Ab in die Küche!

Vieles von dem, was uns nährt und heilt, finden wir in der Küche zuhause. Nahrung, Gewürze, die Gemeinschaft mit der Familie, eine meditative Stimmung (okay, gilt nicht für alle…) und unterm Strich die Speisen, die unsere körperliche und mentale Gesundheit stärken.

Doch während vor 100 Jahren noch die meisten Mahlzeiten in den eigenen vier Wänden zubereitet und verzehrt wurden, sind es heute nicht mal mehr 50%. In Japans Megacities werden Wohnungen geplant ohne Küche, um Platz zu sparen, die nächste Sushibar ist ja eh um die Ecke. In unseren westlichen Küchen werden Herd und Backofen zum Kochen oft weniger genutzt als die Mikrowelle zum aufwärmen.

Trotz der Anzahl der Kochsendungen im Fernsehen schwingen die Deutschen immer seltener den Kochlöffel, berichtet die Welt. Und auch die vielen neuen, schönen, anregenden Kochbücher, die (subjektiv gefühlt, täglich) auf den Markt kommen, stehen wohl eher zur Deko in der cleanen Designerküche?

Die Heranwachsenden lernen zuhause nicht mehr kochen wie es frühere Generationen ganz nebenbei durch Mütter und Großmütter erlebt haben. Im Extremfall können die Kinder dann nicht mehr die Karotte von der Gurke unterscheiden und glauben, dass Essen in der Mikrowelle „gekocht“ wird oder dass die Nahrung in Dosen, Gläsern, Bechern, Plastiktüten „wächst“…

 

Der Körper läßt sich nicht austricksen

Leider scheinen auch unsere Geschmacksnerven und unser Wissen über gute Nahrung von der Nahrungsmittelindustrie entführt worden zu sein. Industrielle Nahrung versorgt uns mit Zusatzstoffen, die unserem Geschmacksempfinden ein kurzfristiges Glücksgefühl bescheren. Und so kann unsere Zunge und unsere Psyche mit beliebigen Cocktails aus Fett, Zucker und Salz (plus Analogkäse, Glutamat, Aromastoffe, Farbstoffe usw.), die in die Industrienahrung gepumpt werden, in die Irre geführt werden.

Der restliche Körper jedoch nicht, er kann nichts anfangen mit diesen Substanzen und Kombinationen und verdaut sie einfach nicht, d.h. die Gewebe werden nicht genährt. Streik.

Das scheint letztendlich erstmal klug und intelligent von den Zellen, wenn sie dieses Zeugs ablehnen. Bekommen diese aber nur solche Nahrung und keine frisch gekochten Lebensmittel mehr, entwickelt sich das Desaster, das wir überall sehen können, auch wenn unser Geist einiges daran setzt, es zu ignorieren: Übergewicht, Diabetes, Herzkrankheiten und die damit verbundenen Probleme (Bluthochdruck, übermäßig Cholesterin etc.) haben bereits mehr als die Hälfte der Menschen im Westen fest im Griff und sie werden immer jünger (!!). Übergewichtige Kinder lernen weniger, leiden mehr und sterben früher. Auch die junge asiatische Generation mit Zugang zu westlicher Ernährung ist nicht mehr ausgeschlossen, genausowenig wie die Nachfahren der Menschen auf Okinawa, die über 100 Jahre alt geworden sind. Es gibt auch dort inzwischen die Restaurants mit dem gelben „Liebes“-M.

 

Was hilft?

Das Rad läßt sich nicht mehr zurückdrehen, doch man kann für sich selber eine Menge tun. Die Macht und Eigenverantwortung liegt im Einkaufswagen, am Küchenherd und am Esstisch zuhause. Womit wir unseren Kühlschrank und die Speisekammer füllen und was wir uns als Essen genehmigen besteht aus hunderten von kleinen Entscheidungen täglich, die die Weichen für eine gesunde Ernährungsweise stellen und ein höheres Maß an Lebensfreude ermöglichen!

Diese Dinge könnte man z.B. ausprobieren:

  • Die Anzahl der Auswärtsessen einschränken (halbieren, nur 3 mal die Woche, so wenig wie möglich)
  • Mehrmals die Woche (jeden zweiten Tag, täglich, so oft man kann) selber kochen.
  • Einfache Gerichte kochen, sie dauern manchmal kaum länger als das Wiederbeleben von toter Fertignahrung
  • Den Inhalt von Kühlschrank und Speisekammer analysieren und Fertigprodukte gnadenlos ausmisten.
  • Mit dem richtigen Grundsortiment kann man im Handumdrehen eine schnelle und gesunde Mahlzeit zubereiten. Hierzu kommt demnächst mehr Info
  • Die Tiefkühltruhe „verkleinern“
  • Mehr Geld ausgeben für die Einkäufe (= bessere Qualität), dafür weniger Menge einkaufen. Es ist übrigens hinlänglich bewiesen, dass frische und gute Nahrungsmittel nicht teuer sein müssen
  • Ein paar kleine Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon selber anbauen (einer dieser guten neuen Megatrends, dank auflagenstarker Magazine für Land-Lust-Garten)
  • Die Kinder in den Einkauf und das Zubereiten integrieren
  • In regelmäßigen Abständen mit Freunden kochen. Sozusagen einen Supper Club gründen. Rezepte dabei austauschen. Über Erfahrungen diskutieren. Kochtipps verraten. Besser kann man Körper, Seele und Freundschaften nicht gleichzeitig nähren.

Also, runter vom Sofa, Herd einschalten und experimentieren :-). Nicht nur weil gutes Essen das beste Investment in unsere Gesundheit ist.

 

Nachtrag: Naczukunftsmenue_sarah wienerh dem Veröffentlichen dieses posts habe ich das neue Buch Zukunftsmenü von Sarah Wiener erstanden und ihre Einstellung zum Selber Kochen passt hier großartig dazu.

 

 

 

Kochen Sie selbst, weil…

… es unabhängig macht. Sie können auf Restaurantbesuche verzichten, auf industrielle Fertigerichte und Fast-Food.

… es erfüllend ist und Spaß macht.

… es Kontrolle bedeutet, denn Sie wissen dann, was Sie essen.

… es den individuellen Geschmack fördert und uns sensibilisiert.

… es uns entspannt, entschleunigt und erdet.

… es Liebe, Aufmerksamkeit und Zuneigung transportiert.

… es Gemeinsamkeit schafft.

… es die Kommunikation zwischen Familienmitgliedern und Freunden fördert.

… es den Geldbeutel schont. Nichts ist günstiger als selbst zubereitete Mahlzeiten.

… es ein Abenteuer ist und sinnliches Erleben und Genuss bietet.

… man sich und anderen damit bis in die Tiefen des Seins etwas Gutes tut.

 

 

Essen mit Kindern

essen mit kindern
Eines der größten Diskussionsthemen unter den Teilnehmern meiner Kochkurse betrifft nicht das schälen, kochen, würzen der Speisen, auch nicht, warum Joghurt und Früchte nicht zusammengeht. Nein, die Gretchenfrage ist: „wie bringe ich meine Kinder dazu, dieses gesunde Essen zu mögen?“…
Zugegebenermassen bin ich da eher der falsche Ansprechpartner, komme allerdings aufgrund meiner Reisen in viele Familien und sehe ausgesprochen unterschiedliches Essverhalten bei den jeweiligen Kindern. Es scheint also keine allgemein gültigen Vorlieben zu geben.
Es ist mir sehr bewußt, dass es eine große Verantwortung für Eltern ist, die Kinder zumindest von den größten Ernährungsünden fernzuhalten. Also von allem, was die Industrie in Kinderaugen, Kinderohren, Kindermünder hinein blubbert.

Zur Thematik kann ich folgende links teilen:
Geenpeace-Magazin Essen Spezial (s.o.)
Spiegel online: Ernährung für Kinder
und natürlich ist FoodWatch immer die richtige Anlaufstelle.

Als Literatur eignet sich:
Das Greenpeace Magazin spezial zum Thema Essen (Bild oben)
Das Foodwatch-Magazin
foodwatch magazin kinder kaufen

Warum wir essen was wir essen von Eva Dernberger
eva dernberger