Die kleine Trilogie über die Essens-Rhythmik beende ich heute mit dem Abendessen.

Dosha-Aktivität während des TagesDie Doshauhr durchläuft ihren Zyklus ab 18 Uhr ein zweites Mal innerhalb von 24 Stunden. So fällt das Abendessen wie das Frühstück in eine Zeit, in der die schwere Kaphaenergie dominiert, das Verdauungsfeuer also nicht besonders leistungsfähig ist. Im Gegensatz zur ersten „Runde“ hat der Körper nach dem Abendessen nicht mehr viel Zeit, das ganze zu verdauen, weil er schlafen geht.

Fatal ist dies meist deshalb, weil für die meisten Menschen in der westlichen Welt das Abendessen die Hauptmahlzeit ist und zudem die schwerste. Viele der heutigen Verdauungsprobleme und daraus entstehende chronische Krankheiten lassen sich durch diesen ungesunden Essensrhythmus erklären.

 

Wie mitten am Tag ist auch nachts zwischen 22 Uhr und 2 Uhr die Feuerenergie (Pitta) stark. Wir erkennen das daran, dass wir nach 22 Uhr wieder wach werden, auch wenn wir vorher schon vor dem Fernseher eingedöst waren. hungerUnd wenn man den toten Punkt überwunden hat, kommt auch gerne der Hunger zurück und verleitet uns zu einem nächtlichen Gang an den Kühlschrank. Doch im Gegensatz zur Tages-Feuerzeit ist in der Nacht die Sonne nicht aktiv, die die inneren Prozesse unterstützt. Denn die Natur hat ursprünglich geplant, dass wir in dieser Zeit schon friedlich schlummern.

Ein spätes und schweres Abendessen bleibt im Verdauungstrakt erst mal liegen. Im Idealfall wird es nach dem Aufwachen am nächsten Morgen verdaut, sofern man nicht ein Frühstück oben drauf packt. Manchmal passiert es aber auch, dass die späte Abendmahlzeit im Körper gärt und Gasbildung hervorruft. Und den Schlaf empfindlich stört, wenn der Körper versucht in der nächtlichen Pittazeit zumindest einen Teil der Nahrung noch zu verdauen.

 

Der falsche Hunger

Ein Phänomen ist dabei sehr trügerisch. Hat man spät und viel zu Abend gegessen (Hochzeit, Firmenfeier usw.), kann es passieren, dass man beim Aufwachen am nächsten Morgen einen sehr starken Hunger verspürt und sich wundert, wie das trotz des großen Abendmahls sein kann. Die Erklärung aus ayurvedischer Sicht ist einfach: beim Aufwachen startet sofort die Verdauung des Essens und die thermische Wirkung, d.h. die Temperaturerhöhung fühlt sich an wie Hunger. Es wird jedoch als falscher Hunger bezeichnet, denn der „echte Hunger“ kann sich erst entwickeln, wenn die letzte Mahlzeit vollständig verdaut ist.

Hier gilt es, nicht auf dieses Fehlsignal hereinzufallen und den falschen Hunger besser zu ignorieren statt etwas zu essen. Ein Glas warmes Wasser vertreibt ihn übrigens meist wieder und wenn man sich ablenkt, vergisst man den „Hunger“ und erinnert sich erst Stunden später daran. Kommt einem das bekannt vor ?

 

Der harmonisierende Abendrhythmus

  • ein kleines Gemüsegericht, eine Suppe, leicht verdauliches, das wäre erste Wahl beim Abendessen. Wenn man an  große Mittagsmahlzeiten gewöhnt ist, hat man am Abend automatisch nicht mehr so viel Hunger.
  • das Verdauungsfeuer freut sich, wenn man auch beim Ausgehen mit Freunden nur eine Kleinigkeit isst.
  • Bis spätestens 22 Uhr schlafen zu gehen ist ein großer Energiebringer. Man fühlt sich in der Regel frischer und leistungsfähiger am nächsten Morgen.

Abendessen Suppe

In Kulturen, wo man spät am Abend das Essen zu sich nimmt, fällt dieses übrigens oft in die Zeit nach 22 Uhr, was dem Körper ermöglicht, noch einen Teil der Nahrung zu verarbeiten vor dem Schlaf. Es ist nicht unüblich, danach auch noch zum Tanzen zu gehen ;-). Wie bereits erwähnt, macht man in diesen Ländern nicht viel Aufhebens um das Frühstück. Der Körper hat ja am nächsten Morgen noch genug, von dem er zehren kann.

Dass die Menschen in diesen Ländern keine größeren Probleme damit haben, liegt daran, dass sie diesen Rhythmus von Kind an gewöhnt sind. Ein Inder in Brasilien hat da erst mal ein größeres Problem…

Wir Mitteleuropäer hängen da irgendwo dazwischen… 🙂

 

 

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