Dieser Post ist eine Wiederholung des Beitrages „Das Osterlamm – eine ayurvedische Sichtweise“ von Ostern 2012. In Anbetracht der inzwischen fast wöchentlichen Skandale zum Thema Fleisch schien es mir sinnvoll, diese Sichtweise nochmals zu reaktivieren und zu ergänzen.

LämmerWenn man die alten ayurvedischen Schriften liest, mag man sich vielleicht wundern, wie lange das Kapitel über Fleisch ist. Letztendlich bedeutet es, dass dieses Nahrungsmittel sehr viel verwendet wurde bzw. einen hohen Stellenwert in der ayurvedischen Kultur hatte. Tatsächlich fallen die vielfältigen Zubereitungen in Form von medizinischen Abkochungen, Brühen (haben unsere Mütter schon gekocht wenn wir krank waren) und Pasten auf, sowie die exakten Beschreibungen, welches Fleisch für uns Menschen gesundheitsfördernde Effekte hervorruft und welches nicht.
Meist wurde ein Fleischopfer zur Gewinnung von Nahrung und Medizin mit einer dankbaren Sinneshaltung, Achtung für das Tier und traditionellen Ritualen verbunden.

Für Menschen, die unterernährt sind oder sich von einer langdauernden Erkrankung erholen, sowie für stillende Mütter kann der Konsum von hochklassigem Qualitätsfleisch eine phasenweise Unterstützung sein. Ich kenne nicht wenige Vegetarier, die für kurze Zeit „umgestiegen“ sind.
Aus gesundheitlichen Gründen müsste man also nicht unbedingt auf Fleisch verzichten, wenn man folgende Qualitätskriterien beachtet, die für unsere Region und Kultur besonders relevant sind:

  • Das Tier, dessen Fleisch man verzehrt, sollte erwachsen sein, nicht zu jung und nicht zu alt. Also kein (Oster)Lamm, kein Kalb, kein Rehkitz, kein Ferkel. Ein zu junges Tier kann dem Menschen nicht den Umfang an Nährstoffen zuführen, die er eigentlich mit dem Fleischkonsum bezweckt. Es stirbt also umsonst, bzw. für den reinen Genuß. Man kann es vergleichen mit Obst und Gemüse, das noch nicht reif ist.
  • Das Tier, dessen Fleisch man verzehrt, sollte gesund und kräftig sein. Ein großes KO-Kriterium. Denn damit scheiden alle Fleischsorten aus Massentierhaltung aus, bei der die Tiere nur mit Hilfe der Pharmaindustrie (Hormone, Antibiotika, Chemikalien usw.) „gesund“ gehalten werden. Somit also fast alles, was heutzutage als Fleisch verkauft wird.
    Mit einem kleinen Rechercheaufwand kann man gutes Fleisch in seiner Umgebung finden. Beim Bauern, in sehr hochwertigen Bio- oder Hofläden usw.. Meist stammt es von Tieren, die sich in einem möglichst natürlichen Lebensraum (also auch im Freien) aufhalten und hauptsächlich Gras fressen, ohne Zugabe von Mais, Weizen, Soja und anderen Zusatz-Futtermitteln.
  • Das Tier, dessen Fleisch man verzehrt, sollte idealerweise sein Futter selber wählen (hatten die Rishis schon vor über 2000 Jahren „gesehen“, dass wir eines Tages den Tieren krankmachendes Futter zuführen würden?). Was in großen Teilen für Wildtiere zutrifft. Oder so manches freilebende Huhn. Dieses Kriterium führt vermutlich dazu, dass der Fleischkonsum noch seltener wird. Belohnt wird man dafür mit äußerst bekömmlichen und leicht verdaulichem Hirsch-Braten, Reh-Ragout, Chicken-Curry etc..
  • Ziegenfleisch, -milch oder -käse sind für den Menschen sehr gut verträglich aufgrund des Futters (bittere Wildkräuter) und der vielen Bewegung der Tiere (sofern sie nicht im Stall gehalten werden). Genau das Gegenteil trifft für das Schaf zu. Dessen Fleisch und Milchprodukte sind sehr schwer verdaulich und sollten eher gemieden werden (zweites Osterlamm-Aus, sorry…)

Das Fleisch, das in den alten Texten beschrieben wurde, gibt es auch heute noch. Allerdings selten da wo die meisten Menschen einkaufen. Gutes Fleisch kostet richtig viel Geld und liegt nicht eben mal im Supermarkt im Frischeregal. Und man kriegt es selten im Restaurant unterhalb der Spitzengastronomie. Es kann vermutlich auch nur in kleinen Mengen verzehrt werden, wie früher, als die Harmonie zwischen Mensch, Natur und Tieren noch werthaltig war. Es wäre die für uns gesündeste Art des Fleischkonsums. Und die gesündeste für Natur und Tiere sowieso.

Wer aus ethischen Gründen oder aus Tierliebe Fleisch auf seinem Speiseplan reduziert oder sogar ausschliesst, verdient höchsten Respekt. Über die Gründe, so zu entscheiden, berichten sehr authentisch Karen Duve in ihrem Buch „Anständig Essen“ oder Jonathan Safran Foer in „Tiere essen“, absolut lesenswert!
karen duve

Und schöner ist es allemal, die Osterlämmer auf der Wiese zu sehen…

Print Friendly, PDF & Email