Cool durch die Sommerhitze

Sommer. Hitze. Baden. Biergarten. Leichte Kleidung. Im Gras liegen. Lange Abende. Urlaub… :-).
Doch kaum ist die Sonne in ihrer stärksten Phase, kann sie uns schnell zum kochen bringen. Gut, wenn man ein paar Feuerlöschertipps für Essen und Lebenstil kennt, um die Sommerhitze in Schach zu halten.

Naturgmäß ist im Sommer das Feuerelement stärker und somit Pitta dominant, die Sonnenstrahlen entziehen der Erde Feuchtigkeit, alles wird trockener und leichter. Pitta wird neben dem Feuerelement auch von einem kleinen Anteil des Wasserelements begleitet. Wenn dieses überhand nimmt, wird der Sommer nass und es entstehen Überschwemmungen.

Alle Lebewesen suchen während des Tages einen kühlen Platz und sind schläfrig. Nicht umsonst sind in mediteranen Ländern ab Mittag die Strassen wie leergefegt. Es ist Siestazeit, das Leben beginnt am späten Nachmittag wieder, mit viel Lebensfreude und tamtam ;-).

Das normalerweise dominierende Feuerelement des Sommers läßt uns ordentlich schwitzen und schwächt unsere Kraft, Aktivität fällt schwer und manchmal fühlen wir uns überhitzt, fast fiebrig. Die innere Hitze zeigt sich in der Körperperipherie durch entzündliche Prozesse wie Heuschnupfen, Hitzebläschen, rote Haut etc..

Die Sommerhitze schwächt auch das Verdauungsfeuer (agni), denn dieses wird zum Ausgleich der äußeren Hitze zurückgefahren, der Appetit ist nicht sehr groß. Man kann es auch vergleichen mit einem Eimer heißem Wasser (= flüssiges Pitta), das man auf einen Grill oder das Lagerfeuer schüttet. Ähnlich ist das übrigens mit Eiscreme und eiskalten Getränken, das innere Feuer hat Mühe, seine „Arbeit“ zu erledigen. Obwohl im Sommer die Verdauungskraft am schwächsten ist, essen wir liebend gerne z.B. schwer verdauliche Salate und andere Speisen am Abend. Was vielen Menschen Blähungen in der Nacht und Müdigkeit am Morgen beschert.

Idealerweise passt man seine Aktivitäten und die Ernährung den äußeren Umständen an. Mit einigen kleinen Gegenmaßnahmen kann man aus der Sommerzeit eine Sommerfrische gestalten.

 

Kühlende Ernährungstipps

Diese Nahrungsmittel sollte man bevorzugen (reduzieren Pitta):

  • süßes, bitteres und herbes Essen
  • leichtes und leicht verdauliches Essen
  • mehr befeuchtende und flüssige Nahrung (z.B. Suppen)
  • weniger essen, auf Sättigungsgefühl achten
  • frisches, regionales Obst, das süß und reif ist
  • Zitronen und Limonen in Essen und Getränken
  • kühlendes Essen
  • fast alle Gemüse (saisonal Fenchel, Artischoken, Erbsen), wässrige Gemüse wie Gurken, Zucchini, grüne Blattgemüse (Mangold)
  • etwas Salat und Rohkost mittags (bei guter Verdauungskraft)
  • Hülsenfrüchte (Dal, Humus, Mungbohnen)
  • öfter kühlendes Kokosöl zum Kochen verwenden
  • Buttermilchsuppe
  • ideale Gewürze: Fenchel, Koriander, Anis, Petersilie, Minze, frische Kräuter
  • mehr trinken: Wasser, Fruchtsäfte, Kräutertees (auch lauwarm), Zitronenwasser, Rosenwasser, Getränke mit natürlicher Süße,

 

Diese Nahrungsmittel sollte man reduzieren oder meiden (erhöhen Pitta):

  • saure, salzige, scharfe Speisen
  • frittiertes und sehr heißes Essen
  • Nachtschattengewächse (Kartoffeln, Paprika, Chili, Tomaten, Auberginen)
  • saures und unreifes Obst
  • Ananas, Tomaten (süße Sorten sind ok), Tamarinde, Essig, Chutneys
  • scharfes wie Senf, Meerettich, Pickles, Knoblauch, Zwiebeln und sehr scharfe Gewürze
  • rotes Fleisch, Meerestiere und Schalentiere (Muscheln, Shrimps, Garnelen etc.), Eigelb
  • Sauermilchprodukte, Joghurt (gilt als stark erhitzend während der Verdauung)
  • Salat am Abend
  • alkoholische Getränke (!)

 

Gewürzmix für den Sommer (kühlendes Würzen ohne Schärfe)

1 EL Koriandersamen
1 EL Fenchelsamen (je nach Präferenz kann auch die halbe Menge ausreichen)
1 EL Kreuzkümmelsamen
1 EL Kardamonsamen
1 EL Kurkumapulver

Die ersten 4 Zutaten in einer Gewürzmühle mahlen, Kurkuma zufügen und in einem dunklen Glas oder Gewürzdose lagern. Innerhalb eines Monats verbrauchen.
Alternativ kann man die Samen vor dem mahlen kurz trocken anrösten. Dies verändert das Aroma.

 

 

Sommer-Getränke, die Pitta reduzieren

Im Sommer wird man buchstäblich überschüttet mit Tipps für kühlende Getränke. Da sind dann auch zuckrige Siruplimonaden und eiswürfelhaltige Getränke wie alkoholfreie Cocktails und Eistees dabei. Beides würde das Verdauungsfeuer eher belasten, vor allem das Eiswasser. In heißen Ländern trinkt man den ganzen Tag warmes Wasser oder Kräutertees, sie schocken den Körper nicht so krass mit dem anderen Extrem.

Beispiele für hitze-ausgleichende Sommergetränke

  • Aloeverasaft und Kokoswasser
  • Tees: z.B. aus Pfefferminze oder Süßholz oder Fenchel oder Salbei, bzw. gemischt
  • Minze-Melissen-Zitronenwasser (Rezept)
  • Rosinen-Koriander-Tee: Eine Handvoll Rosinen/Korinten und eine Handvoll gemörserte Korandersamen werden in Wasser ca. 10 Minuten gekocht, dann mit heißem Wasser bis auf 1 Liter Gesamtmenge verdünnt. Abkühlen lassen und lauwarm trinken.
  • Rosen-Fenchel-Tee: 1 TL Fenchelsamen in eine Tasse kochendes Wasser geben und einige Minuten bei wenig Hitze leicht köcheln.Den Herd ausschalten und das Wasser abkühlen lassen. 4-5 Minzeblätter zugeben und ca. 5-10 minuten ziehen lassen. Danach das Wasser durch ein Sieb geben und einen TL Rosenwasser zufügen. Alternative: Fenchelsamen mit heißem Wasser in einer Teekanne übergiessen, Minze zugeben und am Schluss das Rosenwasser. Optional kann auch Kokosmilch/Kokoswasser zugegeben werden.
  • Rosensirup: frisch gepflückte Rosenblätter in ein Glas geben und mit Zucker bedecken. Am Morgen den Sirup in Mandelmilch oder Wasser geben.

 

Hitzereduzierender Lifestyle

Nicht nur beim Essen, auch sonst kann man dem Sommer genügend kühlendes entlocken:

  • in der Regel wachen wir früher auf, das Aufstehen mit der Sonne oder kurz danach ist sehr energetisierend und wir nutzen die kühlen Morgenstunden
  • Barfuß gehen auf einer Tauwiese ist seit alters her ein sehr erfrischendes und befriedigendes Morgenerlebnis
  • Massagen mit Kokosöl haben einen kühlenden und nährenden Effekt für die Haut. Mit lauwarmem Wasser abwaschen.
  • ein kleiner Mittagsschlaf wirkt ausgleichend
  • Für Kühlung und Entspannung sorgen
  • zwischen 11 und 15 Uhr nicht in die Sonne gehen und körperliche Anstrengungen meiden
  • Schattenplätze bevorzugen, Windzufuhr durch Fächer oder Ventilator ermöglichen
  • kühlende Sportarten wie Schwimmen bevorzugen
  • Spaziergänge im Mondlicht erfrischen und kühlen
  • Rosendüfte kühlen und erleichtern das Schlafen im Sommer
  • im Freien schlafen, sofern man in einer ruhigen und grünen Umgebung lebt

 

Hitzige Temperamentsausbrüche können im Sommer verstärkt auftreten. Schnellhilfe: Einen großen Schluck kaltes Wasser eine Weile im Mund behalten. Das Wasser kühlt das Pitta und beruhigt, verhindert außerdem unbedachte Worte…

Somit wünsche ich uns viele schöne Sommertage 🙂

 

überarbeitet Juli 2019

Endlich mal reinhauen – das Mittagessen

Dosha-Aktivität während des TagesIn der Zeit von 10 bis 14 Uhr ist unsere Verdauungskraft am stärksten. Deshalb macht ein ausgiebiges Mittagessen für den Biorhythmus am meisten Sinn. Irgendwie ist uns diese Praxis jedoch verloren gegangen…

Wer die Möglichkeit hat, ein gutes Mittagessen zu sich zu nehmen, ist ein Glückspilz. Das beinhaltet sowohl die selbst gekochte Mahlzeit als auch der Besuch in Kantine und Restaurant. Doch hier kann bekannterweise viel schiefgehen. Nicht (mehr) viele Restaurants kochen frisch und mit hochwertigen Zutaten. Das Öl ist oft billig und ein Wiener Restaurantbesitzer berichtete kürzlich, dass die meisten seiner Kollegen nur noch Dosen öffnen. Nicht, weil sie nicht kochen könnten/wollten, sondern weil die Behörden zum Teil so abstruse Vorgaben durchsetzen, dass einem das frische Kochen vergehen kann. Hinter die Kulissen der Gastronomie mag man also lieber nicht schauen… Ein bisschen Recherche ist somit nötig, um das für sich passende Lokal mit qualitativ hochwertigem Essen zu finden, wenn man nicht als Freiberufler zuhause am eigenen Herd stehen kann.

Ein „großes“ Mittagessen muss übrigens nicht dazu führen, dass man danach wie ein Stein in den Mittagsschlaf fällt, sofern man diese zwei ayurvedischen Prinzipien beachtet:

  • leichte und leicht verdauliche Nahrung in großer Menge wirkt schwer
  • schwere und schwer verdauliche Nahrung in kleiner Menge wirkt leicht

Ein guter Mix von Leichtem und Schwerem ermöglicht also das angenehme After-Lunch-Glücksgefühl.

Schön ist, dass man mittags auch schwere Nahrunsmittel (Fleisch, Salat) verkraften kann, denn der Organismus hat den ganzen restlichen Tag Zeit für die Verdauung.

 

So wird das Mittagessen noch bekömmlicher

  • beim Mittagessen gilt wie beim Frühstück, dass ein regelmäßiger Rhythmus dem Körper besser „schmeckt“ als ein Essen zu den unterschiedlichsten Zeiten in unterschiedlichen Mengen. Bis zu einem gewissen Grad kann man sein Verdauungsfeuer auf regelmäßige Essenszeiten „trainieren“, was durchaus Sinn macht, wenn man in einem Arbeitsumfeld mit fixen Mittagspausen beschäftigt ist.
  • sollte der Appetit doch mal schwächeln, kann es hilfreich sein, ein Stück Ingwer mit Salz und ein paar Tropfen Zitronensaft als Appetizer zu kauen.
  • essen ohne Hunger ist für das Verdauungsfeuer eine Tortur, auch mittags.
  • die Verdauungsenzyme können nicht wirken, wenn man sie vor dem Essen in Flüssigkeiten „ertränkt“. Auch wenn der Kellner etwas verständnislos kuckt, ein kleines Glas Wasser ist das maximale, was man zum Mittagessen trinken sollte. Alkohol, wenn überhaupt, erst nach dem Essen in homöopatischer Menge.
  • bleibt der Hunger in der Pittazeit (10-14 Uhr) unbefriedigt, führt dies zu Disharmonie im Körper. Eneergieabfall und Heißhungerattacken sind oft die Folge.
  • nach dem Essen lohnt sich eine kurze Pause, bevor man sich wieder an den Computer setzt. Oder die berühmten 100 Schritte gehen…

Auch diese TippMittagessens sind wie immer hilfreiche Guidelines, die jedoch nicht in Stein gemeißelt sind. Manchmal hat der Körper seine eigene innere Uhr…