Essen für die mentale Balance

Mental ausgeglichen sein, das wünschen sich die Menschen derzeit mehr denn je. Doch in psychischen Ausnahmezeiten erfordert es für viele einen ordentlichen Kraftakt, um die fragile Balance im Geist aufrecht zu halten.

Nun kommt die moderne Ernährungslehre, beeinflusst von der Mikrobiomforschung der letzten 20 Jahre, immer wieder zum Ergebnis, dass jede Mahlzeit beeinflusst, wie wir uns mental fühlen. Wir kennen heute Lebensmittel, die die Stimmung direkt heben können. In meinem letzten blogpost habe ich einige vorgestellt. Doch manche Effekte verfliegen schon nach ein paar Stunden, wenn sie nur an einer wechselhaften Oberfläche wirken.
Will man eine lang anhaltende und tiefe Wirkung erzielen, brauchts ein Set an Ernährungsgewohnheiten, das über Wochen, Monate und Jahre unsere Sicht auf uns und die Welt prägt: rosig oder eher dunkel. Entspannt oder gestresst. Halb voll oder halb leer, usw.. Forscher gehen davon aus, dass die Wirkung der Nahrung auf die Psyche so mächtig ist, dass wir uns ein Lebensgefühl buchstäblich herbei essen können.

 

Der vedische Weg zum friedvollen Geist 

Auch vor tausenden von Jahren gab es offensichtlich herausfordernde Zeiten, in denen Ego, Gier, Angst und Hass überhandnahmen und Bauch, Herz und Hirn der Menschen ins Ungleichgewicht stürzten. In der Bhagavad Gita, der wohl bekanntesten philosophischen Schrift Indiens, werden 3 geistige Eigenschaften Sattva, Rajas und Tamas beschrieben und zusätzlich ihr Kontext mit Ernährung dargestellt (17. Kapitel). Dabei gibt es 3 Gruppen von Nahrungmitteln, die unterschiedliche Wirkungen auf die mentale Befinglichkeit haben. Mit Wissen über diesen Einfluss, kann man entscheiden, aus welchem „Topf“ man sich vermehrt bedienen mag.

 

1. Nahrung für einen harmonischen Geist (Sattva)

Lebensmittel in hoher Qualität, naturbelassen und möglichst wenig verarbeitet, dazu noch frisch, reif und wohlschmeckend, haben das größte Potential, dem Esser Klarheit, Frieden, Harmonie, Konzentrationsfähigkeit und Lebensfreude zu ermöglichen. Ist die Mahlzeit auch noch frisch gekocht, eher einfach als kompliziert und hat der Koch/die Köchin Freude in der Küche, wirkt das Essen energetisierend, ausgleichend und verjüngend.
Man nennt diese Eigenschaften und das Resultat sattvisch.

Menschen, die sich vermehrt sattvisch ernähren, entwickeln Gemeinschaftsgefühl, beteiligen sich an (analogen) sozialen Netzwerken, entwickeln Liebe, Fürsorge, Ethik, Toleranz, Mitgefühl, Demut, Aufmerksamkeit, Langlebigkeit, Leichtigkeit im Leben/im Körper. In ihrer Sprache sind sie friedvoll, das Wort, das mit f beginnt und mit k endet, kommt ihnen nie aus dem Mund. Eher mal ein Liebesgedicht. Mit dieem Mindset bringt man unweigerlich auch Frieden in sein direktes Umfeld.

Die Eigenschaften, die wir in der momentanen Situation am meisten brauchen, werden stark gefördert: Klarheit im Geist, starker moralischer Kompass, das Erkennen von Lügen, fake news und korrupten Menschen. Mit diesem Mindset finden wir auch die für uns richtigen Informationen, um eigenständig für unsere Gesundheit entscheiden zu können.

Beispiele für sattvisches Essen:

  • frisch geerntetes und frisch gekochtes Gemüse in der jeweiligen Saison, frei von Chemikalien und Zusatzstoffen (Ausnahme: Nachtschattengewächse, Pilze, Zwiebeln, Knoblauch)
  • frisches, reifes, süßes Obst der Saison
  • Rosinen, getrocknete Datteln und Feigen
  • hochwertiges Getreide wie Reis, Hafer, Dinkel, Kamut, Quinoa, Gerste, Einkorn, Emmer
  • Mungbohnen und Linsen
  • Rohmilch, Ghee, Honig, (gelten in der richtigen Qualität und Quantität als Nektar)
  • Mandeln, Sesam, Kürbiskerne, andere Nüsse und Samen in kleinen Mengen (Studentenfutter)
  • frische und getrocknete Kräuter und Gewürze
  • generell süße und saftige Zutaten (juicy)
  • hochwertige Süßmittel in sehr kleinen Mengen (aus Kokosblüten oder Datteln, Jaggery, Ahornsirup, Reissirup etc.)
  • wohlschmeckende Gerichte ohne Übermaß an Würze, Zucker und Salz
  • maßvolle Menge
  • Wasser, Kräutertees, Gewürztees

Diese Lebensmittel findet man auf dem Wochenmarkt, im Hofladen, in guten Bioläden und vor allem in Restaurants, die sich dieser Qualität verschreiben.

Eine sattvische Lebensweise wird unterstützt mit Pausen, Yoga, Meditaion, TaiChi und vor allem einer starken Verbindung zur Natur incl. einem Leben im Rhythmus der Natur. Barfuß im Gras gehen, nachts den Sternenhimmel oder Vollmond bewundern, unter einem Baum meditieren, das alles stärkt unsere Ausgeglichenheit und kostet nix.

 

2. Nahrung für einen aktiven Geist (Rajas)

Förderlich für Dynamik, Zielorientierung und Motivation sind Lebensmittel, die anregen und aktivieren. Diese Energie hilft uns, die allfälligen Routinen des Lebens zu bewältigen: zur Arbeit gehen, kochen und essen, sportliche Aktivitäten, Kinder erziehen, Steuererklärungen ausfüllen usw.. Und den Leidenschaften zu folgen, die uns im Leben Freude geben, für die wir „brennen“.

Man nennt diese Lebensmittel und die verbundenen Eigenschaften rajasisch. Wer eher langsam und träge ist, wird durch diese Nahrung aktiviert, was zu mehr Antriebskraft und Entschlossenheit führt. Rajas stimuliert und fördert Appetit und Verdauung.

Die für unsere Zeit wichtigsten Eigenschaften: wach und aktiv im Leben stehen und für eine gerechte Zukunft eintreten. Kritisch bleiben und auch mal gegen den Strom schwimmen. Im rajasischen Mindset spüren manche den Willen, die eingerosteten und ungerechten „Systeme“ der Welt kräftig durchzuschütteln, auseinanderzubauen und gerechter, ökologischer, friedlicher wieder zusammenzufügen. Gepaart mit sattvischen Gedanken, könnte daraus tatsächlich etwas neues und fruchtbares entstehen, das der Gesellschaft als Ganzes zugute kommt.

Beispiele für rajasisches Essen:

  • sehr feuriges, saures oder salziges
  • öliges und frittiertes Essen
  • schwere und schwer verdauliche Nahrung
  • unreife und überreife Lebensmittel, saures Obst
  • Nachtschattengewächse (Tomaten, Kartoffeln, Paprika und Auberginen)
  • Zwiebeln und Knoblauch, Schnittlauch, Lauch, Frühlingszwiebeln
  • scharfe und übermäßig viele Gewürze, z.B. Chili, Meerrettich, Senfsamen, Pfeffer
  • Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier (in kleinen Mengen und Bioqualität)
  • minderwertige Zuckersorten wie Rohrohrzucker, weißer Zucker, Agavensirup
  • fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Essig, eingelegtes Gemüse, Soja
  • Kaffee, Schwarztee
  • Alkohol, Nikotin und andere Genussmittel in kleinen Mengen, Energydrinks
  • (sehr oft) Restaurantessen (wenn viel Salz, Gewürze und Zucker verwendet wird)

In kleinen Mengen können diese Lebensmittel anregend wirken. Wer sie überkonsumiert, wird leicht irritiert, ist latent aggressiv in Worten und Handlungen, neigt zu Übersäuerung und anderen Verdauungsproblemen. Das hohe Tempo der heutigen Lebensweise ist sehr rajasisch und führt leicht zu Stress, Burn-Out und Schmerzen durch Überforderung.
Die Überstimulation auf körperlicher und geistiger Ebene führt zu Ungeduld, Rastlosigkeit, Gier, Neid, Ehrgeiz, Überaktivität, Stress, Unaufrichtigkeit, Hochmut, Angst, und Suchtverhalten (Vergnügungssucht, Prestigesucht, Eifersucht, Arbeitssucht etc.). Der Fokus richtet sich verstärkt auf materielle Werte, Machtstreben, Egomanie, Konkurrenzdenken und Rechthaberei bis hin zum Fanatismus. Sehr aggressive und manipulative Menschen sind immer rajasisch. Die Medien, Politik und Spitzensport sind voll davon.

 

3. Nahrung für einen dumpfen Geist (Tamas)

Eine dritte Gruppe von Lebensmitteln unterstützen auf der einen Seite Stabilität, Entspannung, Stille, Tiefe und guten Schlaf. Auf der anderen Seite macht sie den Menschen träge, dumpf, lethargisch, müde und schwer. Man nennt sie und die damit verbundenen geistigen Attribute tamasisch.

Diese Ernährung fördert Illusion und Verwirrung, dem Geist fehlt die Orientierung, er neigt zu Fehleinschätzung, die Wahrnehmung ist getrübt, hate speech wird zum Alltag, man kann nicht mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden. Tamasische Nahrung ist eine tote Nahrung und verstärkt entzündliche Krankheiten.

Beispiele für tamasische Nahrungsmittel:

  • rajasisches Essen aus der vorigen Liste im Übermaß
  • minderwertiges, überlagertes oder unreifes Obst und Gemüse
  • überkochtes, abgestandenes, angebranntes, verunreinigtes und schlecht schmeckendes Essen
  • (mehrfach) aufgewärmtes Essen
  • Pilze (Ausnahme: Heilpilze wie Shitake, Reishi etc.)
  • ranzige Nüsse, Erdnüsse
  • H‑Milch und alle Milchprodukte aus Massentierhaltungs-Milch
  • weißer Haushaltszucker, Weißmehlprodukte, zuckrige Lebensmittel
  • Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier aus Massentierhaltung und in großer Menge
  • raffiniertes Tafelsalz, Geschmacksverstärker (Glutamat, Hefe)
  • genmanipulierte Nahrungsmittel
  • synthetische Zusätze wie Aromen, Farben, Konservierungsstoffe
  • Fastfood, Dosenessen, Mikrowellengerichte, Tiefkühlkost, Fertiggerichte, Instantprodukte
  • (sehr oft) Restaurantessen, speziell aus der Systemgastronomie
  • Alkohol (besonders Spirituosen), Nikotin und andere Genussmittel in großer Menge
  • Energydrinks in großen Mengen, Softdrinks

Folge einer solchen Nahrung sind Ignoranz, Depression, Unsicherheit, frühe Alterung, Dunkelheit, Pessimismus, Minderwertigkeitskomplexe, Feindschaft, Aggression, Unruhe, Verwirrung und starke Ängste. Die Gier nach Suchtmitteln kann zu Selbstzerstörung und Gewalttätigkeit führen. Menschen, die sich hauptsächlich aus dieser Gruppe ernähren, werden über kurz oder lang immer krank. Diese Lebensmittel sind tot und ermöglichen kein „nähren“, vor allem nicht des Gehirns.

Eine stark tamasische Person bewegt sich langsam, ist schwer, lethargisch und oft depressiv. Ein Lebensstil von entweder zu viel Trägheit oder zu viel Übertreibung verursacht mentale Dumpfheit und Energiemangel, was schließlich zu Erschöpfung führt. Ein Übermaß an Rajas führt zu Tamas.
Tamas wird auch gefördert durch übermäßigen Konsum von TV oder sozialen Medien und bewirkt die Abspaltung von der Natur. Die Sprache von tamasisch dominanten Menschen ist manchmal gewaltvoll und beleidigend. Mit dieser Geisteshaltung folgt man oft blind, sogar wenn man ungesunde Strukturen noch erkennen könnte. Paart sich ein rajasischer Mindset mit Tamas, können kränkelnde Systeme nicht zum guten verbessert werden, da die destruktiven Kräfte zu stark wirken.

 

Fazit

Wir nehmen immer Nahrung zu uns, die Bestandteile aus allen 3 Gruppen beinhalten. Welche Aspekte wir im Leben betonen möchten, lässt uns entscheiden, aus welcher Gruppe wir uns verstärkt ernähren.
Die sattvischen Lebensmitteln kann man nie überdosieren, doch sie stehen nicht immer und überall zur Verfügung. Deshalb ist eine Kombination mit aktivierenden (rajasischen) Lebensmitteln für unsere derzeitige Lebensweise am praktikabelsten.
Lebensmittel aus der tamasischen Gruppe nehmen heute den meisten Platz in Supermarkt und Restaurant/Kantine ein. Diese Entwicklung ist kaum 50 Jahre alt und der Grund dafür, dass sich neue körperliche und mentale Krankheitsbilder manifestieren, bei denen die Schulmedizin ratlos ist. Bzw. über Dauermedikation das Tamas noch erhöht. Die tamasischen Lebensmittel zu reduzieren und mit hauptsächlich sattvischen und etwas rasischen zu ersetzen führt auf den Weg in eine mentale Balance in destabilisierenden Zeiten.

Die Sahne auf der Torte: jede mentale Stabilisierung dient auch der Stärkung des körperlichen Immunsystems :-).

 

Photo: Bryan Reinhardt

Brainfood

Brainfood Dieser kleine Artikel in der ZEIT vom 2. Januar 2014 hat mich zu diesem Artikel inspiriert.

Wenn man Ernährung als Nebensache und Nahrungsmittel-Qualität als gspinnertes Dogma von Gesundheitsaposteln und Ernährungsberatern betrachtet, wird man sich nicht mit dem Gedanken anfreunden wollen, dass die Nahrung nicht nur den Körper sondern auch in hohem Masse die geistige Kapazität beeinflusst. Darüber wird selten geredet und geschrieben, es geht immer nur um Vitamine, Nährstoffe, Texturen, Geschmack, Kalorienzählen und andere, scheinbar verifizierbare „Fakten“.

Doch was die Wissenschaftler in diesem o.g. Experiment herausgefunden haben deckt sich mit dem, was die ayurvedischen Weisen sehr ausführlich vor langer Zeit in ihre Palmblätter ritzten. Essen beeinflusst auch unseren Geist und unser seelisches Wohlbefinden. Das geht soweit, dass man das Temperament eines Menschen anhand der Natur des Essens, das er hauptsächlich zu sich nimmt, erkennen kann.

Die alten Texte entstanden übrigens nicht nach Versuchen an Ratten und anderen Tieren oder aufgrund von Laborergebnissen. Man hat einfach über eine lange Zeit die Menschen mit ihren Beschwerden beobachtet und Gesetzmäßigkeiten herausgefunden zwischen Lebensweise und Essen auf der einen Seite und körperlicher und geistiger Gesundheit auf der anderen. Man kann also nicht sagen, dass es vor tausenden von Jahren nur „gutes“ Essen gab 😉

 

Nahrung, die den Geist harmonisiert

Lebensmittel in hoher Qualität, naturbelassen und möglichst wenig verarbeitet, dazu noch frisch, reif und wohlschmeckend, haben das größte Potential, dem Esser Klarheit, Konzentrationsfähigkeit, Harmonie und Lebensfreude zu ermöglichen. Ist die Mahlzeit auch noch frisch gekocht, eher einfach als kompliziert und hat der Koch/die Köchin Freude in der Küche, wirkt das Essen energetisierend,  ausgleichend und verjüngend.
Man nennt diese Eigenschaften und das Resultat sattvisch.

Beispiele für sattvisches Essen:

  • frisch geerntetes, gekochtes Gemüse, besonders ideal ist Fenchel, rote Bete, junger Rettich in der jeweiligen Saison (Ausnahme: Nachtschattengewächse, Pilze, Zwiebeln, Knoblauch)
  • Frisches, reifes, süßes Obst, vor allem Datteln, Granatäpfel, Feigen, Pfirsiche, Pflaumen, Mirabellen, Birnen
  • Rosinen, getrocknete Datteln und Feigen
  • gekochter Reis und Getreide wie Hafer, Dinkel, Kamut, Quinoa, Gerste
  • Rohmilch, Ghee, Honig, (gelten in der richtigen Qualität und Quantität als Nektar),
  • Mungbohnen
  • Sharkara-Zucker, Reissirup und ­Honig
  • Mandeln, Sesam, Kürbiskerne, andere Nüsse und Samen in kleinen Mengen (Studentenfutter)
  • Kräuter und Gewürze wie Fenchel, Anis, Kreuzkümmel, Kurkuma, Süßholz, Safran, Petersilie, Basilikum, Ingwer, Koriander, Kardamon
  • Wasser, Kräutertees, Gewürztees
  • generell saftige + süße Zutaten (juicy)
  • frei von Chemikalien und Zusatzstoffen
  • wohlschmeckend ohne Übermaß an Würze, Zucker und Salz
  • maßvolle Menge

Diese Lebensmittel findet man auf dem Wochenmarkt, im Hofladen, beim Erzeuger, in guten Bioläden und vor allem in Restaurants, die sich dieser Qualität verschreiben. Lieblos hergestelltes Massengemüse gehört nicht in diese Gruppe. Jedes Stück die identische Farbe, Größe etc., herangekarrt aus der ganzen Welt… 😉 . Demetergemüse hingegen ist ein perfektes Beispiel für sattvische Substanzen.

 

Nahrung, die den Geist an- und/oder aufregt

Förderlich für Dynamik, Aktivität, Zielorientierung und Motivation sind Lebensmittel, die anregen und aktivieren. Diese Energie hilft uns, die allfälligen Routinen des Lebens zu bewältigen: zur Arbeit gehen, kochen und essen, sportliche Aktivitäten, Kinder erziehen, Steuererklärungen ausfüllen usw.. Und den Leidenschaften zu folgen, die uns im Leben Freude geben, für die wir „brennen“.

Beispiele:

  • feurige Lebensmittel und Gewürze, die schärfen, säuern und salzen
  • saures Obst, vor allem Kiwis, Ananas, Rhabarber, Beeren, Bananen
  • Nachtschattengewächse (Tomaten, Kartoffeln, Paprika und Auberginen)
  • Peperoni, Chillischoten, Zwiebeln und Knoblauch, Schnittlauch, Lauch, Frühlingszwiebeln in kleinen Mengen
  • Große Bohnen und Hülsenfrüchte
  • Fleisch, Fisch, ­Meeresfrüchte, Eier in kleinen Mengen
  • Zucker, Sirups
  • raffiniertes Tafelsalz, Geschmacksverstärker (Glutamat, Hefe)
  • scharfe und übermäßig viele Gewürze (indische und thailändische Küche), z.B. Chili, Meerrettich, Senfsamen, Pfeffer
  • fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Käse
  • Essig
  • Kaffee, Schwarztee
  • Alkohol, Nikotin und andere Genussmittel in kleinen Mengen, Energydrinks
  • gebratenes und frittiertes, sowie schweres, öliges Essen
  • unreife und überreife Lebensmittel
  • (sehr oft) Restaurantessen

Man nennt diese Lebensmittel und die verbundenen Eigenschaften rajasisch. Wer eher langsam und träge ist, wird durch diese Nahrung aktiviert, was zu mehr Antriebskraft und Entschlossenheit führt.

Wer ausschliesslich solche Lebensmittel konsumiert, wird leicht irritiert, ist latent aggressiv und neigt zu Übersäuerung und anderen Verdauungsproblemen. Die Überstimulation auf körperlicher und geistiger Ebene führt zu Nebenresultaten wie Ungeduld, Rastlosigkeit, Gier, Neid, Geiz und Suchtverhalten. Der Fokus richtet sich verstärkt auf materielle Werte, Machtstreben, Egomanie, Konkurrenzdenken und Rechthaberei bis hin zum Fanatismus. Sehr aggressive und zornige Menschen sind immer rajasisch. Die Medien, Politik und Spitzensport sind voll davon. Einen Yogi oder Vegetarier kann man sich in diesem Umfeld schwer vorstellen. Es gibt Ausnahmen 🙂 .

 

Nahrung, die den Geist unterernährt

Eine dritte Gruppe von Lebensmitteln machen den Menschen träge, dumpf, lethargisch, müde und schwer. Man nennt sie und die damit verbundenen geistigen Attribute tamasisch.

Beispiele für tamasische Nahrungsmittel:

  • rajasisches Essen im Übermaß
  • überlagertes oder unreifes Obst und Gemüse
  • Pilze (Ausnahme: Shitake)
  • Zwiebeln und Knoblauch in großen Mengen
  • ranzige Nüsse, Erdnüsse
  • genmanipulierte und synthetische Nahrungsmittel
  • überkochtes, abgestandenes, angebranntes, verunreinigtes und schlecht schmeckendes Essen
  • mehrfach aufgewärmtes Essen
  • Fastfood, Dosenessen, Mikrowellengerichte, Tiefkühlkost, Fertiggerichte, Instantprodukte
  • stark industriell verarbeitete Lebensmittel
  • alter harter Käse, H-Milch
  • Erdnussprodukte
  • weißer Haushaltszucker, Weißmehlprodukte, zuckrige Lebensmittel
  • Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte Eier und Milchprodukte aus Massentierhaltung und in großer Menge
  • Alkohol (besonders Soirituosen), Nikotin und andere Genussmittel in großer Menge
  • Energydrinks in großen Mengen, Softdrinks
  • (sehr oft) Restaurantessen, speziell aus der Systemgastronomie

Folge einer solchen Nahrung sind Stimmungsschwankungen, Schläfrigkeit, Unsicherheit, Ignoranz, Unwissenheit, Depression, Lethargie, Stagnation, frühe Alterung, Verwirrung und starke Ängste. Die Gier nach Suchtmitteln kann zu Selbstzerstörung und Gewalttätigkeit führen. Menschen, die sich hauptsächlich aus dieser Gruppe ernähren, werden über kurz oder lang immer krank. Diese Lebensmittel sind tot und ermöglichen kein „nähren“, vor allem nicht des Gehirns. Es ist das Experiment mit den Ratten (s.o.).

Ernährungsregeln Michael PollanMichael Pollan nennt diese Lebensmittel „essbare Substanzen“ im Gegensatz zu „Lebens“mitteln, die den sattvischen Aspekt tragen. Man findet diese „Substanzen“ im Supermarkt dort, wo keine Kühlung benötigt wird. Lebensmittel, denen alles nahrhafte entzogen wurde, hält sehr lange und freut den Händler und die Industrie.

Es können übrigens auch sattvische Lebensmittel tamasisch wirken, wenn sie nicht verdaut werden können (Rohkost, Salate) oder von einem uninteressierten Koch lieblos zubereitet werden.

 

Das Triguna-Konzept

Die ayurvedischen Texte beschreiben wie keine andere Wissenschaft die geistige Wirkung von Nahrungsmitteln anhand der 3 beschriebenen Eigenschaften Sattva, Rajas und Tamas. Wir werden immer Nahrung zu uns nehmen, die Bestandteile aus allen 3 Gruppen beinhalten. Welche Aspekte wir im Leben betonen möchten, lässt uns entscheiden, aus welcher Gruppe wir uns hauptsächlich ernähren. Die sattvischen Lebensmitteln kann man nie überdosieren, doch sie stehen nicht immer und überall zur Verfügung. Außerdem will nicht jeder leben wie ein schmunzelnder Buddha. Deshalb ist der aktivierende Lebensmittelanteil derjenige, den die meisten Menschen am ehesten bevorzugen. Unsere westliche Welt ist nun mal rajasisch.

Lebensmittel aus der tamasischen Gruppe nehmen heute den meisten Platz in Supermarkt und Restaurant/Kantine ein. Diese Entwicklung ist keine 100 Jahre alt und vermutlich ist sie der Grund dafür, dass sich neue Krankheitsbilder manifestieren, bei denen die Medizin noch ratlos ist. Diese Lebensmittel zu reduzieren und mit sattvischen zu ersetzen ist die weiseste Entscheidung, die man treffen kann.

Es ist ähnlich dem yogischen Leben. Jeder, der Yoga mit einiger Ernsthaftigkeit oder Hingabe betreibt, wird irgendwann vor seinem Teller sitzen und kein Schweineschnitzel mehr essen mögen. Oder jemand, der sich vorwiegend vegetarisch ernährt, verbindet sich vielleicht irgendwann mit den meditativen und philosophischen Konzepten von Yoga oder Tai Chi. Das Tor ist nach beiden Seiten offen.

Für mich persönlich ist die Orientierung meiner Lebensmittelwahl an diesen 3 Gruppen wesentlich sinnvoller als an den meistens verwendeten Konstitutions-Ernährungsrichtlinien für Vata, Pitta, Kapha, die man in westlichen ayurvedischen Kochbüchern findet. Ich halte eine fundierte „Diagnose“ und Konstitutionserfassung durch Checklisten oder in einem kurzen Anamnesegespräch für wenig aussagekräftig im Bestfall und komplett fehlleitend im worst case. Außer sie wird von einem/einer erfahrenen Ayurvedaarzt/ärztin (egal ob indisch oder westlich) mit seinem/ihrem Erfahrungsschatz untermauert. Das hören meine AyurvedakollegInnen nicht gerne, doch ich erlebe, warum sich seriöse indische Ärzte für diese Analyse tage- bis wochenlang Zeit nehmen.

Sogenannte doshagerechte Ernährung funktioniert sehr gut bei Beschwerden und Krankheiten und macht in diesen Fällen absolut Sinn. Ansonsten klappt das auch noch für den Singlehaushalt, aber nicht mehr darüber hinaus, da in einer Familie meist mehrere Konstitutionstypen vorhanden sind.

Hier ist das Triguna-Konzept von Sattva, Rajas und Tamas viel leichter umsetzbar und in der Praxis sehr unkompliziert, da z.B. sattvische Ernährung für jeden passt.

Nochmal die ZEIT vom 2.1.2014 zum Thema Rajas und Tamas:

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Artikel überarbeitet im September 2018

Bildquelle Walnuss: stock.tookapic.com