Leichtes Fasten im Frühling

Die traditionelle Fastenzeit

In unserer Kultur wird die Fastenzeit über den Frühlingsbeginn (21. März), den ersten Vollmond danach, den Ostersonntag (Ende der Fastenzeit) und einem Stichtag 40 Tage vor Ostern (Fastenbeginn) definiert. Diesen Zyklus halten nicht mehr besonders viele Menschen ein, scheinen doch 40 Fastentage eine sehr lange Zeit zu sein in der schnellebigen Welt. Und manchmal erleben wir in den besagten Wochen ein Klima von plötzlichen Wintereinbrüchen incl. Schnee, bei dem uns eher der Sinn nach wärmendem reichhaltigen Essen steht.

Trotzdem ist es eine gute Zeit, bevorzugt in den bereits warmen Frühlingstagen, dem Körper einen guten Teil der Winterlast abzunehmen. Denn die Saat der Gesundheit für das restliche Jahr legen wir im Frühling. Wenn spätestens im März/April die Natur den Winter abstreift, sehnen wir uns nach Leichtigkeit und denken über Abnehmen, Reinigen, Entgiften und Fasten nach. In dieser Jahreszeit öffnen sich alle Kanäle, was das Freisetzen und Ausleiten von Giftstoffen in Gang bringt. Egal, ob man einen Tag oder eine Woche fastet, man gibt dem Verdauungsfeuer auf alle Fälle eine heilsame Verschnaufpause zum Reset. Bei mehreren Tagen (>3) wird die Entgiftung angeregt, der Geschmackssinn verbessert sich und man spürt als Nebeneffekt eine mentale Klarheit und inneres Gleichgweicht. Es kann auch passierern, dass sich kleine und größere Ausrichtungen im Leben, in den Beziehungen, der Ernährung, dem eigenen Biorhythmus oder der Arbeit neu justieren.

Da sich längere Fastenkuren oft schwer in die Arbeits- und Familienroutine integrieren lassen, stelle ich hier Alternativen vor im Sinne von: besser ein kleineres Detox als den ganzen Winterballast weitertragen. Bei diesen Möglichkeiten muss man keine „Auszeit“ nehmen, wenn man nicht will oder nicht anders kann. Okay, auf intensive Freizeitaktivitäten verzichtet man besser, vor allem auf solche, die Hunger produzieren. Eher nutzt man die Zeit für Entspannung und inneres (und äußeres) Aufräumen. Dabei muss man nicht unbedingt ganz auf Essen verzichten bzw. nur „Wasser und Brot“ zu sich nehmen. Eine Entschlackungsmöglichkeit ist z.B., bestimmte Lebens- und Genussmittel weg zu lassen, man verzichtet also mehrere Tage oder eine Woche auf Zucker, Desserts, Schokolade, Milchprodukte und Käse, Fleisch, Kaffee und Alkohol. Oder man kocht sich sehr simple und sehr leichte Mahlzeiten. Hier zwei Möglichkeiten:

 

– Fasten mit Obst und Gemüse

Ein Reinigungstag ist eine einfache Form des Fastens. Manche wählen bestimmte Tage wie z.B. Vollmond, Neumond oder Sonntag. Wichtiger als der Tag ist die Regelmäßigkeit des Fastens.
Folgender Tagesablauf hat sich bewährt: die erste Mahlzeit nimmt man zu sich, wenn Hunger oder Müdigkeit spürbar werden (meist so zwischen 13 und 15 Uhr), am besten eine Schale Obst – entweder pur, gedünstet oder als Kompott – optional mit etwas Mandeln oder Samen. Alternativ (oder als spätere zweite Mahlzeit) bereitet man sich einen Teller gedämpftes Gemüse mit etwas Ghee, Gewürzen, Kräutern und Samen, bzw. eine Gemüsesuppe zu. Je später der Hunger auftritt, desto eher reicht eine Mahlzeit aus. Getreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und Zucker werden an diesem Tag weggelassen.
Dieses Fasten kann man um 1-2 Tage ganz nach Belieben verlängern und mit Früchte- oder Gemüsesmoothies erweitern.

gemüse gedünstet    

 

– Fasten mit Reis- und/oder Gemüsesuppen

Für viele hat sich ein Reinigungsprotokoll mit Suppenfasten über 1-3 Tage bewährt. Auch während oder nach einer Erkältung können sie uns schonend wieder Kraft zurückgeben. Man nimmt 2-3 Suppen am Tag zu sich und kombiniert sie je nach Belieben und Hungergefühl, beginnend mit einer Reissuppe. Die letzte Suppe isst man vor 18 Uhr. Zwischen den Suppen sollten mind. 3-4 Stunden Zeit sein; es gibt keine Zwischenmahlzeiten. Wichtig: An Suppentagen trinkt man über den Tag verteilt ausreichend heißes Wasser und 1-2 Gläser Kräuter- oder Gewürztee. Am Ende der Fastentage kann man ein Kitchari zubereiten oder ein einfaches gedämptes Gemüsegericht wie beim Gemüsefasten (s,o.).

Reissuppe

Diese sehr unkomplizierte Suppe heißt in Indien Kanji, in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) Congee. In Sri Lanka gibt es jeden Tag Kola Kanda, eine Kräuter-Reissuppe. Die Basis-Reissuppe ist identisch, man lässt nur den Kräutersaft weg.

3 Reissuppen

 
Mungbohnensuppe

Sie liefert mit ihrem hohen Proteingehalt zusätzliche Energie und sättigt länger. Hülsenfrüchte wirken austrocknend und unterstützen das Abnehmen. Diese Suppe nicht am Abend verwenden. Als Variante lässt sich die Mungbohnensuppe mit einer dickeren Reissuppe (Konsistenz wie Porridge) kombinieren für eine vollwertige Mahlzeit. Hier findest du das Rezept.

mungbohnen suppe

 

Für eine ganze Fastenwoche lassen sich diese 2 Protokolle übrigens kombinieren.

 
Gewürztees

Sie dienen als zusätzliche Fastenbegleiter, können aber das ganze Jahr über eingesetzt werden.

Ingwer-Zitronen-Tee wärmt und facht an kühlen Frühlingsmorgen das Verdauungsfeuer an. Dazu gibt man einige Scheiben Ingwer und etwas Zitronensaft in eine Thermoskanne, füllt sie mit kochend heißem Wasser und läßt alles  mindestens 15 Minuten ziehen. Nach Belieben vor dem Trinken mit Honig mischen.
Nelken-Tee wirkt bitter, herb und scharf, ist somit perfekt im Frühling zum Entgiften. 8-10 Nelken werden mit 500 ml Wasser aufgekocht. Danach den Herd abschalten und zugedeckt ca. 10 Min ziehen lassen.

Andere Gewürze und Kombinationen wie Fenchel (ca. 1 TL / 500 ml Wasser) oder Ingwer-Koriander (ca. 1,5 TL /500 ml Wasser) oder Fenchel-Kreuzkümmel-Koriander (je 1/2 TL auf 500 ml Wasser) funktionieren ebenfalls bestens.

 

gewuerze-ingwer-tee

Es riecht nach Frühling

Frühling. Man sieht und vor allem riecht es. Wiesen und Bäume werden bunt und am Waldrand kommt einem der würzige Bärlauchduft schon von weitem entgegen. Alles fühlt sich nach restart an. Manches nach Neustart.

 

Frühling essen!

Der Speiseplan ändert sich umfangreich. Schweres Wurzelgemüse, Kürbis und Kohl fühlen sich nicht mehr richtig an. Dafür endlich Spargel, Radieschen, Mairübchen, Kohlrabi, frischer Spinat, Bärlauch, Löwenzahn und frische Kräuter! Frühling ist Kaphazeit, alles wächst, neues Potenzial entwickelt sich, Wärme und Feuchtigkeit sind dominant. In unserem Körper hat sich das Kapha (ein Mix aus Erde und Wasser) über den Winter aufgebaut (manche nennen es Winterspeck) und diese Schwere würden wir nur allzu gerne wieder loswerden. Der Schutzmantel des Winters wird nicht mehr benötigt, im Gegenteil, er bedroht nun unsere Gesundheit. Alles strebt nach Entlastung, Ausleitung, Erneuerung, Reinigung.

Die Wärme der Frühlingstage lässt das Kapha im Körper „schmelzen“ wie Schnee in der Sonne und zirkuliert in Blut und Lymphe wie ein überlaufender Fluss, was sich in Frühjahrs-Erkältungen, Heuschnupfen, Frühjahrsmüdigkeit, Übergewicht, einem weißen Belag auf der Zunge, schleimigem Stuhl u.ä. zeigt. Man muss nun nicht wissen, welcher ayurvedische Konstitutionstyp man ist, um sich im Frühjahr optimal zu ernähren. Die Prinzipien passen für (fast) jeden, es geht um „leichter werden, leichter essen, leichter denken, usw…“. Die Nahrungsmittel, die gerade um uns herum geerntet werden, sind genau richtig für uns und für diese Zeit. Man darf sich also eine Weile von Wurzelgemüse und Kürbis verabschieden, auch wenn diese Dinge seltsamerweise im Bioladen erhältlich sind. Z.B. Hokaido eingeflogen aus Südamerika. Falscher Kontinent, falsche Jahreszeit. Der Körper benötigt reinigende, entschlackende Gemüse und nicht nährende und aufbauende, die können warten bis zum Herbst. Noch ein bisschen warten können auch Tomaten (derzeit rote Wasserbälle ohne Geschmack) oder Bohnen und Erbsen aus Kenia. Demnächst kommt das eh aus der Heimat. Das ganze gilt auch für Äpfel, Birnen und Pflaumen, die derzeit den Globus umrunden, nur weil es in Südamerika und Neuseeland gerade Herbst ist… Die Obstzeit kommt früh genug, spätestens wenn die Erdbeeren süß und reif zum Selberpfücken bereit sind. Und sie dauert bis in den Winter, wenn Mandarinen und Granatäpfel die Vorweihnachstzeit fruchtig versüssen. Mehr braucht der Körper nicht.

 

Frühling trinken!

Es ist die beste Zeit im Jahr für grüne, saftige Smoothies mit Löwenzahn und Blutampfer aus dem Garten, Stangensellerie, Apfel oder Banane, Rucola und/oder Minze, was eben gerade so im Angebot ist. Jedes mal schmeckt es anders. Ich werde sicher nicht zum Rohköstler, aber diese Smoothies machen je nach Kontext Sinn. Z.B. an warmen Frühlingstagen und im Sommer, um den Körper zu kühlen und gGrüner Smoothieleichzeitig Toxine auszuschleusen. Oder für Menschen, die viel Feuer in sich haben, also eher mal am überhitzen sind. Saftbars mit frischen grünen Smoothies gibts inzwischen reichlich, um verschiedene Kombinationen ausprobieren. Nicht die fertigen aus dem Supermarkt, die ja schon ein paar Tage alt sind… ;-). Und die mit Milchprodukten vermeidet man ebenso, es passt nicht wirklich zusammen, frisches Grün und Milch.

 

 

Einkaufsliste fürs Frühlingsessen

Das Essen auf unserem Teller kommt derzeit weiß und grün daher. Farbe bringen Karotten und Radieschen, während Pastinaken und Tomaten nicht mehr bzw. noch nicht Saison haben, man kann sie also getrost weglassen. Überhaupt wäre es spannend, mal all die bekannten Standardgemüse, die es 365 Tage im Jahr gibt (woher die wohl kommen?), liegenzulassen…

Im Frühling sollte man diese Nahrungseigenschaften bevorzugen:

  • Leicht: z.B. Brühen, Blattgemüse, Spinat, Spargel, Rhabarber, Reis, Quinoa
  • Trocken: z.B. Roggen, Hirse, Gerste, Hülsenfrüchte
  • Warm: z.B. gedämpftes und gekochtes Gemüse, Gewürze, Suppen, Kitchari (eine ideale Fastenspeise, zum Rezept)

 

Die idealen Geschmacksrichtungen sind:

  • Bitter: z.B. Blattgemüse, Brokoli, Küchenkräuter und Wildkräuter (Löwenzahn, Brennesseln, Giersch, Sauerampfer usw.), Kurkuma, Spirulina, Mairübchen, Zitronen- und Orangenschalen
  • Astringierend: z.B. Buchweizen, Roggen, Gerste, Stangensellerie, Kurkuma, Cranberry, Rosinen, Honig, Spinat
  • Scharf: z.B. Senfsamen, frischer Ingwer, Pfeffer, Rettich, Radieschen, Knoblauch, Zwiebeln, Bärlauch   Alle diese Nahrungsmittel helfen, überschüssigen Schleim und Giftstoffe aus dem Körper auszuleiten, für Erleichterung zu sorgen und die Verdauungskraft zu verbessern.

 

Nahrungsmittel, die reduziert werden sollten:

  • Schwer: z.B. Wurzelgemüse (Pastinaken, Petersielienwurzeln, etc.), Nüsse und Samen (Ausnahme: Mandeln, Sesamsamen und Kürbiskerne), Eier, Milchprodukte wie Joghurt und Käse, Fleisch und Wurst, Vollkornbrot, Kuchen und Weismehlprodukte
  • Ölig: Fette und Öle (außer Omega3-Öle wie Leinöl), ölige Nüsse, Frittiertes, ölige Speisen
  • Kühl: kaltes Essen, Rohkost, Eisgekühltes

 

Geschmacksrichtungen, die reduziert werden sollten:

  • Süß: ist gleichzeitig schwer, z.B. sehr süße Gemüse (Wurzelgemüse, Süßkartoffeln), Zucker in konzentrierter Form, Süßspeisen
  • Sauer: z.B. Yoghurt, Essig, Tomaten,
  • Salzig: z.B. Käse, Wurst, Fertiggerichte, Sojasauce im Übermaß

    frühlingsgemüse

 

 

Frühlings-Gewürze-Mix

2 EL gemahlener Zimt 2 EL gemahlener Ingwer 1 EL gemahlener Kardamon (idelaerweise frisch gemahlen) 1/2 TL schwarzer Pfeffer Gut für kühle Morgenstunden. Dieser Gewürzmix ist ideal für süße Gerichte und Chai. Es wärmt und unterstützt die Verdauung. Passt sehr gut zu Frühstücksbrei, Porridge, in heiße Milch, Tee, Kaffee, etc. Man kann es großzügig verwenden.

 

Zusätzliche Unterstützung für die Entlastung und einen reibungslosen Übergang bieten:

  • Viel warmes Wasser trinken
  • Tees mit wärmenden Gewürzen (Ingwer, Zimt, Nelken)
  • Weniger Essen
  • Ausreichend schlafen, früh zu Bett gehen, die frühen Sonnenstrahlen nutzen
  • Überstimulation vermeiden: TV, Radio, Internet, Zeitungen, Soziale Aktivitäten reduzieren
  • Ölmassagen, 2-3 mal die Woche (idealerweise täglich) vor dem Duschen
  • Auf Bodylotions verzichten, um die Hautporen frei zu halten für den Abtransport der Gifte
  • Idealerweise chemiefreie Kosmetikprodukte, Putz- und Waschmittel verwenden
  • Ins Freie gehen, Spazieren gehen, Radeln, kurze Sonnenbäder geniessen, usw.
  • Neues ausprobieren: Essen, Pflanzen, Yoga, Meditation, …

 

Nicht wundern, auch die Seele atmet auf und die Gelegenheit ist günstig, ein paar alte Gedankenmodelle über Bord zu werfen. Somit wünsche ich einen erfrischende und äußerst inspirativen Frühling! 🙂

Überarbeitet im April 2018