Der Tanz ums optimale Verdauungsfeuer

Der zentralste Faktor für unsere Gesundheit ist die Kraft, mit der unsere Verdauung die Nahrung „verarbeitet“ und dem Körper als Energie zur Verfügung stellt. Einer meiner Lehrer hatte dafür eine sehr schlichte Formel: Gesunde Verdauung = glücklicher Mensch.

Jede Ernährungstheorie, egal aus welchem Kulturkreis oder welcher Medizinrichtung, hat die Optimierung der Verdauung zum Ziel. Somit ist es letztendlich egal, ob man sich im Sinne der traditionellen chinesischen Medizin (5-Elemente-Küche), nach ayurvedischen Prinzipien oder mit Hilfe der Kretadiät gesund hält.

 

Optimale Verdauung

Die indischen Rishis benutzten das einprägsame Bild des Feuers (agni), um die Verdauungskraft zu definieren. (Ein eher westlicher aber weniger bildhafter Begriff für agni ist Verdauungsenzyme).

Und wie jeder Pfadfinder oder Grillmeister weiß, bedarf es einiger Aufmerksamkeit, um Glut und Feuer so zu steuern, dass es seine Funktionen (kochen, wärmen etc.) erfüllen kann. Nicht anders verhält es sich mit dem Verdauungsfeuer, dessen Hauptfunktion es ist, Nahrung in Energie und den Aufbau von gesunden Körpergeweben zu verwandeln.

Das „äußere“ Feuer, die Sonne, ist dabei Teil des Systems. So laufen äußeres und inneres Feuer parallel, d.h. die Sonne beeinflusst direkt das Verdauungsfeuer. Dies ist einer der Gründe, warum man das Mittagessen als größte Mahlzeit des Tages nehmen sollte, denn das agni ist beim Sonnenhöchststand mittags am stärksten und kann fast alles verdauuen. Auch schwer verdauliches wie Fleisch und Salat.

Agni ist in jeder Körperzelle und jedem Gewebe vorhanden. Es hält das Immunsystem aufrecht und zerstört krankmachende Bakterien und Toxine. Es schützt dabei die hilfreichen Bakterien, die die Nahrung in brauchbares und unbrauchbares Material „sortieren“. Und es entfernt Überschüssiges aus den Geweben, das sog. ama (Unverdautes).

 

Der lange Weg vom Gemüsecurry zum Rotbäckchen

Verdauungsfeuer
Im Idealfall wird die Nahrung mit Hilfe von agni transformiert und verdaut. Was nichts anderes heißt, als dass die Nährstoffe in die sieben körpereigenen Gewebe (Plasma, Blut, Muskeln, Fett, Knochen, Knochenmark/Nerven und Fortpflanzungsgewebe) einfliessen, diese nähren und funktionsfähig halten. Je ungestörter dieser Zyklus verläuft, desto mehr entsteht am Ende des Prozesses Ojas, die Essenz der Gesundheit bzw. Vitalkraft.

Einen Menschen mit viel Ojas erkennt man an einer guten Gesundheit, seiner Ausstrahlung, einer gesunden Gesichtsfarbe und guten Haut, innerer und äußerer Schönheit, Langlebigkeit, Kraft und Energie, einem Leuchten in den Augen, einer offensichtlichen Zufriedenheit und Lebensfreude, Begeisterungsfähigkeit, Vitalität und der Fähigkeit zu körperlichem und geistigem Wachstum. Mit Schönheit ist übrigens nicht der magische Blick eines Models gemeint, denn diese haben in der Regel wenig Ojas. Was man sieht, wenn sie nicht stundenlang gestylt wurden.

Es dauert nun allerdings einige Wochen, bis die Karotte vom Mund durch den Magen und, vom Plasma angefangen, durch alle Gewebe gewandert ist und Ojas bilden kann. Auch wenn eine Ernährungsumstellung in der Regel schon nach mehreren Tagen spürbar ist, wird der volle Effekt (Leichtigkeit, schönere Haut usw., s.o.) erst nach einigen Wochen sichtbar.

Ein Anliegen der Rishis (und der modernen Yogis) ist es, soviel wie möglich Ojas im Körper aufzubauen für ein langes und gesundes Leben. Heute scheint es so, als könnte man das kaufen. In Pülverchen, Tinkturen, Superfood, anti-aging Cremes und was es noch so auf dem Markt gibt. Man kann sich das Geld sparen bzw. in hochweritge Lebensmittel investieren. Deren Wirkung ist allemal erwiesener. Billiger ist es unterm Strich auch. 😉

 

Kennzeichen guter Verdauung

Wer eine gute Verdauung hat, spürt dies an folgenden Indikatoren:

  • Appetit bzw. ein gesundes und regelmäßiges Hunger- und Durstgefühl: Wenn man selten hungrig ist und nur isst, weil gerade Essenszeit ist, dann hat agni zu kämpfen.
  • Das Gefühl nach dem Essen: fühlt man sich energetisiert, befriedigt und leicht, ist agni gut ausgeprägt. Symptome wie Völlegefühl, Blähungen, Aufstoßen, Verstopfung etc. sind nicht vorhanden.
  • Leichtigkeit und Durchlässigkeit: Man hat nichts Unverdautes im Körper, alles ist im Fluß, die Körperflüssigkeiten wandern ungehindert durch die Gewebe und Kanäle. Bei schlechter Verdauung sammelt der Körper Unverdautes (ama) an, was die Kanäle verstopft und den Fluß behindert.
  • Gesunde und regelmäßige Ausscheidungen: bei all den Transformationen gibt es viele Bestandteile in der Nahrung, die der Körper nicht verdauen kann und deshalb über Stuhl, Harn und Schweiß (malas) problemlos wieder ausscheiden kann. Täglicher Stuhl am Morgen, gut geformt, ohne sichtbare Reste der Nahrung, zeugen von gutem agni.

 

Gestörte Verdauung

Funktioniert das Verdauungsfeuer nicht optimal, entstehen nach der Nahrungsaufnahme alle möglichen Beschwerden im Bauch, die als Verdauungsstörungen bekannt sind. Nicht alle haben die gleiche Ursache, man kann sie aber grob in drei Kategorien einteilen:

1. wechselhaftes agni: der Appetit und die Verdauung sind unberechenbar, mal sehr gut, mal sehr schlecht. Gefördert wird diese Störung z.B. durch kalte, leichte, raue, trockene Speisen, bittere, scharfe und herbe Lebensmittel und Sodagetränke. Ein Lebensstil mit Stress, viel Reisen, wenig Schlaf, unregelmäßigem Essen usw. erhöht die Wahrscheinlichkeit eines unregelmäßigen Verdauungfeuers. Meist sind Verstopfung, Blähungen, Aufstoßen oder Schmerzen im Unterleib unerwünschte Begleiterscheinungen  nach dem Essen.

2. erhöhtes agni: diese wirkt wie ein überhitzter Ofen. Man hat einen feurigen Hunger, der schnell und intensiv aufflammt, und nach sofortiger Befriedigung verlangt. Die Nahrung verbrennt zu schnell und man fühlt alle möglichen brennenden Symptome (z.B. Sodbrennen), sowie übermäßigen Durst, Übersäuerung oder Durchfall. Gefördert wird diese Störung z.B. durch saure, scharfe, salzige Lebensmittel, Gewürze und Getränke wie Kaffee und Alkohol. Ein „hitziger“ Lebensstil (Stress, Ehrgeiz, heiße Umgebung usw.) verstärken dieses Überhitzen.

3. langsames agni: so wie erhöhte Feuchtigkeit die Intensität des Feuers reduzieren kann, so reduziert Feuchtigkeit und Schleim die Intensität des agni. Es wird langsam und träge und so ist dann auch die Verdauung. Gefördert wird diese Störung z.B. durch fast alle Milchprodukte, Süßigkeiten, kalte und rohe Speisen, schleimige, ölige und schwer verdauliche Lebensmittel und kalte Getränke. Ein „lazy“ Lebensstil mit wenig Bewegung, Schlafen während des Tages und kaltes Klima begünstigen diese Verdauung im Schneckentempo. Gefühl von Schwere im Körper, Schläfrigkeit nach dem Essen, Lethargie, geschwollene Augen, Verschleimungen, Aufstoßen mit dem Geschmack der konsumierten Lebensmittel, Verstopfung  und Wasseransammlungen sind einige Symptome, die durch ein träges agni verursacht werden.

 

Unverdautes (ama)

Nahrung, die aufgrund eines gestörten agnis (wechselhaft, erhöht oder träge) schlecht verdaut wird, wirkt in den Geweben klebrig, diese werden nicht mehr optimal genährt, die Kanäle werden verstopft und verunreinigt (unreines Blut führt z.B. zu schlechter Haut), was zu allgemeiner Schwächung des Körpers und Immunsystems führt. Dieses „unverdaute“ (ama) richtet im Körper über die Jahre hinweg viel Schaden an, weil es oft nicht mehr ausgeschieden wird. Irgendwann macht sich plötzlich eine Krankheit bemerkbar, die von heute auf morgen entsteht und sich nicht erklären läßt.Dabei ist es oft nur das Tröpfchen, das das Fass zum überlaufen bringt.

Ama im Körper kann man durch eine Reihe von Anzeichen im Körper erkennen.

  • Die erste ist ein weißer (oder anders gefärbter)  Zungenbelag. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, die Zunge morgens zu überprüfen und vom Belag der Nacht zu reinigen. Man wird erkennen, wie der Belag sich ändert, wenn man seine Essgewohnheiten und den Lebensstil ändert.
  • Das zweite Zeichen von ama ist Körpergeruch, Mundgeruch und Geruch bei Blähungen, etc.
  • Und ein drittes Zeichen von ama ist ein allgemeines Gefühl der Schwere und Dumpfheit – sowohl im Körper als auch im Geist.

 

Agni und Ama beeinflussen sich gegenseitig wie eine Waage. Ist Agni hoch, dann ist ama niedrig. Eine gute Situation. Wenn agni schwächer wird, erhöht sich ama, die ama-Waagschale geht nach oben, oft über den waagerechten Punkt hinaus. Dann ist Handlungsbedarf angesagt.

 

Kleine Hausmittel gegen Verdauungsstörungen

Um die Verdauung zu optimieren, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die in den ayurvedischen Texten in 7 Kategorien (je nach Übersetzung auch 8) eingeteilt wurden. In den nächsten Wochen werde ich diese beschreiben.

Für den Quickfix habe ich heute aber folgende Hausmittelchen parat:

  • Ein Fastentag hilft, unausgewogenes agni zu normalisieren und ama abzubauen. Bestes Mittel, wenn garnichts mehr geht.
  • Wenn man nicht fasten will, kann man einen Reissuppentag einlegen: 1 Tasse Reis in 4 Tassen Wasser kochen, gehacktem Ingwer und etwas Salz zufügen.
  • Der Konsum von flüssigen Speisen (Suppen, Curries, gekochtes Gemüse mit Saucen oder Fruchtsäfte) verbessert ebenfalls agni und lindert Verdauungsstörungen.
  • 1 TL Zitronensaft, 1 TL Ingwer-Saft und etwas Salz in einer Tasse Wasser mischen und dreimal täglich trinken.
  • Warmes Wasser (einmal aufgekocht) trinken erhöht agni und verdaut ama. Man kann es geschmacklich anreichern mit Ingwer, Zitronen oder Gewürzen.
  • In Ghee gebratener Langpfeffer kann gut über Speisen gegeben werden und wirkt agni-stärkend.
  • Fenchelsamen oder Kreuzkümmelsamen nach dem Essen kauen. Darum stehen diese im Indienrestaurant oft in der Nähe des Ausgangs.
  • etwas weniger essen.
  • Und auch eine Bauch- Massage hilft, um Verdauungsstörungen zu lindern. Es lockert die verspannten Muskeln und erhöht die Blutzufuhr zum Verdauungssystem.

 

Essen und Trinken in der richtigen Weise stärkt nicht nur das agni, sondern klärt und sensibilisiert in Folge davon auch die Sinne, es immunisiert gegen Krankheiten und verlängert das Leben. Wenn der Körper den richtigen „Brennstoff“ für das agni erhält, wird die Verdauungskraft stabilisiert und gestärkt. Nichts scheint also sinvoller, als für sein Verdauungsfeuer (Agni) die Verantwortung zu übernehmen. Die Lebensmittelindustrie tut es nicht, auch wenn sie es zu versprechen scheint… 😉

 

Quelle

Ein guter Start in den Tag – das Frühstück

Körper und Geist lieben das rhythmische Leben. Ein- und ausatmen, wachen und schlafen, essen und ausscheiden, der Herzschlag, Hormon-zyklen usw., je harmonischer und natürlicher diese Funktionen ablaufen, desto gesünder sind wir in der Regel.

Leidet man unter Müdigkeit, Gewichtszunahme, Verdauungsproblemen, Niedergeschlagenheit, Überessen, Heißhungerattacken und ähnlichem, lohnt sich ein tieferer Blick in die Rhythmen der Ernährung, um diese Symptome zu lindern.

Dem Frühstück kommt dabei eine große Bedeutung zu, auch wenn man in der ayurvdischen Lehre dem Prinzip „frühstücken wie ein Kaiser…“ nicht zustimmen würde.

 

Das Prinzip von Agni

Unser Verdauungsfeuer (sanskrit: agni) durchläuft während des Tages verschiedene Aktivitätsphasen. Dieses innere Feuer ist sehr direkt verbunden mit dem äußeren Feuer, der Sonne. Wenn die Sonne aufgeht, wird auch unser Agni langsam wach.
Zur Mittagszeit mit dem Höchststand der Sonne erreicht es seine volle Kraft, weshalb ein ausgiebiges Mittagessen („…wie ein König…“) sehr viel Sinn macht, denn wir können auch schwerere und größere Mahlzeiten gut verdauen.
Wenn die Sonne untergeht, glimmt auch unser Verdauungsfeuer eher wieder auf Sparflamme. Das „Abendessen wie ein Bettler…“ wäre also bei dieser Betrachtungsweise ebenfalls korrekt.

Vergleichbar ist das Agni auch mit einem Kaminfeuer, das einen Raum, in diesem Fall unseren Körper, einheizt, um die Funktionen im Inneren anzukurbeln.  „Glutreste“ des vorigen Abends kann man nutzen, um ein gesundes, langanhaltendes Feuer zu gewinnen. Ein reichhaltiges, schweres und kaltes Frühstück könnte diese Glut bzw. das Agni im Keim ersticken.  Das passende Frühstück jedoch gibt langanhaltende Energie bis zur Hauptmahlzeit am Mittag. Nebenbei ermöglicht es einen klaren Geist und hohe Konzentrationsfähigkeit.

 

Wann ist die beste Zeit für das Frühstück?

Dosha-Aktivität während des TagesIn den ayurvedischen Schriften beschreibt die „Dosha-Uhr“ den Biorhythmus für die thermischen Energien und wie sie Teile des Tages dominieren.

Betrachtet man diesen Tageszyklus, wird klar, dass ein Frühstück morgens um 6 Uhr auf eher schwache Resonanz stößt im Körper. Denn in der Kaphazeit (6-10 Uhr) hat das Agni noch nicht ausgeschlafen, alles ist schwer, verlangsamt,träge, verschleimt… Hunger hat man um diese Zeit meistens eh nicht, es sei denn, die letzte Mahlzeit war am späten Nachmittag des Vortages. Entscheidend für die Frühstückszeit ist deshalb auch der Zeitpunkt des vorigen Abendessens. Je später dieses stattfindet, desto später und kleiner sollte auch die erste Mahlzeit am Morgen sein. So machen es die Franzosen, Italiener, Brasilianer und alle Menschen, in deren Kultur später zu Abend gegessen wird. Dem Franzosen reicht dann das kleine Croissant am Vormittag, zumindest hab ich noch keinen gesehen, der sich zum Frühstück mit bacon & eggs versorgt hat ;-).
Early Birds können mit einem wärmenden Getränk oder Chai den Zeitpunkt überbrücken, bis das Verdauungsfeuer auf Touren kommt.

Wir fühlen übrigens am besten unseren natürlichen Morgenhunger, wenn wir im Urlaub sind oder am Sonntagmorgen. Wenige haben da in aller Herrgottsfrüh das Bedürfnis, ein Frühstück zu nehmen. Eher kommt dieses zwischen 9 und 10 Uhr, kurz bevor sich der innere und äußere Rhythmus in die feurige Pittazeit bewegt.

 

Was ist denn nun das „richtige“ Frühstück?

Kombiniert man den Dosharhythmus mit dem individuellen Hunger und der individuellen Konstitution, kann man nachvollziehen, warum sich die Menschen in ihren Frühstücksgewohnheiten so stark unterscheiden. Denn das „richtige“ Frühstück ist für jeden etwas anderes. Körperlich arbeitende Menschen benötigen einen anderen Start in den Tag als z.B. ein Büromensch. In kälteren Monaten hat man in der Regel ein größeres Bedürfnis nach einem nährenderen Frühstück. In der heißen Jahreszeit bevorzugt man Leichtes.
Deshalb gibt es kein Patentrezept für das „richtige“ Frühstück. Man muss sich jedoch nicht verrückt machen lassen von der Theorie, dass man ohne Frühstück weder lernen noch arbeiten noch etwas leisten kann. Für manche Menschen stimmt dies tatsächlich und für andere eben nicht.

Drei Empfehlungen gelten jedoch tatsächlich für alle:

  • dass man erst frühstückt, wenn man Hunger hat. Diesen Hinweis kann man getrost als Flexibilitätsübung in Familien betrachten. Denn jedes Familienmitglied sollte seinem eigenen Rhythmus und Hungergefühl entsprechend frühstücken dürfen, auch die Kinder.
  • dass man so leicht frühstückt, dass der innere Kamin angeheizt und nicht überladen wird
  • dass sich ein regelmäßiger Rhytmus beim Frühstücks für den Körper sehr harmonisch anfühlt

 

Ein ausgleichendes Frühstück ist in der Regel warm, gut gewürzt und leicht verdaulich. Der Schwerpunkt in unserer europäischen Küche liegt bei warmem Getreide und gekochten/gedämpften Früchten. In Indien dagegen genießt man einen leichten Pfannkuchen mit Gemüse, das Masala Dosa, oder einen Gemüsegriesbrei. Wenn man mehrere Wochen durch Indien reist, hat man nach der Rückkehr durchaus Anpassungsschwierigkeiten an Marmeladenbrot, Müsli oder Frühstückseier. Wieder andere Kulturen (Japan) kennen die kräftigende Morgensuppe.

Manche übertreiben es mit der Leichtigkeit und nehmen auf dem Weg zur Arbeit beim U-Bahn-Bäcker ein paar süße Teilchen (Apfeltaschen etc.) und Kaffee aus der Pappe mit, die durch den leeren Zucker und das Weißmehl ein kurzes Strohfeuer entfachen, das ganz schnell wieder zusammenfällt und mit dem Blutzucker Achterbahn fährt. Kein perfektes Frühstück also.

Das Gegenteil passiert mit dem typisch westlichen Frühstück: Müsli, Brot, Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade und Eierspeisen lähmen die Kraft des Agni. Dadurch fühlen wir uns schwer, träge und können den Tag nicht voller Kraft und Enthusiasmus beginnen. Man kann sich das wie ein schwach glimmendes Feuer vorstellen, auf das man einen dicken Holzscheit legt. Das Feuer wird lange Zeit nur schwelen und hat große Mühe, wieder in Gang zu kommen. Dies gilt in besonderem Maße  für das vermeintlich „gesunde“ Müsli, kombiniert mit kaltem Yoghurt und Früchten. Manche wundern sich, warum das so schwer im Magen liegt und man gleich wieder müde ist. Ungekochte Milch und zuckrige Speisen wirken ähnlich, es ist wie wenn man einen Eimer kaltes Wasser auf das Feuer kippt. Denn solche kapha-erhöhenden Mahlzeiten innerhalb der eh schon schweren Kaphazeit machen wenig Sinn. Hier kommt das Prinzip „Gleiches erhöht Gleiches“ zum Tragen, das immer Disharmonie bringt. Dem Körper morgens etwas Feuer zu geben mit einer warmen Mahlzeit unterstützt dagegen das harmonisierende Prinzip „Gegensätzliches gleicht sich aus“.

 

Frühstücksbrei

Ideale Frühstückszutaten zum „Anfeuern“ am Morgen

  • warmer, leichter Brei aus Obst und Getreide, z.B. Dinkel- / Kamutgries, Dinkelflocken, Haferflocken, Reisflocken etc., Hirse, Quinoa
  • saisonale und regionale Früchte (Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pflaumen, Erdbeeren etc.) gekocht, gedämpft oder püriert
  • Grüne Smoothies, sofern sie mit einem Powermixer hergestellt werden, die das Gemüse so klein schreddern, dass es auch roh verdaut werden kann
  • Reissuppen in jeglicher Form (Kanjis oder Conjees), gewürzt mit Ingwer, Pfeffer, Kreuzkümmel
  • verdauungsfördernde Gewürze für süße Speisen: Ingwer, Kardamon, Zimt, Vanille, Nelken (nicht ideal am Morgen sind die kühlenden Gewürze Koriander, Fenchel und Minze)
  • leichte Pfannkuchen (ohne Ei), süß oder salzig

zusätzliche „Feuerhilfen“ vor dem Frühstück

  • Ingwerwasser, Gewürztee (Zimt, Nelken, Ingwer, Pfeffer) oder Chai trinken
  • ein paar Yogaübungen
  • Atemübungen (Pranayama)

Diese Speisen sind morgendliche Energiefresser

  • trockenes Müsli (ungekochte Getreideflocken)
  • kalte Milchprodukte und kühlende Nahrungsmittel
  • die Kombination aus schwer verdaulichem Getreide, kalten Milchprodukten und Früchten
  • trockene Nahrungsmittel
  • Gebäck mit raffiniertem Industriezucker
  • Eierspeisen, Fleisch, Wurst, Käse (sind alle schwer verdaulich)
  • Frühstück im Auto, in der U-Bahn, im Gehen

 

Diese Wochen mit ihren extremen Temperaturschwankungen (die Eisheiligen?) sind ideal, um sein Frühstücksverhalten zu beobachten und Neues auszuprobieren. Zu testen, ob man mit einem kleinen Frühstück bis zur Mittagszeit durchhält. Oder wie sich ein warmes Frühstück anfühlt. Für viele so undenkbar wie das Marmeladenbrot für einen Inder… 😉