Stürmisches Herbstessen

Es ist windig und bisweilen stürmisch in diesen Wochen, der Herbst folgt mit seiner rauhen Seite nahtlos auf den schönen Sommer. Sichtbar und hörbar ist also das Luftelement dominant. Dies verstärkt Leichtigkeit, Trockenheit und Kühle, was wiederum automatisch das Vata-Dosha erhöht, das sich bereits im Spätsommer angesammelt hat.
Die Erhöhung des Vata Doshas führt zu eher instabiler Verdauungskraft, das Nervensystem, die Feuchtigkeit im Körper, der Schlaf, die Entspannung sind beeinträchtigt, Verspannungen nehmen zu. Dadurch können Toxine und Ama (Unverdautes) im Körper auf vielen Ebenen für Unwohlsein sorgen. Die Verbindung von Vata und Ama führt oft zu Gelenksbeschwerden wie Rheuma und Arthritis.

Mit entspreIMG_0935chender Ernährung und Lebensweise kann man die stürmischen Zeiten jedoch ausgleichen und das Immunsystem für den Winter fit machen.

Das schöne am Herbstessen ist die Farbenfreude, die sich im Außen wie Innen zeigt, z.b. mit rote Rüben, gelben Rüben, orangefarbenen Kürbisen, lila Karotten (purple haze) und vielem mehr.

 

 

Diese Nah­rungs­mit­tel sollte man im Herbst bevor­zu­gen (redu­zie­ren Vata – befeuchten):

  • süßes, würziges, saures und salziges Essen
  • leicht ver­dau­li­ches Essen
  • nahrhafte Kost
  • mehr befeuch­tende und flüs­sige Nah­rung (z.B. Suppen, Eintöpfe, Kitcharis)
  • ölige­res Essen (als Aus­gleich zur Trockenheit)
  • fri­sches, regio­na­les Obst, das süß und reif ist, am besten gedünstet
  • alle saisonalen Gemüse (Kürbis, Wurzelgemüse, Knollengemüse), gekocht oder gedämpft sowie gebacken im Ofen
  • warme Getreidebreis aus Dinkel, Reis, Quinoa, Hafer
  • wärmende Gewürze: das sind fast alle (außer Fen­chel, Kori­an­der, Kardamon, Minze), besonders geeignet sind Zimt und Ingwer, Kreuzkümmel, Senfsamen, Muskat, Nelken
  • zum trin­ken ideal: warmes Was­ser mit Gewürzen oder Ingwer, Kräu­ter­tees, Getränke mit natür­li­cher Süße

 

Diese Nah­rungs­mit­tel sollte man redu­zie­ren oder mei­den (erhö­hen Vata – trocknen aus):

  • bittere, herbe, scharfe Speisen
  • Rohkost, Salate
  • kalte Speisen
  • schweres und schwer verdauliches
  • Nacht­schat­ten­ge­wächse (Kar­tof­feln, Paprika, Chili, Toma­ten, Auberginen) in großen Mengen
  • Hül­sen­früchte und Kohl in großen Mengen
  • rohes Obst
  • Brot mit Hefe (besser ist Sauerteigbrot), Knäckebrot, Reiswaffeln u.ä.
  • aufgewärmtes Essen
  • kalte Getränke

 

Ein ausgleichender Lebensstil im Herbst:

  • Ölziehen mit warmem Sesamöl am Morgen (Öl für einige Minuten im Mund halten)
  • Massagen mit viel Öl helfen gegen Verspannungen und Gelenksprobleme
  • langsames Yoga und Atemübungen wie Nadi Shodana wirken beruhigend
  • ein regelmäßiger Tagesablauf
  • Streß vermeiden
  • Reisen reduzieren
  • den Kopf an windigen Tagen immer schützen

 

Gegen Erkältungen hilft: Ingwerwasser, Koriander-Ingwer-Tee, Ingwer im Essen, Ingwerwasser inhalieren (1 Teelöffel auf einen Topf kochendes Wasser), Vermeiden jeder Art von Milchprodukten.

Vielleicht verwöhnt uns der Herbst auch noch mit ein paar sonnigen Tagen, in denen wir unseren Vitamin D-Vorrat für das Immunsystem füllen können. Also nichts wie raus in die bunte Welt, wann immer es geht :-).

Artikel update im Oktober 2018.

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Cool durch die Sommerhitze

Sommer. Hitze. Baden. Biergarten. Leichte Kleidung. Im Gras liegen. Lange Abende. Urlaub… :-).
Doch kaum ist die Sonne in ihrer stärksten Phase, kann sie uns schnell zum kochen bringen. Gut, wenn man ein paar Feuerlöschertipps für Essen und Lebenstil kennt, um die Sommerhitze in Schach zu halten.

Naturgmäß ist im Sommer das Feuerelement stärker und somit Pitta dominant, die Sonnenstrahlen entziehen der Erde Feuchtigkeit, alles wird trockener und leichter. Pitta wird neben dem Feuerelement auch von einem kleinen Anteil des Wasserelements begleitet. Wenn dieses überhand nimmt, wird der Sommer nass und es entstehen Überschwemmungen.

Alle Lebewesen suchen während des Tages einen kühlen Platz und sind schläfrig. Nicht umsonst sind in mediteranen Ländern ab Mittag die Strassen wie leergefegt. Es ist Siestazeit, das Leben beginnt am späten Nachmittag wieder, mit viel Lebensfreude und tamtam ;-).

Das normalerweise dominierende Feuerelement des Sommers läßt uns ordentlich schwitzen und schwächt unsere Kraft, Aktivität fällt schwer und manchmal fühlen wir uns überhitzt, fast fiebrig. Die innere Hitze zeigt sich in der Körperperipherie durch entzündliche Prozesse wie Heuschnupfen, Hitzebläschen, rote Haut etc..

Die Sommerhitze schwächt auch das Verdauungsfeuer (agni), denn dieses wird zum Ausgleich der äußeren Hitze zurückgefahren, der Appetit ist nicht sehr groß. Man kann es auch vergleichen mit einem Eimer heißem Wasser (= flüssiges Pitta), das man auf einen Grill oder das Lagerfeuer schüttet. Ähnlich ist das übrigens mit Eiscreme und eiskalten Getränken, das innere Feuer hat Mühe, seine „Arbeit“ zu erledigen. Obwohl im Sommer die Verdauungskraft am schwächsten ist, essen wir liebend gerne z.B. schwer verdauliche Salate und andere Speisen am Abend. Was vielen Menschen Blähungen in der Nacht und Müdigkeit am Morgen beschert.

Idealerweise passt man seine Aktivitäten und die Ernährung den äußeren Umständen an. Mit einigen kleinen Gegenmaßnahmen kann man aus der Sommerzeit eine Sommerfrische gestalten.

 

Kühlende Ernährungstipps

Diese Nahrungsmittel sollte man bevorzugen (reduzieren Pitta):

  • süßes, bitteres und herbes Essen
  • leichtes und leicht verdauliches Essen
  • mehr befeuchtende und flüssige Nahrung (z.B. Suppen)
  • weniger essen, auf Sättigungsgefühl achten
  • frisches, regionales Obst, das süß und reif ist
  • Zitronen und Limonen in Essen und Getränken
  • kühlendes Essen
  • fast alle Gemüse (saisonal Fenchel, Artischoken, Erbsen), wässrige Gemüse wie Gurken, Zucchini, grüne Blattgemüse (Mangold)
  • etwas Salat und Rohkost mittags (bei guter Verdauungskraft)
  • Hülsenfrüchte (Dal, Humus, Mungbohnen)
  • öfter kühlendes Kokosöl zum Kochen verwenden
  • Buttermilchsuppe
  • ideale Gewürze: Fenchel, Koriander, Anis, Petersilie, Minze, frische Kräuter
  • mehr trinken: Wasser, Fruchtsäfte, Kräutertees (auch lauwarm), Zitronenwasser, Rosenwasser, Getränke mit natürlicher Süße,

 

Diese Nahrungsmittel sollte man reduzieren oder meiden (erhöhen Pitta):

  • saure, salzige, scharfe Speisen
  • frittiertes und sehr heißes Essen
  • Nachtschattengewächse (Kartoffeln, Paprika, Chili, Tomaten, Auberginen)
  • saures und unreifes Obst
  • Ananas, Tomaten (süße Sorten sind ok), Tamarinde, Essig, Chutneys
  • scharfes wie Senf, Meerettich, Pickles, Knoblauch, Zwiebeln und sehr scharfe Gewürze
  • rotes Fleisch, Meerestiere und Schalentiere (Muscheln, Shrimps, Garnelen etc.), Eigelb
  • Sauermilchprodukte, Joghurt (gilt als stark erhitzend während der Verdauung)
  • Salat am Abend
  • alkoholische Getränke (!)

 

Gewürzmix für den Sommer (kühlendes Würzen ohne Schärfe)

1 EL Koriandersamen
1 EL Fenchelsamen (je nach Präferenz kann auch die halbe Menge ausreichen)
1 EL Kreuzkümmelsamen
1 EL Kardamonsamen
1 EL Kurkumapulver

Die ersten 4 Zutaten in einer Gewürzmühle mahlen, Kurkuma zufügen und in einem dunklen Glas oder Gewürzdose lagern. Innerhalb eines Monats verbrauchen.
Alternativ kann man die Samen vor dem mahlen kurz trocken anrösten. Dies verändert das Aroma.

 

 

Sommer-Getränke, die Pitta reduzieren

Im Sommer wird man buchstäblich überschüttet mit Tipps für kühlende Getränke. Da sind dann auch zuckrige Siruplimonaden und eiswürfelhaltige Getränke wie alkoholfreie Cocktails und Eistees dabei. Beides würde das Verdauungsfeuer eher belasten, vor allem das Eiswasser. In heißen Ländern trinkt man den ganzen Tag warmes Wasser oder Kräutertees, sie schocken den Körper nicht so krass mit dem anderen Extrem.

Beispiele für hitze-ausgleichende Sommergetränke

  • Aloeverasaft und Kokoswasser
  • Tees: z.B. aus Pfefferminze oder Süßholz oder Fenchel oder Salbei, bzw. gemischt
  • Minze-Melissen-Zitronenwasser (Rezept)
  • Rosinen-Koriander-Tee: Eine Handvoll Rosinen/Korinten und eine Handvoll gemörserte Korandersamen werden in Wasser ca. 10 Minuten gekocht, dann mit heißem Wasser bis auf 1 Liter Gesamtmenge verdünnt. Abkühlen lassen und lauwarm trinken.
  • Rosen-Fenchel-Tee: 1 TL Fenchelsamen in eine Tasse kochendes Wasser geben und einige Minuten bei wenig Hitze leicht köcheln.Den Herd ausschalten und das Wasser abkühlen lassen. 4-5 Minzeblätter zugeben und ca. 5-10 minuten ziehen lassen. Danach das Wasser durch ein Sieb geben und einen TL Rosenwasser zufügen. Alternative: Fenchelsamen mit heißem Wasser in einer Teekanne übergiessen, Minze zugeben und am Schluss das Rosenwasser. Optional kann auch Kokosmilch/Kokoswasser zugegeben werden.
  • Rosensirup: frisch gepflückte Rosenblätter in ein Glas geben und mit Zucker bedecken. Am Morgen den Sirup in Mandelmilch oder Wasser geben.

 

Hitzereduzierender Lifestyle

Nicht nur beim Essen, auch sonst kann man dem Sommer genügend kühlendes entlocken:

  • in der Regel wachen wir früher auf, das Aufstehen mit der Sonne oder kurz danach ist sehr energetisierend und wir nutzen die kühlen Morgenstunden
  • Barfuß gehen auf einer Tauwiese ist seit alters her ein sehr erfrischendes und befriedigendes Morgenerlebnis
  • Massagen mit Kokosöl haben einen kühlenden und nährenden Effekt für die Haut. Mit lauwarmem Wasser abwaschen.
  • ein kleiner Mittagsschlaf wirkt ausgleichend
  • Für Kühlung und Entspannung sorgen
  • zwischen 11 und 15 Uhr nicht in die Sonne gehen und körperliche Anstrengungen meiden
  • Schattenplätze bevorzugen, Windzufuhr durch Fächer oder Ventilator ermöglichen
  • kühlende Sportarten wie Schwimmen bevorzugen
  • Spaziergänge im Mondlicht erfrischen und kühlen
  • Rosendüfte kühlen und erleichtern das Schlafen im Sommer
  • im Freien schlafen, sofern man in einer ruhigen und grünen Umgebung lebt

 

Hitzige Temperamentsausbrüche können im Sommer verstärkt auftreten. Schnellhilfe: Einen großen Schluck kaltes Wasser eine Weile im Mund behalten. Das Wasser kühlt das Pitta und beruhigt, verhindert außerdem unbedachte Worte…

Somit wünsche ich uns viele schöne Sommertage 🙂

 

überarbeitet Juli 2019

Es riecht nach Frühling

Frühling. Man sieht und vor allem riecht es. Wiesen und Bäume werden bunt und am Waldrand kommt einem der würzige Bärlauchduft schon von weitem entgegen. Alles fühlt sich nach restart an. Manches nach Neustart.

 

Frühling essen!

Der Speiseplan ändert sich umfangreich. Schweres Wurzelgemüse, Kürbis und Kohl fühlen sich nicht mehr richtig an. Dafür endlich Spargel, Radieschen, Mairübchen, Kohlrabi, frischer Spinat, Bärlauch, Löwenzahn und frische Kräuter! Frühling ist Kaphazeit, alles wächst, neues Potenzial entwickelt sich, Wärme und Feuchtigkeit sind dominant. In unserem Körper hat sich das Kapha (ein Mix aus Erde und Wasser) über den Winter aufgebaut (manche nennen es Winterspeck) und diese Schwere würden wir nur allzu gerne wieder loswerden. Der Schutzmantel des Winters wird nicht mehr benötigt, im Gegenteil, er bedroht nun unsere Gesundheit. Alles strebt nach Entlastung, Ausleitung, Erneuerung, Reinigung.

Die Wärme der Frühlingstage lässt das Kapha im Körper „schmelzen“ wie Schnee in der Sonne und zirkuliert in Blut und Lymphe wie ein überlaufender Fluss, was sich in Frühjahrs-Erkältungen, Heuschnupfen, Frühjahrsmüdigkeit, Übergewicht, einem weißen Belag auf der Zunge, schleimigem Stuhl u.ä. zeigt. Man muss nun nicht wissen, welcher ayurvedische Konstitutionstyp man ist, um sich im Frühjahr optimal zu ernähren. Die Prinzipien passen für (fast) jeden, es geht um „leichter werden, leichter essen, leichter denken, usw…“. Die Nahrungsmittel, die gerade um uns herum geerntet werden, sind genau richtig für uns und für diese Zeit. Man darf sich also eine Weile von Wurzelgemüse und Kürbis verabschieden, auch wenn diese Dinge seltsamerweise im Bioladen erhältlich sind. Z.B. Hokaido eingeflogen aus Südamerika. Falscher Kontinent, falsche Jahreszeit. Der Körper benötigt reinigende, entschlackende Gemüse und nicht nährende und aufbauende, die können warten bis zum Herbst. Noch ein bisschen warten können auch Tomaten (derzeit rote Wasserbälle ohne Geschmack) oder Bohnen und Erbsen aus Kenia. Demnächst kommt das eh aus der Heimat. Das ganze gilt auch für Äpfel, Birnen und Pflaumen, die derzeit den Globus umrunden, nur weil es in Südamerika und Neuseeland gerade Herbst ist… Die Obstzeit kommt früh genug, spätestens wenn die Erdbeeren süß und reif zum Selberpfücken bereit sind. Und sie dauert bis in den Winter, wenn Mandarinen und Granatäpfel die Vorweihnachstzeit fruchtig versüssen. Mehr braucht der Körper nicht.

 

Frühling trinken!

Es ist die beste Zeit im Jahr für grüne, saftige Smoothies mit Löwenzahn und Blutampfer aus dem Garten, Stangensellerie, Apfel oder Banane, Rucola und/oder Minze, was eben gerade so im Angebot ist. Jedes mal schmeckt es anders. Ich werde sicher nicht zum Rohköstler, aber diese Smoothies machen je nach Kontext Sinn. Z.B. an warmen Frühlingstagen und im Sommer, um den Körper zu kühlen und gGrüner Smoothieleichzeitig Toxine auszuschleusen. Oder für Menschen, die viel Feuer in sich haben, also eher mal am überhitzen sind. Saftbars mit frischen grünen Smoothies gibts inzwischen reichlich, um verschiedene Kombinationen ausprobieren. Nicht die fertigen aus dem Supermarkt, die ja schon ein paar Tage alt sind… ;-). Und die mit Milchprodukten vermeidet man ebenso, es passt nicht wirklich zusammen, frisches Grün und Milch.

 

 

Einkaufsliste fürs Frühlingsessen

Das Essen auf unserem Teller kommt derzeit weiß und grün daher. Farbe bringen Karotten und Radieschen, während Pastinaken und Tomaten nicht mehr bzw. noch nicht Saison haben, man kann sie also getrost weglassen. Überhaupt wäre es spannend, mal all die bekannten Standardgemüse, die es 365 Tage im Jahr gibt (woher die wohl kommen?), liegenzulassen…

Im Frühling sollte man diese Nahrungseigenschaften bevorzugen:

  • Leicht: z.B. Brühen, Blattgemüse, Spinat, Spargel, Rhabarber, Reis, Quinoa
  • Trocken: z.B. Roggen, Hirse, Gerste, Hülsenfrüchte
  • Warm: z.B. gedämpftes und gekochtes Gemüse, Gewürze, Suppen, Kitchari (eine ideale Fastenspeise, zum Rezept)

 

Die idealen Geschmacksrichtungen sind:

  • Bitter: z.B. Blattgemüse, Brokoli, Küchenkräuter und Wildkräuter (Löwenzahn, Brennesseln, Giersch, Sauerampfer usw.), Kurkuma, Spirulina, Mairübchen, Zitronen- und Orangenschalen
  • Astringierend: z.B. Buchweizen, Roggen, Gerste, Stangensellerie, Kurkuma, Cranberry, Rosinen, Honig, Spinat
  • Scharf: z.B. Senfsamen, frischer Ingwer, Pfeffer, Rettich, Radieschen, Knoblauch, Zwiebeln, Bärlauch   Alle diese Nahrungsmittel helfen, überschüssigen Schleim und Giftstoffe aus dem Körper auszuleiten, für Erleichterung zu sorgen und die Verdauungskraft zu verbessern.

 

Nahrungsmittel, die reduziert werden sollten:

  • Schwer: z.B. Wurzelgemüse (Pastinaken, Petersielienwurzeln, etc.), Nüsse und Samen (Ausnahme: Mandeln, Sesamsamen und Kürbiskerne), Eier, Milchprodukte wie Joghurt und Käse, Fleisch und Wurst, Vollkornbrot, Kuchen und Weismehlprodukte
  • Ölig: Fette und Öle (außer Omega3-Öle wie Leinöl), ölige Nüsse, Frittiertes, ölige Speisen
  • Kühl: kaltes Essen, Rohkost, Eisgekühltes

 

Geschmacksrichtungen, die reduziert werden sollten:

  • Süß: ist gleichzeitig schwer, z.B. sehr süße Gemüse (Wurzelgemüse, Süßkartoffeln), Zucker in konzentrierter Form, Süßspeisen
  • Sauer: z.B. Yoghurt, Essig, Tomaten,
  • Salzig: z.B. Käse, Wurst, Fertiggerichte, Sojasauce im Übermaß

    frühlingsgemüse

 

 

Frühlings-Gewürze-Mix

2 EL gemahlener Zimt 2 EL gemahlener Ingwer 1 EL gemahlener Kardamon (idelaerweise frisch gemahlen) 1/2 TL schwarzer Pfeffer Gut für kühle Morgenstunden. Dieser Gewürzmix ist ideal für süße Gerichte und Chai. Es wärmt und unterstützt die Verdauung. Passt sehr gut zu Frühstücksbrei, Porridge, in heiße Milch, Tee, Kaffee, etc. Man kann es großzügig verwenden.

 

Zusätzliche Unterstützung für die Entlastung und einen reibungslosen Übergang bieten:

  • Viel warmes Wasser trinken
  • Tees mit wärmenden Gewürzen (Ingwer, Zimt, Nelken)
  • Weniger Essen
  • Ausreichend schlafen, früh zu Bett gehen, die frühen Sonnenstrahlen nutzen
  • Überstimulation vermeiden: TV, Radio, Internet, Zeitungen, Soziale Aktivitäten reduzieren
  • Ölmassagen, 2-3 mal die Woche (idealerweise täglich) vor dem Duschen
  • Auf Bodylotions verzichten, um die Hautporen frei zu halten für den Abtransport der Gifte
  • Idealerweise chemiefreie Kosmetikprodukte, Putz- und Waschmittel verwenden
  • Ins Freie gehen, Spazieren gehen, Radeln, kurze Sonnenbäder geniessen, usw.
  • Neues ausprobieren: Essen, Pflanzen, Yoga, Meditation, …

 

Nicht wundern, auch die Seele atmet auf und die Gelegenheit ist günstig, ein paar alte Gedankenmodelle über Bord zu werfen. Somit wünsche ich einen erfrischende und äußerst inspirativen Frühling! 🙂

Überarbeitet im April 2018

Flexi, Pesci, Veggie oder Vegan?

In unserem strukturverliebten Schubladendenken gab es bisher Allesesser (Omnivoren) und Vegetarier. Heute steht da ein ganzes Schubladenregal, mit lustigen Wortkombinationen etikettiert. Da gibt es den Pescitarier, der sich hauptsächlich von Gemüse und Fisch ernährt. Oder den Flexitarier, der seiner  überwiegend vegetarischen Ernährung ab und an Fleisch und Fisch zufügt. Das wiederum geht nicht bei den Veganern, die nicht mal vom lebenden Tier etwas zu sich nehmen, also auch nicht Butter, Milch, Eier, Honig usw.. Dies ist die in den Medien derzeit aufmerksamkeitsstärkste Gruppe. Eine neuere Welle, die aus Kalifornien, Bali und anderen wellnessorientierten Regionen dieser Welt anrollt sind die vegetarischen raw foodies, wie sich die Zeitgeist-Röhköstler nennen.

 

Die ayurvedische Sicht

Oft werde ich gefragt, welche Ernährungsweise den ayurvedischen Prinzipien am meisten nahekommt. Es gibt dazu jedoch keine Regeln oder Präferenzen, da alles Einengende, reduzierende nicht dem individuellen Ansatz dieses Systems entspricht. Bis auf einige Hinweise auf sehr ungesunde Ernährungsformen, kann man frei entscheiden, was man seinem Körper als „Treibstoff“ zuführen möchte. Am ehesten gilt der Grundsatz, dass man sich ein Wissen über die Nahrungsmittel  aneignet und dann mit Weisheit entscheidet, das zu essen, was individuell leicht verdaut werden kann, den Körper gut nährt, den Geist klar macht und vor allem gut schmeckt. Unweise ist entsprechend alles, was schwer im Magen liegt, den Geist dumpf macht und zu Beschwerden im Körper führt. Trotzdem ist genau das die Ernährung, die man bei uns scheinbar am meisten verzehrt (Massengastronomie und Fertiggerichte).

In den alten Texten werden alle Nahrungsmittelgruppen beschrieben mit ihren Vorteilen und Nachteilen. Fleisch umfasst ein besonders langes Kapitel, wurde es damals (wie heute) sehr oft medizinisch und zur generellen Stärkung verwendet. Daneben werden Ghee (ausgelassene Butter), Milch und Honig sogar als „Nektar“ angesehen.

Viele Beschreibungen decken sich mit dem Essverhalten und der Lebensmittelwahl unserer Mütter und Großmütter. Traditionelle Ernährung, die sich an der Region und Kultur orientiert, in der man sich gerade befindet, ist also selten verkehrt. Wenn man dazu die Prinzipien von Qualität, Saison, und Kombinationen beachtet, ist man in allen o.g. Ernährungsformen beheimatet mit Ausnahme von raw food. Offene Regale – ohne Schubladen.

Die Offenheit und Flexibilität des Systems beinhaltet, dass man auch überregionale Lebensmittel, die den o.g. Kriterien entsprechen, hinzufügen kann, sofern man will. Sei es aus Gründen der größeren Vielfalt (alle Kokosprodukte, Chiasamen, Quinoa, Ingwer, Tamari, Nori uvm.), oder weil diese z.B. in anderen Kulturkreisen als Heilmittel gelten (Umeboshi, Kuzu, Shitakepilze, Mungbohnen).

Gepaart mit exotischeren Würzmischungen (z.B. äthiopisches Buttergewürz, Ras-El-Hanout, Za’atar, Safran, Curry in allen Varianten, südafrikanische Spice Rubs uvm.) entstehen anregende Düfte und abwechslungsreiche Speisen, die dem Körper und der Seele gut tun.

 

Veganismus und Ayurveda

Es ist ein gefühlter Megatrend. Bei Hugendubel in München stehen bei jedem Besuch gefühlt immer 5 neue vegane Kochbücher auf dem Präsentiertisch. Neben maximal einer vegetarischen Neuerscheinung.

Im Monatsrhytmus steigen Freunde oder Bekannte auf diesen Zug auf. Einige Auftraggeber buchen mich unter der Prämisse, dass ich vegan koche. Und viele Klienten fragen, wie das nun zusammenpasst mit Ayurveda und Veganismus.

Vegane Ernährung würde im ayurvedischen Screening eher durchfallen. Zu eng gedacht, zu restriktiv und vor allem der Ausschluss von Heilsubstanzen (Milch, Honig, Ghee) stehen den Prinzipien der Vielseitigkeit konträr gegenüber. Ebenso dem Grundsatz, dass die Nahrung so vollständig sein soll, dass keine Supplementierung durch Pillen, Ampullen, Pülverchen etc. nötig ist.

Enge, dogmatische Ernährungsformen sind für den Körper anstrengend, aber noch mehr für den Geist. Vegane Bücher, die den Eindruck vermitteln, dass alle Menschen, die Tier- und Milchprodukte zu sich nehmen, davon Krebs bekommen könnten, kann ich nicht nachvollziehen. Bzw. wundere mich, dass bei über 1 Mrd. Inder, die täglich Milch und in vielen Regionen auch Fleisch (Nordindien) und Fisch (Küstenregionen) verzehren, eine wesentlich niedrigere Krebsrate herrscht als bei uns im Westen.

Nichts desto trotz ist die vegetarisch ausgerichtete ayurvedische Küche weitgehend tierproduktefrei. Zum einen aus der Erfahrung, dass Milch und viele Milchprodukte in Kombination mit anderen Lebensmitteln inkompatible Kombinationen ergeben und antagonistisch auf die Gewebe wirken können. Zum anderen, weil alle Milchprodukte das Essen schwer machen. Und somit den Esser. Nur in einigen westlichen Ayurveda-Kochbüchern wird munter mit Sahne gekocht, was der Lehre komplett widerspricht.

Fleisch und Eier werden nicht ausgeschlossen, aber auch nicht favorisiert. Da Honig nicht erhitzt werden soll, kommt er in gekochten Gerichten nicht vor. Durchaus aber in kleinem Umfang in Süßspeisen oder aufs Brot.

Wenn man vegane Küche so denkt, dass man sich auf traditionelle Rezepte, die immer schon ohne Tierprodukte auskamen, fokussiert, wird diese Ernährung sehr leicht anwendbar. Zum einen haben sich diese Rezepte lange bewährt, zum anderen muss man nicht „umdenken“, d.h. überlegen, wie man was mit was ersetzt. Vor allem asiatische und orientalische Länderküchen haben sehr viel in dieser Richtung parat, aber auch bei uns wurde nicht immer alles mit Sahnesaucen und Käse zugepappt.

Ein weiterer Ansatz für vegane Ernährung ist die vegetarische 5-Elemente-Küche der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Gerne koche ich mit den vegetarischen Rezepten der Wiener Suppito-Kochbücher, die auf diesem System aufgebaut sind. Das Wort vegan kommt da glaub ich gar nicht vor.

Diese Formen kommen dem ayurvedischen Verständnis von Ernährung sehr nahe.

 

New School Vegan

Ich nenn das nun einfach mal so, diese Neuerfindung der veganen Küche, die gerade sehr en vogue ist. Sie fokussiert stark auf Soja, Tofu, Seitan, Nussmuse und Ersatzprodukte, ohne den Kontext der Lebensmittel in ihrer Kombinationswirkung zu verstehen. Einige reduzieren dazu auch den Getreideanteil, was eine Schieflage in der Nährstoffvielfalt nach sich zieht.

Für meine letzte Kochsession in Wien war ich in Marans veganem Supermarkt einigermaßen verwirrt über die Riesenauswahl an verarbeiteten Soja- und Tofuprodukten in allen Geschmacksrichtungen. Obwohl ich ab und an Tofugerichte liebe (und dafür ausschließlich Naturvarianten verwende), scheint es mir fremd, dass das jemand anderer für mich „vorwürzen“ sollte. Es erinnert mich zu sehr an konventionelle Supermarktware.

Die große Anzahl inzwischen verfügbarer pflanzlicher „Milch“produkte (Mandelmilch, Hafermilch, Dinkelmilch, Sojamilch, Reismilch) sehe ich dagegen eher als eine Bereicherung, denn man kann sie selber herstellen, wenn man will. Mir hilft dabei diese  Küchenmaschine.

Die weitere Verarbeitungsstufe in Richtung sahniger/käsiger Ersatzprodukte ergibt dann wieder hochverarbeitete Lebensmittel, das in ihrer Zusammensetzung keinem „Reinheitsgebot“ entsprechen.

Aus ayurvedischer Sicht sind diese zum Teil künstlichen Lebenmsittel fremd für den Körper und auf mittlere Sicht für die Verdauung eher belastend. Ich warte auf die erste Sojasahne-Intoleranz-Diagnose… 😉

 

Tierliebe

Viele Menschen beschäftigen sich erst seit kurzem mit veganer Ernährung aus Gründen des Tierschutzes, was im Zeitalter der Massentierquälung eine sehr weise Reaktion ist, da die daraus entstehenden Produkte absolut minderwertig sind.

In alten asiatischen Texten wird das Verhältnis Mensch-Tier-Pflanze hierarchisch dargestellt. Jede Stufe ist dazu bestimmt, die nächst höhere Spezies zu nähren. Diese Nährkette funktioniert jedoch nur dann, wenn sie nicht auf Ausbeutung gegründet ist.

Man sagt über die Kuh, dass sie 2 Zitzen hat für die Nahrung des Kalbes und 2 für die Nahrung des Menschen.

Die Haut eines getöteten Tieres für Lederwaren zu verwenden gilt als korrekt im Gegensatz zum Töten eines Tieres UM Lederwaren aus der Haut herzustellen. Produkte eines Tieres zu verwenden, das dafür nicht sterben muss (Wolle, Eier, Honig) ist ebenfalls Teil des Austausches, sofern dies respektvoll passiert.

Diese Sichtweise schließt für mich ein, die Milch einer „Demeter“-Kuh, die im Idealfall ein gutes Leben hat, zu trinken. Oder den Honig vom Bioimker am Ort zu verwenden. Oder die Buttermilch vom Bio-Bauern im nächsten Dorf, man kann das weiterspinnen auf vielen Ebenen.

Es gibt sehr viele „Schnupperveganer“, habe ich festgestellt. Wenn jemand von hohem Fleischkonsum über den veganen Ansatz irgendwann zu vegetarischer (oder flexitarischer) Ernährung findet, dann ist jeder Weg dahin wertvoll.

Karen Duve Anständig essen BuchtitelWer vegane Ernährung ausprobieren möchte, findet sehr wertvolle Gedanken in dem lesenswerten Buch von Karin Duve: Anständig essen.

 

 

 

 

 

Brainfood

Brainfood Dieser kleine Artikel in der ZEIT vom 2. Januar 2014 hat mich zu diesem Artikel inspiriert.

Wenn man Ernährung als Nebensache und Nahrungsmittel-Qualität als gspinnertes Dogma von Gesundheitsaposteln und Ernährungsberatern betrachtet, wird man sich nicht mit dem Gedanken anfreunden wollen, dass die Nahrung nicht nur den Körper sondern auch in hohem Masse die geistige Kapazität beeinflusst. Darüber wird selten geredet und geschrieben, es geht immer nur um Vitamine, Nährstoffe, Texturen, Geschmack, Kalorienzählen und andere, scheinbar verifizierbare „Fakten“.

Doch was die Wissenschaftler in diesem o.g. Experiment herausgefunden haben deckt sich mit dem, was die ayurvedischen Weisen sehr ausführlich vor langer Zeit in ihre Palmblätter ritzten. Essen beeinflusst auch unseren Geist und unser seelisches Wohlbefinden. Das geht soweit, dass man das Temperament eines Menschen anhand der Natur des Essens, das er hauptsächlich zu sich nimmt, erkennen kann.

Die alten Texte entstanden übrigens nicht nach Versuchen an Ratten und anderen Tieren oder aufgrund von Laborergebnissen. Man hat einfach über eine lange Zeit die Menschen mit ihren Beschwerden beobachtet und Gesetzmäßigkeiten herausgefunden zwischen Lebensweise und Essen auf der einen Seite und körperlicher und geistiger Gesundheit auf der anderen. Man kann also nicht sagen, dass es vor tausenden von Jahren nur „gutes“ Essen gab 😉

 

Nahrung, die den Geist harmonisiert

Lebensmittel in hoher Qualität, naturbelassen und möglichst wenig verarbeitet, dazu noch frisch, reif und wohlschmeckend, haben das größte Potential, dem Esser Klarheit, Konzentrationsfähigkeit, Harmonie und Lebensfreude zu ermöglichen. Ist die Mahlzeit auch noch frisch gekocht, eher einfach als kompliziert und hat der Koch/die Köchin Freude in der Küche, wirkt das Essen energetisierend,  ausgleichend und verjüngend.
Man nennt diese Eigenschaften und das Resultat sattvisch.

Beispiele für sattvisches Essen:

  • frisch geerntetes, gekochtes Gemüse, besonders ideal ist Fenchel, rote Bete, junger Rettich in der jeweiligen Saison (Ausnahme: Nachtschattengewächse, Pilze, Zwiebeln, Knoblauch)
  • Frisches, reifes, süßes Obst, vor allem Datteln, Granatäpfel, Feigen, Pfirsiche, Pflaumen, Mirabellen, Birnen
  • Rosinen, getrocknete Datteln und Feigen
  • gekochter Reis und Getreide wie Hafer, Dinkel, Kamut, Quinoa, Gerste
  • Rohmilch, Ghee, Honig, (gelten in der richtigen Qualität und Quantität als Nektar),
  • Mungbohnen
  • Sharkara-Zucker, Reissirup und ­Honig
  • Mandeln, Sesam, Kürbiskerne, andere Nüsse und Samen in kleinen Mengen (Studentenfutter)
  • Kräuter und Gewürze wie Fenchel, Anis, Kreuzkümmel, Kurkuma, Süßholz, Safran, Petersilie, Basilikum, Ingwer, Koriander, Kardamon
  • Wasser, Kräutertees, Gewürztees
  • generell saftige + süße Zutaten (juicy)
  • frei von Chemikalien und Zusatzstoffen
  • wohlschmeckend ohne Übermaß an Würze, Zucker und Salz
  • maßvolle Menge

Diese Lebensmittel findet man auf dem Wochenmarkt, im Hofladen, beim Erzeuger, in guten Bioläden und vor allem in Restaurants, die sich dieser Qualität verschreiben. Lieblos hergestelltes Massengemüse gehört nicht in diese Gruppe. Jedes Stück die identische Farbe, Größe etc., herangekarrt aus der ganzen Welt… 😉 . Demetergemüse hingegen ist ein perfektes Beispiel für sattvische Substanzen.

 

Nahrung, die den Geist an- und/oder aufregt

Förderlich für Dynamik, Aktivität, Zielorientierung und Motivation sind Lebensmittel, die anregen und aktivieren. Diese Energie hilft uns, die allfälligen Routinen des Lebens zu bewältigen: zur Arbeit gehen, kochen und essen, sportliche Aktivitäten, Kinder erziehen, Steuererklärungen ausfüllen usw.. Und den Leidenschaften zu folgen, die uns im Leben Freude geben, für die wir „brennen“.

Beispiele:

  • feurige Lebensmittel und Gewürze, die schärfen, säuern und salzen
  • saures Obst, vor allem Kiwis, Ananas, Rhabarber, Beeren, Bananen
  • Nachtschattengewächse (Tomaten, Kartoffeln, Paprika und Auberginen)
  • Peperoni, Chillischoten, Zwiebeln und Knoblauch, Schnittlauch, Lauch, Frühlingszwiebeln in kleinen Mengen
  • Große Bohnen und Hülsenfrüchte
  • Fleisch, Fisch, ­Meeresfrüchte, Eier in kleinen Mengen
  • Zucker, Sirups
  • raffiniertes Tafelsalz, Geschmacksverstärker (Glutamat, Hefe)
  • scharfe und übermäßig viele Gewürze (indische und thailändische Küche), z.B. Chili, Meerrettich, Senfsamen, Pfeffer
  • fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Käse
  • Essig
  • Kaffee, Schwarztee
  • Alkohol, Nikotin und andere Genussmittel in kleinen Mengen, Energydrinks
  • gebratenes und frittiertes, sowie schweres, öliges Essen
  • unreife und überreife Lebensmittel
  • (sehr oft) Restaurantessen

Man nennt diese Lebensmittel und die verbundenen Eigenschaften rajasisch. Wer eher langsam und träge ist, wird durch diese Nahrung aktiviert, was zu mehr Antriebskraft und Entschlossenheit führt.

Wer ausschliesslich solche Lebensmittel konsumiert, wird leicht irritiert, ist latent aggressiv und neigt zu Übersäuerung und anderen Verdauungsproblemen. Die Überstimulation auf körperlicher und geistiger Ebene führt zu Nebenresultaten wie Ungeduld, Rastlosigkeit, Gier, Neid, Geiz und Suchtverhalten. Der Fokus richtet sich verstärkt auf materielle Werte, Machtstreben, Egomanie, Konkurrenzdenken und Rechthaberei bis hin zum Fanatismus. Sehr aggressive und zornige Menschen sind immer rajasisch. Die Medien, Politik und Spitzensport sind voll davon. Einen Yogi oder Vegetarier kann man sich in diesem Umfeld schwer vorstellen. Es gibt Ausnahmen 🙂 .

 

Nahrung, die den Geist unterernährt

Eine dritte Gruppe von Lebensmitteln machen den Menschen träge, dumpf, lethargisch, müde und schwer. Man nennt sie und die damit verbundenen geistigen Attribute tamasisch.

Beispiele für tamasische Nahrungsmittel:

  • rajasisches Essen im Übermaß
  • überlagertes oder unreifes Obst und Gemüse
  • Pilze (Ausnahme: Shitake)
  • Zwiebeln und Knoblauch in großen Mengen
  • ranzige Nüsse, Erdnüsse
  • genmanipulierte und synthetische Nahrungsmittel
  • überkochtes, abgestandenes, angebranntes, verunreinigtes und schlecht schmeckendes Essen
  • mehrfach aufgewärmtes Essen
  • Fastfood, Dosenessen, Mikrowellengerichte, Tiefkühlkost, Fertiggerichte, Instantprodukte
  • stark industriell verarbeitete Lebensmittel
  • alter harter Käse, H-Milch
  • Erdnussprodukte
  • weißer Haushaltszucker, Weißmehlprodukte, zuckrige Lebensmittel
  • Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte Eier und Milchprodukte aus Massentierhaltung und in großer Menge
  • Alkohol (besonders Soirituosen), Nikotin und andere Genussmittel in großer Menge
  • Energydrinks in großen Mengen, Softdrinks
  • (sehr oft) Restaurantessen, speziell aus der Systemgastronomie

Folge einer solchen Nahrung sind Stimmungsschwankungen, Schläfrigkeit, Unsicherheit, Ignoranz, Unwissenheit, Depression, Lethargie, Stagnation, frühe Alterung, Verwirrung und starke Ängste. Die Gier nach Suchtmitteln kann zu Selbstzerstörung und Gewalttätigkeit führen. Menschen, die sich hauptsächlich aus dieser Gruppe ernähren, werden über kurz oder lang immer krank. Diese Lebensmittel sind tot und ermöglichen kein „nähren“, vor allem nicht des Gehirns. Es ist das Experiment mit den Ratten (s.o.).

Ernährungsregeln Michael PollanMichael Pollan nennt diese Lebensmittel „essbare Substanzen“ im Gegensatz zu „Lebens“mitteln, die den sattvischen Aspekt tragen. Man findet diese „Substanzen“ im Supermarkt dort, wo keine Kühlung benötigt wird. Lebensmittel, denen alles nahrhafte entzogen wurde, hält sehr lange und freut den Händler und die Industrie.

Es können übrigens auch sattvische Lebensmittel tamasisch wirken, wenn sie nicht verdaut werden können (Rohkost, Salate) oder von einem uninteressierten Koch lieblos zubereitet werden.

 

Das Triguna-Konzept

Die ayurvedischen Texte beschreiben wie keine andere Wissenschaft die geistige Wirkung von Nahrungsmitteln anhand der 3 beschriebenen Eigenschaften Sattva, Rajas und Tamas. Wir werden immer Nahrung zu uns nehmen, die Bestandteile aus allen 3 Gruppen beinhalten. Welche Aspekte wir im Leben betonen möchten, lässt uns entscheiden, aus welcher Gruppe wir uns hauptsächlich ernähren. Die sattvischen Lebensmitteln kann man nie überdosieren, doch sie stehen nicht immer und überall zur Verfügung. Außerdem will nicht jeder leben wie ein schmunzelnder Buddha. Deshalb ist der aktivierende Lebensmittelanteil derjenige, den die meisten Menschen am ehesten bevorzugen. Unsere westliche Welt ist nun mal rajasisch.

Lebensmittel aus der tamasischen Gruppe nehmen heute den meisten Platz in Supermarkt und Restaurant/Kantine ein. Diese Entwicklung ist keine 100 Jahre alt und vermutlich ist sie der Grund dafür, dass sich neue Krankheitsbilder manifestieren, bei denen die Medizin noch ratlos ist. Diese Lebensmittel zu reduzieren und mit sattvischen zu ersetzen ist die weiseste Entscheidung, die man treffen kann.

Es ist ähnlich dem yogischen Leben. Jeder, der Yoga mit einiger Ernsthaftigkeit oder Hingabe betreibt, wird irgendwann vor seinem Teller sitzen und kein Schweineschnitzel mehr essen mögen. Oder jemand, der sich vorwiegend vegetarisch ernährt, verbindet sich vielleicht irgendwann mit den meditativen und philosophischen Konzepten von Yoga oder Tai Chi. Das Tor ist nach beiden Seiten offen.

Für mich persönlich ist die Orientierung meiner Lebensmittelwahl an diesen 3 Gruppen wesentlich sinnvoller als an den meistens verwendeten Konstitutions-Ernährungsrichtlinien für Vata, Pitta, Kapha, die man in westlichen ayurvedischen Kochbüchern findet. Ich halte eine fundierte „Diagnose“ und Konstitutionserfassung durch Checklisten oder in einem kurzen Anamnesegespräch für wenig aussagekräftig im Bestfall und komplett fehlleitend im worst case. Außer sie wird von einem/einer erfahrenen Ayurvedaarzt/ärztin (egal ob indisch oder westlich) mit seinem/ihrem Erfahrungsschatz untermauert. Das hören meine AyurvedakollegInnen nicht gerne, doch ich erlebe, warum sich seriöse indische Ärzte für diese Analyse tage- bis wochenlang Zeit nehmen.

Sogenannte doshagerechte Ernährung funktioniert sehr gut bei Beschwerden und Krankheiten und macht in diesen Fällen absolut Sinn. Ansonsten klappt das auch noch für den Singlehaushalt, aber nicht mehr darüber hinaus, da in einer Familie meist mehrere Konstitutionstypen vorhanden sind.

Hier ist das Triguna-Konzept von Sattva, Rajas und Tamas viel leichter umsetzbar und in der Praxis sehr unkompliziert, da z.B. sattvische Ernährung für jeden passt.

Nochmal die ZEIT vom 2.1.2014 zum Thema Rajas und Tamas:

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Artikel überarbeitet im September 2018

Bildquelle Walnuss: stock.tookapic.com