Stürmisches Herbstessen

Es ist win­dig und bis­wei­len stür­misch in die­sen Wochen, der Herbst folgt mit sei­ner rau­hen Sei­te naht­los auf den schö­nen Som­mer. Sicht­bar und hör­bar ist also das Luft­ele­ment domi­nant. Dies ver­stärkt Leich­tig­keit, Tro­cken­heit und Küh­le, was wie­der­um auto­ma­tisch das Vata-Dosha erhöht, das sich bereits im Spät­som­mer ange­sam­melt hat.
Die Erhö­hung des Vata Doshas führt zu eher insta­bi­ler Ver­dau­ungs­kraft, das Ner­ven­sys­tem, die Feuch­tig­keit im Kör­per, der Schlaf, die Ent­span­nung sind beein­träch­tigt, Ver­span­nun­gen neh­men zu. Dadurch kön­nen Toxi­ne und Ama (Unver­dau­tes) im Kör­per auf vie­len Ebe­nen für Unwohl­sein sor­gen. Die Ver­bin­dung von Vata und Ama führt oft zu Gelenks­be­schwer­den wie Rheu­ma und Arthri­tis.

Mit ent­sp­reIMG_0935chen­der Ernäh­rung und Lebens­wei­se kann man die stür­mi­schen Zei­ten jedoch aus­glei­chen und das Immun­sys­tem für den Win­ter fit machen.

Das schö­ne am Herbs­tessen ist die Far­ben­freu­de, die sich im Außen wie Innen zeigt, z.b. mit rote Rüben, gel­ben Rüben, oran­ge­far­be­nen Kür­bi­sen, lila Karot­ten (pur­ple haze) und vie­lem mehr.

 

 

Diese Nah­rungs­mit­tel sollte man im Herbst bevor­zu­gen (redu­zie­ren Vata — befeuchten):

  • süßes, wür­zi­ges, sau­res und sal­zi­ges Essen
  • leicht ver­dau­li­ches Essen
  • nahr­haf­te Kost
  • mehr befeuch­tende und flüs­sige Nah­rung (z.B. Sup­pen, Ein­töp­fe, Kit­cha­ris)
  • ölige­res Essen (als Aus­gleich zur Tro­cken­heit)
  • fri­sches, regio­na­les Obst, das süß und reif ist, am bes­ten gedüns­tet
  • alle sai­so­na­len Gemü­se (Kür­bis, Wur­zel­ge­mü­se, Knol­len­ge­mü­se), gekocht oder gedämpft sowie geba­cken im Ofen
  • war­me Getrei­de­breis aus Din­kel, Reis, Qui­noa, Hafer
  • wär­men­de Gewür­ze: das sind fast alle (außer Fen­chel, Kori­an­der, Kar­da­mon, Min­ze), beson­ders geeig­net sind Zimt und Ing­wer, Kreuz­küm­mel, Senf­sa­men, Mus­kat, Nel­ken
  • zum trin­ken ide­al: war­mes Was­ser mit Gewür­zen oder Ing­wer, Kräu­ter­tees, Geträn­ke mit natür­li­cher Süße

 

Diese Nah­rungs­mit­tel sollte man redu­zie­ren oder mei­den (erhö­hen Vata — trocknen aus):

  • bit­te­re, her­be, schar­fe Spei­sen
  • Roh­kost, Sala­te
  • kal­te Spei­sen
  • schwe­res und schwer ver­dau­li­ches
  • Nacht­schat­ten­ge­wächse (Kar­tof­feln, Papri­ka, Chi­li, Toma­ten, Auber­gi­nen) in gro­ßen Men­gen
  • Hül­sen­früchte und Kohl in gro­ßen Men­gen
  • rohes Obst
  • Brot mit Hefe (bes­ser ist Sauer­teig­brot), Knä­cke­brot, Reis­waf­feln u.ä.
  • auf­ge­wärm­tes Essen
  • kal­te Geträn­ke

 

Ein ausgleichender Lebensstil im Herbst:

  • Ölzie­hen mit war­mem Sesam­öl am Mor­gen (Öl für eini­ge Minu­ten im Mund hal­ten)
  • Mas­sa­gen mit viel Öl hel­fen gegen Ver­span­nun­gen und Gelenks­pro­ble­me
  • lang­sa­mes Yoga und Atem­übun­gen wie Nadi Sho­da­na wir­ken beru­hi­gend
  • ein regel­mä­ßi­ger Tages­ab­lauf
  • Streß ver­mei­den
  • Rei­sen redu­zie­ren
  • den Kopf an win­di­gen Tagen immer schüt­zen

 

Gegen Erkäl­tun­gen hilft: Ing­wer­was­ser, Kori­an­der-Ing­wer-Tee, Ing­wer im Essen, Ing­wer­was­ser inha­lie­ren (1 Tee­löf­fel auf einen Topf kochen­des Was­ser), Ver­mei­den jeder Art von Milch­pro­duk­ten.

Viel­leicht ver­wöhnt uns der Herbst auch noch mit ein paar son­ni­gen Tagen, in denen wir unse­ren Vit­amin D-Vor­rat für das Immun­sys­tem fül­len kön­nen. Also nichts wie raus in die bun­te Welt, wann immer es geht :-).

Arti­kel update im Okto­ber 2018.

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Es riecht nach Frühling

Über­ar­bei­tet im April 2018

Früh­ling. Man sieht und vor allem riecht es. Wie­sen und Bäu­me wer­den bunt und am Wald­rand kommt einem der wür­zi­ge Bär­lauch­duft schon von wei­tem ent­ge­gen. Alles fühlt sich nach restart an. Man­ches nach Neu­start.

Seit 2013 gibt es im „Maschi­nen­park“ der Semi­nar­kü­che einen Power­mi­xer! Die­ses Ding mit 2–3 Pfer­de­stär­ken, bei denen der „Mer­ce­des” unter den Gerä­ten (Vit­amix) schon mal 650+ Euro kos­tet. Ich hab mir den deut­schen Bru­der gegönnt (Rev­o­blend) und seit­her gibt es des öfte­ren grü­ne, saf­ti­ge Smoot­hies, mit Löwen­zahn und Blut­amp­fer aus dem Gar­ten, Stan­gen­sel­le­rie, Apfel oder Bana­ne, Ruco­la und/oder Min­ze, was eben gera­de so im Ange­bot ist. Jedes mal schmeckt es anders. Ich wer­de sicher nicht zum Roh­köst­ler, aber die­se Smoot­hies machen je nach Kon­text Sinn. Z.B. an hei­ßen Früh­lings­ta­gen und im Som­mer, um den Kör­per zu küh­len und gGrüner Smoothieleich­zei­tig Toxi­ne aus­zu­schleu­sen. Oder für Men­schen, die viel Feu­er in sich haben, also eher mal am über­hit­zen sind. Saft­bars mit fri­schen grü­nen Smoot­hies gibts inzwi­schen reich­lich, um ver­schie­de­ne Kom­bi­na­tio­nen aus­pro­bie­ren. Nicht die fer­ti­gen aus dem Super­markt, die ja schon ein paar Tage alt sind… ;-). Und die mit Milch­pro­duk­ten ver­mei­det man eben­so, es passt nicht wirk­lich zusam­men, fri­sches Grün und Milch.

 

Frühling essen!

Der Spei­se­plan ändert sich auch sonst umfang­reich. End­lich Spar­gel, Radies­chen, Mai­rüb­chen, Kohl­ra­bi, fri­scher Spi­nat, Bär­lauch, Löwen­zahn und fri­sche Kräu­ter! Früh­ling ist Kapha­zeit, alles wächst, neu­es Poten­zi­al ent­wi­ckelt sich, Wär­me und Feuch­tig­keit sind domi­nant. In unse­rem Kör­per hat sich das Kapha (ein Mix aus Erde und Was­ser) über den Win­ter auf­ge­baut (man­che nen­nen es Win­ter­speck) und die­se Schwe­re wür­den wir nur all­zu ger­ne wie­der los­wer­den. Der Schutz­man­tel des Win­ters wird nicht mehr benö­tigt, im Gegen­teil, er bedroht nun unse­re Gesund­heit. Alles strebt nach Ent­las­tung, Aus­lei­tung, Erneue­rung, Rei­ni­gung.

Die Wär­me der Früh­lings­ta­ge lässt das Kapha im Kör­per „schmel­zen“ wie Schnee in der Son­ne und zir­ku­liert in Blut und Lym­phe wie ein über­lau­fen­der Fluss, was sich in Früh­jahrs-Erkäl­tun­gen, Heu­schnup­fen, Früh­jahrs­mü­dig­keit, Über­ge­wicht, einem wei­ßen Belag auf der Zun­ge, schlei­mi­gem Stuhl u.ä. zeigt. Man muss nun nicht wis­sen, wel­cher ayur­ve­di­sche Kon­sti­tu­ti­ons­typ man ist, um sich im Früh­jahr opti­mal zu ernäh­ren. Die Prin­zi­pi­en pas­sen für (fast) jeden, es geht um „leich­ter wer­den, leich­ter essen, leich­ter den­ken, usw…“. Die Nah­rungs­mit­tel, die gera­de um uns her­um geern­tet wer­den, sind genau rich­tig für uns und für die­se Zeit. Man darf sich also eine Wei­le von Wur­zel­ge­mü­se und Kür­bis ver­ab­schie­den, auch wenn die­se Din­ge selt­sa­mer­wei­se im Bio­la­den erhält­lich sind. Z.B. Hoka­i­do ein­ge­flo­gen aus Süd­ame­ri­ka. Fal­scher Kon­ti­nent, fal­sche Jah­res­zeit. Der Kör­per benö­tigt rei­ni­gen­de, ent­schla­cken­de Gemü­se und nicht näh­ren­de und auf­bau­en­de, die kön­nen war­ten bis zum Herbst. Noch ein biss­chen war­ten kön­nen auch Toma­ten (der­zeit rote Was­ser­bäl­le ohne Geschmack) oder Boh­nen und Erb­sen aus Kenia. Dem­nächst kommt das eh aus der Hei­mat. Das gan­ze gilt auch für Äpfel, Bir­nen und Pflau­men, die der­zeit den Glo­bus umrun­den, nur weil es in Süd­ame­ri­ka und Neu­see­land gera­de Herbst ist… Die Obst­zeit kommt früh genug, spä­tes­tens wenn die Erd­bee­ren süß und reif zum Sel­ber­pfü­cken bereit sind. Und sie dau­ert bis in den Win­ter, wenn Man­da­ri­nen und Gra­nat­äp­fel die Vor­weih­nachst­zeit fruch­tig ver­süs­sen. Mehr braucht der Kör­per nicht.

 

Einkaufsliste fürs Frühlingsessen

Das Essen auf unse­rem Tel­ler kommt der­zeit weiß und grün daher. Far­be brin­gen Karot­ten und Radies­chen, wäh­rend Pas­ti­na­ken und Toma­ten nicht mehr bzw. noch nicht Sai­son haben, man kann sie also getrost weg­las­sen. Über­haupt wäre es span­nend, mal all die bekann­ten Stan­dard­ge­mü­se, die es 365 Tage im Jahr gibt (woher die wohl kom­men?), lie­gen­zu­las­sen…

Im Früh­ling soll­te man die­se Nah­rungs­ei­gen­schaf­ten bevor­zu­gen:

  • Leicht: z.B. Brü­hen, Blatt­ge­mü­se, Spi­nat, Spar­gel, Rha­bar­ber, Reis, Qui­noa
  • Tro­cken: z.B. Rog­gen, Hir­se, Gers­te, Hül­sen­früch­te
  • Warm: z.B. gedämpf­tes und gekoch­tes Gemü­se, Gewür­ze, Sup­pen, Kit­cha­ri (eine idea­le Fas­ten­spei­se, zum Rezept)

 

Die idea­len Geschmacks­rich­tun­gen sind:

  • Bit­ter: z.B. Blatt­ge­mü­se, Bro­ko­li, Küchen­kräu­ter und Wild­kräu­ter (Löwen­zahn, Bren­nes­seln, Giersch, Sauer­amp­fer usw.), Kur­ku­ma, Spi­ru­li­na, Mai­rüb­chen, Zitro­nen- und Oran­gen­scha­len
  • Astrin­gie­rend: z.B. Buch­wei­zen, Rog­gen, Gers­te, Stan­gen­sel­le­rie, Kur­ku­ma, Cran­ber­ry, Rosi­nen, Honig, Spi­nat
  • Scharf: z.B. Senf­sa­men, fri­scher Ing­wer, Pfef­fer, Ret­tich, Radies­chen, Knob­lauch, Zwie­beln, Bär­lauch   Alle die­se Nah­rungs­mit­tel hel­fen, über­schüs­si­gen Schleim und Gift­stof­fe aus dem Kör­per aus­zu­lei­ten, für Erleich­te­rung zu sor­gen und die Ver­dau­ungs­kraft zu ver­bes­sern.

 

Nah­rungs­mit­tel, die redu­ziert wer­den soll­ten:

  • Schwer: z.B. Wur­zel­ge­mü­se (Pas­ti­na­ken, Peter­sie­li­en­wur­zeln, etc.), Nüs­se und Samen (Aus­nah­me: Man­deln, Sesam­sa­men und Kür­bis­ker­ne), Eier, Milch­pro­duk­te wie Joghurt und Käse, Fleisch und Wurst, Voll­korn­brot, Kuchen und Weis­mehl­pro­duk­te
  • Ölig: Fet­te und Öle (außer Ome­ga3-Öle wie Lein­öl), öli­ge Nüs­se, Frit­tier­tes, öli­ge Spei­sen
  • Kühl: kal­tes Essen, Roh­kost, Eis­ge­kühl­tes

 

Geschmacks­rich­tun­gen, die redu­ziert wer­den soll­ten:

  • Süß: ist gleich­zei­tig schwer, z.B. sehr süße Gemü­se (Wur­zel­ge­mü­se, Süß­kar­tof­feln), Zucker in kon­zen­trier­ter Form, Süß­spei­sen
  • Sau­er: z.B. Yoghurt, Essig, Toma­ten,
  • Sal­zig: z.B. Käse, Wurst, Fer­tig­ge­rich­te, Soja­sauce im Über­maß

    frühlingsgemüse

 

Frühlings-Gewürze-Mix

2 EL gemah­le­ner Zimt 2 EL gemah­le­ner Ing­wer 1 EL gemah­le­ner Kar­da­mon (ide­la­er­wei­se frisch gemah­len) 1/2 TL schwar­zer Pfef­fer Gut für küh­le Mor­gen­stun­den. Die­ser Gewürz­mix ist ide­al für süße Gerich­te und Chai. Es wärmt und unter­stützt die Ver­dau­ung. Passt sehr gut zu Früh­stücks­brei, Por­ridge, in hei­ße Milch, Tee, Kaf­fee, etc. Man kann es groß­zü­gig ver­wen­den.

 

Zusätzliche Unterstützung für die Entlastung und einen reibungslosen Übergang bieten:

  • Viel war­mes Was­ser trin­ken
  • Tees mit wär­men­den Gewür­zen (Ing­wer, Zimt, Nel­ken)
  • Weni­ger Essen
  • Aus­rei­chend schla­fen, früh zu Bett gehen, die frü­hen Son­nen­strah­len nut­zen
  • Über­sti­mu­la­ti­on ver­mei­den: TV, Radio, Inter­net, Zei­tun­gen, Sozia­le Akti­vi­tä­ten redu­zie­ren
  • Ölmas­sa­gen, 2–3 mal die Woche (idea­ler­wei­se täg­lich) vor dem Duschen
  • Auf Bodylo­tions ver­zich­ten, um die Haut­po­ren frei zu hal­ten für den Abtrans­port der Gif­te
  • Idea­ler­wei­se che­mie­freie Kos­me­tik­pro­duk­te, Putz- und Wasch­mit­tel ver­wen­den
  • Ins Freie gehen, Spa­zie­ren gehen, Radeln, kur­ze Son­nen­bä­der genies­sen, usw.
  • Neu­es aus­pro­bie­ren: Essen, Pflan­zen, Yoga, Medi­ta­ti­on, …

 

Nicht wun­dern, auch die See­le atmet auf und die Gele­gen­heit ist güns­tig, ein paar alte Gedan­ken­mo­del­le über Bord zu wer­fen. Somit wün­sche ich einen erfri­schen­de und äußerst inspi­ra­ti­ven Früh­ling! 🙂

Flexi, Pesci, Veggie oder Vegan?

In unse­rem struk­tur­ver­lieb­ten Schub­la­den­den­ken gab es bis­her Alle­ses­ser (Omni­vo­ren) und Vege­ta­ri­er. Heu­te steht da ein gan­zes Schub­la­den­re­gal, mit lus­ti­gen Wort­kom­bi­na­tio­nen eti­ket­tiert. Da gibt es den Pes­ci­ta­ri­er, der sich haupt­säch­lich von Gemü­se und Fisch ernährt. Oder den Fle­xi­ta­ri­er, der sei­ner  über­wie­gend vege­ta­ri­schen Ernäh­rung ab und an Fleisch und Fisch zufügt. Das wie­der­um geht nicht bei den Vega­nern, die nicht mal vom leben­den Tier etwas zu sich neh­men, also auch nicht But­ter, Milch, Eier, Honig usw.. Dies ist die in den Medi­en der­zeit auf­merk­sam­keits­stärks­te Grup­pe. Eine neue­re Wel­le, die aus Kali­for­ni­en, Bali und ande­ren well­ness­ori­en­tier­ten Regio­nen die­ser Welt anrollt sind die vege­ta­ri­schen raw foo­dies, wie sich die Zeit­geist-Röh­köst­ler nen­nen.

 

Die ayurvedische Sicht

Oft wer­de ich gefragt, wel­che Ernäh­rungs­wei­se den ayur­ve­di­schen Prin­zi­pi­en am meis­ten nahe­kommt. Es gibt dazu jedoch kei­ne Regeln oder Prä­fe­ren­zen, da alles Ein­engen­de, redu­zie­ren­de nicht dem indi­vi­du­el­len Ansatz die­ses Sys­tems ent­spricht. Bis auf eini­ge Hin­wei­se auf sehr unge­sun­de Ernäh­rungs­for­men, kann man frei ent­schei­den, was man sei­nem Kör­per als „Treib­stoff“ zufüh­ren möch­te. Am ehes­ten gilt der Grund­satz, dass man sich ein Wis­sen über die Nah­rungs­mit­tel  aneig­net und dann mit Weis­heit ent­schei­det, das zu essen, was indi­vi­du­ell leicht ver­daut wer­den kann, den Kör­per gut nährt, den Geist klar macht und vor allem gut schmeckt. Unwei­se ist ent­spre­chend alles, was schwer im Magen liegt, den Geist dumpf macht und zu Beschwer­den im Kör­per führt. Trotz­dem ist genau das die Ernäh­rung, die man bei uns schein­bar am meis­ten ver­zehrt (Mas­sen­gas­tro­no­mie und Fer­tig­ge­rich­te).

In den alten Tex­ten wer­den alle Nah­rungs­mit­tel­grup­pen beschrie­ben mit ihren Vor­tei­len und Nach­tei­len. Fleisch umfasst ein beson­ders lan­ges Kapi­tel, wur­de es damals (wie heu­te) sehr oft medi­zi­nisch und zur gene­rel­len Stär­kung ver­wen­det. Dane­ben wer­den Ghee (aus­ge­las­se­ne But­ter), Milch und Honig sogar als „Nek­tar“ ange­se­hen.

Vie­le Beschrei­bun­gen decken sich mit dem Ess­ver­hal­ten und der Lebens­mit­tel­wahl unse­rer Müt­ter und Groß­müt­ter. Tra­di­tio­nel­le Ernäh­rung, die sich an der Regi­on und Kul­tur ori­en­tiert, in der man sich gera­de befin­det, ist also sel­ten ver­kehrt. Wenn man dazu die Prin­zi­pi­en von Qua­li­tät, Sai­son, und Kom­bi­na­tio­nen beach­tet, ist man in allen o.g. Ernäh­rungs­for­men behei­ma­tet mit Aus­nah­me von raw food. Offe­ne Rega­le — ohne Schub­la­den.

Die Offen­heit und Fle­xi­bi­li­tät des Sys­tems beinhal­tet, dass man auch über­re­gio­na­le Lebens­mit­tel, die den o.g. Kri­te­ri­en ent­spre­chen, hin­zu­fü­gen kann, sofern man will. Sei es aus Grün­den der grö­ße­ren Viel­falt (alle Kokos­pro­duk­te, Chia­sa­men, Qui­noa, Ing­wer, Tama­ri, Nori uvm.), oder weil die­se z.B. in ande­ren Kul­tur­krei­sen als Heil­mit­tel gel­ten (Umebo­shi, Kuzu, Shi­take­pil­ze, Mung­boh­nen).

Gepaart mit exo­ti­sche­ren Würz­mi­schun­gen (z.B. äthio­pi­sches But­ter­ge­würz, Ras-El-Hanout, Za’atar, Safran, Cur­ry in allen Vari­an­ten, süd­afri­ka­ni­sche Spi­ce Rubs uvm.) ent­ste­hen anre­gen­de Düf­te und abwechs­lungs­rei­che Spei­sen, die dem Kör­per und der See­le gut tun.

 

Veganismus und Ayurveda

Es ist ein gefühl­ter Mega­trend. Bei Hugen­du­bel in Mün­chen ste­hen bei jedem Besuch gefühlt immer 5 neue vega­ne Koch­bü­cher auf dem Prä­sen­tier­tisch. Neben maxi­mal einer vege­ta­ri­schen Neu­erschei­nung.

Im Monats­rhyt­mus stei­gen Freun­de oder Bekann­te auf die­sen Zug auf. Eini­ge Auf­trag­ge­ber buchen mich unter der Prä­mis­se, dass ich vegan koche. Und vie­le Kli­en­ten fra­gen, wie das nun zusam­men­passt mit Ayur­ve­da und Vega­nis­mus.

Vega­ne Ernäh­rung wür­de im ayur­ve­di­schen Scree­ning eher durch­fal­len. Zu eng gedacht, zu restrik­tiv und vor allem der Aus­schluss von Heil­sub­stan­zen (Milch, Honig, Ghee) ste­hen den Prin­zi­pi­en der Viel­sei­tig­keit kon­trär gegen­über. Eben­so dem Grund­satz, dass die Nah­rung so voll­stän­dig sein soll, dass kei­ne Sup­ple­men­tie­rung durch Pil­len, Ampul­len, Pül­ver­chen etc. nötig ist.

Enge, dog­ma­ti­sche Ernäh­rungs­for­men sind für den Kör­per anstren­gend, aber noch mehr für den Geist. Vega­ne Bücher, die den Ein­druck ver­mit­teln, dass alle Men­schen, die Tier- und Milch­pro­duk­te zu sich neh­men, davon Krebs bekom­men könn­ten, kann ich nicht nach­voll­zie­hen. Bzw. wun­de­re mich, dass bei über 1 Mrd. Inder, die täg­lich Milch und in vie­len Regio­nen auch Fleisch (Nord­in­di­en) und Fisch (Küs­ten­re­gio­nen) ver­zeh­ren, eine wesent­lich nied­ri­ge­re Krebs­ra­te herrscht als bei uns im Wes­ten.

Nichts des­to trotz ist die vege­ta­risch aus­ge­rich­te­te ayur­ve­di­sche Küche weit­ge­hend tier­pro­duk­te­frei. Zum einen aus der Erfah­rung, dass Milch und vie­le Milch­pro­duk­te in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren Lebens­mit­teln inkom­pa­ti­ble Kom­bi­na­tio­nen erge­ben und ant­ago­nis­tisch auf die Gewe­be wir­ken kön­nen. Zum ande­ren, weil alle Milch­pro­duk­te das Essen schwer machen. Und somit den Esser. Nur in eini­gen west­li­chen Ayur­ve­da-Koch­bü­chern wird mun­ter mit Sah­ne gekocht, was der Leh­re kom­plett wider­spricht.

Fleisch und Eier wer­den nicht aus­ge­schlos­sen, aber auch nicht favo­ri­siert. Da Honig nicht erhitzt wer­den soll, kommt er in gekoch­ten Gerich­ten nicht vor. Durch­aus aber in klei­nem Umfang in Süß­spei­sen oder aufs Brot.

Wenn man vega­ne Küche so denkt, dass man sich auf tra­di­tio­nel­le Rezep­te, die immer schon ohne Tier­pro­duk­te aus­ka­men, fokus­siert, wird die­se Ernäh­rung sehr leicht anwend­bar. Zum einen haben sich die­se Rezep­te lan­ge bewährt, zum ande­ren muss man nicht „umden­ken“, d.h. über­le­gen, wie man was mit was ersetzt. Vor allem asia­ti­sche und ori­en­ta­li­sche Län­der­kü­chen haben sehr viel in die­ser Rich­tung parat, aber auch bei uns wur­de nicht immer alles mit Sah­ne­saucen und Käse zuge­pappt.

Ein wei­te­rer Ansatz für vega­ne Ernäh­rung ist die vege­ta­ri­sche 5-Ele­men­te-Küche der Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Medi­zin (TCM). Ger­ne koche ich mit den vege­ta­ri­schen Rezep­ten der Wie­ner Sup­pi­to-Koch­bü­cher, die auf die­sem Sys­tem auf­ge­baut sind. Das Wort vegan kommt da glaub ich gar nicht vor.

Die­se For­men kom­men dem ayur­ve­di­schen Ver­ständ­nis von Ernäh­rung sehr nahe.

 

New School Vegan

Ich nenn das nun ein­fach mal so, die­se Neu­erfin­dung der vega­nen Küche, die gera­de sehr en vogue ist. Sie fokus­siert stark auf Soja, Tofu, Seit­an, Nuss­mu­se und Ersatz­pro­duk­te, ohne den Kon­text der Lebens­mit­tel in ihrer Kom­bi­na­ti­ons­wir­kung zu ver­ste­hen. Eini­ge redu­zie­ren dazu auch den Getrei­de­an­teil, was eine Schief­la­ge in der Nähr­stoff­viel­falt nach sich zieht.

Für mei­ne letz­te Koch­ses­si­on in Wien war ich in Marans vega­nem Super­markt eini­ger­ma­ßen ver­wirrt über die Rie­sen­aus­wahl an ver­ar­bei­te­ten Soja- und Tofu­pro­duk­ten in allen Geschmacks­rich­tun­gen. Obwohl ich ab und an Tofu­ge­rich­te lie­be (und dafür aus­schließ­lich Natur­va­ri­an­ten ver­wen­de), scheint es mir fremd, dass das jemand ande­rer für mich „vor­wür­zen“ soll­te. Es erin­nert mich zu sehr an kon­ven­tio­nel­le Super­markt­wa­re.

Die gro­ße Anzahl inzwi­schen ver­füg­ba­rer pflanz­li­cher „Milch“produkte (Man­del­milch, Hafer­milch, Din­kel­milch, Soja­milch, Reis­milch) sehe ich dage­gen eher als eine Berei­che­rung, denn man kann sie sel­ber her­stel­len, wenn man will. Mir hilft dabei die­se  Küchen­ma­schi­ne.

Die wei­te­re Ver­ar­bei­tungs­stu­fe in Rich­tung sahniger/käsiger Ersatz­pro­duk­te ergibt dann wie­der hoch­ver­ar­bei­te­te Lebens­mit­tel, das in ihrer Zusam­men­set­zung kei­nem „Rein­heits­ge­bot“ ent­spre­chen.

Aus ayur­ve­di­scher Sicht sind die­se zum Teil künst­li­chen Lebenm­sit­tel fremd für den Kör­per und auf mitt­le­re Sicht für die Ver­dau­ung eher belas­tend. Ich war­te auf die ers­te Soja­sah­ne-Into­le­ranz-Dia­gno­se… 😉

 

Tierliebe

Vie­le Men­schen beschäf­ti­gen sich erst seit kur­zem mit vega­ner Ernäh­rung aus Grün­den des Tier­schut­zes, was im Zeit­al­ter der Mas­sen­tier­quä­lung eine sehr wei­se Reak­ti­on ist, da die dar­aus ent­ste­hen­den Pro­duk­te abso­lut min­der­wer­tig sind.

In alten asia­ti­schen Tex­ten wird das Ver­hält­nis Mensch-Tier-Pflan­ze hier­ar­chisch dar­ge­stellt. Jede Stu­fe ist dazu bestimmt, die nächst höhe­re Spe­zi­es zu näh­ren. Die­se Nähr­ket­te funk­tio­niert jedoch nur dann, wenn sie nicht auf Aus­beu­tung gegrün­det ist.

Man sagt über die Kuh, dass sie 2 Zit­zen hat für die Nah­rung des Kal­bes und 2 für die Nah­rung des Men­schen.

Die Haut eines getö­te­ten Tie­res für Leder­wa­ren zu ver­wen­den gilt als kor­rekt im Gegen­satz zum Töten eines Tie­res UM Leder­wa­ren aus der Haut her­zu­stel­len. Pro­duk­te eines Tie­res zu ver­wen­den, das dafür nicht ster­ben muss (Wol­le, Eier, Honig) ist eben­falls Teil des Aus­tau­sches, sofern dies respekt­voll pas­siert.

Die­se Sicht­wei­se schließt für mich ein, die Milch einer „Demeter“-Kuh, die im Ide­al­fall ein gutes Leben hat, zu trin­ken. Oder den Honig vom Bio­im­ker am Ort zu ver­wen­den. Oder die But­ter­milch vom Bio-Bau­ern im nächs­ten Dorf, man kann das wei­ter­spin­nen auf vie­len Ebe­nen.

Es gibt sehr vie­le „Schnup­per­ve­ga­ner“, habe ich fest­ge­stellt. Wenn jemand von hohem Fleisch­kon­sum über den vega­nen Ansatz irgend­wann zu vege­ta­ri­scher (oder fle­xi­ta­ri­scher) Ernäh­rung fin­det, dann ist jeder Weg dahin wert­voll.

Karen Duve Anständig essen BuchtitelWer vega­ne Ernäh­rung aus­pro­bie­ren möch­te, fin­det sehr wert­vol­le Gedan­ken in dem lesens­wer­ten Buch von Karin Duve: Anstän­dig essen.

 

 

 

 

 

Brainfood

Brainfood Die­ser klei­ne Arti­kel in der ZEIT vom 2. Janu­ar 2014 hat mich zu die­sem Arti­kel inspi­riert.

Wenn man Ernäh­rung als Neben­sa­che und Nah­rungs­mit­tel-Qua­li­tät als gspin­ner­tes Dog­ma von Gesund­heits­apos­teln und Ernäh­rungs­be­ra­tern betrach­tet, wird man sich nicht mit dem Gedan­ken anfreun­den wol­len, dass die Nah­rung nicht nur den Kör­per son­dern auch in hohem Mas­se die geis­ti­ge Kapa­zi­tät beein­flusst. Dar­über wird sel­ten gere­det und geschrie­ben, es geht immer nur um Vit­ami­ne, Nähr­stof­fe, Tex­tu­ren, Geschmack, Kalo­ri­en­zäh­len und ande­re, schein­bar veri­fi­zier­ba­re „Fak­ten“.

Doch was die Wis­sen­schaft­ler in die­sem o.g. Expe­ri­ment her­aus­ge­fun­den haben deckt sich mit dem, was die ayur­ve­di­schen Wei­sen sehr aus­führ­lich vor lan­ger Zeit in ihre Palm­blät­ter ritz­ten. Essen beein­flusst auch unse­ren Geist und unser see­li­sches Wohl­be­fin­den. Das geht soweit, dass man das Tem­pe­ra­ment eines Men­schen anhand der Natur des Essens, das er haupt­säch­lich zu sich nimmt, erken­nen kann.

Die alten Tex­te ent­stan­den übri­gens nicht nach Ver­su­chen an Rat­ten und ande­ren Tie­ren oder auf­grund von Labor­er­geb­nis­sen. Man hat ein­fach über eine lan­ge Zeit die Men­schen mit ihren Beschwer­den beob­ach­tet und Gesetz­mä­ßig­kei­ten her­aus­ge­fun­den zwi­schen Lebens­wei­se und Essen auf der einen Sei­te und kör­per­li­cher und geis­ti­ger Gesund­heit auf der ande­ren. Man kann also nicht sagen, dass es vor tau­sen­den von Jah­ren nur „gutes” Essen gab 😉

 

Nahrung, die den Geist harmonisiert

Lebens­mit­tel in hoher Qua­li­tät, natur­be­las­sen und mög­lichst wenig ver­ar­bei­tet, dazu noch frisch, reif und wohl­schme­ckend, haben das größ­te Poten­ti­al, dem Esser Klar­heit, Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit, Har­mo­nie und Lebens­freu­de zu ermög­li­chen. Ist die Mahl­zeit auch noch frisch gekocht, eher ein­fach als kom­pli­ziert und hat der Koch/die Köchin Freu­de in der Küche, wirkt das Essen ener­ge­ti­sie­rend,  aus­glei­chend und ver­jün­gend.
Man nennt die­se Eigen­schaf­ten und das Resul­tat satt­visch.

Bei­spie­le für satt­vi­sches Essen:

  • frisch geern­te­tes, gekoch­tes Gemü­se, beson­ders ide­al ist Fen­chel, rote Bete, jun­ger Ret­tich in der jewei­li­gen Sai­son (Aus­nah­me: Nacht­schat­ten­ge­wäch­se, Pil­ze, Zwie­beln, Knob­lauch)
  • Fri­sches, rei­fes, süßes Obst, vor allem Dat­teln, Gra­nat­äp­fel, Fei­gen, Pfir­si­che, Pflau­men, Mira­bel­len, Bir­nen
  • Rosi­nen, getrock­ne­te Dat­teln und Fei­gen
  • gekoch­ter Reis und Getrei­de wie Hafer, Din­kel, Kamut, Qui­noa, Gers­te
  • Roh­milch, Ghee, Honig, (gel­ten in der rich­ti­gen Qua­li­tät und Quan­ti­tät als Nek­tar),
  • Mung­boh­nen
  • Shar­k­a­ra-Zucker, Reis­si­rup und ­Honig
  • Man­deln, Sesam, Kür­bis­ker­ne, ande­re Nüs­se und Samen in klei­nen Men­gen (Stu­den­ten­fut­ter)
  • Kräu­ter und Gewür­ze wie Fen­chel, Anis, Kreuz­küm­mel, Kur­ku­ma, Süß­holz, Safran, Peter­si­lie, Basi­li­kum, Ing­wer, Kori­an­der, Kar­da­mon
  • Was­ser, Kräu­ter­tees, Gewürz­tees
  • gene­rell saf­ti­ge + süße Zuta­ten (jui­cy)
  • frei von Che­mi­ka­li­en und Zusatz­stof­fen
  • wohl­schme­ckend ohne Über­maß an Würze, Zucker und Salz
  • maß­vol­le Men­ge

Die­se Lebens­mit­tel fin­det man auf dem Wochen­markt, im Hof­la­den, beim Erzeu­ger, in guten Bio­lä­den und vor allem in Restau­rants, die sich die­ser Qua­li­tät ver­schrei­ben. Lieb­los her­ge­stell­tes Mas­sen­ge­mü­se gehört nicht in die­se Grup­pe. Jedes Stück die iden­ti­sche Far­be, Grö­ße etc., her­an­ge­karrt aus der gan­zen Welt… 😉 . Deme­ter­ge­mü­se hin­ge­gen ist ein per­fek­tes Bei­spiel für satt­vi­sche Sub­stan­zen.

 

Nahrung, die den Geist an- und/oder aufregt

För­der­lich für Dyna­mik, Akti­vi­tät, Ziel­ori­en­tie­rung und Moti­va­ti­on sind Lebens­mit­tel, die anre­gen und akti­vie­ren. Die­se Ener­gie hilft uns, die all­fäl­li­gen Rou­ti­nen des Lebens zu bewäl­ti­gen: zur Arbeit gehen, kochen und essen, sport­li­che Akti­vi­tä­ten, Kin­der erzie­hen, Steu­er­erklä­run­gen aus­fül­len usw.. Und den Lei­den­schaf­ten zu fol­gen, die uns im Leben Freu­de geben, für die wir „bren­nen“.

Bei­spie­le:

  • feu­ri­ge Lebens­mit­tel und Gewür­ze, die schär­fen, säu­ern und sal­zen
  • sau­res Obst, vor allem Kiwis, Ana­nas, Rha­bar­ber, Bee­ren, Bana­nen
  • Nacht­schat­ten­ge­wäch­se (Toma­ten, Kar­tof­feln, Papri­ka und Auber­gi­nen)
  • Pepe­ro­ni, Chil­li­scho­ten, Zwie­beln und Knob­lauch, Schnitt­lauch, Lauch, Früh­lings­zwie­beln in klei­nen Men­gen
  • Gro­ße Boh­nen und Hül­sen­früch­te
  • Fleisch, Fisch, ­Mee­res­früch­te, Eier in klei­nen Men­gen
  • Zucker, Sirups
  • raf­fi­nier­tes Tafel­salz, Geschmacks­ver­stär­ker (Glut­amat, Hefe)
  • schar­fe und über­mä­ßig vie­le Gewür­ze (indi­sche und thai­län­di­sche Küche), z.B. Chi­li, Meer­ret­tich, Senf­sa­men, Pfef­fer
  • fer­men­tier­te Milch­pro­duk­te wie Joghurt und Käse
  • Essig
  • Kaf­fee, Schwarz­tee
  • Alko­hol, Niko­tin und ande­re Genuss­mit­tel in klei­nen Men­gen, Ener­gy­drinks
  • gebra­te­nes und frit­tier­tes, sowie schwe­res, öli­ges Essen
  • unrei­fe und über­rei­fe Lebens­mit­tel
  • (sehr oft) Restau­rant­essen

Man nennt die­se Lebens­mit­tel und die ver­bun­de­nen Eigen­schaf­ten raja­sisch. Wer eher lang­sam und trä­ge ist, wird durch die­se Nah­rung akti­viert, was zu mehr Antriebs­kraft und Ent­schlos­sen­heit führt.

Wer aus­schliess­lich sol­che Lebens­mit­tel kon­su­miert, wird leicht irri­tiert, ist latent aggres­siv und neigt zu Über­säue­rung und ande­ren Ver­dau­ungs­pro­ble­men. Die Über­sti­mu­la­ti­on auf kör­per­li­cher und geis­ti­ger Ebe­ne führt zu Neben­re­sul­ta­ten wie Unge­duld, Rast­lo­sig­keit, Gier, Neid, Geiz und Sucht­ver­hal­ten. Der Fokus rich­tet sich ver­stärkt auf mate­ri­el­le Wer­te, Macht­stre­ben, Ego­ma­nie, Kon­kur­renz­den­ken und Recht­ha­be­rei bis hin zum Fana­tis­mus. Sehr aggres­si­ve und zor­ni­ge Men­schen sind immer raja­sisch. Die Medi­en, Poli­tik und Spit­zen­sport sind voll davon. Einen Yogi oder Vege­ta­ri­er kann man sich in die­sem Umfeld schwer vor­stel­len. Es gibt Aus­nah­men 🙂 .

 

Nahrung, die den Geist unterernährt

Eine drit­te Grup­pe von Lebens­mit­teln machen den Men­schen trä­ge, dumpf, lethar­gisch, müde und schwer. Man nennt sie und die damit ver­bun­de­nen geis­ti­gen Attri­bu­te tama­sisch.

Bei­spie­le für tama­si­sche Nah­rungs­mit­tel:

  • raja­si­sches Essen im Über­maß
  • über­la­ger­tes oder unrei­fes Obst und Gemü­se
  • Pil­ze (Aus­nah­me: Shi­ta­ke)
  • Zwie­beln und Knob­lauch in gro­ßen Men­gen
  • ran­zi­ge Nüsse, Erdnüsse
  • gen­ma­ni­pu­lier­te und syn­the­ti­sche Nah­rungs­mit­tel
  • über­koch­tes, abge­stan­de­nes, ange­brann­tes, ver­un­rei­nig­tes und schlecht schme­cken­des Essen
  • mehr­fach auf­ge­wärm­tes Essen
  • Fast­food, Dosen­es­sen, Mikro­wel­len­ge­rich­te, Tief­kühl­kost, Fer­tig­ge­rich­te, Instant­pro­duk­te
  • stark indus­tri­ell ver­ar­bei­te­te Lebens­mit­tel
  • alter har­ter Käse, H-Milch
  • Erd­nuss­pro­duk­te
  • wei­ßer Haus­halts­zu­cker, Weiß­mehl­pro­duk­te, zuck­ri­ge Lebens­mit­tel
  • Fleisch, Fisch, Mee­res­früch­te Eier und Milch­pro­duk­te aus Mas­sen­tier­hal­tung und in gro­ßer Men­ge
  • Alko­hol (beson­ders Soiri­tuo­sen), Niko­tin und ande­re Genuss­mit­tel in gro­ßer Men­ge
  • Ener­gy­drinks in gro­ßen Men­gen, Soft­drinks
  • (sehr oft) Restau­rant­essen, spe­zi­ell aus der Sys­tem­gas­tro­no­mie

Fol­ge einer sol­chen Nah­rung sind Stim­mungs­schwan­kun­gen, Schläf­rig­keit, Unsi­cher­heit, Igno­ranz, Unwis­sen­heit, Depres­si­on, Lethar­gie, Sta­gna­ti­on, frü­he Alte­rung, Ver­wir­rung und star­ke Ängs­te. Die Gier nach Sucht­mit­teln kann zu Selbst­zer­stö­rung und Gewalt­tä­tig­keit füh­ren. Men­schen, die sich haupt­säch­lich aus die­ser Grup­pe ernäh­ren, wer­den über kurz oder lang immer krank. Die­se Lebens­mit­tel sind tot und ermög­li­chen kein „näh­ren“, vor allem nicht des Gehirns. Es ist das Expe­ri­ment mit den Rat­ten (s.o.).

Ernährungsregeln Michael PollanMicha­el Pol­lan nennt die­se Lebens­mit­tel „ess­ba­re Sub­stan­zen“ im Gegen­satz zu „Lebens“mitteln, die den satt­vi­schen Aspekt tra­gen. Man fin­det die­se „Sub­stan­zen“ im Super­markt dort, wo kei­ne Küh­lung benö­tigt wird. Lebens­mit­tel, denen alles nahr­haf­te ent­zo­gen wur­de, hält sehr lan­ge und freut den Händ­ler und die Indus­trie.

Es kön­nen übri­gens auch satt­vi­sche Lebens­mit­tel tama­sisch wir­ken, wenn sie nicht ver­daut wer­den kön­nen (Roh­kost, Sala­te) oder von einem unin­ter­es­sier­ten Koch lieb­los zube­rei­tet wer­den.

 

Das Triguna-Konzept

Die ayur­ve­di­schen Tex­te beschrei­ben wie kei­ne ande­re Wis­sen­schaft die geis­ti­ge Wir­kung von Nah­rungs­mit­teln anhand der 3 beschrie­be­nen Eigen­schaf­ten Satt­va, Rajas und Tamas. Wir wer­den immer Nah­rung zu uns neh­men, die Bestand­tei­le aus allen 3 Grup­pen beinhal­ten. Wel­che Aspek­te wir im Leben beto­nen möch­ten, lässt uns ent­schei­den, aus wel­cher Grup­pe wir uns haupt­säch­lich ernäh­ren. Die satt­vi­schen Lebens­mit­teln kann man nie über­do­sie­ren, doch sie ste­hen nicht immer und über­all zur Ver­fü­gung. Außer­dem will nicht jeder leben wie ein schmun­zeln­der Bud­dha. Des­halb ist der akti­vie­ren­de Lebens­mit­tel­an­teil der­je­ni­ge, den die meis­ten Men­schen am ehes­ten bevor­zu­gen. Unse­re west­li­che Welt ist nun mal raja­sisch.

Lebens­mit­tel aus der tama­si­schen Grup­pe neh­men heu­te den meis­ten Platz in Super­markt und Restaurant/Kantine ein. Die­se Ent­wick­lung ist kei­ne 100 Jah­re alt und ver­mut­lich ist sie der Grund dafür, dass sich neue Krank­heits­bil­der mani­fes­tie­ren, bei denen die Medi­zin noch rat­los ist. Die­se Lebens­mit­tel zu redu­zie­ren und mit satt­vi­schen zu erset­zen ist die wei­ses­te Ent­schei­dung, die man tref­fen kann.

Es ist ähn­lich dem yogi­schen Leben. Jeder, der Yoga mit eini­ger Ernst­haf­tig­keit oder Hin­ga­be betreibt, wird irgend­wann vor sei­nem Tel­ler sit­zen und kein Schwei­ne­schnit­zel mehr essen mögen. Oder jemand, der sich vor­wie­gend vege­ta­risch ernährt, ver­bin­det sich viel­leicht irgend­wann mit den medi­ta­ti­ven und phi­lo­so­phi­schen Kon­zep­ten von Yoga oder Tai Chi. Das Tor ist nach bei­den Sei­ten offen.

Für mich per­sön­lich ist die Ori­en­tie­rung mei­ner Lebens­mit­tel­wahl an die­sen 3 Grup­pen wesent­lich sinn­vol­ler als an den meis­tens ver­wen­de­ten Kon­sti­tu­ti­ons-Ernäh­rungs­richt­li­ni­en für Vata, Pit­ta, Kapha, die man in west­li­chen ayur­ve­di­schen Koch­bü­chern fin­det. Ich hal­te eine fun­dier­te „Dia­gno­se“ und Kon­sti­tu­ti­ons­er­fas­sung durch Check­lis­ten oder in einem kur­zen Ana­mne­se­ge­spräch für wenig aus­sa­ge­kräf­tig im Best­fall und kom­plett fehl­lei­tend im worst case. Außer sie wird von einem/einer erfah­re­nen Ayurvedaarzt/ärztin (egal ob indisch oder west­lich) mit seinem/ihrem Erfah­rungs­schatz unter­mau­ert. Das hören mei­ne Ayur­ve­da­kol­le­gIn­nen nicht ger­ne, doch ich erle­be, war­um sich seriö­se indi­sche Ärz­te für die­se Ana­ly­se tage- bis wochen­lang Zeit neh­men.

Soge­nann­te dosha­ge­rech­te Ernäh­rung funk­tio­niert sehr gut bei Beschwer­den und Krank­hei­ten und macht in die­sen Fäl­len abso­lut Sinn. Ansons­ten klappt das auch noch für den Sin­gle­haus­halt, aber nicht mehr dar­über hin­aus, da in einer Fami­lie meist meh­re­re Kon­sti­tu­ti­ons­ty­pen vor­han­den sind.

Hier ist das Tri­gu­na-Kon­zept von Satt­va, Rajas und Tamas viel leich­ter umsetz­bar und in der Pra­xis sehr unkom­pli­ziert, da z.B. satt­vi­sche Ernäh­rung für jeden passt.

Noch­mal die ZEIT vom 2.1.2014 zum The­ma Rajas und Tamas:

softdrink_ZEIT

Arti­kel über­ar­bei­tet im Sep­tem­ber 2018

Bild­quel­le Wal­nuss: stock.tookapic.com

Der kleine Küchenfuhrpark

Zum Ende der 52-Wochen-Serie wirds nun noch etwas tech­nisch.

Gute Küchen­tools erhö­hen in hohem Maße die Arbeits­freu­de, mal ganz zu schwei­gen von der Zeit­er­spar­nis.  Alles von Hand zu bear­bei­ten ist für die meis­ten zu auf­wän­dig, auch wenn vie­le Gesund­heits­kö­che dar­auf schwö­ren. Wegen der Ener­gie. Das Argu­ment ist kor­rekt, aber mei­ne Prio­ri­tät liegt eher bei der All­tags­taug­lich­keit. Für das antän­di­ge Küchen-Hand­werk braucht man übri­gens weder Desi­gner-Küchen­ge­rä­te noch die Welt­neu­hei­ten von Pro-Idee. Gute Funk­ti­on ver­packt in schö­nes Design ist mir das liebs­te, Ken­wood kriegt das z.B. ganz gut hin.

Heu­te also mei­ne Idee einer klei­nen, hilf­rei­chen Küchen­aus­stat­tung, die in jede Gesund­heits­kü­che gehört und kei­nen über­mä­ßi­gen Platz benö­tigt:

  • Stab­mi­xer zum Pürie­ren
  • Stand­mi­xer mit Glas­auf­satz (Smoot­hies, Pas­ten, Des­serts)
  • Mul­ti­zer­klei­ne­rer (elek­trisch oder manu­ell von Rös­le, Fiss­ler, Lurch)
  • Gewürz­müh­le, oft im Set mit Stand­mi­xern erhält­lich, (altern. Kaf­fee­müh­le)
  • Hoch­wer­ti­ge und schar­fe Mes­ser machen sehr viel Spaß beim Vor­be­rei­ten sind wich­ti­ger als jede Küchen­ma­schi­ne. Im Fach­han­del bera­ten las­sen und aus­pro­bie­ren, Mes­ser müs­sen gut in der Hand lie­gen. Für Gemü­se wer­den ger­ne San­to­ku-Mes­ser emp­foh­len, die kos­ten schon mal um die 100 Euro, man wird es nicht bereu­en
  • Schnei­de­bret­ter in versch. Grö­ßen und Mate­ria­li­en (Holz, Kunst­off, Recy­cling­ma­te­ri­al)
  • hoch­wer­ti­ge Spar-Schä­ler in versch. For­men (für Knol­len, Stan­gen, Toma­ten etc.)
  • Küchen­sche­re und Kräu­ter­sche­re
  • Koch­töp­fe in 3–4 versch. Grö­ßen mit hoch­wer­ti­ger Kera­mik­be­schich­tung oder Edel­stahl
  • Pfan­nen in 2–3 Grö­ßen mit hoch­wer­ti­ger Kera­mik­be­schich­tung
  • But­ter­pfänn­chen
  • Mit­tel­gro­ßer Wok
  • 1 gro­ßer, hoher Edel­stahl-Topf für Pas­ta, Gemü­se und Kar­tof­feln
  • beschich­te­te Werk­zeu­ge (Koch­löf­fel, Spach­tel, Schnee­be­sen etc.) für beschich­te­te Koch­töp­fe
  • Micro­pla­ne Rei­be für Ing­wer, Mus­kat, Par­me­san etc.
  • Micro­pla­ne Stand­rei­be für Gemü­se, Äpfel etc.
  • Was­ser­ko­cher mit Tem­pe­ra­tur­vor­wahl
  • mit­tel­gro­ßer, schwe­rer Stein-Mör­ser
  • Schüs­seln in allen Grö­ßen und For­men
  • Mar­me­la­dent­rich­ter (zum Umfül­len ide­al)
  • eng­ma­schi­ge Sie­be in allen Grö­ßen
  • Ther­mos­kan­ne
  • Vor­rats­glä­ser
  • Vor­rats­be­häl­ter aus Glas, Kera­mik oder BPA-frei­em Kunst­off (Emsa, Rot­ho)

 

Für Köchin­nen und Köche, die regel­mä­ßig grö­ße­re Por­tio­nen (> 4) kochen, macht zusätz­lich eine Küchen­ma­schi­ne abso­lut Sinn. Und wer ger­ne und oft auch grü­ne Smoot­hies mag, braucht einen Powerstand­mi­xer (mehr Infos dazu).

Was nicht in die Küche soll: Mikro­wel­le, Alu­mi­ni­um-Koch­ge­schirr, stump­fe Mes­ser, bil­li­ge Plas­tik­be­häl­ter.

 

Für mich sind übri­gens Haus­halts­lä­den wie ein Ber­mu­da­drei­eck, ich könn­te stun­den­lang stö­bern… 🙂

 

Pho­to: © Tho­mas Beth­ge — Fotolia.com