Bei der Beschrei­bung der Qua­li­tät (sie­he blog­post #39), Eigen­schaf­ten und Wir­kungs­wei­se von Nah­rungs­mit­teln sind die indi­schen Wei­sen auf bestimm­te Nah­rungs­mit­tel­kom­bi­na­tio­nen gesto­ßen, die im Kör­per eini­ges an Auf­ruhr ver­ur­sa­chen kön­nen. Wir ken­nen die­sen Zustand meist dann, wenn wir uns bei einer Ver­an­stal­tung an einem Buf­fet ver­kös­tigt und dabei alles aus­pro­biert haben, was ange­bo­ten war… 😉

Inkom­pa­ti­ble Kom­bi­na­tio­nen pro­vo­zie­ren die Doshas und erzeu­gen Sub­stan­zen, die vom Kör­per nicht aus­ge­schie­den wer­den kön­nen, wie es z.B. bei Bal­last­stof­fen mög­lich ist. Die­se „erreg­ten” (sans­krit: kopa­na) Doshas sind nicht iden­tisch mit „unver­dau­ten” Sub­stan­zen (ama), die in der Regel zu Über­ge­wicht, Schwer­ge­fühl und Ver­dau­ungs­pro­ble­men etc. füh­ren, die man aber durch pas­sen­de Nah­rung, Gewür­ze und Bewe­gung wie­der los wird.

Das Pro­blem ist, dass die „ver­är­ger­ten” Doshas den näh­ren­den Gewe­be­auf­bau, an des­sen Ende viel Vita­li­tät und Immun­stär­ke (die belieb­ten Ojas) steht (sie­he blog­post #36), nicht unter­stüt­zen. Im Gegen­teil, sie wir­ken feind­se­lig oder ant­ago­nis­tisch auf die Gewe­be, bau­en die­se ab oder stö­ren deren Balan­ce. Da sie nicht aus­ge­schie­den wer­den kön­nen, ver­ur­sa­chen sie über einen län­ge­ren Zeit­raum vie­le Beschwer­den und Krank­hei­ten, vor allem, wenn die Ver­dau­ungs­kraft oder das Immun­sys­tem schon geschwächt sind. Vie­le Auto-Immun­krank­hei­ten ent­ste­hen durch inkom­pa­ti­ble Nah­rungs­kom­bi­na­tio­nen, weil die Doshas eben gegen die Gewe­be (dha­tus) und nicht für die Gewe­be arbei­ten.

Meis­tens ent­ste­hen Unver­träg­lich­kei­ten, wenn 2 für sich gese­hen unpro­ble­ma­ti­sche Sub­stan­zen durch die Kom­bi­na­ti­on toxisch wer­den. Bei­spiel: Milch oder Früch­te sind allei­ne ver­zehrt unpro­ble­ma­tisch, doch in der Kom­bi­na­ti­on toxisch.

Ant­ago­nis­ti­sche Sub­tan­zen ent­ste­hen durch kom­ple­xe Inter­ak­tio­nen zwi­schen Nah­rungs­mit­teln. Da es heu­te unzäh­li­ge neue Sub­stan­zen in und auf Lebens­mit­teln gibt (künst­li­che Aro­men, Pes­ti­zi­de, Che­mi­ka­li­en, Hor­mo­ne, Farb­stof­fe, Kon­ser­vie­rungs­mit­tel usw.) kön­nen unzäh­li­ge Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten auf­tre­ten und es kom­men immer neue hin­zu (z.B. durch Gen­tech­nik). Dies öff­net Tür und Tor für Krank­hei­ten, deren Ursa­che unklar ist und deren Behand­lung Medi­zin und Wis­sen­schaft vor ein Pro­blem stel­len.

Vor ein paar Tagen berich­te­te mir eine Kli­nik-Mit­ar­bei­te­rin von den rasant zuneh­men­den All­er­gi­en, die die Behand­lung der Pati­en­ten ver­kom­pli­ziert. Im ayur­ve­di­schen Kon­text wür­de man in die­sem Fal­le immer die Nah­rungs­kom­bi­na­tio­nen betrach­ten, die der Pati­ent haupt­säch­lich zu sich nimmt.

Vie­le der Kom­bi­na­tio­nen, die in den alten Tex­ten beschrie­ben wur­den, sind für unse­ren Kul­tur­kreis oder die heu­ti­ge Zeit nicht mehr rele­vant, so ist mir z.B. nicht bekannt, dass es Rezep­te gibt für Wach­teln, die auf Rizi­nus­baum­holz gegrillt wer­den. Und auch Ret­tich mit schwar­zer Boh­nen­sup­pe ist kein sehr gän­gi­ges Gericht hier­zu­lan­de ;-).

Auf der ande­ren Sei­te gibt es inkom­pa­ti­ble Kom­bi­na­tio­nen, die uns sehr wohl geläu­fig sind und die zum Teil in unse­rer tra­di­tio­nell mit­tel­eu­ro­päi­schen Küche bis vor eini­gen Jahr­zehn­ten nicht mal so sehr ver­brei­tet waren und eher neue­re Erun­gen­schaf­ten dar­stel­len. Dazu gehö­ren alle Kom­bi­na­tio­nen mit Milch­pro­duk­ten.

 

müsli mit joghurt und früchtenInkompatible Kombinationen mit Milch und Milchprodukten

  • Milch mit Fisch, Fleisch, Salz, grü­nem Blatt­ge­mü­se, Hülsenfrüchten/Bohnen. Dies gilt auch für Sah­ne, was in vie­len west­li­chen Ayur­ve­da­koch­bü­chern igno­riert wird. Milch­pro­duk­te, die nicht fer­men­tiert sind, ver­tra­gen sich nicht mit Salz (Kar­tof­fel­pü­ree, Becha­mel­sauce). Dies gilt vor allem für Sah­ne­saucen in jeg­li­cher Form. Eben­so gemeint ist die Kom­bi­na­ti­on Milch und Fleisch im Cheese­bur­ger oder Cor­don bleu.
  • Milch (+ Milch­pro­duk­te, beson­ders Joghurt) mit Früch­ten und ande­ren sau­ren Sub­stan­zen. Vor 50 Jah­ren gab es meist selbst­ge­mach­tes Joghurt, das man mit einem Süß­mit­tel (Honig/Zucker) und evtl. Nüs­sen (grie­chi­sche Tra­di­ti­on) ver­zehrt hat. Die­se Kom­bi­na­ti­on ist unpro­ble­ma­tisch. Früch­te­jo­ghurt hin­ge­gen (mehr als 100 Sor­ten gibt es am Markt) sind eine neue­re „Erfin­dung” und zäh­len zu den inkom­pa­ti­blen Kom­bi­na­tio­nen. Hier könn­te man dis­ku­tie­ren, ob wirk­lich ein nen­nens­wer­ter Anteil an Früch­ten im käuf­li­chen Joghurt  vor­han­den ist. Falls nicht, möch­te man ver­mut­lich auch die syn­the­ti­schen Zuga­ben nicht wirk­lich zu sich neh­men. Das weit­hin als gesund ange­se­he­ne Müs­li mit Früch­ten und Joghurt fällt in die­se Kate­go­rie. Für das Ver­dau­ungs­feu­er grenzt die­se Kom­bi an Höchst­stra­fe…
  • Milch mit Joghurt, Bana­nen, Eiern (Ome­lett)
  • Milch mit Hir­se
  • Joghurt mit Milch, Bana­nen, Man­go (Man­go­las­si), Melo­nen, Fleisch (Kebap, Tan­do­o­ri) und Fisch (hier wäre die Kom­bi­na­ti­on mit Joghurt­dres­sings in den Bei­la­gen das Pro­blem), stär­ke­hal­ti­ge Nah­rungs­mit­tel (Kar­tof­fel, Brot, Pas­ta).
  • erhitz­te Milch mit Alko­hol (Irish Cof­fee, Hei­ße Scho­ko­la­de mit Rum). Milch gilt als stark küh­lend, Alko­hol als stark erhit­zend, vor allem hoch­pro­zen­ti­ger. Die­se Kom­bi­na­ti­on zwei­er sehr extre­mer Poten­zen (Hitze/Kälte) ver­ur­sacht die Inkom­pa­ti­bi­li­tät.
  • Trin­ken von Milch nach gro­ßer Hit­ze (Son­ne, Sau­na etc.). Auch hier wirkt sich die gegen­sätz­li­che Hit­ze-Käl­te-Potenz nega­tiv aus.
  • Eier mit Milch, Früch­ten, Joghurt, Käse, Fisch und Fleisch. Die­se Kom­bi­na­tio­nen sind des­halb schwie­rig, weil jeweils stark näh­ren­de Sub­stan­zen kom­bi­niert wer­den. Jedes ein­zel­ne die­ser Nah­rungs­mit­tel ist für sich gese­hen schon sehr näh­rend und dadurch schwe­rer ver­dau­lich. In der Kom­bi­na­ti­on (zuviel ähn­li­che Eigen­schaf­ten) wird es für den Kör­per zu viel. Bes­ser wäre es, schwe­res mit leich­tem zu kom­bi­nie­ren bzw. nährendes/aufbauendes mit abbau­en­den Eigen­schaf­ten (z.B. Blatt­ge­mü­se, Kräu­ter, bit­te­re Sub­stan­zen etc.)
  • erhitz­ter Joghurt
  • Joghurt oder Quark mit Hüh­ner­fleisch oder Reh­fleisch (z.B. Tan­do­o­ri-Chi­cken)
  • Käse mit Eiern (Käse­ome­lett und Käse­spätz­le kennt man z.B. als schwer und sät­ti­gend)

 

Nun gibt es zum Glück bei all den unver­träg­li­chen Kom­bi­na­tio­nen einen sehr wich­ti­gen Pas­sus im Text:

Unver­träg­li­che Spei­sen scha­den jenen wenig, die kör­per­lich viel arbei­ten (unse­re Vor­fah­ren, Sport­ler, Hand­wer­ker etc.), an fet­te und schwer ver­dau­li­che Spei­sen gewohnt sind, die erwach­sen sind und stark (damit sind jun­ge Men­schen gemeint). Eben­so, wenn sich der Mensch über lan­ge Zeit an eine unver­träg­li­che Spei­se in sehr klei­nen Por­tio­nen gewöhnt hat.

 

Inter­es­sant ist dabei der letz­te Satz, der erklärt, war­um die Schwei­zer mit dem Bir­cher­müs­li oder Öster­rei­cher mit Mehl­spei­sen wie Kai­ser­schmarrn weni­ger Pro­ble­me haben als Men­schen, die nicht damit auf­ge­wach­sen sind. Und der beson­ders wich­ti­ge Aspekt lau­tet „in sehr klei­nen Por­tio­nen”… 😉

Wenn man sich nun doch von der einen oder ande­ren (gewohn­ten) Kom­bi­na­ti­on ver­ab­schie­den möch­te, wird emp­foh­len, das in klei­nen Schrit­ten zu tun und nicht von heu­te auf mor­gen. Der Kör­per hat dann Zeit, sich lang­sam umzu­stel­len ohne radi­ka­le Brü­che, was er gar­nicht mag. Kal­ter Ent­zug ist nichts ayur­ve­di­sches.

 

Weitere inkompatible Kombinationen

Die Kom­bi­na­tio­nen mit Milch­pro­duk­ten sind die­je­ni­gen, mit denen man am meis­ten Scha­den anrich­ten kann. Eini­ge Stu­di­en, die in der vega­nen Sze­ne zitiert wer­den, las­sen sich in die­sen Kon­text set­zen und machen Sinn. Milch zählt als voll­stän­di­ges Nah­rungs­mit­tel und soll­te am bes­ten allei­ne kon­su­miert wer­den.

Es wer­den nun noch eini­ge wei­te­re Nah­rungs­mit­tel-Kom­bi­na­tio­nen erwähnt, deren dau­ern­der Ein­satz nicht emp­foh­len ist. In klei­nen Men­gen und bei guter Gesund­heit kann man die meis­ten die­ser Kom­bi­na­tio­nen auf­grund sei­ner indi­vi­du­el­len Ver­dau­ungs­kraft so zu sich neh­men, wie man sich gut damit fühlt. Wenn eine Kom­bi­na­ti­on bewirkt, dass man nach dem Essen müde, gereizt, schwer, gebläht oder vol­ler Bauch­schmer­zen ist, weiß man, dass die­se Kom­bi­na­ti­on ver­mie­den wer­den soll­te.

Nichts im Ayur­ve­da ist dog­ma­tisch und immer wie­der wird betont, dass die Men­ge das Gift macht. Kennt man die mög­li­chen Unver­träg­lich­kei­ten, kann man frei und wei­se ent­schei­den, wie viel/wenig man davon genies­sen mag. Die berühm­te 80/20 Regel ist dabei eine hilf­rei­che Richt­schnur.

  • Bana­nen mit Pud­ding, Milch, Yoghurt, Quark, But­ter­milch und Ghee (zuviel schwe­res, küh­len­des und ver­schlei­men­des). Wenn man sich beoba­chet nach dem Trin­ken eines Bana­nen-Milch­shakes, weiß man, was gemeint ist.
  • Früch­te zum und nach dem Essen. In der Süd­see wird sehr viel mit Früch­ten gekocht. Hier passt es zur Tra­di­ti­on und Regi­on (sie­he Zitat oben). Ansons­ten ist es emp­foh­len, Obst zum Früh­stück, als sepa­ra­te Mahl­zeit oder als Snack zu neh­men. Obst ist nicht so wich­tig wie Gemü­se, da es auf­grund der Frucht­säu­re und des Frucht­zu­ckers eher Dis­ba­lan­cen aus­lö­sen kann im Gegen­satz zu Gemü­se, bei denen die meis­ten Sor­ten sehr aus­glei­chen wir­ken (Aus­nah­me: Nacht­schat­ten­ge­wäch­se wie Kar­tof­feln, Toma­ten, Papri­ka und Auber­gi­nen).
  • Süße und sau­re Früch­te bzw. Früch­te aus ver­schie­de­nen Sai­sons und unter­schied­li­chem Rei­fe­grad (hier­mit ist in ers­ter Linie der Obst­sa­lat gemeint)
  • Zitro­ne mit Joghurt, Milch, Toma­ten und Gur­ken (Aus­nah­me: Paneer, der indi­sche Frisch­kä­se)
  • Nacht­schat­ten­ge­wäch­se (Kar­tof­feln, Toma­ten, Papri­ka, Auber­gi­nen) mit Joghurt (Grie­chen und Tür­ken sind dar­an gewöhnt), Milch (Kar­tof­fel­pü­ree), Melo­nen und Gur­ken.
  • Hei­ße Geträn­ke nach der Ein­nah­me von Alko­hol, Yoghurt oder Honig
  • erhitz­ter Honig (Back­wa­ren, Tee)
  • extrem gegen­sätz­li­che, z.B. sehr küh­len­de und sehr erhit­zen­de Sub­stan­zen zusam­men (Vanil­le-Eis mit hei­ßen Him­bee­ren, Pfef­fer und Milch, Lat­te Mac­chia­to, Man­go­las­si)
  • extrem ähn­li­che Sub­stan­zen, z.B. nur näh­ren­de Sub­stan­zen (Milch, Eier, Fleisch, Joghurt) oder nur schwe­res  wie Eier mit Milch, Mehl, Salz (Ome­lett) oder Fleisch und Fisch in einer Mahl­zeit, oder Mehl­spei­sen aus Eiern, Milch und Mehl (Kuchen, Pan­cakes).
  • Rei­fes und unrei­fes in einer Mahl­zeit gemischt. Idea­ler­wei­se ver­wen­det man immer nur rei­fes Obst und Gemü­se.
  • Gekoch­tes und Unge­koch­tes (rohes) in einer Mahl­zeit. Der Bei­la­gen­sa­lat z.B.. Wenn bei­des auf dem Tel­ler ist, fängt man mit dem Rohen an und nimmt danach das Gekoch­te.
  • frisch Gekoch­tes und Auf­ge­wärm­tes in einer Mahl­zeit. Wenn das nicht täg­lich vor­kommt, ist es eher kein Pro­blem. Wenn man in Kan­ti­nen und Restau­rants isst, hat man jedoch kei­ne Sicher­heit.
  • Fleisch- und Milch­pro­te­in in einer Mahl­zeit (z.B. Cor­don bleu, Cheese­bur­ger, Käse­würst­chen). Fleisch mit Ret­tich, Honig, Sirup, Sesam­saat, schwar­zen Boh­nen, gekeim­tem Getrei­de oder Essig.

 

The­ra­pie bei Beschwer­den auf­grund von inkom­pa­ti­bler Nah­rung

In der ayur­ve­di­schen Medi­zin wird meist eine Pan­chak­ar­ma-The­ra­pie mit Aus­lei­tun­gen emp­foh­len. Je nach Pro­ble­ma­tik kann das Ent­fer­nen der toxi­schen Sub­stan­zen über the­ra­peu­ti­sches Erbre­chen oder Abfüh­ren erreicht wer­den. In ande­ren Medi­zin­tra­di­tio­nen hat man eben­falls her­vor­ra­gen­de Ver­fah­ren ent­wi­ckelt, die das Gleich­ge­wicht wie­der­her­stel­len kön­nen.

 

Mit die­ser klei­nenbuffet Lis­te kann man sei­nen Ernäh­rungs-Wochen­plan scree­nen und dann ent­schei­den, was nicht so per­fekt zusam­men passt. Oder zu einem passt :-). Viel Spaß dabei!

 

 

 

 

Copy­right: Kondor83 / istock — Mago­ne / istock

Print Friendly, PDF & Email