten, südafrikanische Spice Rubs uvm.) entstehen anregende Düfte und abwechslungsreiche Speisen, die dem Körper und der Seele gut tun.

 

Veganismus und Ayurveda

Es ist ein gefühlter Megatrend. Bei Hugendubel in München stehen bei jedem Besuch gefühlt immer 5 neue vegane Kochbücher auf dem Präsentiertisch. Neben maximal einer vegetarischen Neuerscheinung.

Im Monatsrhytmus steigen Freunde oder Bekannte auf diesen Zug auf. Einige Auftraggeber buchen mich unter der Prämisse, dass ich vegan koche. Und viele Klienten fragen, wie das nun zusammenpasst mit Ayurveda und Veganismus.

Vegane Ernährung würde im ayurvedischen Screening eher durchfallen. Zu eng gedacht, zu restriktiv und vor allem der Ausschluss von Heilsubstanzen (Milch, Honig, Ghee) stehen den Prinzipien der Vielseitigkeit konträr gegenüber. Ebenso dem Grundsatz, dass die Nahrung so vollständig sein soll, dass keine Supplementierung durch Pillen, Ampullen, Pülverchen etc. nötig ist.

Enge, dogmatische Ernährungsformen sind für den Körper anstrengend, aber noch mehr für den Geist. Vegane Bücher, die den Eindruck vermitteln, dass alle Menschen, die Tier- und Milchprodukte zu sich nehmen, davon Krebs bekommen könnten, kann ich nicht nachvollziehen. Bzw. wundere mich, dass bei über 1 Mrd. Inder, die täglich Milch und in vielen Regionen auch Fleisch (Nordindien) und Fisch (Küstenregionen) verzehren, eine wesentlich niedrigere Krebsrate herrscht als bei uns im Westen.

Nichts desto trotz ist die vegetarisch ausgerichtete ayurvedische Küche weitgehend tierproduktefrei. Zum einen aus der Erfahrung, dass Milch und viele Milchprodukte in Kombination mit anderen Lebensmitteln inkompatible Kombinationen ergeben und antagonistisch auf die Gewebe wirken können. Zum anderen, weil alle Milchprodukte das Essen schwer machen. Und somit den Esser. Nur in einigen westlichen Ayurveda-Kochbüchern wird munter mit Sahne gekocht, was der Lehre komplett widerspricht.

Fleisch und Eier werden nicht ausgeschlossen, aber auch nicht favorisiert. Da Honig nicht erhitzt werden soll, kommt er in gekochten Gerichten nicht vor. Durchaus aber in kleinem Umfang in Süßspeisen oder aufs Brot.

Wenn man vegane Küche so denkt, dass man sich auf traditionelle Rezepte, die immer schon ohne Tierprodukte auskamen, fokussiert, wird diese Ernährung sehr leicht anwendbar. Zum einen haben sich diese Rezepte lange bewährt, zum anderen muss man nicht „umdenken“, d.h. überlegen, wie man was mit was ersetzt. Vor allem asiatische und orientalische Länderküchen haben sehr viel in dieser Richtung parat, aber auch bei uns wurde nicht immer alles mit Sahnesaucen und Käse zugepappt.

Ein weiterer Ansatz für vegane Ernährung ist die vegetarische 5-Elemente-Küche der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Gerne koche ich mit den vegetarischen Rezepten der Wiener Suppito-Kochbücher, die auf diesem System aufgebaut sind. Das Wort vegan kommt da glaub ich gar nicht vor.

Diese Formen kommen dem ayurvedischen Verständnis von Ernährung sehr nahe.

 

New School Vegan

Ich nenn das nun einfach mal so, diese Neuerfindung der veganen Küche, die gerade sehr en vogue ist. Sie fokussiert stark auf Soja, Tofu, Seitan, Nussmuse und Ersatzprodukte, ohne den Kontext der Lebensmittel in ihrer Kombinationswirkung zu verstehen. Einige reduzieren dazu auch den Getreideanteil, was eine Schieflage in der Nährstoffvielfalt nach sich zieht.

Für meine letzte Kochsession in Wien war ich in Marans veganem Supermarkt einigermaßen verwirrt über die Riesenauswahl an verarbeiteten Soja- und Tofuprodukten in allen Geschmacksrichtungen. Obwohl ich ab und an Tofugerichte liebe (und dafür ausschließlich Naturvarianten verwende), scheint es mir fremd, dass das jemand anderer für mich „vorwürzen“ sollte. Es erinnert mich zu sehr an konventionelle Supermarktware.

Die große Anzahl inzwischen verfügbarer pflanzlicher „Milch“produkte (Mandelmilch, Hafermilch, Dinkelmilch, Sojamilch, Reismilch) sehe ich dagegen eher als eine Bereicherung, denn man kann sie selber herstellen, wenn man will. Mir hilft dabei diese  Küchenmaschine.

Die weitere Verarbeitungsstufe in Richtung sahniger/käsiger Ersatzprodukte ergibt dann wieder hochverarbeitete Lebensmittel, das in ihrer Zusammensetzung keinem „Reinheitsgebot“ entsprechen.

Aus ayurvedischer Sicht sind diese zum Teil künstlichen Lebenmsittel fremd für den Körper und auf mittlere Sicht für die Verdauung eher belastend. Ich warte auf die erste Sojasahne-Intoleranz-Diagnose… 😉

 

Tierliebe

Viele Menschen beschäftigen sich erst seit kurzem mit veganer Ernährung aus Gründen des Tierschutzes, was im Zeitalter der Massentierquälung eine sehr weise Reaktion ist, da die daraus entstehenden Produkte absolut minderwertig sind.

In alten asiatischen Texten wird das Verhältnis Mensch-Tier-Pflanze hierarchisch dargestellt. Jede Stufe ist dazu bestimmt, die nächst höhere Spezies zu nähren. Diese Nährkette funktioniert jedoch nur dann, wenn sie nicht auf Ausbeutung gegründet ist.

Man sagt über die Kuh, dass sie 2 Zitzen hat für die Nahrung des Kalbes und 2 für die Nahrung des Menschen.

Die Haut eines getöteten Tieres für Lederwaren zu verwenden gilt als korrekt im Gegensatz zum Töten eines Tieres UM Lederwaren aus der Haut herzustellen. Produkte eines Tieres zu verwenden, das dafür nicht sterben muss (Wolle, Eier, Honig) ist ebenfalls Teil des Austausches, sofern dies respektvoll passiert.

Diese Sichtweise schließt für mich ein, die Milch einer „Demeter“-Kuh, die im Idealfall ein gutes Leben hat, zu trinken. Oder den Honig vom Bioimker am Ort zu verwenden. Oder die Buttermilch vom Bio-Bauern im nächsten Dorf, man kann das weiterspinnen auf vielen Ebenen.

Es gibt sehr viele „Schnupperveganer“, habe ich festgestellt. Wenn jemand von hohem Fleischkonsum über den veganen Ansatz irgendwann zu vegetarischer (oder flexitarischer) Ernährung findet, dann ist jeder Weg dahin wertvoll.

Karen Duve Anständig essen BuchtitelWer vegane Ernährung ausprobieren möchte, findet sehr wertvolle Gedanken in dem lesenswerten Buch von Karin Duve: Anständig essen.

 

 

 

 

 

Die Milch macht’s… oder?

Viele Jahrzehnte hat sich dieser Werbespruch in unser Gedächtnis geprägt und die passende Milchkanne habe ich in einem wunderbaren onlineshop entdeckt.milchkrug

Doch was ist heute los mit der Milch? Sie soll krank machen, Allergien auslösen, scheint ganz und gar nicht geeignet für uns, weil wir keine Kälber sind und so weiter und so fort… Viel Aufregung also um ein Nahrungsmittel, mit dem wir alle ganz selbstverständlich aufgewachsen sind.

Im Zuge der veganen Welle überschlagen sich die widersprüchlichsten Meldungen. Wenn man dabei so manche Publikationen liest, könnte man glauben, dass jeder Milchtrinker hochgradig krebsgefährdet ist. Da frag ich mich allerdings, wie die indische Bevölkerung relativ krebsfrei so zahlreich werden konnte, obwohl sie täglich Milch trinken (ohne Chai geht in Indien nichts).

 

Ayurveda und Milch

In den ayurvedischen Schriften ist die Beschreibung von Milch umfangreich und eindeutig. Milch ist eine sattvische (reine und naturnahe) Substanz, die wie Nektar auf den Menschen wirkt. Nicht nur wegen der heiligen Kuh ;-).

Folgende Eigenschaften werden der Milch u.a. zugeschrieben: sie ist außerordentlich nährend, befeuchtend, schleimig, schwer, baut gesundes Gewebe auf, wirkt aphrodisierend und kühlend. Besonders Kuhmilch wirkt belebend, verjüngend, lebensverlängernd, ist gut für geschwächte Menschen, fördert die Intelligenz, gibt Kraft, vertreibt Müdigkeit und Schwäche, wirkt positiv bei Asthma, Husten, Vergiftungserscheinungen, einem Übermaß an Hunger und Durst und bestimmte Fiebererkrankungen.

Milch gibt sofort Kraft und Energie zurück, wenn man durch körperliche Anstrengung, langes Laufen, Sex, viel Sprechen (Lehrer) oder Sport müde geworden ist.

Der Ziegenmilch kommt nach der Kuhmilch eine besondere Bedeutung zu. Sie ähnelt der Muttermilch am meisten und wird oft verwendet, wenn aus best. Gründen keine oder zuwenig Muttermilch vorhanden ist.

Milch wird somit als wichtiges Nahrungsmittel für gesunde Menschen angesehen und sollte idealerweise von allen konsumiert werden. Wenn eine Person allergisch auf Milch reagiert (Blähungen, Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen) wird versucht, das Verdauungssystem soweit wieder herzustellen, dass der Milchkonsum keine Beschwerden verursacht. Wissenschaftler sind sich noch uneinig, wieviele Menschen tatsächlich genetisch laktoseinolerant sind und wieviele erst seit kurzer Zeit.

 

Ojas – die Wunderessenz

Ojas sind die Endprodukte einer perfekten Verdauung. Sie stehen für pure Lebensenergie, gesunde Ausstrahlung, ein starkes Immunsystem und als Resultat davon auch für geistige Gesundheit und Lebensfreude. Menschen, die gut aussehen und eine positive Lebenseinstellung haben, besitzen im ayurvedischen Sinne viel Ojas.

Milch ist eines der besten Lebensmittel, um Ojas im Körper zu fördern, denn beide Substanzen sind sich sehr ähnlich.

 

Welche Milch hat diese Eigenschaften?

Die spannende Frage! Denn alle wunderbaren Eigenschaften der Milch betreffen die frische Milch, direkt aus dem Euter, völlig unbehandelt, von Kühen, die auf der Weide grasen und die Sonne sehen und im Winter Heu verfüttert bekommen. Kühe, die in der Sonne sind, speichern Vitamin D, das über die Milch zu uns kommt. Diese Milch ist auch leichter als Milch von Kühen, die immer unter einem Dach stehen.

 

Die Qualität der Milch hat sich bei uns (wie auch in Indien) um einiges verschlechtert in den letzen Jahrzehnten. Ayurvedaärzte sehen hier einen Grund dafür, dass die Milch nicht mehr immer die o.g. positiven Eigenschaften im Menschen hervorrufen kann. Besonders die reduzierte Immunkraft bei Kindern wird einer minderwertigen Milch zugeschrieben, ebenso wie div. Allergien, allen voran die Lactose-Intoleranz. Für mich macht es großen Sinn, dass das Verdauungssystem die minderwertige Milch in Form von Beschwerden ablehnt, es spricht für die Eigenintelligenz des Körpers.

Unethisches Verhalten in der Milchwirtschaft (keine Bewegungsfreiheit, Turbozüchtung, nicht artgerechtes Kraftfutter, Verwendung von Antibiotika und Hormonen, kurze Lebenszeit der Tiere usw.) führt zu verminderter Milchqualität, keine Frage. Für Ayurvedaärzte ist es auch ein Unding, dass Kälber von den Muttertieren getrennt werden, um die Milch anderweitig zu verwerten. Eine ethisch gute Milch darf erst für Menschen zugänglich sein, wenn das Kalb seinen Anteil bekommen hat.

Ein weiteres Problem ist, dass die Milch nicht mehr „sortenrein“ ist. Man trinkt also nicht mehr die Milch einer Kuh oder eines Milchbetriebes, sondern ein Gemisch, das in Großmolkereien zu einem homogenisierten und pasteurisierten Cocktail aus unzähligen Kühen verschiedener Milchhöfe zusammengemischt wird. Dies ist ein Resultat der modernen Milchwirtschaft in Großbetrieben, denen sich auch ein Biobauer kaum entziehen kann. Diese Mischung birgt weiteres Potenzial für Unverträglichkeiten.

 

Diese Milch macht’s auf alle Fälle

Eine gute Milch kann man oft direkt beim Bio-Bauern beziehen. Diese Rohmilch ist eine unbehandelte, naturbelassene Milch mit vielen Vitaminen, die nicht erst pasteurisiert wird, um anschliessend in ein Tetrapack zu wandern. Die Kennzeichnung “Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen” ist wegen eventuell enthaltener Krankheitserreger vorgeschrieben. Die Betriebe unterliegen strengen, hygienischen Anforderungen und werden regelmäßig überprüft. Da Rohmilch nicht erhitzt wird, muss sie innerhalb von 24 Stunden in den Verkauf gelangen und schnell verbraucht werden.

In einer Ayurvedaklinik in Indien habe ich öfters erlebt, dass Patienten mit vermuteter Laktoseintoleranz die frisch gemolkene Rohmilch der „Klinikkuh“ problemlos vertragen konnten.

In Österreich ist es auch den Bioläden erlaubt, Rohmilch zu verkaufen. In Deutschland bieten einige Bioläden und Bio-Supermärkte Vorzugsmilch an, hier ist die Rohmilch nicht erlaubt.

Flächendeckend gibt es in Deutschland zumindest die Demeter-Vollmilch, die bestmögliche Alternative zu Rohmilch. In Demeterhöfen haben Kühe genügend Auslauf, natürliches Futter und sie dürfen ihre Hörner behalten, die für die Verdauung und Milchqualität eine große Bedeutung haben.

Diese drei Milchsorten sind die bestmögliche Qualität, die man erwerben kann. Hat man keinen Zugang zu dieser guten Milch, ist die nächste Wahl eine normale, pasteurisierte Bio-Vollmilch aus dem Bioladen oder Supermarkt. Und es sollte nichts weniger wertvolles in unseren Kühlschrank geschweige denn in den Magen.

Gute Milch gibts übrigens nur, wenn der Bauer seinen fairen Anteil am Milchpreis hat. Unter 40 Cent ist das nicht möglich. Diese Milchsorten kosten in der Regel im Biosupermarkt 1,20-1,70 Euro der Liter. Keine Kosten, die man sich nicht leisten könnte.

 

Diese Milch braucht niemand

Jede Prozess-Stufe, die die Milch durchläuft, bewirkt eine Verminderung der Qualität. Und bereits nach der frischen, vollfetten Vollmilch wird es eigentlich uninteressant.

  • fettarme Milch – Nähr- und Geschmacksstoffe liegen im Fett-, nicht im Wasseranteil der Milch, d.h. ohne Fett ist die Milch keine Milch…
  • laktosefreie Milch – nährender wären pflanzliche Milchersatzprodukte
  • homogenisierte Milch – soll für viele Allergien verantwortlich sein. Experten sagen, durch das homogenisieren können die Enzyme die Milch nicht mehr „erkennen“ und verdauen sie deshalb nicht. Momentan der meistdiskutierte Ansatz bei der Erklärung von Milchproblematiken.
  • länger haltbare Vollmilch (ESL-Milch) – hat kaum noch Nährstoffe und darf nur dank geschickter sog. „Verbraucherschutzpolitik“ als Frischmilch –  länger haltbar deklariert werde.
  • H-Milch, der absolute Tiefpunkt. Schmeckt sehr gewöhnungsbedürftig und hat keine Nährstoffe mehr. Fehlt in keinem Büro neben dem Espresso-Automaten. Macht ja so schönen Schaum… Aber es ist nichts anderes als weißes, verschleimendes Wasser. Und wenns mal Bio-Milch war, tut der Verlust besonders weh…

Wozu diese ganzen Milchsorten sinnvoll sein sollen, weiß kein Mensch, jedoch die Milchindustrie 😉

 

Richtig Milchtrinken

Nicht nur die Grundsubstanz als solche hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit, sondern auch die verschiedenen Zustände, in denen wir Milch konsumieren können:

  • Direkt nach dem Melken, also kuhwarm, wird die Milch als Nektar bezeichnet. Die Möglichkeit, eine solche Milch zu erhalten ist heutzutage sehr gering, es sei denn man hilft dem Bauern beim melken…
  • Einige Zeit nach dem Melken, gekühlt und ungekocht, wird die Milch schwer verdaulich. Kalte Milch sollte generell vermieden werden. Da sie eh sehr stark kühlt, würde sich die noch verstärken. Außerdem kommen einige Eigenschaften der Milch erst durch das Erwärmen zum Tragen.
  • Gekocht und warm getrunken ist die Milch sehr gut verdaulich. Gekocht und kalt getrunken ebenfalls, zusätzlich reduziert diese Milch Hitze im Körper (gut für hitzige Menschen oder im Sommer). Milch sollte nach dem Kochen gleich verzehrt werden.
  • Milch, die im Verhältnis 1:1, 1:2 oder 1:4 mit Wasser gemischt und gekocht wird, ist besonders leicht verdaulich, stärkt und erhöht die Ojas. Für die Inder ist dies ihr täglicher Chai.

 

Milch kann morgens, mittags und abends getrunken werden. Abends sollte jedoch ein zeitlicher Abstand von 2-3 Stunden zum Essen eingehalten werden. Oft wird Milch vor dem Zubett-Gehen empfohlen, manchmal mit Gewürzen oder Medizin kombiniert.

 

Kontraindikationen für Milch:

Trotz aller Vorteile hat die Milch einige Eigenschaften, die bei bestimmten Krankheitsbildern nicht förderlich sind. Dazu gehören: Fieberzustände, schwache Verdauung, Ama-Problematiken (zu viel Unverdautes im System), bestimmte Hautprobleme, Darmbeschwerden, erhöhtes Kapha (Schwere, Verschleimungen, Übergewicht etc.), Husten, Durchfall, Würmer und best. Herzerkrankungen.

Hier sollte man die Milch für eine Weile aussetzen.

 

Inkompatible Kombinationen mit Milch:

Diese Kombinationen sind ungünstig und führen im Körper sowohl zu sofortigen Reaktionen (z.B. Verdauungsprobleme, Hautprobleme) als auch zu Langzeitfolgen (Verschleimung, schwache Verdauungskraft, unreine Haut, Fieberkrankheiten, u.v.m.:

  • Milch in Verbindung mit Fisch, Fleisch, Blattgemüse, Eiern
  • Milch in Verbindung mit Salz
  • Milch in Verbindung mit Früchten (good bye Banana/Erdbeer/… Milchshake) und sauren Substanzen (Zitronen, Essig, Tomaten)
  • Milch und Joghurt

Die Gesamtproblematik der inkompatiblen Nahrungskombinationen stelle ich ausführlich in einem späteren post vor.

 

Zusammenfassung:

  • Nur die hochwertigste Milch trinken (Rohmilch, Demetermilch, Bio Vollmilch).
  • Milch mit Wasser verdünnen und vor dem Verzehr kochen.
  • Maximal 1-2 Tassen Milch am Tag sind ausreichend.
  • Milch, die weniger als 1 Euro/Liter (im Einzelhandel) kostet, meiden.
  • Inkompatible Kombinationen mit Milch meiden.

 

Das macht schön, ein langes Leben lang 🙂

Nächste Woche, nach einer Tasse Chai, kommen die Milchprodukte unter die Lupe…

chai

 

 

(Oster)Eier – aus ayurvedischer Sicht

Es lässt sich wohl nicht vermeiden, dass man sich in den nächsten Tagen eine kleine Überdosis Eier einverleiben wird. Und es ist egal, ob es sich dabei um echte oder schokoladige handelt, beides in größeren Mengen ist nicht unbedingt „das Gelbe vom Ei“.
Aber nun, einmal im Jahr…. 😉

In den ayurvedischen Schriften wird das Ei am Ende des Fleisch-Kapitels beschrieben. Es ist sehr schwer verdaulich und manche Kommentatoren sagen, dass es schwerer ist als das Fleisch des Tieres, das das Ei legt. Keine leichte Kost also.
Das liegt daran, dass im Ei sehr viele Nährstoffe enthalten sind, die für den Aufbau des neuen Lebens bestimmt sind. Ähnlich ist es mit der Milch. Auch sie ist extrem nährend und somit schwer verdaulich. Die Kombination der beiden – man ahnt es schon – ist nichts für Menschen mit träger Verdauung.

Falls man auf Eier nicht verzichten möchte, gibt es ein paar Tipps, die den Verzehr etwas weniger problematisch machen:

  • 1. Das Ei sollte nur von bester Qualität sein, also mindestens von freilaufenden Biohühnern stammen. Das steht so nicht in den alten Texten, dafür wird aber immer wieder betont, dass man für seine Ernährungsentscheidungen den gesunden Menschenverstand einbeziehen soll. Und bei der heutigen Nachrichtenlage wird ein Käfigei nicht in unserem Essen landen.
  • 2. Je weicher das Ei, desto schwerer verdaulich ist es. Ein hart gekochtes Ei ist somit leichter verdaulich als ein weiches oder Spiegelei. Am leichtesten ist das Rührei. Ein pochiertes Ei dagegen ist eher was für Menschen wie Popeye und Obelix. Ebenso Diäten, bei denen man 5 oder mehr rohe Eier am Tag essen soll.
  • 3. Eier am Morgen, in einer Zeit in der das Verdauungsfeuer noch im Halbschlaf ist (ab ca. 10 Uhr ist es dann voll wach), können den Verdauungsprozess ordentlich stören. Für das Verdauungsfeuer bedeutet es je nach Menge energieraubende Schwerarbeit. Ausnahmen sind körperlich arbeitende Menschen und Sportler.
  • 4. Es gibt keine Angaben, wie viel Eier man idealerweise essen soll. Es hängt sehr von der individuellen Verdauungskraft jedes einzelnen ab. Weniger ist allemal besser und manche westlichen Ayurvedabuch-Autoren halten 2-3 Eier pro Woche für ausreichend. Inklusive der Eier, die in Backwaren stecken.

Somit wird klar, dass Eierspeisen, eierige Desserts (z.B. der italienischen Sorte), Kuchen mit viel Eiern usw. nicht so ganz im ayurvedischen System zuhause sind. Noch weniger sind es Mehlspeisen aus Eiern, Milch und Weizen die man außerhalb der mitteleuropäischen Alpenregionen (Österreich, z.B. 😉 ) nicht sehr oft auf einem Speiseplan findet… Hier kommt besonders die Kombination von Eiern und Milch (plus Weizen) zum Tragen.
Doch glücklicherweise greift in diesem Falle für viele Menschen das Phänomen des satmya, was bedeutet, dass man die Dinge, an die man von Kindesbeinen an gewöhnt ist, besser verdauen kann als eine andere Person. Bestimmte Verzehrmengen und -häufigkeit von Kaiserschmarrn, Salzburger Nockerln & Co. können natürlich trotzdem ungewollte Spuren hinterlassen.

Vegan lebende Menschen essen statt Rührei lieber „Scrambled Tofu“, eifreie Pancakes und backen ohne Ei, was ganz wunderbar funktioniert. Ob man nun das Ei mit Sojamehl ersetzt oder ganz alternative Rezepte ausprobiert, die Möglichkeiten sind spannend und anregend.

Somit wünsche ich dann mal Frohe Ostern 🙂