Zucker? Braucht kein Mensch…

Wenn man Menschen fragt, welche Stoffe in der Nahrung giftig wirken könnten, hört man viele Namen, Begriffe, Substanzen, chemische Zutaten, aber niemals wird Zucker genannt.

Doch Zucker ist unser süßestes Gift, verkleidet als „guter Freund“. Sieht blendend aus, schmeckt hervorragend, tröstet die Seele, macht fröhlich, verpasst uns einen Energieschub wenn wir müde sind und gilt als perfekte Nervennahrung.

Doch die Freundschaft hat ihren Preis. Auf dem Weg durch unseren Körper benimmt sich der Zucker wie ein Räuber. Nimmt Calcium und Mineralstoffe aus Knochen und Zähnen, B-Vitamine und wichtige Komponenten für die Nervenfunktionen mit. Nebenbei übersäuert er unser System in hohem Maße. Dafür gibt er uns keinerlei Nährwert zurück. Nullkommanull. Zucker sind absolut leere Kalorien.

Und der Kick hält nicht mal lange an. Wenn er – meist wie ein Strohfeuer – abgebrannt ist, stehen wir da mit Kopfschmerzen und Niedergeschlagenheit, einem geschwächten Immunsystem, Müdigkeit, Überaktivität und Konzentrationsproblemen (besonders bei Kindern), Pilzinfektionen, Hormonschwankungen, einem kranken Darm, Falten, Haarausfall und frühen Alterspuren. Zusätzlich mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht, Karies, Diabetes und Krebs. Oder einer Süßattacke. Will man das?

In den USA gibt es Stoffwechselexperten, die Zucker für einen der grössten Suchtstoffe halten – so schlimm wie Tabak, Alkohol und andere Drogen. Trotzdem kann man sich nicht vorstellen, dass irgendwann mal auf der Zuckerpackung (wie bei Zigarettenschachteln) ein Riesenlabel klebt: „Zucker verursacht Falten“, „Zucker erhöht Ihr Diabetesrisiko“ oder ähnliches.

Weißer Zucker hat wie ein Parasit seinen Weg gefunden in fast alles, was im Supermarkt im Regal steht. Nicht immer sofort erkennbar und oft verschleiert hinter Bezeichnungen wie Maissirup, Glukosesirup, andere Sirups, auf -ose endende Namen, Dextrin, Fruchzuckerkonzentrat und ähnlichem. Maissirup – in den USA als high fructose corn syrup (HFCS) bezeichnet – ist in praktisch allen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten, in Joghurt und Soßen, in Brot und Limonaden und steht in direktem Zusammenhang mit den o.g. gesundheitlichen Problemen. Da man in Amerika bei einer Übergewichts- und Diabetesrate von über 60% langsam panisch wird, ist HFCS als einer der Haupt-Übeltäter deklariert worden, den es zu bekämpfen gilt.

 

Brauchen wir Zucker?

Das süßeste Nahrungsmittel unserer Vorfahren war meist Honig, den sie mit Bienen und Bären teilen mussten, was gar nicht so ungefährlich war. Zucker ist definitiv entbehrlich, zumindest der Haushalts- bzw. Industriezucker. Der Mensch war jahrtausendelang fähig, ohne den Süssmacher zu leben. Die aufbauende Kraft, die er aus der süßen Geschmacksrichtung zieht, konnte er sich aus Gemüse, Obst, Getreide, Kartoffeln, Milch und vielen anderen natürlichen Lebensmitteln besorgen.

Nun sind süße Nahrungsmittel per se nicht problematisch. Im Gegenteil, süß signalisiert seit Urzeiten, dass ein Lebensmittel eben nicht giftig ist im Gegensatz zu manch bitteren Substanzen. Und: die süße Geschmacksrichtung wurde uns schon mit dem ersten Tropfen Muttermilch „eingebrannt“, sie steht für Wohlbefinden, Befriedigung und Lebensqualität.

Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Zucker in süßen, vollwertigen Lebensmitteln in Begleitung von Vitaminen und Mineralien geliefert wird, die ihn zu Glukose (Blutzucker) abbauen, ihn komplett verstoffwechseln, und dem Körper dadurch Engergie liefern.

Doch dem Haushaltszucker oder Industriezucker aus Zuckerrohr, Zuckerrübe oder anderen Pflanzen sind diese Nährstoffe komplett entzogen. Zurück bleibt eine weiße, kristalline Substanz ohne Nährwert aber mit vielen leeren Kalorien. Wir essen im Schnitt mit über 100 Gramm pro Tag (in Amerika ist es ein Vielfaches und bildlich kann man sich 22 gehäufte Teelöffel Zucker vorstellen) mehr als das doppelte, was Ernährungswissenschaftler als Obergrenze für gesunden Zuckerkonsum deklarieren.

 

Was tun?

Man muss nun nicht auf Süßes verzichten, um sich aus der Gefahrenzone zu begeben. Denn das scheinbare Wohlbefinden, das uns Süßes vermittelt, macht es so schwierig, uns einzuschränken. Und doch machen manche mit dem Totalverzicht sehr spannende Erfahrungen.
Und es gibt sie, die gesünderen Alternativen, die z.B. meist in der Naturkost eingesetzt werden. Dazu zählen Vollrohrzucker, Sharkara, Reissirup, Ahornsirup, Honig, Stevia, Birkenzucker, Trockenfrüchte, Süßholz und einige mehr. Nächste Woche werde ich diese Alternativen ausführlicher präsentieren.

 

Um der Zuckerspirale zu entkommen, bieten sich neben den Alternativstoffen noch andere Möglichkeiten an:

  • Weißer Haushaltszucker ist tabu, ebenso brauner Zucker, der in Wirklichkeit weißer Zucker ist, den man mit Malz braun „gefärbt“ hat.
  • Süße Backwaren und Kuchen auf ein Minimum reduzieren.
    Alternativen: Dinkel-/Kamutbackwaren, die mit wenig Zucker bzw. Reissirups gesüßt sind, verwenden.
  • Bubble Tea und Frozen Yoghurt-Shops konsequent ignorieren! Sie sind die derzeit beliebtesten Dickmacher bei Jugendlichen und ein teuflischer Angriff auf die Gesundheit. Ernährungswissenschaftler warnen und warnen und warnen…
    Alternativen: Wasser, die meisten anderen Getränke außer Softdrinks, Naturjoghurt, Buttermilch.
  • Fertigprodukte (Pizza & Co.) auf ein Minimum reduzieren. Auch wenn sie nicht süß schmecken, sind sie doch vollgestopft mit Zucker. Weitere Zuckerfallen sind Rotkohl aus dem Glas, Gewürzgurken, Cornflakes, fertige Müslimischungen, Müsli- und Schokoriegel, Nuss-Nougat-Creme, Sahnepuddings, Gummibärchen.
    Alternative: frisch gekochtes Essen, reine Haferflocken, Dinkelflocken etc., frisches Gemüse, Trockenfrüchte.
  • Fertigsaucen und Dressings vermeiden! Die dort versteckten Zuckermengen sind enorm: zu den schlimmsten Zuckerfallen zählen Ketchup, Barbecuesaucen, Chutneys, Aceto Balsamico in Cremeform.
    Alternativen: selbstgemachte Chutneys mit weniger Zucker, Zitronensaft statt Essig.
  • Joghurts und Milchdrinks reduzieren. Viel zu viel Zucker enthalten die als gesund verkauften Fruchtjoghurts (6 Zuckerwürfel pro Becher), Schokogetränke oder Frucht-Lassis (auf 1 Liter kommen bis zu 35 Zuckerwürfel)
    Alternative: (Selbstgemachten) Naturjoghurt mit wenig Honig oder Jaggery (Palmzucker) süssen.
  • Fruchtsäfte reduzieren. Multivitaminsaft, Apfelsaft, Orangensaft und vor allem gezuckerte Fruchtnektare (ca. 30-40 Würfelzucker pro Liter) enthalten sehr viel Zucker.
    Alternativen: Das Obst essen, Smoothies selber zubereiten, die Säfte verdünnen mit Wasser.
  • Softdrinks meiden! Eistee, Limonaden, Cola und Energy Drinks sind die meistgekauften flüssigen Zuckerfallen. Wer 1 Liter davon trinkt, nimmt zwischen 15 und 30 Zuckerwürfel zu sich. Neue Studien weisen darauf hin, dass die größten Gesundheitsprobleme eher durch die süßen Limonaden entstehen denn durch Schokolade.
    Alternativen: gekochtes Wasser mit Zitronensaft, Ingwer, Gewürzen, einem Schluck Apfeldicksaft, Süßkraut o.ä.
  • Instanttees, Instantkaffees und ChaiLatte aus Ketten wie Starbucks & Co. meiden. Die Relation von echtem Tee und Kaffee in Relation zu Zucker ist haarsträubend.
    Alternativen: Espresso, natürliche Teesorten, selbst gekochter Chai.
  • Fettreduzierte Produkte vermeiden! Um den Geschmack dieser Lebensmittel zu verbessern, wird Zucker beigefügt. So hat man zwar weniger Fett, dafür umso mehr Zucker, der durch die Leber als Fett gespeichert wird. Man denkt unweigerlich an die Teufel-und-Belzebub-Analogie.
    Alternativen: Lebensmittel mit dem natürlichen Fettgehalt verzehren und dabei auf hochwertige Fette achten, denn diese machen nicht dick.
  • Light-Produkte vermeiden! Um Zucker erleichterte Lebensmittel und Getränke werden oft mit chemischen Ersatzstoffen geimpft. Diese sind immer wieder in der Kritik aufgrund ihrer gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen. Zudem wird der Körper fehlgeleitet, denn das Signal „süß“, das er mit Nährstoffaufnahme verbindet, liefert nicht die gewünschte Energie. Heißhungerattacken bis zum Dauersnacken können die Folge sein.
    Alternativen: Lebensmittel mit natürlichen Süßmitteln verwenden und lieber die Menge reduzieren.

 

Dies ist eine gute Woche, seinen Zuckerverbrauch auf den Prüfstand zu stellen. Und mal zu kucken, in welchen Situationen (Stress, Nachmittags-Müdigkeit etc.) man dem Süßen kaum widerstehen kann. Um dann vielleicht doch heldenhaft standhaft zu bleiben ;-). Zumindest bis Samstag, denn am Sonntag gibts den wohlverdienten Muttertagskuchen. Wie süß der wird kann jeder selber entscheiden.

 

Nächste Woche stelle ich die bestmöglichen natürlichen Zucker-Alternativen für ein süßes Lebensgefühl vor. Wiener Zucker wird trotz süßer Werbung vermutlich nicht dabei sein… 😉

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