Die optimale Essensmenge

Wir leben in einer Welt des Überflusses und haben uns angewöhnt, zu viel zu essen. In einer größeren Familie verspüren Kindern manchmal Angst, nicht genug abzubekommen, was die Wurzeln zum Überessen legt. Als Erwachsener wird das Essen oft als Kompensation von Gefühlen wie Stress, Müdigkeit, Angst, Trauer, Gier, Einsamkeit usw. konsumiert.

Ein guter Vorsatz für dieses Jahr kann sein, mit der Menge des Essens bewusst umzugehen. Nicht nur, um Völlegefühle, Bauchschmerzen, Trägheit, Verstopfung, saures Aufstoßen, Blähungen und weitere Verdauungsstörungen zu vermeiden, sondern auch, um die Aufmerksamkeit für den eigenen Körper zu erhöhen. Meist führt dies zu überraschend vielen positiven Nebeneffekten für das generelle Wohlbefinden.

 

Richtwerte für die Essensmenge

In den meisten Kulturen gibt es Hinweise für die optimale Essensmenge. Die ayurvedischen Weisen empfehlen, den Magen zur Hälfte mit fester Nahrung und ein Viertel mit flüssiger Nahrung und Getränken zu füllen. Das letzte Viertel bleibt frei für den Platz, den der Verdauungsprozess benötigt. So wie man einen Mixer nicht bis zum oberen Rand anfüllt, um sich einen Smoothie zuzubereiten.
Die Japaner nennen ihre Empfehlung hari hatchi bun, was so viel bedeutet, dass der Magen mit max. 80% gefüllt werden soll.
Eine uns sehr vertraute Empfehlung lautet, dann aufzuhören, wenn es am besten schmeckt. Das ist mit Sicherheit ein Stadium, in dem der Magen noch nicht überfüllt ist.
Nun sind diese „Mengenangaben“ natürlich auch ein bisschen davon abhängig, wieviel man sich körperlich bewegt bzw. arbeitet, somit kann das von Person zu Person variieren.

 

Der „Rülpser“

Ein untrügliches Zeichen für die optimale „Füllmenge“ ist das Aufstoßen, wer öfters im asiatischen Raum reist, kennt das als ungeniertes Rülpsen. Wir spüren diesen Reflex nicht bewusst, doch wenn man sich beim Essen darauf konzentriert, wird man überrascht sein, wie man diesen übergeht und weiter isst.

Die Übung wäre also, die Aufmerksamkeit auf dieses Aufstoßen zu legen, und spielerisch auszuprobieren, danach das Essen zu beenden. Es hilft sehr, den Teller für dieses Experiment nur wenig zu füllen, damit der Geist den Willen nicht boykottiert mit Sätzen wie: es schmeckt aber so gut, der Teller ist noch garnicht leer, man kann doch Essen nicht zurückgehen lassen usw usw. Am besten man ist sich bewusst, dass dies nur kleine Fallen des Egos sind.
Es ist spannend, zu beobachten, wie sich das Wohlbefinden ändert und die Verdauung wieder in Balance kommt. Man wird sich nicht so voll und schwer fühlen wie man es bisher gewohnt war, dafür wacher, frischer und energetischer.

Überessen führt immer zu einer Reduzierung der Verdauungskraft, was zu unverdauten Rückständen und Toxinen im Körper führt. Diese nähren den Boden für Gewichtszunahme (auch beim besten Bioessen) und Krankheiten. Die Qualität der Verdauung ist somit der Knackpunkt für Gesundheit und sichtbare Lebenskraft, die ja immer auch Lebensfreude und Gelassenheit nach sich ziehen.

Manche verspüren dieses Aufstoßen ständig und wissen daher nicht, wann der richtige Zeitpunkt des Aufhörens ist. Dies ist Zeichen eines größeren Ungleichgewichtes im Verdauungssystem. Unverdautes fermentiert und zeigt sich durch Aufstoßen, was auf Übersäuerung hinweist. Der Körper sendet uns diese kleinen Signale, um durch Änderung der Verhaltensweisen wieder Harmonie herzustellen. Ein Basenpulver zu nehmen hilft allerdings keineswegs und würde auch am Grundproblem nichts ändern.

In diesem Falle sollte die Verdauungskraft wieder aufgebaut werden. Ideal geeignet sind einige nacheinanderfolgende Mahlzeiten mit Reissuppen. Dabei wird ein Teil Reis (20-25 gr) mit der zehnfachen Menge Wasser aufgekocht und ca. 20-30 min geköchelt. Kurz vor dem Weichwerden des Reises gibt man etwas Salz hinzu. Dies ergibt eine sämige Reissuppe, die sehr gut nährt und trotzdem leicht verdaulich ist. Wenn man etwas mehr „Würze“ möchte, kann man eines oder mehrere der folgenden Gewürze zugeben: ein kleines Stück geriebenen Ingwer, eine Prise Kreuzkümmel, eine Prise Kurkuma, eine Prise Pfeffer.
Je nach Verdauungskraft und Hungergefühl, kann man dies nach 3-4 Stunden wiederholen.

Diese Suppe eignet sich auch als leichter Einstieg in den Tag und ganz besonders dann, wenn man ein Festessen absolviert hat und die überschüssige Schwere sehr schnell wieder loswerden möchte. 🙂

Zum Schluß ein Zitat aus Luthers Tischreden
„Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket?“