Notfallplan fürs Immunsystem

In case of emergency

 

Bäng. Da ist sie also, die Zäsur.
Über einen Zeitraum von wenigen Tagen hat ein Virus und die daraus folgenden politischen Konsequenzen unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Und immer wieder höre ich den Satz: „endlich mal Pause, wenn auch zwangsweise“.

Jeder von uns hat die letzten Wochen unterschiedlich erlebt und doch sind bei den meisten die Gefühle sehr ähnlich. Zuerst waren da Stillstand, Pause, Schock, Unsicherheit, Ungläubigkeit, Verdrängung. Dann kam die Phase der Informationsflut auf allen Kanälen. Pros, Contras, der eine Experte sagt dies, der andere das. Was will man hören, was soll man glauben? Nebenbei verlagert sich in Lichtgeschwindigkeit das Lebens in digitale Räume. Zoom machts möglich.

Wie und warum das Virus in die Welt kam, können wir Laien nicht beurteilen. Die Wissenschaftler schienen nicht sooo überrascht, haben zu Coronaviren schon lange geforscht und immer wieder Simulationen erstellt. Dass sie so zerstörerisch wirken konnten, liegt wohl an einer Reihe von Umständen, die sich gegenseitig potenzierten. Und das Virus traf auf eine Weltbevölkerung, die seit Jahrzehnten ihr Immunsystem durch Stress, Umweltgifte und eine sehr ungesunde Ernährung stark herabgesetzt hat. Deren Leben auf Kante genäht war, in allen Bereichen. Deren Erschöpfung und Schlaflosigkeit bereits chronisch war. Die auch mit Krankheitssymptomen pflichschuldig zur Arbeit gingen. Wie wenn ein Tropfen das Fass zum überlaufen bringt, wirkten scheinbar die Abwehmöglichkeiten der Menschen nicht mehr ausreichend, zumal ja noch keine Antikörper gebildet sind. Eine Analogie zur Klimakrise drängt sich durchaus auf.

 

Gesundheit in Eigenverantwortung

Bei aller Verwirrung, die sich gerade ausgebreitet hat, gibt es EINE gesichterte Erkenntnis: Wir müssen unsere Gesundheit eigenverantwortlich auf der richtigen Spur halten. Wir haben es im großen und ganzen in der Hand, unsere Abwehrkräfte so zu stärken, dass wir nur in Notfällen das überstrapazierte Gesundheitssystem in Anspruch nehmen müssen.
Es macht sehr viel Sinn, so zu leben und sich so zu ernähren, dass man mit einem starken Immunsystem viralen oder bakteriologischen Angriffen Paroli bieten kann. Alte naturheilkundliche Traditionen, egal ob aus Indien, China, Europa oder Südamerika, lehren genau das: Prävention ist das Zauberwort. Seit es Menschen gibt kennen wir Krankheiten und alle Kukturen entwickelten Gegenmittel aus der Natur. Eines der Präventionsmittel ist ein Leben in Synchronizität mit der Natur.

 

Empfehlungen zur Stärkung

Selbstverständlich waren seit Ausbruch der Krise sofort auch alle Kanäle voll mit Tipps, wie man sich schützen kann und was jetzt zu tun und lassen ist und welches Essen und welche Nahrungsergänzungsmittel und Maßnahmen unbedingt wichtig sind. Ich war ebenfalls versucht, sofort aktiv zu werden. In diesem Overflow musste ich dann aber erst mal sortieren. In die Tiefe gehen und fühlen, was sich stimmig anfühlt. Natürlich ist alles, was die Ayurvedis je gesagt und geschrieben haben, dazu gedacht, das Immunsystem zu stärken. Und ich könnte jeden ermutigen, der jetzt Zeit hat zuhause, meine 60+ Blogartikel zu lesen um damit gerüstet zu sein für eine perfekte Gesundheit.

Aber es ist nicht die Breite an Informationen wichtig, sondern die Tiefe weniger Maßnahmen. Heute schreibe ich also keine Liste mit Tipp 1 – XX, sondern das, was für mich gerade stimmig ist. Auf was mein System automatisch zurückfällt in dieser Ausnahmesituation. Maßnahmen, von denen ich aus langer Erfahrung weiß, dass sie auf allen Ebenen stabilisieren. Den Geist klären für Entscheidungen, die demnächst anstehen. Jeder kann für sich hineinfühlen, ob das eine oder andere für die eigene Lebenssituation passen könnte. Oder ob man etwas Neues ausprobieren möchte, in dieser Zeit wo das Alte eh gerade auseinander fällt.

Disclaimer: dies sind keine Empfehlungen, um den Coronavirus abzuwenden oder von Covid-19 geheilt zu werden, noch gibt es keine Medizin dafür. Sie stärken jedoch Immunsystem und Abwehrkräfte erheblich. Ich gehe davon aus, dass wir diese brauchen werden in den nächsten 8-12 Monaten.

 

In die Natur gehen

Wie beruhigend ein Spaziergang draußen, idealerweise im Sonnenlicht ist, müssen wir nicht diskutieren, alle Menschen haben diese Erfahrung schon gemacht. Besonders verstärkt wird dies bei Spaziergängen im Wald, das heute immer öfter auch therapeutisch angewendet wird. 30-60 Minuten sind eine gute Zeit, je länger je besser.

 

Beim Bioladen oder Bauern des Vertrauens frisches Obst und Gemüse einkaufen

In angespannten Zeiten achte ich auf Nahrung, die besonders viel Lebensenergie (Prana) liefert. Sie ist förderlich, um die Selbstheilungskräfte anzuregen. Bei Bauern- oder Bioläden ist die Qualität in der Regel sehr hoch und man erhält saisonale und regionale Ware. Gemüse, das derzeit keine Saison hat, verwende ich nicht (Zucchini, Tomaten, Kürbis z.B.).
Billige und minderwertige Nahrungsmittel aus industriellem Anbau sind Teil des derzeitigen Problems. Sie haben unsere Gesundheit genau da hin gebracht, wo wir heute stehen, deshalb ist der Einkauf beim Discounter keine Alternative. Der kleine Mehrpreis im Bioladen ist es mir wert, gesund zu bleiben. Folgekosten von krankheitsbedingten Ausfällen bei Selbständigen sind immer höher. Und ich will die kleinen Händler unterstützen, die die Lebensmittelversorgung derzeit mit aufrecht halten.

In der Speisekammer habe ich immer einen Grundstock an Bio-Lebensmitteln, mit denen ich schnell was zaubern kann. Hier eine kleine Einkaufshilfe.

 

Frisch und unkompliziert kochen

Für die meisten von uns ist das mit dem Kochen nun eh keine Wahl mehr, wenn die Restaurants geschlossen bleiben müssen. Menschen im homeoffice haben mehr Zeit, weil das Pendeln ins Büro entfällt und entdecken vielleicht ihre kulinarischen Talente. Frisch gekochtes Essen schmeckt nicht nur besser, es ist definitiv immunstärkend. Damit man das aber ein paar Wochen durchhalten kann, sind einfache und unkomplizierte Mahlzeiten sinnvoll, man muss nicht stundenlang in der Küche stehen. Obwohl ich von vielen, die tatsächlich lahmgelegt sind, von erstaunlich langen Küchenzeiten höre. Es ist ja auch ein bisschen Meditation und willkommene Ablenkung. 

Ich mag nicht daran denken, wie die Menschen, die die gehamsterten Nudeln, Fertiggerichte, Tiefkühlkost und das Dosenessen in den nächsten 4 Wochen zu sich nehmen, aus der verordneten Quarantäne herauskommen. Das Immunsystem geht damit auf alle Fälle auf Talfahrt.

 

Suppen und einfache Eintöpfe kochen

Sie haben den Vorteil, dass sie sehr leicht verdaulich sind und mit hoher Nährstoffdichte punkten. Je mehr Flüssigkeit in den Mahlzeiten, umso besser. Suppen mit viel Gemüse (z.B. Minestrone) und Eintöpfe kombinieren sich leicht mit nährendem Reis, Hirse, oder Quinoa. Alle 2-3 Tage ein Dhal liefert wichtige Proteine und Ballaststoffe. Mindestens 90% der Speisen sollten jetzt vegetarisch und vegan sein.
Die Rezepte, die ich am meisten koche:

  • Erkältungssuppe: allerdings verwende ich nicht jedes Mal diese große Menge an Knoblauch und Ingwer. Aber als Basissuppe ist sie einfach himmlisch.
  • Reissuppe zum Frühstück: es ist Bärlauchzeit, der Sauerampfer wächst bereits im Beet und im Bioladen gibt es Rucola, der pefekt passt.
  • Gemüsecurry: passt immer und überall. Derzeit mit Kohlrabi, Karotten oder Süßkartoffeln, Brokkoli oder Romanesco, Lauch, Kräutern.
  • Mandel-Dattel-Creme: Sehr stärkend und angenehm süß ohne extra Zucker.

Ich nehme eher Abstand von kaltem Essen, kühlenden Smoothies (1 Ausnahme s.u.), Salaten, Detox-Grünzeugs, rohem oder roh-veganem Essen, eiskalten Smoothiebowls und sog. Superfood-Pülverchen. Es ist jetzt warme, leicht verdauliche Nahrung angesagt, ECHTES Essen, das unser System aufgrund unserer Kultur und Tradition sofort erkennt. Genau dieses wirkt aufbauend und stabilisierend. Das andere kommt später wieder dran.

 

Hochwertige Gewürze und Kräuter verwenden

Sie dienen nicht nur zum Würzen sondern haben u.a. auch antivirale, antibiotische und/oder entzündungshemmende Wirkung. Sie fördern die Verdauung, die durch das zuhausesitzen mit weniger Bewegung evtl. etwas langsamer arbeitet. Am meisten verwende ich Kurkuma und Ingwer, aber auch Currymischungen oder mediterrane Kräutermischungen.

 

Die größte Mahlzeit zu Mittag essen

Wann, wenn nicht jetzt, kann man das endlich mal ausprobieren. Es ist für viele Menschen heute eine so große Herausforderung, dieses Timing, das für unsere Vorfahren der Normalfall war, umzusetzen. Dabei sagen nicht nur die Chronobiologen, dass mittags die beste Zeit ist für die Hauptmahlzeit, da sie gut verdaut werden kann und Energie für den Rest des Tages liefert. Das Immunsystem ist am stärksten, wenn wir mit den Rhythmus der Natur leben und essen. Ein kleines Frühstück, ergiebiges Mittagessen und kleines, frühes Abendessen ist der chronobiologische Idealfall.

Bioläden und Restaurants haben (in Österreich) die Erlaubnis, Mittagessen zu kochen zum abholen. Falls es sich mal garnicht ausgeht, selber zu kochen, ist das Bestellen von frischem Bioessen auf alle Fälle ein win-win für beide Seiten.

 

Zucker so gut wie möglich vermeiden! Weizen und Milchprodukte reduzieren

Ein Immunräuber par excellence ist Zucker. Ich süße daher nur mit kleinen Mengen Reissirup (fruktosefrei), Dattelsirup, Datteln oder Kokosblütenzucker. Zucker ist vor allem versteckt in Fertiggerichten und verarbeiteten Lebensmitteln.
Statt Weizen verwende ich Kamutprodukte (eine Urweizensorte). Das gilt für Brot und Pasta. Wobei ich Pasta nur max. 1-2 mal pro Woche zu mir nehme. Es ist ein hochverarbeitetes Produkt, das nicht allzuviele Nährstoffe liefert.
Milchprodukte besorge ich in Form von Rohmilch, Bauernbutter und Käse aus Biolandwirtschaft. Nicht täglich und nur zur Ergänzung.

Weitere Immunräuber, die nicht in die Ernährung gehören (auch nach der Krise): Milch- und Milchprodukte aus Massentierhaltung. Weißmehlprodukte, Convenient Food, Tiefkühlkost, Dosengerichte.

 

Heißes Wasser, Kräutertees und Beerensäfte trinken

Es tut dem Körper gut, in regelmäßigen Abständen heißes Wasser pur oder Kräutertees zu trinken. Meine bevorzugter Tee ist derzeit Zistrosentee (Cistus), er wirkt u.a. antiviral. Kalte Getränke, koffeinhaltige Getränke in größeren Mengen, Softdrinks etc. wirken eher gegen das Immunsystem. Vitaminreiche konzentrierte Fruchtsäfte wie Granatapfelsaft oder Aroniasaft sind ebenfalls empfehlenswert. Sie sind als Muttersäfte im Bioladen erhältlich oder im gutsortierten Drogeriemarkt.
Ein weiteres Lieblingsgetränk an wärmeren Tagen ist derzeit ein Sellerie-Apfel-Shot, ich kombiniere mit den frischen Kräutern, die gerade aus dem Beet sprießen.

 
Regelmäßig fasten

Interessanterweise haben wir ja eh gerade Fastenzeit. Es gibt sehr viele Formen des Fastens. Intervallfasten von 12-16 Stunden über Nacht ist derzeit die bekannteste. Aber es gibt auch die Möglichkeit, 1 mal die Woche, alle 2 Wochen, 1 mal im Monat einen Tag zu fasten. Dazu gibt es vielfältige Methoden, am besten man probiert einiges aus und schaut, was sich am besten anfühlt. Übers Fasten habe ich hier geschrieben.
Meine Version bisher: tägliches Intervallfasten für ca. 14 Stunden. Zusätzlich 2 mal monatlich an einem bestimmten Tag eine sehr kleine Menge Obst und gedämpftes Gemüse essen. Dies mache ich nun bis auf weiteres 1 mal wöchentlich. Es ist eine gute Zeit fürs Frühlingsfasten und die geringere Energiezufuhr ist dem eingeschränkten Bewegungsradiuses geschuldet.
Fasten stärkt nicht nur die Immun- und Abwehkraft, es geruhigt auch den Geist. Die Gedanken werden klarer, was in dieser verwirrenden Zeit durchaus hilfreich ist.

 

Ausreichend schlafen

Ein tiefer und ausgiebiger Schlaf stärkt das Immunsystem. Je nach Familiensituation und mangels Möglichkeiten zum Ausgehen kann man probieren, wie sich ein etwas längerer Schlafrhythmus anfühlt. Geht man zudem ca. 2 Stunden vor Mitternacht ins Bett, hat der Körper eine aureichend lange Zeit, „housecleaning“ zu machen. Die Regeneration und Verjüngung unserer Zellen, das Abbauen von Toxinen und Schlacken, passiert nämlich am intensivsten in der Zeit zwischen 22 Uhr und 2 Uhr morgens. In der restlichen Schlafenszeit können diese Abbauprodukte dann Richtung „Ausgang“ transportiert und am Morgen beim Aufwachen idealerweise mehr oder weniger „groß“ eliminiert werden. Regelmäßiger Stuhlgang korrelliert also durchaus mit einem gestärkten Immunsystem.
Sobald wir wieder in unser normales Leben zurück kehren, kann man die Schlafdauer auf die gewohnten 7-8 Stunden reduzieren. Den Schlaf vor Mitternacht aber beibehalten ;-).
Schlechter Schlaf wegen all der News? Das ist verständlich. Helfen könnte: nur einmal am Tag die Nachrichten ansehen um informiert zu sein und am Computer eine Selfcontrol-App installieren.

 

Meditation und Yoga praktizieren

Beides hilft, den Fokus zu verändern, nach innen zu gehen und sich auf derzeit wesentliches zu konzentrieren. Und es reduziert die Angst, die auch trotz gutem Essen das Immunsystem in den Keller fahren kann. Wobei eine warme und leichte Ernährung durchaus mentale Stärke befördert und den Sorgen entgegenwirkt. Es gibt viele online Yogaklassen und Meditationsmöglichkeiten.
Evtl. hat der/die YogalehrerIn des Vertrauens seine/ihre Kurse ebenfalls schon auf online umgestellt. Es hilft diesen Solo-Selbständigen sehr, wenn sie über dieses Medium unterrichten können, denn die Hilfen seiten des Staates reichen bei weitem nicht aus für diese Zielgruppe, soviel kann man schon absehen.
Mein lieber Mann Florian geht gerade mit einem Medidationspodcast online.

 

Gedanken über die Zukunft machen

 

Streetfood – das bessere Fast Food?

Es ist Sommer und somit Zeit für die jährlich wiederkehrenden Streetfood Festivals. Gemeint ist eine Ansammlung von „Foodtrucks“, wie mobile Kioske seit einiger Zeit heißen, und die auch auf vielen Sommerfesten wie z.B. dem Tollwood in München schon seit Jahrzehnten vertreten sind. Junge Gastronomen haben vor einigen Jahren das Fastfood auf Rädern in den Fokus gerückt mit kreativen Ideen, viel Herzblut und Zutaten aus Bio- oder regionalem Anbau. Zeitgleich kam ein kleiner Kochbuchhype zum Thema in die Buchläden und schon waren die kleinen, exotischen Speisen aus der Hand schick.

Anfangs hab ich mich gerne durch das Angebot gefuttert auf der Suche nach neuen Ideen, Aromen und vor allem aus Freude über die jungen Enthusiasten IM Foodtruck und das schöne Design eben selber. Aber wie jeder Trend, kann die Kommerzialisierung der ursprünglichen Idee schnell den Garaus machen und so scheint es mir auch bei besagten Streetfood Festivals zu sein. Wenn man an den Wagen vorbeischlendert ist nicht mehr alles Design und kreativ, sondern da steht dann auch der ganz normale Suppenwagen neben dem Brezenstand, den es eh in jeder Touristenmeile gibt. Geschmacklich und qualitativ liegen zudem Welten zwischen den einzelnen Anbietern.

Die Botschaft, die von den Veranstaltern transportiert wird, lautet: Dieses Essen ist gesund, weil bio, vegetarisch, vegan, frisch gekocht usw.. Das glaubt man gerne und doch, wenn man genauer hinschaut, gibt es hinter dem Licht auch einen Schatten: Ein cupcake oder süße Waffeln werden nun mal nicht gesünder, wenn sie aus einem hübschen Wagen gereicht werden. Auch wenn die vielen Eier darin von glücklicheren Hühnern stammen. Ein Burger aus dem Foodtruck bleibt Fast Food, auch wenn das Fleisch vom Biorind ist. Das Weißmehlbrötchen macht die Biorind-Bilanz eben wieder zunichte. Es wird viel Fett verwendet bzw. frittiert und ich nehme an, dass keine kaltgepressten Spitzenöle zum Einsatz kommen. Dazu trinkt man ein hippes Getränk mit zauberhaftem Namen, das nicht viel weniger Zucker beinhaltet als eine „normale“ Cola oder Limo.

Die Idee des bewußteren und nachhaltigeren Essens finde ich super. Der Genuß fürs Auge und das Kennenlernen von z.B. asiatischem Streetfood scheint mir ebenfalls großartig. Doch in den Köpfen bleibt hängen: streetfood ist gesund (ist es nicht), schnelles Essen im Stehen ist cool (ist es nicht), frittiertes Eis ist großartig (sicher nicht für den Magen), selber kochen ist uncool (ist es nicht), usw..

Somit legitimiert die hippe Fassade ein schnelles Essen (fast food), das sicherlich in vielen Fällen qualitativ hochwertiger und gesünder ist als alles, was aus dem Schnellrestaurant kommt. Aber weit entfernt von frisch gekochter, harmonisierender Nahrung aus der eigenen Küche, dem „real food“. Denn nur dort kann ich auf weiße Lebensmittel verzichten (Zucker, Tafelsalz, Weißmehl, weißer Reis) sowie auf zuckrige Saucen, die den Burgern, dem geflammten Lachs, den Spiralkartoffeln, den Texmex Gerichten und vielem mehr beigemischt werden. Wird man durch einen Streetfood-Markt inspiriert, kann man zuhause experimentieren. Vermutlich der beste Kompromiss, es gibt wie gesagt feine Bücher dazu.

 

 

Beitragsphoto by Adrianna Calvo from Pexels

Mittag- und Abendessen im optimalen Biorhytmus

Ernährung im Biorhythmus der Natur ist eines der kleinen großen Geheimnisse für eine optimale Verdauung. Nach dem Frühstücksbericht im vorigen Beitrag hier nun zum Download Anregungen fürs Mittagessen (incl. Rezepten für Süßkartoffelsalat und Reis-Gemüse-Suppe) und Abendessen (incl. Rezepten für Gemüsecurry und eine Einschlaf-Milch).

Beide Artikel sind bei Yoga aktuell erschienen.

Rettet das Mittagessen         Happy End für den Tag

                    YA98_AyurvedischesAbendessen

Warum man nicht frühstücken muss wie ein Kaiser

Kochen, unterrichten und schreiben hat mich im letzten Jahr etwas an den Rand meiner Kapazitäten gebracht. Deshalb gab es von mir viel zu essen, einiges zu lernen und nur wenig zu lesen.

Etwas habe ich dann doch geschrieben und diesen Artikel aus Yoga Aktuell von November 2015 stelle ich hier online zum downloaden.

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Homemade Chai

Es gibt so viele Möglichkeiten, einen echten Chai zu kochen wie es Curryrezepte in Indien gibt :-).

So in etwa hab ich es gelernt:

Indischer Chai – das Rezept

Für ca. einen Liter Chai nimmt man

  • 500 ml Wasser
  • 2 TL Schwarzteepulver, z.B. English Breakfast Tea, Ostfriesenmischung, PG Tipps aus dem Asienshop, Ceylon Tea von EZA
  • 500 ml Milch (idealerweise vollfette Roh- oder Demetermilch)
  • 1 daumengroßes Stück frischen Ingwer
  • 1-2 TL frisches Kardamonpulver
  • 2 TL Vollrohrzucker (oder Birkenzucker, Mascobadozucker usw.)
  • optional (bei mir immer dabei): 1/3 Vanilleschote oder etwas Vanillepulver
  • optional: etwas Zimt

 

Das Wasser wird mit dem sehr grob gehackten Ingwer und dem Teepulver zum Kochen gebracht.

Dann gibt man Milch und Gewürze hinzu und läßt das ganze nochmals aufkochen.

Ca 5-8 Minuten köcheln lassen, zum Schluß mit Zucker (nach Belieben) süßen.

Absieben und trinken bzw. in eine Thermoskanne füllen.

 

Es gibt inzwischen einige gute Kaffewürzmischungen, z.B. von Sonnentor, die man ebenfalls verwenden kann. Allerdings sollten diese mit zusätzlichem Kardamon „verlängert“ werden. Dieses Gewürz hilft, die verschleimende Wirkung der Milch zu reduzieren. Idealerweise verwendet man Kardamon-Kapseln, die man in einer Gewürzmühle oder Kaffeemühle pulverisiert. Das Aroma ist umwerfend und hält sich in einem guten Behälter 2-3 Wochen. Wenn man ein gekauftes Kardamonpulver verwendet, wird der Chai fad, das Aroma ist meist sehr schwach.

Kardamon ist das Chai-Hauptgewürz und gibt in Verbindung mit dem Fettanteil der Milch den „echten“ Chai-Geschmack. Den man sicher garnicht kennenlernt, wenn man ein verzuckertes Instantpulver verwendet oder in einschlägige amerikanische Kaffeeketten geht und einen Chai Latte bestellt ;-).

Was ansonsten so alles unter Chai verkauft wird sind meist Schwarztees mit Gewürzen versetzt oder reine Gewürzmischungen ohne Tee (warum auch immer), denen man am Ende Milch zufügt. Sie schmecken anders, weil die Gewürze in dieser Form ein anderes Aroma geben und weil die Milch eine Weile mitkochen sollte.

Wem das Verhältnis 1:1 zu milchlastig ist, kann den Milchanteil auch reduzieren. In Indien nimmt man mehr Milch, weil der Morgen-Chai fast ein Frühstück ist.

Was nicht in den Chai gehört: Fettarme Milch (kein Geschmack), H-Milch (gehört sowieso auf die kleine ayurvedische nono-Liste), hochwertige Teesorten (die Aromen von gutem Tee mit Milch und Gewürzen vertragen sich nicht) und ein Mix aus sehr vielen Gewürzen. Je puristischer, desto besser.

Und: 2-3 Tassen am Tag sind die empfohlene Maximalmenge. 1-2 Tassen über den Vormittag verteilt und evtl. 1 Tasse am Nachmittag. Niemals am Abend, wegen der anregenden Wirkung des Tees und der schweren Wirkung der Milch.

Für mich der perfekte Kaffee-Ersatz 🙂

 

In Kurzform, worauf es ankommt beim Chai-Genuss:

  • einfaches Teepulver
  • beste Frischmilch (vollfett)
  • frisch gemahlener Kardamon

 

Fatima – oder die gute „Hausmannskost“

„Keep it simple“ klingt reizvoll nach Zeitsparen und lecker kochen auch für nicht so talentierte KöchInnen.

Auf unseren Reisen durch Indien, vor allem in touristischen Gebieten, finden wir immer wieder Frauen, die während der Saison ihre Kochkreationen für Reisende anbieten. In einer Art „pop-up-Restaurant“ oder gar im Wohnzimmer, das kurzerhand für ein paar Wochen ausgeräumt wird. Man trifft in solchen Lokalen meist Langzeit-Traveller oder Expats, denn oft sind diese Orte Geheimtipps. Und sie sind nicht „gestylt“, kein Kerzenflackern am Sandstrand, keine Deko, alles sehr sehr basic. Um nicht zu sagen, typisch indisch-plastik-kitschig… 😉indisches restaurant stillife

Fatima ist insofern eine Ausnahme, sie wird in den gängigen Touristenführern für GOA fast immer erwähnt. Ihr Shop liegt in Agonda an einer schmalen Hauptstrasse neben der Kirche, es gibt nur 3 Tische, ein paar übervolle Regale mit Trocken-Lebensmitteln und eine winzige Küche, aus der ab 12 uhr mittags Unmengen von Talis herausströmen, die typisch indischen Edelstahl-Teller mit Reis, Chapatti und 4-6 Gemüseschälchen.
Das Essen ist nicht ganz so scharf wie es die Inder gerne mögen, ansonsten ist es sehr einfach gekocht ohne schnickschnack, sehr leicht verdaulich und immer sehr lecker. Das Geheimnis ist das Einfache und die Frische. Ein lustvolles Geniessen! Für umgerechnet 1,50 Euro…

Hausmannskost

Es ist völlig in Ordnung, wenn uns Fernsehköche kunstvoll tolle Köstlichkeiten zelebrieren, für die wir einen halben Tag minimum in der Küche stehen dürfen. Oder wenn wir einen Kochkurs besuchen, der uns in die (für mich abartige) Kunst der Molekularküche mit ihren Schäumchen und sonstigen Lebensmittel-Verfremdungen einweist.

Aber fürs tägliche, fürs machbare, reichen Rezepte und Zubereitungsarten, die einfach sind und Tradition haben, die die italienische Mama kocht (perfekte Tomatensugo z.B.), die in der provencalischen Landküche seit eh und je begeistern (geschmorter Fenchel mit Pastis) oder die der eigenen Phantasie entspringen, die jeder Hobbykoch unweigerlich entwickelt… 🙂

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