Natür­lich wäre es schön, wenn wir uns immer opti­mal ernäh­ren könn­ten. Aber das Leben wird vom Gott Imper­fek­ti­on regiert und besteht aus not­wen­di­gen Kom­pro­mis­sen. Es gibt ein Opti­mum und es gibt die Prak­ti­ka­bi­li­tät. Die­se 2 Pole müs­sen wir irgend­wie zusam­men­füh­ren, mög­lichst eher in der Hälf­te des Opti­mums :-).

Wir haben immer die bes­ten Absich­ten, ent­de­cken ein neu­es tol­les Koch­buch, fol­gen span­nen­den Food-Blogs, seh­nen uns nach mehr Zeit in der Küche zum Aus­pro­bie­ren aller mar­kier­ten Rezep­te (man bräuch­te ver­mut­lich Jah­re dafür). Oder fol­gen auf­grund von Beschwer­den mal die­sem, mal jenem Ernäh­rungs­trend.
Und machen dann im All­tag viel zu vie­le fau­le Kom­pro­mis­se, kau­fen min­der­wer­ti­ge Lebens­mit­tel ein, geben uns mit mit­tel­mä­ßi­gem Restau­rant­essen zufrie­den und neh­men uns nicht die Zeit, Mahl­zei­ten in Ruhe zu genie­ßen. Man­che bekla­gen feh­len­de zeit­li­che oder finan­zi­el­le Resour­cen, letzt­end­lich spielt aber die größ­te Rol­le, wel­che Prio­ri­tät wir dem eige­nen Wohl­be­fin­den geben, bzw. an wel­cher Stel­le wir die­se set­zen. Z.B. am Anfang der Ket­te mit fri­schen, hoch­wer­ti­gen Mahl­zei­ten, die die Gesund­heit eher erhal­ten. Oder erst am Ende, wenn wir Geld und Zeit benö­ti­gen zum „repa­rie­ren”, wor­über sich die SPA- und Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel-Indus­trie beson­ders freut.

Man­che wäh­len das ande­re Extrem und wer­den krank, weil sie zwang­haft alles per­fekt machen möch­ten und dabei im Dschun­gel an Ange­bo­ten zur Selb­st­op­ti­mie­rung sehr stren­gen Diä­ten fol­gen. Die könen auf dem Weg zum per­fek­ten Kör­per auch Mager­sucht för­dern. Man nennt das Orthor­e­xie und wir wer­den immer öfter dar­über lesen und hören.

 

Die Mitte und das Bauchgefühl

Es geht jedoch um den prak­ti­ka­blen Mit­tel­weg oder die berühm­te 80–20-Regel. Eine Ernäh­rung, bei der man mög­lichst viel „rich­tig” macht, ohne sich zu ver­kramp­fen und in dog­ma­ti­sche Rich­tig-Falsch-Mus­ter zu ver­fal­len. Ein Mit­tel­weg, der nur wenig Ver­bots­schil­der auf­stellt. Nun ist das aber mit der Mit­te so ein Ding, das für jeden anders aus­sieht. Der eine rührt kei­nen Zucker an, isst aber lie­bend ger­ne Eier, ande­re ver­zich­ten auf Wei­z­en­sem­meln, essen dafür spät am Abend die Haupt­mahl­zeit, der nächs­te schwört auf vega­ne Ernäh­rung, hat aber kein Pro­blem mit Kicher­erb­sen aus der Dose…

Seit vie­len Mona­ten beglei­tet mich das The­ma Kom­pro­mis­se schon, weil ich eine per­fek­te Ernäh­rung für nicht mach­bar hal­te. Sogar für unnö­tig fin­de, der Kör­per ist intel­li­gent genug zum aus­glei­chen, wenns die Umstän­de erfor­dern und nicht zu oft nötig ist.
Auf der Suche nach dem roten Faden sehe ich manch­mal den per­fek­ten Mit­tel­weg vor lau­ter Pfa­den nicht. Unter­hal­te ich mich mit 5 Ayur­ve­da- oder Ernäh­rungs­ex­per­ten, öff­nen sich 10 ver­schie­de­ne Mei­nun­gen zu einem bestimm­ten Prin­zip. Für die Kol­le­gin­nen aus Nor­we­gen oder Bra­si­li­en mit ihrem jewei­li­gen Unter- oder Über­an­ge­bot an fri­schen Lebens­mit­teln, wir­ken mei­ne Ide­en wie aus einer ande­ren Welt.
Letzt­end­lich sind wir indi­vi­du­ell so ver­schie­de­nen und leben in so unter­schied­li­chen Kon­tex­ten, dass es kei­ne all­ge­mein­gül­ti­ge Lösung, ver­packt in leicht ver­dau­li­che ToDo-Lis­ten, gibt. Auch wenn uns der Gesund­heits­buch­markt das mit einem stän­dig wach­sen­den Ange­bot sug­ge­riert, nach dem Mot­to: eli­mi­nie­re 7 Lebens­mit­tel und ver­lie­re 7 Pfund in 7 Tagen!!.

Fakt ist, kei­ne Auto­ri­tät von außen kann die pefek­te Diät und die „rich­ti­gen” Kom­pro­mis­se vor­ge­ben. Unser Kör­per ist der bes­te Rat­ge­ber, solan­ge wir den Signa­len fol­gen, mit denen wir uns lang­fris­tig gut und gesund füh­len. Der eige­ne Bauch hat am meis­ten mit­zu­re­den. Natür­lich schlu­cke ich manch­mal bei den Kom­pro­mis­sen der ande­ren und die­se ziem­lich sicher bei mei­nen :-)). Also braucht es einen offe­nen Geist, viel Tole­ranz, eine gro­ße Por­ti­on Lie­be im Essen und gute Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten.

 

Prana, die ultimative Lebensenergie

Wenn man vom Opti­mum abwei­chen muss, lie­fert Pra­na eine her­vor­ra­gen­de Ent­schei­dungs­grund­la­ge. Pra­na ist ein Begriff, mit der die klas­si­sche Ernäh­rungs­me­di­zin nichts anfan­gen kann. Unter dem Mikro­skop nicht sicht­bar. Die­se „Lebens­en­er­gie” in Nah­rungs­mit­teln, die im Roh­zu­stand am höchs­ten ist, ver­liert sich gra­du­ell beim kochen, lagern, auf­tau­en, auf­wär­men. Ernäh­rungs­be­ra­ter ach­ten auf Vit­ami­ne, Spu­ren­ele­men­te, Mikro­nähr­stof­fe, die kann man auch in Junk Food und Essen aus der Mikro­wel­le noch nach­wei­sen. Trotz­dem sind Fer­tig­ge­rich­te pran­afreie, tote Nah­rung und schme­cken oft nur noch auf­grund von Geschmacks­ver­stär­kern. Ein Orga­nis­mus oder Kör­per ohne Pra­na ist ein Kon­glo­me­rat aus 5 Ele­men­ten, doch es bewegt sich nichts mehr.

Wich­ti­ger als Makro- und Mikro­nähr­stof­fe ist die Ener­ge­tik der Nah­rung und das Zusam­men­spiel von Fri­sche, Kom­bi­na­ti­on, Regi­on, Zeit, Ther­mik und Kom­pa­ti­bi­li­tät mit dem Esser. Pra­na uner­stützt auch den Ver­stand und die See­le, umso wich­ti­ger ist, dass wir so viel wie mög­lich die­ser Ener­gie ins Essen krie­gen. Kau­fen wir Lebens­mit­tel sorg­sam ein, berei­ten wir unser Essen sel­ber zu, genies­sen wir es mit Auf­merk­sam­keit, lie­fert uns die­ser gan­ze Pro­zess vie­le Ansatz­punk­te, um das Pra­na der Nah­rungs­mit­tel zu erhö­hen und die­se Ener­gie beim Essen zurück zu erhal­ten.

 

Crime against wisdom

Es gibt in den indi­schen Tex­ten einen Begriff, der im Sans­krit pra­j­na apa­ra­dha heißt, im eng­li­schen „crime against wis­dom”: wenn wir Din­ge tun, von denen wir wis­sen, dass sie uns scha­den. Oder Din­ge unter­las­sen, die uns gut tun wür­den. Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die uns eher belas­ten als hei­len, gehört schein­bar seit Jahr­tau­sen­den zur mensch­li­chen Natur, sonst wäre das nicht in den Tex­ten beschrie­ben. Wir kön­nen das jeden Tag auch bei uns beob­ach­ten. Da neh­men wir noch ein zwei­tes Des­sert, obwohl wir schon lan­ge satt sind. Wäh­len im Win­ter ein Kokos­was­ser statt des war­men Tees. Blei­ben wach, obwohl uns vor Müdig­keit schon die Augen zufal­len. Das ist mensch­lich und wenn wir mit mehr Bewußt­sein unse­re Wahl tref­fen, fällt es mit der Zeit immer leich­ter, sich für die gesün­de­re Vari­an­te zu ent­schei­den, den gesün­de­ren Kom­pro­miss ein­zu­ge­hen. Durch das  zwangs­läu­fig fol­gen­de Wohl­be­fin­den wird die bes­se­re Wahl schliess­lich zur Gewohn­heit und wir wer­den nicht mehr so leicht ver­führt von unge­sun­den Alter­na­ti­ven oder Gelüs­ten, die letzt­end­lich ein Aus­druck von Ungleich­ge­wicht im Kör­per sind.

Die Lebens­mit­tel-Indus­trie ist übri­gens ein Lehr­buch­bei­spiel für „crime against wis­dom”. Über­ge­wicht, Dia­be­tes, Herz­krank­hei­ten, Krebs, Auto­im­mun­krank­hei­ten, chro­ni­sche Ver­dau­ungs­pro­ble­me usw. ent­ste­hen u.a. durch den Ver­zehr von Weiß­mehl, wei­ßem Zucker, Fer­tig­nah­rung, Mais­si­rup, bil­li­gen Tier­pro­duk­ten und vie­lem mehr. Obwohl sie sich als Desas­ter für unse­re Gesund­heit her­aus­ge­stellt haben, wer­den die­se Lebens­mit­tel von der Indus­trie in Mas­sen pro­du­ziert und von den Regie­run­gen unter­stützt.  Dia­be­tes kriegt man aber nicht wie einen Schnup­fen, son­dern weil man das media­le Brain­wa­shing und den Irr­witz um Ernäh­rungs­trends nicht mehr durch­schau­en kann.

Im nächs­ten Bei­trag beschrei­be ich eini­ge mei­ner sehr sub­jek­ti­ven Kom­pro­mis­se, sie ent­spre­chen mei­nem der­zei­ti­gen Wis­sen­stand und der Prio­ri­tät, dass ich gesund alt wer­den möch­te. Und den Mög­lich­kei­ten, die ich vor allem auf Rei­sen habe, was mei­ne Kom­pro­miss­fä­hig­keit immer wie­der her­aus­for­dert. Letzt­end­lich geht es dar­um, mit gesun­dem Men­schen­ver­stand heil­sa­me Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Und auch mit einer unper­fek­ten Situa­ti­on im Frie­den zu sein.

 

pho­to: Nora Wen­del / the­pho­to­fo­rest

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