Food-Recycling oder wie mach ich das nun mit dem Aufwärmen…?

In den ayurvedischen Schriften ist es mit dem Aufwärmen von Essen so eine Sache. Es wird in der kleinen Liste der Dinge beschrieben, die man vermeiden sollte.
Tatsächlich ist aufgewärmtes Essen minderwertiger, da es nicht mehr denselben Nährwert wie frisch Gekochtes besitzt. Es hat zudem etwas trockenere Eigenschaften (unabhängig davon, ob man nochmals Wasser oder Öl hinzufügt).

Ein schonend im Dampfgarer regeneriertes Essen vom selben Tag ist jedoch nährender als z.B. ein frisch aufgewärmtes Fertiggericht, es kommt also immer auf die Alternative an. Letztendlich bleibt es aber immer eine „second best“ Variante.

Nun leben ja nicht sooo viele Menschen auf dem Land und können mit ihren Essensresten Hühner und Schweine beglücken. Und für die meisten ermöglicht der Alltag keine zeitlichen Spielräume für 2 frisch gekochte Mahlzeiten.
In Indien und vielen anderen Ländern mit starken Familienstrukturen steht immer etwas frisch gekochtes in der Küche. Wir müssen mangels Großmüttern, Tanten und anderen Kochwilligen im Haushalt daher auf ein paar kleine Tricks zurückgreifen, um eine gute Balance zwischen frischem Essen und Resteverwertung zu finden:

  • Die Essensreste sollten idealerweise noch am selben Tag verarbeitet werden, meist ist das vom Mittagessen zum Abendessen.
  • was die 24-Stunden-Grenze überschritten hat, kann mit dem Nährwert von Fertiggerichten konkurrieren.
  • man kann alle Essensreste je nach Gusto mit frischem Gemüse oder frischem Getreide ergänzen und erhöht damit den Nährwert der Mahlzeit.
  • aus gekochtem Reis kann man fried-rice-Gerichte kreieren. Schnellrezept: Reis anbraten mit Gewürzen wie Kreuzkümmel, schwarzen Sesamsamen, Salz und Pfeffer und evtl. Currypulver. Wenn man möchte raspelt man noch etwas frisches Gemüse dazu. Mit einer Prise Kurkuma und/oder Paprika erhält man zusätzlich eine leuchtende Farbe, die den Appetit anregt.
  • das ganze klappt auch mit Quinoa ganz hervorragend. Extratipp: Den Quinoa in der Pfanne mit den Gewürzen angebraten, dabei wenig umrühren, damit sich eine knusprige Kruste am Boden bildet.
  • aus einem Gemüserest lässt sich für Abends alternativ leicht eine Suppe zaubern.
  • die Reste eines Porridge- oder Griesbrei-Frühstücks kann man zusammen mit frischen, reifen Früchten und etwas Mandelmilch oder Reismilch (und/oder Wasser) zu einem leckeren Nachmittags-Smoothie pürieren. Mit Zutaten wie Kardamon, Zimt, Ahorn- oder Reissirup aufpeppen, da lässt man jede Sahnetorte links liegen…
  • mit Phantasie kann man weitere unzählige Möglichkeiten finden für die Resteverwertung…

Man könnte also die kommende Woche dem kreativen Umgang mit Essensresten widmen.

Wenn man über einen langen Zeitraum daran gewöhnt ist, Essen vorzukochen und wieder aufzuwärmen, kann man damit beginnen, das Essen innerhalb von 24 Stunden zu verzehren. Im nächsten Schritt isst man nichts mehr von den Resten über die nächste Mahlzeit hinaus usw.. So kann man langsam wieder zu hochwertigem Essen zurückfinden. Denn Essen mit mehr Prana (Lebenskraft) ermöglicht ein deutlich besseres Wohlbefinden. Die meisten Menschen verspüren einen stark erhöhten Energielevel, nachdem sie aufgehört haben, Essen aufzuwärmen.

In Restaurants und Kantinen wird das Essen übrigens oft vorgekocht und später im Dampfgarer regeneriert. Oder über Stunden in Wärmebehältern aufbewahrt, was ebenfalls den Nährwert senkt, da die Gerichte dann „überkocht“ sind. Vom (schalen) Geschmack sprech ich dabei noch garnicht.
Köche beklagen, dass die Gäste keine Zeit mehr haben, um auf frisch gekochtes zu warten. Das trifft leider oft zu und wir schaden uns mit diesem Zeitdruck tatsächlich am meisten selber in Form von zweitbester und minderwertiger Nahrung, die bei weitem nicht die notwendige Energie für unser Tageswerk liefert. Das will man doch nicht, oder… ?? 😉

gebratener reis