Es ist Hochsommer, die Gemüsemärkte liefern uns reife Früchte und Gemüse in voller Pracht und in diesen Monaten koche ich auch mit Tomaten. Nun ist dies eine Frucht, über die man in Ayurvedakreisen heiß diskutieren kann. Und erhitzend und damit übersäuernd ist die Tomate nicht zu wenig.

Wenn man z.B. in SriLanka eine sogenannte Ayurvedakur absolviert, wird die Ärztin / der Arzt beim Abschlußgespräch die Tomaten immer von der Nahrungsliste streichen. Bei allen, egal welcher Typ man ist. Eine ayurvedische Besonderheit ist generell, dass man den Anteil von Nachtschattengewächsen auf ein Minimum reduziert. Dies gilt neben Tomaten auch für Kartoffeln, Paprika und Auberginen / Melanzani. Diese Lebensmittelgruppe wirkt im Körper einfach nicht so harmonisierend wie viele andere Gemüse.

Als ich das erste Mal in der Küche einer Ayurvedaklinik in Indien stand und dort munter mit Tomaten gekocht wurde, war ich deshalb ziemlich erstaunt. Und hab natürlich nachgeforscht, was dafür und dagegen spricht.

 

Vitamine und Lycopin

Tomaten haben einiges zu bieten: viele Vitamine und vor allem das Carotinoid Lycopin. Dieses verleiht den Tomaten nicht nur die rote Farbe, sondern es gilt auch als Antioxdant und Radikalfänger, d.h., es kann bestimmte reaktionsfreudige Moleküle im menschlichen Körper unschädlich machen.

Diese Carotinoide schützen die Tomatenpflanzen vor den potenziell schädlichen Wirkungen der Sonnenstrahlen. Wenn wir Tomaten essen, spielt diese Schutzfunktion im Körper eine große Rolle für eine optimale Gesundheit und Prävention. Ein hoher Anteil an gekochten Tomaten in der Ernährung unterstützt den Körper, die UV-Strahlung der Sonne abzuwehren und somit Hautschäden (durch freie Radikale, die aufgrund von UV-Strahlung auf der Haut gebildet werden), sowie die Auswirkungen des Alterns aufzuschieben. Nicht umsonst haben Tomaten also ihren Reifepunkt im Sommer.

Zusätzlich haben die Lycopine der Tomaten die Eigenschaften, Schäden der körpereigenen Fette, Proteine ​​und DNA-Stränge zu verhindern. Diese Effekte werden seit kurzem damit in Verbindung gebracht, den Alterungsprozess zu verlangsamen und chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-und Nervenerkrankungen sowie Krebs, Diabetes und sogar Osteoporose abzuwehren.

 

Koch die Tomaten!

Das Lycopin in rohen Tomaten sind so in den Fasern eingebunden, dass es vom Körper nur sehr schwer absorbiert werden kann. Durch den Kochvorgang wird die Bioverfügbarkeit von Lycopin jedoch stark erhöht. Dies gilt auch für Tomatenmark und Tomatensaucen. Interessanterweise – und vielleicht überraschend – wird auch berichtet, dass Menschen, die viel verarbeitete Tomaten Produkte wie Ketchup, Pizza-Sauce und Tomatenmark essen, niedrigere Raten von chronischen Krankheiten aufweisen.

Somit kommen die o.g. Eigenschaften nur dann zum Tragen, wenn man die Tomaten kocht. Richtig kocht, wie z.B. die italienischen Mamas ihre Sugo stundenlang köcheln lassen. Dies hat einen weiteren Vorteil, reduziert der Kochvorgang auch eine sehr unbeliebte Eigenschaft der Tomaten, die erhitzende (pitta-erhöhende) und übersäuernde Wirkung. Gerade im heißen Sommer kann diese Wirkung zu Hitzeproblematiken im Körper führen, was sich gerne mal in Entzündungen, Sodbrennen und schlechter Haut zeigt. Und wer wissen will, WIE sauer eine rohe Tomate ist, sollte mal eine bearbeiten, nachdem er sich an einem Finger verletzt hat. Es brennt wie die Hölle…

Ein weiterer Trick, die Tomate weniger säuernd und damit bekömmlicher zu machen ist das Enthäuten. In allen Kulturen findet man deshalb Rezepte, bei denen die Tomaten kurz ins heiße Wasser gelegt werden, nachdem die Haut am Rispenansatz kreuzförmig eingeschnitten wurde. Die Haut löst sich dann problemlos.

Den indischen Weisen war ein ausgeglichener Säure-/Basenhaushalt besonders wichtig (sie nennen es anders als wir) und somit waren nur gekochte Tomaten erwünscht. Vermutlich wußten sie wenig über Lypocin und dass das Kochen der Tomaten diese von einem nicht unbedenklichen Nahrungsmittel in Medizin verwandelte. Oder wußten sie es doch? 😉

Wenig Säure haben übrigens auch getrocknete Tomaten, aber sie weisen eben auch weniger Vitamine und Nährstoffe auf als gekochte Tomaten.

 

Jetzt im Sommer verwende ich am liebsten die wunderbar süßen Datteltomaten, die von Haus aus nicht so säuernd wirken. Aber egal welche Sorte, je reifer und süßer die Tomate ist, desto besser. Rohe Tomaten dagegen meide ich so gut ich kann. Auch in CousCous oder Quinoasalaten koche ich die Tomaten eine Weile, bevor ich sie zufüge.

Nicht über meine Küchentürschwelle kommen wässrige, geschmacklose Tomaten außerhalb der Saison, die wenig Sonne sehen und somit wenig Nährstoffe liefern. Dafür nur noch übersäuern. Und nicht mal das Essen verbessern. Von Herbstende bis Sommeranfang gibt’s eben weniger rot-säuerliches oder alternativ Tomatenmark. Ist ja auch nicht die Zeit, in der man sich vor Sonnenbrand schützen muss… 😉

In der indischen Ayurvedaklinik gibts die Tomatengerichte übrigens maximal 2 mal in der Woche.

Und beneiden tu ich jeden, der eingene Tomaten im Garten ziehen kann. Sie sind immer eine Köstlichkeit.

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