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Es ist Sommer (kalendarisch zumindest) und man findet in Juicebars erfrische Drinks und Smoothies mit phantasievollen Namen (Immunity, Beauty, Relax, Vitaminbooster usw.), die alle irgendetwas Gesundes versprechen. A-B-C-Drinks (apple-beetroot-carrot), Beerenmischungen mit Gemüse, Sellerie mit verschiedenem Obst und Weizengras, alles schön bunt zusammengemixt.

Dieses bunte Zusammenwürfeln würde bei einem ayurvedischen Weisen nicht so einfach durchgehen, bzw. er würde in der Saftbar eher den sortenreinen Ein-Zutaten-Smoothie bestellen, ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“. Müsste er sich für 2 bis 3 Zutaten entscheiden, würde es immer nur Obst ODER Gemüse sein und nicht beides gemischt.
Und auch innerhalb einer Zutat würde er darauf bestehen, dass z.B. die Äpfel/Birnen/Mangos etc. alle von derselben Sorte und denselbem Ernteort wären. Wie er auch bei der Milch darauf achten würde, sie von einer Kuh oder einem Bauern statt von der Großmolkerei zu beziehen. Und natürlich wäre auch der Wein, den der Weise trinkt, sortenrein von einer Rebe und einem Weingut und kein Verschnitt.

 

Der Gedanke dahinter: Die Verdauungsenzyme tun sich sehr viel leichter, wenn sie weniger verschiedene Substanzen und eher homogenere zur gleichen Zeit verdauen müssen. Das hängt mit dem Reifegrad der Nahrungsmittel und auch mit der Verdaubarkeit zusammen. Manche Obstsorten gehen sehr schnell durch den Verdauungstrakt (Wassermelone), andere benötigen länger (Äpfel). Gemüse wiederum benötigt insgesamt länger als Obst. Das Verdauungssystem hat deshalb Mühe, Obst und Gemüse gleichzeitig zu “verarbeiten”, da sie unterschiedlich verdaut werden müssten.

Ähnlich ist es bei warmen Gemüsegerichten, die viele verschiedene Gemüsesorten beinhalten. Leichter verdaulich sind auch hier Mahlzeiten mit 1-3 Gemüsesorten und nicht das bunt gemischte Gemüsecurry aus 5-8 Wurzeln, Knollen, Stengeln usw..

Am meisten gilt es für den beliebten Obstsalat. Hier werden oft Früchte aus den unterschiedlichsten Saisons gemischt, in unterschiedlichen Reifegraden, aus unterschiedlichen Ländern und mit sehr verschiedenen Fruchtsäure-/Fruchtzucker-Verhältnissen. Lieber also die Erdbeeren pur im Frühsommer geniessen, die Beerenvielfalt im Sommer, Trauben und Pflaumen im Spätsommer, Äpfel und Birnen im Herbst.

Sortenreinheit ist seit jeher ein Qaulitätsmerkmal, und wenn der Gourmet dies aus puristischen Gründen bevorzugt, hat er gleichzeitig den gesundheitlichen Mehrwert, den die ayurvedischen Texte beschreiben. Die für mich immer wieder ihre zeitlose Kompetenz für das 21. Jhd. beweisen.

 

Die Mischung von Rohem und Gekochtem

Reifes und süßes Obst wird als ‚von der Sonne gekocht‘ eingestuft und gilt nicht als Rohkost im klassischen Sinne. Gemüse in Saftform wiederum zählt als Rohkost. Beides im Mix (roh + gekocht) ist nach den ayurvedischen Texten eher nicht ideal, sie zählen zu den inkompatiblen Nahrungsmittel-Kombinationen, die unserem Körper einiges an Verdauungsproblemen bescheren.

In den meisten westlichen Ayurvedabüchern wird empfohlen, sicherheitshalber Obst und Gemüse immer getrennt voneinander zu verzehren.

Nun gibt es durchaus Länderküchen, die eine Ausnahme darstellen. Kann man sich die Südseeküche ohne die Kombination von Gemüse, Linsen oder Fleisch mit ihren reichlich vorhandenen, exotischen Früchten vorstellen? Oder die orientalische Küche ohne Granatäpfel? Den Menschen in diesen Regionen und Kulturen sind diese Kombinationen praktisch in die Wiege gelegt und werden somit sehr gut vertragen. Für uns in kleinen Mengen ganz sicher auch :-).

In unserer traditionellen Küche, in der die Ananas nicht im Voralpenland wächst, findet sich die Mischung von Obst und Gemüse eher in herbstlichen Kombinationen von Äpfeln mit Sellerie oder Krautgerichten.

Mit diesem Hintergrundwissen wünsche ich viel Spaß an der Smoothie- oder Weinbar 🙂

saftbar

 

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