Stürmisches Herbstessen

Es ist win­dig und bis­wei­len stür­misch in die­sen Wochen, der Herbst folgt mit sei­ner rau­hen Sei­te naht­los auf den schö­nen Som­mer. Sicht­bar und hör­bar ist also das Luft­ele­ment domi­nant. Dies ver­stärkt Leich­tig­keit, Tro­cken­heit und Küh­le, was wie­der­um auto­ma­tisch das Vata-Dosha erhöht, das sich bereits im Spät­som­mer ange­sam­melt hat.
Die Erhö­hung des Vata Doshas führt zu eher insta­bi­ler Ver­dau­ungs­kraft, das Ner­ven­sys­tem, die Feuch­tig­keit im Kör­per, der Schlaf, die Ent­span­nung sind beein­träch­tigt, Ver­span­nun­gen neh­men zu. Dadurch kön­nen Toxi­ne und Ama (Unver­dau­tes) im Kör­per auf vie­len Ebe­nen für Unwohl­sein sor­gen. Die Ver­bin­dung von Vata und Ama führt oft zu Gelenks­be­schwer­den wie Rheu­ma und Arthri­tis.

Mit ent­sp­reIMG_0935chen­der Ernäh­rung und Lebens­wei­se kann man die stür­mi­schen Zei­ten jedoch aus­glei­chen und das Immun­sys­tem für den Win­ter fit machen.

Das schö­ne am Herbs­tessen ist die Far­ben­freu­de, die sich im Außen wie Innen zeigt, z.b. mit rote Rüben, gel­ben Rüben, oran­ge­far­be­nen Kür­bi­sen, lila Karot­ten (pur­ple haze) und vie­lem mehr.

 

 

Diese Nah­rungs­mit­tel sollte man im Herbst bevor­zu­gen (redu­zie­ren Vata — befeuchten):

  • süßes, wür­zi­ges, sau­res und sal­zi­ges Essen
  • leicht ver­dau­li­ches Essen
  • nahr­haf­te Kost
  • mehr befeuch­tende und flüs­sige Nah­rung (z.B. Sup­pen, Ein­töp­fe, Kit­cha­ris)
  • ölige­res Essen (als Aus­gleich zur Tro­cken­heit)
  • fri­sches, regio­na­les Obst, das süß und reif ist, am bes­ten gedüns­tet
  • alle sai­so­na­len Gemü­se (Kür­bis, Wur­zel­ge­mü­se, Knol­len­ge­mü­se), gekocht oder gedämpft sowie geba­cken im Ofen
  • war­me Getrei­de­breis aus Din­kel, Reis, Qui­noa, Hafer
  • wär­men­de Gewür­ze: das sind fast alle (außer Fen­chel, Kori­an­der, Kar­da­mon, Min­ze), beson­ders geeig­net sind Zimt und Ing­wer, Kreuz­küm­mel, Senf­sa­men, Mus­kat, Nel­ken
  • zum trin­ken ide­al: war­mes Was­ser mit Gewür­zen oder Ing­wer, Kräu­ter­tees, Geträn­ke mit natür­li­cher Süße

 

Diese Nah­rungs­mit­tel sollte man redu­zie­ren oder mei­den (erhö­hen Vata — trocknen aus):

  • bit­te­re, her­be, schar­fe Spei­sen
  • Roh­kost, Sala­te
  • kal­te Spei­sen
  • schwe­res und schwer ver­dau­li­ches
  • Nacht­schat­ten­ge­wächse (Kar­tof­feln, Papri­ka, Chi­li, Toma­ten, Auber­gi­nen) in gro­ßen Men­gen
  • Hül­sen­früchte und Kohl in gro­ßen Men­gen
  • rohes Obst
  • Brot mit Hefe (bes­ser ist Sauer­teig­brot), Knä­cke­brot, Reis­waf­feln u.ä.
  • auf­ge­wärm­tes Essen
  • kal­te Geträn­ke

 

Ein ausgleichender Lebensstil im Herbst:

  • Ölzie­hen mit war­mem Sesam­öl am Mor­gen (Öl für eini­ge Minu­ten im Mund hal­ten)
  • Mas­sa­gen mit viel Öl hel­fen gegen Ver­span­nun­gen und Gelenks­pro­ble­me
  • lang­sa­mes Yoga und Atem­übun­gen wie Nadi Sho­da­na wir­ken beru­hi­gend
  • ein regel­mä­ßi­ger Tages­ab­lauf
  • Streß ver­mei­den
  • Rei­sen redu­zie­ren
  • den Kopf an win­di­gen Tagen immer schüt­zen

 

Gegen Erkäl­tun­gen hilft: Ing­wer­was­ser, Kori­an­der-Ing­wer-Tee, Ing­wer im Essen, Ing­wer­was­ser inha­lie­ren (1 Tee­löf­fel auf einen Topf kochen­des Was­ser), Ver­mei­den jeder Art von Milch­pro­duk­ten.

Viel­leicht ver­wöhnt uns der Herbst auch noch mit ein paar son­ni­gen Tagen, in denen wir unse­ren Vit­amin D-Vor­rat für das Immun­sys­tem fül­len kön­nen. Also nichts wie raus in die bun­te Welt, wann immer es geht :-).

Arti­kel update im Okto­ber 2018.

.

Was heute so alles als Gift erklärt wird…

Das letz­te Jahr hat eini­ge ganz erstaun­li­che The­sen zu Lebens­mit­teln her­vor­ge­bracht, die einem das Fürch­ten leh­ren. Ent­we­der die The­sen oder die Lebens­mit­tel, je nach Betrach­tungs­wei­se ;-). Gif­tig und/oder böse sind seit neu­es­tem Kokos­öl wegen der gesät­tig­ten Fett­säu­ren. Käse wegen des hohen Anteils an Fett, Salz, natür­li­chen Hor­mo­nen und der Bak­te­ri­en, die den typi­schen Käse-Geruch (!) ver­ur­sa­chen. Soja wegen der Phy­to­ös­tro­ge­ne. Ganz arg erwischt hat es Hül­sen­früch­te, Voll­korn-Getrei­de, bestimm­te Obst- und Gemü­se­sor­ten und Toma­ten, sofern sie Lek­ti­ne ent­hal­ten, die angeb­lich die Gesund­heit rui­nie­ren.

Bit­ter wird es, wenn die The­sen von Pro­fes­so­ren und Ärz­ten in die Welt gesetzt wer­den, in deren Fach­kom­pe­tenz die Men­schen gro­ßes Ver­trau­en haben. Wenn sich dann kor­rek­te und spe­ku­la­ti­ve Aus­sa­gen abwech­seln, hat der Ver­brau­cher kei­ne Chan­ce mehr, sich zu ori­en­tie­ren. In Win­des­ei­le ver­brei­tet wer­den die The­sen dann von Ver­la­gen, Jour­na­lis­ten und Blog­gern, die die kom­ple­xen Zusam­men­hän­ge der Ernäh­rungs­me­di­zin nicht ken­nen kön­nen, es wäre jedes­mal ein hal­bes Stu­di­um. Ein­fan­gen kann man fake sci­ence Berich­te meist nicht mehr.

Den größ­ten Auf­schrei hat sicher­lich die Uni­ver­si­tät Frei­burg mit dem Video von Frau Prof. Dr. Dr. Michels pro­du­ziert. Kna­cki­ges The­ma: „Von Kokos­öl und ande­ren Ernäh­rungs­irr­tü­mern”. Haupt­aus­sa­ge: „Kokos­öl ist pures Gift” oder „Kokos­öl ist das schlimms­te Lebens­mit­tel, das sie zu sich neh­men kön­nen” oder „Gesät­tig­te Fett­säu­ren (also Kokos­öl) füh­ren zum siche­ren Herz­tod”. So geht es dahin mit den stei­len Vor­la­gen und ich erhal­te ver­un­si­cher­te Anfra­gen, ob das so alles stim­men könn­te. Und natür­lich Kom­men­ta­re, die froh­lo­cken: hab ich es doch immer schon gewußt dass.…

Als auto­di­dak­ti­scher Food­nerd hat man wenig in die Waag­scha­le zu wer­fen gegen eine Pro­fes­so­rin, die nicht nur in Frei­burg son­dern zudem in Har­vard lehrt. Man schämt sich heim­lich für die bei­den Unis, vor allem für die aus dem eige­nen Geburts­ort bis man merkt, dass die­se The­sen eigent­lich aus Har­vard „impor­tiert” wur­den. Also fällt mein Mit­leid für die­se alt­ehr­wür­di­ge Insti­tu­ti­on aus. Die Frei­bur­ger freu­en sich in der Badi­schen Zei­tung über Klick­zah­len wie noch nie. Als ob das ein Beweis für die Qua­li­tät des pro­fes­so­ra­len Rund­um­schla­ges wäre. Es dau­ert immer­hin eini­ge Wochen, bis die Uni­ver­si­tät das Video kom­men­tar­los wie­der vom Netz nimmt. Hat man doch noch­mal recher­chiert?? Who knows.
(Wer Zeit übrig hat, um da noch­mals rein­zu­hö­ren, bit­te­schön hier ent­lang.)

Zur Motiv­fra­ge für den öli­gen Rund­um­schlag fällt mir lei­der auch nichts ein. Ich konn­te kei­ne belast­ba­ren Zah­len fin­den, aber ich schät­ze den Ver­brauch von Kokos­öl hier­zu­lan­de im ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich im Ver­gleich zu den gän­gi­gen Ölen aus Oli­ven, Son­nen­blu­men, Raps, Hasel­nuss etc. Und auch wenn sich das ver­dop­peln soll­te, was ich für unwahr­schein­lich hal­te, tut das noch immer kei­nem weh.
Dass es nicht regio­nal ist, was durch­aus GEGEN Kokos­öl spricht, passt in den Vor­trag des­halb nicht, weil ja auch von Kaf­fee geschwärmt wird. Dage­gen ist grü­ner Matcha­tee wie­der­um ganz schlecht, und war­um? Weil er impor­tiert (!) wer­den muss. Kaf­fee­bäu­me wach­sen näm­lich rund um Frei­burg mit sei­nem suptro­pi­schen Kli­ma. Ach née, das ist ja der (badi­sche) Wein… Auf­grund sol­cher Logik­ket­ten hab ich den Vor­trag irgend­wann nicht mehr ernst genom­men.

Wie viel oder wenig von die­sem Kokos­nuss-Bashing blan­ker Unsinn ist, kann man mit ein paar Klicks her­aus­fin­den. Das hät­te ein Prak­ti­kant der Uni schnell erle­digt gehabt und viel­leicht der offen­sicht­lich nicht koch­af­fi­nen Pro­fes­so­rin neben­bei noch erklä­ren kön­nen, dass vege­ta­ble oil in der Küchen­pra­xis und im Super­markt nicht Gemü­se­öl heißt.

 

As nature intended

Was uns die Natur lie­fert, sind in den sel­tens­ten Fäl­len schlech­te Nah­rungs­mit­tel  (Aus­nah­men sind gif­ti­ge Pflan­zen). Was die Men­schen in alten Tra­di­tio­nen dar­aus fabri­ziert haben, eben­falls nicht. Kon­tex­tu­al mit Regi­on, Kli­ma, und über­haupt im Ein­klang mit der Natur, kom­men da vie­le gute Lebens­mit­tel in die Mün­der. Fri­sches, Fer­men­tier­tes, Ein­ge­mach­tes, Gepick­le­tes, Gepö­kel­tes, Milch­pro­duk­te, etc. pp.

Etwas zur Mit­te des letz­ten Jahr­hun­derts habe wir ange­fan­gen, die Ernäh­rung aus dem Haus­halt out­zu­sour­cen. An Che­mi­ker, die Lebens­mit­tel­in­dus­trie, Robo­ter, was auch immer. Und haben nun Ärger mit der Gesund­heit, weil wir nur noch wenig „ech­te” Lebens­mit­tel zu uns neh­men, die uns „näh­ren”. Und die pra­na-arme Nah­rung auch noch zur fal­schen Zeit in uns rein­st­op­fen. Dar­aus hat sich eine „Gesundheits”-Industrie ent­wi­ckelt, die mit aller­hand Super­foods und Wun­der­mit­teln in Kap­seln unser Mikro­bi­om und was sonst noch so durch­ein­an­der geriet im Orga­nis­mus, zu hei­len. Ein Hype jagt den nächs­ten und die ver­un­si­cher­ten Ver­brau­cher ren­nen oft wie die Lem­min­ge hin­ter­her. Was ich ver­ste­hen kann, weil kaum jemand die Mög­lich­keit hat, sich in die Tie­fe zu infor­mie­ren.

Ich hal­te weni­ge der als Super­food dekla­rier­ten Lebens­mit­tel für wert­vol­ler als fri­sche hei­mi­sche Nah­rung. Als Ergän­zung und gesund­heit­li­che (z.B. Ing­wer, Kur­ku­ma) wie aro­ma­ti­sche Berei­che­rung fin­de ich sie in klei­nen Men­gen äußerst hilf­reich. Den Hype um Kokos­öl hal­te ich für über­zo­gen, ich den­ke, es ist ein glei­cher­ma­ßen wert­vol­les Lebens­mit­tel wie hoch­wer­ti­ges Oli­ven­öl, Lein­öl, Nuss­öle etc.. Ich ver­wen­de es haupt­säch­lich im Som­mer wegen der küh­len­den Eigen­schaft und in die jün­ge­ren Stu­di­en über die Vor­tei­le habe ich durch­aus gro­ßes Ver­trau­en. Gift? Das sind pes­ti­zid-hor­mon-anti­bio­ti­ka-voll­ge­pump­te Gemü­se, Obst, Fleisch- und Milch­pro­duk­te. Aber Kokos­öl?
Es geht mir heu­te aller­dings nicht um die Ver­tei­di­gung eines Öles oder ande­rer Lebens­mit­tel, die der­zeit in Ungna­de gefal­len sind. Eher um das dar­über­lie­gen­de Bild, das sich hier zeigt.

 

Der Kontext ist der Schlüssel

Was mir beim Video über das Kokos­öl sofort auf­fiel ist die kom­plet­te Miß­ach­tung des Kon­tex­tes. Als ein­ge­fleisch­ter Süd­ost­asi­en-Fan sehe ich vor mei­nem geis­ti­gen Auge mehr als 350 Mio Asia­ten, z.B. in Süd­in­di­en, Thai­land, Bali, Phil­li­pi­nen etc., zu deren täg­li­cher Nah­rung Kokos­öl gehört und die eigent­lich alle am „siche­ren Herz­tod” ster­ben müss­ten. Tun sie aber nicht, nicht mal in Bruch­tei­len im Ver­gleich zu den Men­schen im Wes­ten, die so gut wie kein Kokos­öl zu sich neh­men, dafür raf­fi­nier­te, che­misch gerei­nig­te und völ­lig wert­freie Pflan­zen­öle, Haupt­sa­che „unge­sät­tig­te” Fett­säu­ren, egal wie ver­panscht. Somit benö­ti­ge ich kei­ne wiss­chen­schaft­li­chen Stu­di­en am Men­schen, die es laut Prof. Dr. Dr. Michels angeb­lich nicht gibt (doch es gibt sie und ein Klick zu greenmedinfo.com oder pubmed.com hät­te die Wis­sens­lü­cke geschlos­sen).
Im Kon­text mit der asia­ti­schen Ernäh­rung, die sehr viel Gemü­se und Gewür­ze beinhal­tet, scheint Kokos­öl also alles ande­re als Gift zu sein. Gesät­tig­te Fett­säu­ren (incl. Kokos­öl) im Kon­text mit Bewe­gungs­ar­mut, mehr­mals täg­li­chem Ver­zehr von qua­li­ta­tiv min­der­wer­ti­gem Fleisch, Wurst, Käse, Weiß­mehl, über­mäs­sig viel Zucker und Con­ve­ni­ent Food könn­te ver­mut­lich zum Herz­tod füh­ren. Über Kor­re­la­ti­on und Kau­sa­li­tät müss­te die Dame ja Bescheid wis­sen.

Ähn­lich geht es mir bei Sojadebat­ten mit Kol­le­gin­nen, die es nicht ver­ste­hen kön­nen, dass ich Soja­pro­duk­te nicht in Bausch und Bogen in die Ton­ne tre­te, wo doch die Fak­ten­la­ge klar ist, dass die­se ganz schlecht für die Gesund­heit sei­en. Ja rich­tig, ich neh­me Soja nur sel­ten (meist in Form von Tofu) und ach­te auf Ware, die nicht gen­ma­ni­pu­liert ist. Aber ein Lebens­mit­tel, das Men­schen in bestimm­ten Regio­nen der Welt u.a. 100 Jah­re alt wer­den läßt (Oki­na­wa), kann ich nicht als schlech­tes Lebens­mit­tel bezeich­nen. Wie die Japa­ner und Chi­ne­sen in Zukunft das The­ma Gen-Soja in den Griff krie­gen und was es mit den Men­schen machen wird, wer­den wir sehen.

Nächs­tes Bei­spiel: Käse. Es gibt ein Buch des (vega­nen!) Arz­tes Dr. Neal Bar­nard, das vehe­ment vor Käse warnt. Einem Lebens­mit­tel, das unse­re Vor­fah­ren im Alpen­raum als Grund­nah­rungs­mit­tel kul­ti­viert und in einer eher klei­nen Men­ge (man­gels Mas­sen­tier­hal­tung) zu sich genom­men haben. Als Quel­le von Eiweiß, Fett, Vit­ami­nen und Mine­ra­li­en wie Cal­ci­um, Zink, Phos­phor, Vit­amin A, Vit­amin D, B2 (Ribo­fla­vin) und B12, Vit­amin K2 (vor­beu­gend gegen Osteo­po­ro­se), kon­ju­gier­te Lin­ol­säu­re CLA (stärkt gegen Krebs und sta­bi­li­siert den Stoff­wech­sel). Das alles gilt für sorg­fäl­tig her­ge­stell­ten Käse aus Roh­milch bzw. hoch­wer­ti­ger Milch.
Käse aus mas­sen­pro­du­zier­ter Milch von Kühen, die mit Hor­mo­nen, Anti­bio­ti­ka und nicht art­ge­rech­tem Fut­ter voll­ge­packt sind, in Über­men­ge ver­zehrt, sind grenz­wer­tig toxisch und gel­ten zu Recht als sehr bedenk­lich für die Gesund­heit. Auch hier geht es wie­der um den Kon­text und die Fra­ge: Wie hat die Natur es vor­ge­se­hen? Läßt sich leicht beant­wor­ten. Die Kuh steht in der Son­ne auf der Wei­de und frisst Gras. Im Win­ter Heu. Der Milch-Über­schuss nach Füt­te­rung des Kal­bes geht in die Pro­duk­ti­on ande­rer Milch­pro­duk­te. Die Men­ge regelt sich dadurch von allei­ne. Krieg ich das, nehm ich es mit Genuß. Krieg ich es nicht, lass ich es blei­ben, was heu­te meist der Fall ist.
Dr. Bar­nard bean­stan­det auch den hohen Salz­ge­halt in vie­len Käse­sor­ten. Damit hat er recht, doch in den meis­ten Fäl­len ist der Salz- und Natri­um-Spie­gel im Käse gerin­ger als bei Fast­food-Ernäh­rung.

Zu guter Letzt: Die bösen Gemü­se
Dr Ste­ven Gund­ry hat vor allem die vege­ta­ri­sche Gemein­de auf­ge­schreckt mit sei­nem Buch über die bösen Lek­ti­ne in gesun­den Lebens­mit­teln. Vor allem die Hül­sen­früch­te wer­den als Übel­tä­ter bezeich­net. Neben Getrei­den, best. Obst- und Gemü­se­sor­ten und ein paar ande­ren Lieb­lings­le­bens­mit­teln. Dass die über 100jährigen Men­schen in den Blue Zones ein Leben lang täg­lich Hül­sen­früch­te zu sich neh­men und sehr gesund altern: geschenkt. Dass Lek­ti­ne beim Kochen (Kon­text) unschäd­lich wer­den, dar­über müs­sen ande­re auf­klä­ren. Die ita­lie­ni­schen Mamas und ayur­ve­di­schen Wei­sen z.B. kochen ihre Toma­ten. Von Lek­ti­nen haben sie ver­mut­lich nie gehört, aber die Vor­fah­ren haben wohl feste­ge­stellt, dass die Toma­ten gekocht wesent­lich leich­ter ver­daut wer­den bzw. sich vor­teil­haft aus­wir­ken und so ist, ver­mu­te ich mal, die Tra­di­ti­on der Sugo ent­stan­den ;-). Und die isst man haut­säch­lich wäh­rend der Toma­ten­sai­son, also ein paar Mona­te im Jahr plus das Ein­ge­mach­te, das im Win­ter in klei­nen Por­tio­nen ver­braucht wird. Auch dies ein Bei­spiel, dass man Qua­li­tät, Ver­ar­bei­tung, Sai­son, Men­ge und Tra­di­ti­on als Kon­text für die Beur­tei­lung von Lebens­mit­teln ein­be­zie­hen muss.

 

Was kommt als nächtes?

Wir dür­fen gespannt sein, wel­ches Lebens­mit­tel als nächs­tes aus der pipe­line lugt. Lein­sa­men ist weit oben auf der Ska­la. Unser liebs­ter Ome­ga-3-Lie­fe­rant. Angeb­lich wegen der Östro­ge­ne.…
Eine gute Stra­te­gie ist, den Hypes in jeder Rich­tung einen gesun­den Men­schen­ver­stand ent­ge­gen zu set­zen. Und Tra­di­ti­on, Regio­na­li­tät und Kon­text im Auge zu behal­ten. Es zeigt sich zudem, dass man immer wie­der sei­ne eige­nen Recher­chen anstel­len muss, wenn man medi­en­star­ken Ernäh­rungs­my­then begeg­net. Oder man igno­riert sie ein­fach und geniesst. Das Essen, das Leben, die Zeit, die man sich nicht sorgt über sei­ne Ernäh­rung.

Was immer gül­tig blei­ben wird: fri­sche, sai­so­na­le Lebens­mit­tel, frisch gekocht, in der rich­ti­gen Men­ge zur rich­ti­gen Zeit ver­zehrt, för­dern die Gesund­heit und einen kla­ren Ver­stand. Damit wird man immun gegen jeg­li­ches Angst­sze­na­rio in Büchern, auf sozia­len Medi­en und in Vor­trä­gen.

 

Pho­to by Dana Ten­tis from Pexels

Die Stärken (und Schwächen) von Kokoswasser

Wer in Län­der nahe dem Äqua­tor reist, kennt das Bild von Kokos­nuss-Stän­den ent­lang den Stras­sen, die jeder Rei­sen­de irgend­wann auf­sucht, um sich einen küh­len­den, süß­li­chen und sehr lecke­ren Durst­lö­scher zu gön­nen. Ein Segen für die Men­schen in die­sen Län­dern, denen die Natur die­ses Eli­xier fast zum Null­ta­rif lie­fert. Kokos­was­ser wirkt zudem stär­kend und ist voll­be­packt mit Mine­ra­li­en, die man im schweiß­trei­ben­den Kli­ma nach­la­den kann. Und weil immer mehr Tou­ris­ten die­ses Getränk eben­falls lie­ben gelernt haben, wur­de irgend­wann das Kokos­was­ser extra­hiert und in Tetra­packs zu uns ver­schifft.

Nun gibt es einen sinn­vol­len Kon­text, in dem Kokos­was­ser sehr hilf­reich ist. In Asi­en trin­ken es die Men­schen am Vor­mit­tag bis zum frü­hen Nach­mit­tag, wenn die Hit­ze run­ter­brennt, spä­ter am Tag wäre denen das zu küh­lend. Obwohl sie ver­mut­lich nicht wis­sen, dass der Kör­per ab nach­mit­tags eh anfängt, sei­ne Tem­pe­ra­tur nach unten zu regu­lie­ren (was mit der schwä­cher wer­den­den Son­ne und unse­rem natür­li­chen Hor­mon­zy­klus zu tun hat), leben sie das nach Intui­ti­on und Tra­di­ti­on.
Asia­ten trin­ken auch nie mehr als eine Kokos­nuss, weil die küh­len­de Wir­kung so stark ist, dass sie ab der zwei­ten Por­ti­on auf der Stel­le einen Schnup­fen krie­gen wür­den. Außer­dem wirkt das Was­ser außer­or­dent­lich harn­trei­bend, für nicht-männ­li­che Asia­tin­nen (und weib­li­che Tou­ris­tin­nen) ein klei­nes Hin­der­niss ab und an… :-).

Die Kokos­nüs­se wer­den nur sel­ten in Kühl­schrän­ken gela­gert, man trinkt das Was­ser also auf „Raum„temperatur, was eine äußerst gro­ße Band­brei­te zuläßt, je nach­dem ob der Kokos­händ­ler sein Standl in der Son­ne oder unterm Baum geparkt hat. Trotz­dem fühlt sich das Kokos­was­ser immer sehr erfri­schend auf der Zun­ge und im Kör­per an.

Und was machen wir? Wir trin­ken das Was­ser, weil es ja inzwi­schen fächen­de­ckend im Han­del und hip­pen Cafes ange­prie­sen wird, in Men­gen und zu allen Tages­zei­ten, ger­ne auch mal abends nach dem gro­ßen Din­ner, wenn die küh­len­de Eigen­schaft die gan­ze Ver­dau­ungs­ma­schi­ne lahm­legt. Und zu allen Jah­res­zei­ten, also auch im Okto­ber oder im April auf der Cafe­ter­as­se, ein­ge­hüllt in eine Fleece­de­cke. Makes Sen­se? No… :-).
Unser Umgang mit Kokos­was­ser ist eines der Bei­spie­le von Trend­fol­lo­wing, das die Intui­ti­on und das eige­ne Kör­per­ge­fühl über­rum­pelt, weil das jetzt halt alle gut zu fin­den schei­nen. Und wer je ein gutes Kokos­was­ser im Ursprungs­land genies­sen durf­te, kommt mit dem Geschmack des Tetra­pack-Was­sers sowie­so nicht klar, was eher ein Glück ist.

Fazit: Kokos­was­ser im Hoch­som­mer und tags­über ist super. Weni­ger als 250 ml/Tag ist aus­rei­chend (man kann das gut stre­cken mit Säf­ten oder Was­ser). Extra Eis­wür­fel oder chil­ling cool ist nicht nötig, es sei denn der Magen brennt. Und: in Ver­bin­dung mit Mahl­zei­ten ist Kokos­was­ser über­haupt kei­ne gute Idee. Löscht umge­hend das so wich­ti­ge Ver­dau­ungs­feu­er.

 

Pho­to by Max Laku­tin on Uns­plash

Alles Käse?

Im letz­ten Jahr habe ich die Lie­be zu selbst gemach­tem Frisch­kä­se und Paneer ent­deckt und damit expe­ri­men­tiert, nach­dem ich Ide­en und Rezep­te dazu im Koch­buch der New Yor­ker Ayur­ve­da­kö­chin Divya Alter gele­sen habe.
Nun zählt Milch in Ver­bin­dung mit Zitro­nen zu den inkom­pa­ti­blen Kom­bi­na­tio­nen im Ayur­ve­da. Im Kolleg*innenkreis ist die Mei­nung dazu (je nach Aus­bil­dungs­tra­di­ti­on) nicht ein­stim­mig, zumal vie­le Ayur­ve­da-Koch­bü­cher die Her­stel­lung von Paneer beschrei­ben. Also habe ich auf der Rei­se in Indi­en jeden ver­füg­ba­ren Vaidya (Ayur­ve­daarzt) nach sei­ner Ein­schät­zung gefragt und sie­he da: auch hier waren die Ansich­ten nicht so klar wie erhofft.
Unterm Strich war die Mehr­heit der Ärz­te der Mei­nung, dass der Frisch­kä­se (bzw. Paneer) zwar kei­ne inkom­pa­ti­ble Kom­bi sei, dass er aber als täg­li­ches Nah­rungs­mit­tel kei­ne gute Idee ist, weil er — wie fast alle Käse- und Milch­pro­duk­te — schwer ver­dau­lich ist und in bestimm­ten Kon­di­tio­nen das Sys­tem belas­ten kann.

 

Vorteile von Frischkäse

Die Vor­tei­le von selbst­ge­mach­tem Frisch­kä­se aus Roh­milch sind der hohe Anteil an Pro­te­in, Kal­zi­um, B-Vit­ami­nen und Ome­ga Fett­säu­ren. Dar­um eig­net sich der Käse für Vege­ta­ri­er so gut. Auch für Men­schen, die ger­ne etwas Gewicht zule­gen möch­ten bzw. sich ein biss­chen zu luf­tig oder hit­zig füh­len.
Frisch­kä­se ist auf­grund der Inhaltsst­stof­fe sehr näh­rend und gibt Kraft, Ener­gie und Vita­li­tät. Er stärkt Kno­chen, Zäh­ne und das Immun­sys­tem.
Ein wei­te­rer Vor­teil ist, dass der Käse ohne Lab, Bak­te­ri­en oder Enzy­me her­ge­stellt wird und nicht lan­ge reift, was klas­si­chen Käse här­ter und schwe­rer ver­dau­lich macht, aber natür­lich auch wür­zi­ger. Frisch­kä­se bleibt im Geschmack eher süß­lich-neu­tral und braucht etwas Pep von außen über Gewür­ze.
Er ist nur ein paar Tage halt­bar und wird ver­zehrt, bevor die Pro­te­in­mo­le­kü­le aus­här­ten kön­nen, somit belas­tet er das Ver­dau­ungs­sys­tem nicht all­zu sehr.
Um ihn noch leich­ter ver­dau­lich zu machen, gibt man Gewür­ze dazu, z.B. Kräu­ter­salz, Pfef­fer, Kräu­ter­mi­schun­gen, Medi­te­ra­ne Gewür­ze, Za’atar, Ing­wer oder auch ein Cur­ry­pul­ver, ganz nach Belie­ben. Die bes­te Tages­zeit zum Ver­zehr von Käse ist der spä­te Vor­mit­tag bis frü­he Nach­mit­tag.

Das alles gilt nur, wenn der Käse aus bes­ter Milch zube­rei­tet und frisch in der rich­ti­gen Tages­zeit und Mege geges­sen wird.

 

Nachteile von Frischkäse

Unge­eig­net ist Frisch­kä­se für Men­schen, die abneh­men möch­ten, die an Ver­dau­ungs­stö­run­gen lei­den und über­säu­ert sind. Bei Erkäl­tun­gen, Hus­ten, Asth­ma oder Sinu­si­tis soll­te man dar­auf ver­zich­ten, was in dem Fal­le aber für alle Milch­pro­duk­te gilt. Ist man ein eher erdi­ger, schwe­re­rer Typ, ist er eben­falls mit Vor­sicht zu genies­sen.
Unab­hän­gig davon wird die Kom­bi­na­ti­on mit Obst ver­mie­den, sie erzeugt Rück­stän­de, die schwer zu ver­dau­en sind und die Gewe­be eher schä­di­gen als repa­rie­ren.

 

Rezepte mit Frischkäse

Frisch­kä­se home­ma­de

Gol­de­ne Paneer­wür­fel

Kompromisse in der Ernährung

Eine gesun­de Ernäh­rung ver­läuft alles ande­re als line­ar. Mei­ne per­sön­li­chen Kom­pro­mis­se, die sehr sub­jek­tiv aus­ge­wählt sind, ori­en­tie­ren sich des­halb an 2 simp­len gui­de­li­nes:

  • so viel wie mög­lich Pra­na in den Mahl­zei­ten zu ermög­li­chen
  • so nahe wie mög­lich im Rhyth­mus der Natur zu leben und zu essen

Die fol­gen­den Kom­pro­mis­se funk­tio­nie­ren aus mei­ner Erfah­rung für die meis­ten von uns. Ich weiß, dass je nach Lebens­re­gi­on oder Fami­li­en­kon­text die Kom­pro­mis­se auch deut­lich wei­ter gefasst wer­den müs­sen. Und wenn etwas nicht mög­lich ist, kann man immer ver­su­chen, bei ande­ren Prin­zi­pen näher ans Opti­mum zu kom­men. Wir kön­nen außer­dem unse­rer Kör­per­in­tel­li­genz ver­trau­en, die ein gewis­ses Maß an nicht so opti­ma­len Nah­rungs­mit­teln wie­der aus dem Kör­per beför­dert.

 

#1: Hochwertige Lebensmittel kommen aus Bioanbau oder vom Bauern nebenan

Bio­le­bens­mit­tel sind bei uns in einer so benei­dens­wer­ten Dich­te erhält­lich, dass man nicht auf kon­ven­tio­nel­le Ware zurück­zu­grei­fen müss­te. Das Leben ist schliess­lich zu kurz, um es mit Pes­ti­zi­den zu belas­ten. Wenn der Bio­la­den mei­nes Ver­trau­ens etwas nicht auf Lager hat, geht’s eben zum Super­markt ins Bio-Regal mit etwas nied­ri­ge­ren Stan­dards.
Man­che fri­schen Lebens­mit­tel fin­det man auf dem Wochen­markt vom Klein­bau­ern, der evtl. nicht bio­ezer­ti­fi­ziert ist. Die­sen Kom­pro­miss, gehe ich ger­ne ein für Karot­ten, die frisch aus der Erde kom­men vs. Bio­ka­rot­ten, die aus Süd­ita­li­en (oder Gott bewah­re, aus Spa­ni­en) ange­lie­fert wer­den und schon eini­ges an Pra­na auf der Stre­cke gelas­sen haben.

Bei den Gemü­sen gibt es eine Grup­pe, die im Kör­per auf­grund der ent­hal­te­nen Alka­loi­de eher ent­zünd­lich wir­ken, die Nacht­schat­ten­ge­wäch­se (Kar­tof­feln, Toma­ten, Papri­ka, Auber­gi­nen). Man­che Enäh­rungs­schu­len eli­mi­nie­ren die­se Grup­pe kom­plett, ich beschrän­ke mich auf klei­ne Men­gen in der jewei­li­gen Sai­son.

Grö­ße­re Kom­pro­mis­se gehe ich bei Lebens­mit­teln ein, die sehr gesund sind, aber beim bes­ten Wil­len nicht bei uns wach­sen, z.B. fri­scher Ing­wer, die meis­ten Gewür­ze, duf­ten­der Bas­ma­ti­reis, pro­te­in­rei­ches Qui­noa, grü­ne Mung­boh­nen (abso­lu­tes Super­food), Kokos­milch und Kokos­öl und so eini­ges mehr.
Die Ent­schei­dungs­grund­la­ge für impor­tier­te Lebens­mit­tel ist der Gesund­heits­vor­teil. Gibt es kei­nen (aus ayur­ve­di­scher Sicht), las­se ich die Ware lie­gen. Dazu zählt z.B. Ana­nas, unrei­fe Man­gos aus Süd­ame­ri­ka, Schlan­gen­gur­ken aus Indi­en, Zucker­scho­ten aus Kenia uvm.. Es wächst genug Gemü­se und Obst bei uns, als ein­zi­ge Durst­stre­cke muss man die Zeit zwi­schen Febru­ar und März halb­wegs über­ste­hen, wenn die Lager­wa­re lang­sam die Kraft ver­liert.
Impor­tier­te Lebens­mit­tel die auch bei uns Jah­res­zei­ten haben, z.B. Äpfel aus Neu­see­land im Som­mer, Kür­bis aus Süd­ame­ri­ka im Früh­ling, Son­nen­blu­men­ker­ne oder Hir­se aus Chi­na ver­mei­de ich. Dazu muss man im Bio­la­den lei­der immer die Eti­ket­ten lesen.

 

#2: Frische Lebensmittel haben Saisons

Ein Höchst­mass an Nähr­stof­fen (und Pra­na) ist mir so wich­tig, dass ich mehr als die Hälf­te der Lebens­mit­tel frisch und somit sai­so­nal (und regio­nal) kau­fe. Das heißt, Toma­ten ver­wen­de ich nur im Som­mer, Kür­bis oder Grün­kohl  nur im Herbst/Winter, Spar­gel nur im Früh­ling usw.. Klingt selbst­ver­ständ­lich, die Rea­li­tät im Super­markt und in Restau­rants sieht anders aus. Das gan­ze Jahr über gibts Zuc­chi­ni, Papri­ka, Toma­ten, Kar­tof­feln, grü­nen Salat, Gur­ken, Äpfel…
Wenn ich in einem vege­ta­ri­schen Maga­zin Im Dezem­ber ein Rezept für Fen­chel­gra­tin sehe, ahne ich die Qua­li­fi­ka­ti­on der Redak­ti­on. Durch die stän­di­ge Ver­füg­bar­keit so vie­ler Lebens­mit­tel aus aller Welt ken­nen die jun­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen ver­mut­lich kei­ne Sai­son­zei­ten mehr. Kann ich nach­voll­zie­hen. Kommt auch bei sehr renom­mier­ten und hoch­de­ko­rier­ten Koch­buch­au­toren vor, z.B. ein Des­sert-Rezept aus Blut­oran­gen und Rha­bar­ber. Wie das tech­nisch (bzw. wo auf der Welt) mög­lich ist, habe ich bis­her nicht her­aus­ge­fun­den.
Mei­ne Lieb­lings-Koch­bü­cher: alle nach Sai­sons ein­ge­teilt. Macht das Koch­le­ben so ein­fach. Für mich die Köni­gin sai­so­na­ler und qua­li­ta­tiv hoch­wer­tigs­ter Koch­bü­cher: Katha­ri­na Sei­ser.

 

#3: Weizen, Milchprodukte und Zucker verzehrt man in Miniportionen

Der Stan­dard­wei­zen hat heu­te kaum noch Aro­ma oder Nähr­stof­fe, aber wir kön­nen leicht auf Din­kel- oder Kamut-Pro­duk­te aus­wei­chen. Vie­le Bio­bä­cker arbei­ten heu­te auch wie­der mit den alten Sor­ten Emmer und Ein­korn. Über­haupt sind gute Bäcker, die Bro­te wie frü­her backen, ein per­fek­ter Kom­pro­miss. Die Qua­li­tät und die tra­di­tio­nel­le Ver­ar­bei­tung machen das Brot sehr gut ver­träg­lich, beson­ders wenn es mit Sauer­teig her­ge­stellt wird. Ein paar­mal im Monat stei­ge ich auch auf ein glu­ten­frei­es Brot um. Ein­fach zur Abwechs­lung und um den Wei­zen­kon­sum zu mini­mie­ren.
Auf Rei­sen ist das alles eher müh­sam, man­gels guter Meh­le, guter Bäcker, alter Tra­di­tio­nen. Ein „ger­man bread” hat da schon mal Malz dabei, um das ursprüng­lich weiß­meh­li­ge Brot zu bräu­nen. Wirkt gesün­der ist aber natür­lich fake food. Da ist die Lösung nur, den Ver­brauch dras­tisch ein­zu­schrän­ken. Gehe ich aus­nahms­wei­se mal Ita­lie­nisch Essen, ver­mei­de ich meh­li­ges ein paar Tage davor oder danach.

Fri­sche Roh­milch (für mei­nen Chai und selbst­ge­mach­ten Frisch­kä­se) hole ich direkt beim Bau­ern. in Bio­lä­den oder Bio­super­märk­ten. Habe ich kei­ne Roh­milch­quel­le zur Ver­fü­gung, neh­me ich aus­nahms­wei­se pas­teu­ri­sier­te Deme­ter-Bio­milch bzw. erset­ze für den Chai die Milch mit Hafer­milch. Auf Milch aus der indus­tri­el­len Tier­hal­tung  ver­zich­te ich fast völ­lig, vor allem nach dem Film „Das Sys­tem Milch“. Die Poli­tik, der öko­no­mi­sche Irr­sinn und der Zynis­mus in der Indus­trie ist ein­fach krass, Da geht nur noch Milch vom regio­na­len Bio­bau­ern, der oft mit weni­gen glück­li­chen Kühen weit mehr Lebens­grund­la­ge erwirt­schaf­tet als tra­di­tio­nel­le Bau­ern mit 1000 Tie­ren im Mas­sen­stall.

Milch­pro­duk­te, sofern sie nicht aus bes­ter Quel­le oder selbst­ge­macht sind, ver­mei­de ich inzwi­schen so gut es geht, ganz vegan wer­de ich ver­mut­lich nicht mehr. Wegen dem Ghee, dem Chai und dem Honig ;-). Ver­mei­det man Milch, kommt man auch nicht in die Gefahr, die inkom­pa­ti­blen Kom­bi­na­tio­nen Milch(produkte) mit sau­rem Obst, Fleisch, Fisch und Salz zu kon­su­mie­ren. Da stockt mir tat­säch­lich manch­mal der Atem, wenn jemand unwis­sent­lich Bana­nens­ha­ke, Früch­temüs­li mit Joghurt oder Fleisch/Fisch mit Sah­ne­sauce ver­zehrt.
Wenn man die ayur­ve­di­schen Prin­zi­pi­en von hoher Qua­li­tät und leich­ter Ver­dau­lich­keit berück­sich­tigt, hat Sah­ne oder kon­ven­tio­nel­ler Käse im Essen eben­falls nichts mehr ver­lo­ren. Da wird die Zun­ge ver­wöhnt, aber die Gewe­be stöh­nen unter der Last.
Alter­na­ti­ven aufs Brot (statt Käse) sind z.B. Gemü­se­auf­stri­che, Hum­mus, Gua­ca­mo­le, gute But­ter oder Ghee mit Kräu­tern und Gewür­zen.

Zucker ver­wen­de ich in hoher Qau­li­tät und süße öfter mit Dat­teln oder ande­rem Obst. Des­serts pro­du­zie­re ich in der Men­ge, die in ein Tee­licht-Glas passt, der Kom­pro­miss zum völ­li­gem Ver­zicht. Auf Rei­sen besteht die Gefahr, dass sie mit Unmen­gen von wei­ßem Zucker oder Aga­ven­si­rup her­ge­stellt wer­den. Für den Tee oder ein Früh­stück unter­wegs neh­me ich hoch­wer­ti­gem Zucker mit, weil ich wei­ßen Zucker für abso­lut toxisch hal­te.

Aus­nah­men von die­sen 3 Regeln gibts auch: Ein mit Lie­be zube­rei­te­tes Essen von Freun­den oder der Fami­lie genie­ße ich in vol­len Zügen und fra­ge nicht nach Wei­zen-, Milch- und Zucker­quel­len. Gene­rell glau­be ich, dass Lie­be im Essen das wich­tigs­te Gewürz ist und so eini­ges aus­gleicht… ;-). Aber das hält natür­lich kei­nem wis­sen­schaf­li­chen Beweis stand.

 

#4: Harmonische Mahlzeiten umfassen (fast) alle Lebensmittelgruppen und 6 Geschmacksrichtungen

Die­ses Prin­zip in jeder Mahl­zeit umzu­set­zen, wäre ein Full­time-Job. Wenns zumin­dest in einer Mahl­zeit klappt, am bes­ten in der größ­ten, wäre es schon super. Ansons­ten kann man vom Opti­mum inso­fern abwei­chen, dass zumin­dest über den Tag ver­teilt die­se Kom­po­nen­ten vor­kom­men. Zu den wich­ti­gen Lebens­mit­tel­grup­pen gehö­ren Getrei­de, Hül­sen­früch­te, Gemü­se, Obst, Öle, Süss­mit­tel, Nüs­se und Samen, Kräu­ter und Gewür­ze. Fleisch und Milch­pro­duk­te sind optio­nal.
Die 6 Geschmacks­rich­tun­gen sind süß, sau­er, sal­zig, scharf, bit­ter und herb. So ist eine Viel­falt an Ele­men­ten, Ener­gi­en und Nähr­stof­fen garan­tiert.

 

#5: Frisch und unkompliziert kochen geht fast immer

Frisch gekoch­tes Essen lie­fert die meis­te Lebens­en­er­gie, min­des­tens eine Mahl­zeit pro Tag mach ich des­halb sel­ber. Je unkom­pli­zier­ter, umso bes­ser für die Ver­dau­ung und für das Zeit­ma­nage­ment. Ein­fach wirds, wenn man sich mit ca. 10 Lieb­lings­re­zep­ten ver­traut macht, die sai­so­nal abwan­del­bar sind und die man schnell aus dem Ärmel zau­bern kann.
Wenn etwas über­bleibt, ver­wen­de ich das noch­mals für die nächs­te Mahl­zeit. Das ist ayur­ve­disch gese­hen sub­op­ti­mal, denn es ent­hält weni­ger Pra­na, ver­daut sich schlech­ter und schmeckt nicht mehr ganz so gut. Aber nach einer fri­schen Mahl­zeit am Tag ist das der Kom­pro­miss, mit dem ich leben kann.
Essen, das älter ist als 24 Stun­den, wär­me ich nicht mehr auf. Das meis­te Pra­na ist ver­lo­ren und die Mög­lich­keit, dass sich Unver­dau­tes (im Sans­krit heißt das Ama) im Kör­per ansam­melt und Pro­ble­me macht, ist sehr groß.
Nah­rung beginnt sich zu zer­set­zen, sobald der Koch­vor­gang been­det ist. Das ist ein Natur­ge­setz und kein Kühl­ge­rät kann das stop­pen. In der boo­men­den Meal­Prep Com­mu­ni­ty, die fer­ti­ge Mahl­zei­ten bis zu einer Woche im Kühl­schrank lagert, scheint das nicht bekannt zu sein. Da macht man sich auch kei­ne Gedan­ken über die Hist­amin­ent­wick­lung beim Lagern.

Es gibt eine klei­ne aber gewich­ti­ge Aus­nah­me: das tra­di­tio­nel­le halt­bar machen (ein­we­cken), wie es frü­her üblich war. Wenn uns der Gar­ten z.B. im Herbst noch reich­lich beschenkt, aus den über­schüs­si­gen Toma­ten eine wun­der­ba­re Sugo her­ge­stellt wer­den kann. Wich­tig bei die­sen Vefah­ren ist der Pro­zess, die Sugo wird z.B. kochen­heiß ins Glas gege­ben, mit einem Vak­kum­de­ckel ver­schlos­sen und sofort stark agbe­kühlt. Das­sel­be gilt für Sup­pen, die dann ein paar Wochen halt­bar sind und noch viel Pra­na ent­hal­ten.

Essen in Kan­ti­nen und klas­si­schen Restau­rants hat in der Regel eben­falls wenig Pra­na. Es ist sel­ten frisch gekocht und es wer­den kei­ne hoch­wer­ti­gen Zuta­ten ver­wen­det (weil WIR es ger­ne bil­lig haben möch­ten). Es gibt natür­lich Aus­nah­men, die man über­all fin­den kann. Eine gute Quel­le für ein­fa­ches, fri­sches Essen, vor allem in grö­ße­ren Städ­ten, sind klei­ne vege­ta­ri­sche oder vega­ne Restau­rants. Mein Kom­pro­miss auf Rei­sen.

Fer­tig­ge­rich­te und Nah­rung aus Dosen ver­mei­de ich kom­pro­miss­los. Wür­de man die Essenz des heu­ti­gen Ernäh­rungs­wis­sens in einen Tipp zusam­men­fas­sen, dann wäre es die­ser: avo­id pro­ces­sed food, kürz­lich gehört bei einem Sum­mit über Auto­im­mun-Krank­hei­ten. Hier liegt sehr viel Poten­zi­al für eine gesun­de Ernäh­rung.

 

#6: Mittags ist die beste Zeit für die Hauptmahlzeit

Die Ver­dau­ungs­kraft ist zwi­schen 10 und 14 Uhr am stärks­ten, wenn die Son­ne am höchs­ten steht. In die­sem Zeit­fens­ter kön­nen wir grö­ße­re Men­gen und schwe­re­re Nah­rungs­mit­tel gut ver­dau­en. Das Mit­tag­essen als größ­te Mahl­zeit des Tages zu neh­men, bringt uns in Syn­chro­ni­zi­tät mit der Natur. Drum war bis vor ca. 20 Jah­ren die Mit­tags­pau­se eine Zeit, in der in Unter­neh­men die Anruf­be­ant­wor­ter ein­ge­schal­tet wur­den und die Mit­ar­bei­ter für 1 Stun­de beim aus­gie­bi­gen Mit­tags­mahl waren. In Frank­reich auch ger­ne mal 2–3 Stun­den. Hat kei­nen auf­ge­regt.

Für vie­le scheint es heu­te auf­grund völ­lig zusam­men­ge­schrumpf­ter Mit­tags­pau­sen nicht mög­lich, die Haupt­mahl­zeit mit­tags zu neh­men. Ohne Ener­gie nach­zu­tan­ken, fal­len wir jedoch spä­tes­tens am frü­hen Nach­mit­tag in ein Ener­gie­loch und wer­den unfo­kus­siert und müde. Die Kaf­fee­ma­schi­ne und der Snack­au­to­mat sind dann nicht die idea­len Ener­giebrin­ger.

Es gibt eini­ge logis­ti­sche Lösungs­mög­lich­kei­ten und tech­ni­sche Hilfs­mit­tel, die man indi­vi­du­ell anwen­den kann. Z.B. Reis- und Gemü­se­dämp­fen in der Büro­kü­che, vor­ko­chen am Mor­gen und in Spei­se-Ther­mos mit­neh­men, Kochen am Abend und den Über­schuss mit­neh­men, klei­ne Bis­tros mit weni­gen, frisch gekoch­ten Spei­sen, usw..

Für man­che ist es ein prak­ti­ka­bler Kom­pro­miss, für die Mit­tags- und Abend­mahl­zeit (falls die­se früh ist) in etwa die glei­che Men­ge ein­zu­pla­nen. Somit hat man mit­tags für Ener­gie gesorgt und kann abends in Ruhe genies­sen ohne zu über­es­sen.

Wenn ich in Hotels oder Semi­nar­häu­ser kom­me, die die größ­te Mahl­zeit des Tages am Abend ser­vie­ren, fal­le ich spä­tes­tens nach 2 Tagen aus der Balan­ce, weil das Essen nicht syn­chron mit der Bio­en­er­gie statt­fin­det. Oft ist das Früsh­tück eher ein kal­tes Buf­fet (wenn man nicht auf Ome­letts und unge­würz­te Por­rid­ges steht) und der Mit­tags­snack eine Salat­bar mit Sup­pe. Das ers­te „rich­ti­ge” war­me Essen gibts dann abends. Das ist „crime against wis­dom”, was ich im letz­ten blog­post beschrie­ben habe. Auf Rei­sen in Asi­en bin ich die­se Sor­gen zum Glück los, 3 mal täg­lich war­mes Essen ist Tra­di­ti­on.

Tref­fe ich Freun­de zum Abend­essen im Restau­rant, blei­be ich bei der Haupt­mahl­zeit am Mit­tag. Dann ist der Hun­ger am Abend nicht so groß und ich kann eine Klei­nig­keit genies­sen und mich voll auf die Freun­de ein­stel­len. Es gibt aller­dings eine Aus­nah­me: Ist der Gast­ge­ber ein pas­sio­nier­ter Hob­by­koch,  kom­me ich hung­rig und genies­se jeden Bis­sen. Und freue mich über die Lie­be und Lei­den­schaft, die man dar­in schme­cken kann. Und esse am nächs­ten Tag eher Reis­sup­pe und gedämpf­tes Gemü­se, z.B. 😉

 

#7: Essen braucht Pausen

Eine klei­ne­re Mahl­zeit, z.B. das Früh­stück ist nach ca 2–3 Stun­den ver­daut, eine Haupt­mahl­zeit nach ca. 4–6 Stun­den. Dazwi­schen wär es dem Kör­per am liebs­ten, wir wür­den ihn in Ruhe las­sen, damit er sei­nen Job kom­plett erle­di­gen kann, bevor die nächs­te Mahl­zeit ankommt. Zwi­schen­mahl­zei­ten ver­hin­dern die­se Pau­se für das Ver­dau­ungs­feu­er (Agni), was zu Rück­stän­den von Ama im Kör­per, Über­ge­wicht und Ener­gie­ver­lust führt. Irgend­wann stellt das Agni den Dienst völ­lig ein und es bewegt sich nichts mehr.

Fühlt man einen Hun­ger zwi­schen­durch, funk­tio­nie­ren ein paar Nüs­se, etwas Obst, ein Smoot­hie oder eine Tas­se Gemü­se­brü­he, vor allem dann, wenn die Pau­sen zwi­schen den Mahl­zei­ten län­ger als 5 Stun­den betra­gen, z.B. zwi­schen Mit­tag- und Abend­essen.

Eine wei­te­re belieb­te und sehr gesun­de Pau­se ist das Inter­vall­fas­ten. Dabei ver­klei­nert man das Fens­ter der Nah­rungs­auf­nah­me auf 8–10 Stun­den. Ein spä­tes Früh­stück nach einem frü­hen Abend­essen wäre dafür ein Bei­spiel und bewirkt ener­ge­ti­sche Wun­der.

 

#8: Essen braucht ausreichend Zeit, Ruhe und Aufmerksamkeit

Frü­her war die Zeit zum Kochen und anschlies­sen­den Essen ein fixer Teil des Tages, nie­mand wäre auf die Idee gekom­men, knap­pe Ter­mi­ne drum her­um zu legen. Heu­te lei­den wir unter „over­sche­du­ling”, d.h. der Ter­min­ka­len­der hat kei­ne Lücken mehr.

Über die Vor­zü­ge des auf­merk­sa­men Essens habe ich einen Extra Arti­kel geschrie­ben. Die Kurz­form: Den vol­len Genuss beim Essen und den bes­ten Out­put beim Ver­wer­ten der Nah­rung errei­chen wir, wenn wir mit aus­rei­chend Zeit essen, an einem Tisch sit­zen (der Schreib­tisch ist NICHT gemeint), in ange­neh­mer Atmo­sphä­re essen, die Arbeit und ande­re Ablen­kun­gen abschal­ten und die Nahurng schwei­gend zu uns neh­men.

Das ist natür­lich nicht immer mög­lich, aber es läßt sich damit expe­ri­men­tie­ren. Die gan­ze Zeit zu schwei­gen macht mit Kin­dern sicher wenig Sinn, trotz­dem könn­te man mit ein paar Schwei­ge­se­kun­den am Anfang der Mahl­zeit ihr Bewußt­sein für den Wert des  Essens stär­ken.
Es emp­fieht sich, Essen von Mee­tings zu tren­nen. Man ver­passt zu viel auf bei­den Ebe­nen. Wer­de ich zu einem Arbeits­es­sen ein­ge­la­den, ver­su­che ich, es als ein leich­tes Arbeits­früh­stück oder eine Tee­zeit zu pla­nen. Geht das nicht, pla­ne ich davor oder danach eine nahr­haf­te Spei­se. So kann ich mich voll auf den Out­put des Mee­tings kon­zen­trie­ren und esse etwas leich­tes,  das die feh­len­de Ver­dau­ungs­kraft wett­macht.

Wenn man lang­sam und auf­merk­sam essen will, kann man es auch mal mit den Fin­gern pro­bie­ren. Für indie­ner­prob­te Yogi*nis nichts Unbe­kann­tes. Es ist tech­nisch eher schwie­rig, neben­bei zu tele­fo­nie­ren, die Maus zu bewe­gen, die Zei­tung umzu­schla­gen oder auf dem Smart­pho­ne zu scrol­len ;-).

In einem Retreatcen­ter in Bali schlägt man die­se Vari­an­te vor…

mit staebchen essen

Einen lesens­wer­ter Arti­kel zum The­ma unauf­merk­sa­mes Essen fin­det man hier.

 

#9: Und dann wären da noch die kleinen „Lieblingsspeisen”…

Das Com­fort food, in das man rein­beißt und sofort einen unend­li­chen Genuss ver­spürt. Bei mir wird das meis­tens durch ein saf­ti­ges Brow­nie aus­ge­löst, heu­te war es im fer­nen Bali aller­dings ein Crois­sant, das ech­te, fran­zö­si­sche, but­t­ri­ge, das so irre schmeckt, dass man sofort nach Frank­reich aus­wan­dern möch­te. Ich bin froh, dass es die­se Art von Crois­sants bei uns fast nir­gends gibt. Wenn man ein gutes Ori­gi­nal kennt, fällt es so leicht, auf die fake Kopi­en zu ver­zich­ten. So hat die Indus­trie mit ihrer Durch­schnitts­wa­re auch etwas Gutes.

Der Genuss die­ser Din­ge redu­ziert sich übri­gens für die meis­ten pro­por­tio­nal zur Men­ge, die man davon isst. Somit sind die­se klei­nen „Sün­den” sel­ten schäd­lich, nach dem Mot­to: die Men­ge macht das Gift. Solan­ge das mit Bewußt­heit, Genuss, Selbst­ak­zep­tanz und ohne Schuld­ge­füh­le pas­siert, ist es ab und zu völ­lig okay.

Wür­de mich sehr über eure Erfah­run­gen mit Kom­pro­mis­sen freu­en, es ist sicher ein dis­kus­si­ons­freu­di­ges The­ma 🙂

pho­to: Nora Wen­del / the­pho­to­fo­rest

Wer isst denn schon perfekt?

Natür­lich wäre es schön, wenn wir uns immer opti­mal ernäh­ren könn­ten. Aber das Leben wird vom Gott Imper­fek­ti­on regiert und besteht aus not­wen­di­gen Kom­pro­mis­sen. Es gibt ein Opti­mum und es gibt die Prak­ti­ka­bi­li­tät. Die­se 2 Pole müs­sen wir irgend­wie zusam­men­füh­ren, mög­lichst eher in der Hälf­te des Opti­mums :-).

Wir haben immer die bes­ten Absich­ten, ent­de­cken ein neu­es tol­les Koch­buch, fol­gen span­nen­den Food-Blogs, seh­nen uns nach mehr Zeit in der Küche zum Aus­pro­bie­ren aller mar­kier­ten Rezep­te (man bräuch­te ver­mut­lich Jah­re dafür). Oder fol­gen auf­grund von Beschwer­den mal die­sem, mal jenem Ernäh­rungs­trend.
Und machen dann im All­tag viel zu vie­le fau­le Kom­pro­mis­se, kau­fen min­der­wer­ti­ge Lebens­mit­tel ein, geben uns mit mit­tel­mä­ßi­gem Restau­rant­essen zufrie­den und neh­men uns nicht die Zeit, Mahl­zei­ten in Ruhe zu genie­ßen. Man­che bekla­gen feh­len­de zeit­li­che oder finan­zi­el­le Resour­cen, letzt­end­lich spielt aber die größ­te Rol­le, wel­che Prio­ri­tät wir dem eige­nen Wohl­be­fin­den geben, bzw. an wel­cher Stel­le wir die­se set­zen. Z.B. am Anfang der Ket­te mit fri­schen, hoch­wer­ti­gen Mahl­zei­ten, die die Gesund­heit eher erhal­ten. Oder erst am Ende, wenn wir Geld und Zeit benö­ti­gen zum „repa­rie­ren”, wor­über sich die SPA- und Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel-Indus­trie beson­ders freut.

Man­che wäh­len das ande­re Extrem und wer­den krank, weil sie zwang­haft alles per­fekt machen möch­ten und dabei im Dschun­gel an Ange­bo­ten zur Selb­st­op­ti­mie­rung sehr stren­gen Diä­ten fol­gen. Die könen auf dem Weg zum per­fek­ten Kör­per auch Mager­sucht för­dern. Man nennt das Orthor­e­xie und wir wer­den immer öfter dar­über lesen und hören.

 

Die Mitte und das Bauchgefühl

Es geht jedoch um den prak­ti­ka­blen Mit­tel­weg oder die berühm­te 80–20-Regel. Eine Ernäh­rung, bei der man mög­lichst viel „rich­tig” macht, ohne sich zu ver­kramp­fen und in dog­ma­ti­sche Rich­tig-Falsch-Mus­ter zu ver­fal­len. Ein Mit­tel­weg, der nur wenig Ver­bots­schil­der auf­stellt. Nun ist das aber mit der Mit­te so ein Ding, das für jeden anders aus­sieht. Der eine rührt kei­nen Zucker an, isst aber lie­bend ger­ne Eier, ande­re ver­zich­ten auf Wei­z­ensem­meln, essen dafür spät am Abend die Haupt­mahl­zeit, der nächs­te schwört auf vega­ne Ernäh­rung, hat aber kein Pro­blem mit Kicher­erb­sen aus der Dose…

Seit vie­len Mona­ten beglei­tet mich das The­ma Kom­pro­mis­se schon, weil ich eine per­fek­te Ernäh­rung für nicht mach­bar hal­te. Sogar für unnö­tig fin­de, der Kör­per ist intel­li­gent genug zum aus­glei­chen, wenns die Umstän­de erfor­dern und nicht zu oft nötig ist.
Auf der Suche nach dem roten Faden sehe ich manch­mal den per­fek­ten Mit­tel­weg vor lau­ter Pfa­den nicht. Unter­hal­te ich mich mit 5 Ayur­ve­da- oder Ernäh­rungs­ex­per­ten, öff­nen sich 10 ver­schie­de­ne Mei­nun­gen zu einem bestimm­ten Prin­zip. Für die Kol­le­gin­nen aus Nor­we­gen oder Bra­si­li­en mit ihrem jewei­li­gen Unter- oder Über­an­ge­bot an fri­schen Lebens­mit­teln, wir­ken mei­ne Ide­en wie aus einer ande­ren Welt.
Letzt­end­lich sind wir indi­vi­du­ell so ver­schie­de­nen und leben in so unter­schied­li­chen Kon­tex­ten, dass es kei­ne all­ge­mein­gül­ti­ge Lösung, ver­packt in leicht ver­dau­li­che ToDo-Lis­ten, gibt. Auch wenn uns der Gesund­heits­buch­markt das mit einem stän­dig wach­sen­den Ange­bot sug­ge­riert, nach dem Mot­to: eli­mi­nie­re 7 Lebens­mit­tel und ver­lie­re 7 Pfund in 7 Tagen!!.

Fakt ist, kei­ne Auto­ri­tät von außen kann die pefek­te Diät und die „rich­ti­gen” Kom­pro­mis­se vor­ge­ben. Unser Kör­per ist der bes­te Rat­ge­ber, solan­ge wir den Signa­len fol­gen, mit denen wir uns lang­fris­tig gut und gesund füh­len. Der eige­ne Bauch hat am meis­ten mit­zu­re­den. Natür­lich schlu­cke ich manch­mal bei den Kom­pro­mis­sen der ande­ren und die­se ziem­lich sicher bei mei­nen :-)). Also braucht es einen offe­nen Geist, viel Tole­ranz, eine gro­ße Por­ti­on Lie­be im Essen und gute Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten.

 

Prana, die ultimative Lebensenergie

Wenn man vom Opti­mum abwei­chen muss, lie­fert Pra­na eine her­vor­ra­gen­de Ent­schei­dungs­grund­la­ge. Pra­na ist ein Begriff, mit der die klas­si­sche Ernäh­rungs­me­di­zin nichts anfan­gen kann. Unter dem Mikro­skop nicht sicht­bar. Die­se „Lebens­en­er­gie” in Nah­rungs­mit­teln, die im Roh­zu­stand am höchs­ten ist, ver­liert sich gra­du­ell beim kochen, lagern, auf­tau­en, auf­wär­men. Ernäh­rungs­be­ra­ter ach­ten auf Vit­ami­ne, Spu­ren­ele­men­te, Mikro­nähr­stof­fe, die kann man auch in Junk Food und Essen aus der Mikro­wel­le noch nach­wei­sen. Trotz­dem sind Fer­tig­ge­rich­te pran­afreie, tote Nah­rung und schme­cken oft nur noch auf­grund von Geschmacks­ver­stär­kern. Ein Orga­nis­mus oder Kör­per ohne Pra­na ist ein Kon­glo­me­rat aus 5 Ele­men­ten, doch es bewegt sich nichts mehr.

Wich­ti­ger als Makro- und Mikro­nähr­stof­fe ist die Ener­ge­tik der Nah­rung und das Zusam­men­spiel von Fri­sche, Kom­bi­na­ti­on, Regi­on, Zeit, Ther­mik und Kom­pa­ti­bi­li­tät mit dem Esser. Pra­na uner­stützt auch den Ver­stand und die See­le, umso wich­ti­ger ist, dass wir so viel wie mög­lich die­ser Ener­gie ins Essen krie­gen. Kau­fen wir Lebens­mit­tel sorg­sam ein, berei­ten wir unser Essen sel­ber zu, genies­sen wir es mit Auf­merk­sam­keit, lie­fert uns die­ser gan­ze Pro­zess vie­le Ansatz­punk­te, um das Pra­na der Nah­rungs­mit­tel zu erhö­hen und die­se Ener­gie beim Essen zurück zu erhal­ten.

 

Crime against wisdom

Es gibt in den indi­schen Tex­ten einen Begriff, der im Sans­krit pra­j­na apa­ra­dha heißt, im eng­li­schen „crime against wis­dom”: wenn wir Din­ge tun, von denen wir wis­sen, dass sie uns scha­den. Oder Din­ge unter­las­sen, die uns gut tun wür­den. Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die uns eher belas­ten als hei­len, gehört schein­bar seit Jahr­tau­sen­den zur mensch­li­chen Natur, sonst wäre das nicht in den Tex­ten beschrie­ben. Wir kön­nen das jeden Tag auch bei uns beob­ach­ten. Da neh­men wir noch ein zwei­tes Des­sert, obwohl wir schon lan­ge satt sind. Wäh­len im Win­ter ein Kokos­was­ser statt des war­men Tees. Blei­ben wach, obwohl uns vor Müdig­keit schon die Augen zufal­len. Das ist mensch­lich und wenn wir mit mehr Bewußt­sein unse­re Wahl tref­fen, fällt es mit der Zeit immer leich­ter, sich für die gesün­de­re Vari­an­te zu ent­schei­den, den gesün­de­ren Kom­pro­miss ein­zu­ge­hen. Durch das  zwangs­läu­fig fol­gen­de Wohl­be­fin­den wird die bes­se­re Wahl schliess­lich zur Gewohn­heit und wir wer­den nicht mehr so leicht ver­führt von unge­sun­den Alter­na­ti­ven oder Gelüs­ten, die letzt­end­lich ein Aus­druck von Ungleich­ge­wicht im Kör­per sind.

Die Lebens­mit­tel-Indus­trie ist übri­gens ein Lehr­buch­bei­spiel für „crime against wis­dom”. Über­ge­wicht, Dia­be­tes, Herz­krank­hei­ten, Krebs, Auto­im­mun­krank­hei­ten, chro­ni­sche Ver­dau­ungs­pro­ble­me usw. ent­ste­hen u.a. durch den Ver­zehr von Weiß­mehl, wei­ßem Zucker, Fer­tig­nah­rung, Mais­si­rup, bil­li­gen Tier­pro­duk­ten und vie­lem mehr. Obwohl sie sich als Desas­ter für unse­re Gesund­heit her­aus­ge­stellt haben, wer­den die­se Lebens­mit­tel von der Indus­trie in Mas­sen pro­du­ziert und von den Regie­run­gen unter­stützt.  Dia­be­tes kriegt man aber nicht wie einen Schnup­fen, son­dern weil man das media­le Brain­wa­shing und den Irr­witz um Ernäh­rungs­trends nicht mehr durch­schau­en kann.

Im nächs­ten Bei­trag beschrei­be ich eini­ge mei­ner sehr sub­jek­ti­ven Kom­pro­mis­se, sie ent­spre­chen mei­nem der­zei­ti­gen Wis­sen­stand und der Prio­ri­tät, dass ich gesund alt wer­den möch­te. Und den Mög­lich­kei­ten, die ich vor allem auf Rei­sen habe, was mei­ne Kom­pro­miss­fä­hig­keit immer wie­der her­aus­for­dert. Letzt­end­lich geht es dar­um, mit gesun­dem Men­schen­ver­stand heil­sa­me Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Und auch mit einer unper­fek­ten Situa­ti­on im Frie­den zu sein.

 

pho­to: Nora Wen­del / the­pho­to­fo­rest