Heute schreibe ich aus Wien, wo ich für eine Yogagruppe koche und wohl einen Teil meiner Gage im Bermudadreieck der Gewürzläden rund um den Naschmarkt „verlieren“ werde. 😉 Denn Wien ist in dieser Hinsicht ein Paradies. Es gibt nicht nur das Suppito und Babette’s sondern auch einige Asienshops auf der Achse zwischen den beiden.

Gewürze in der Nahrung sind die „Medizin“ vieler Kochtraditionen rund um den Globus. Sie neutralisieren oder „verbrennen“ Unverdautes und Belastendes im Körper, reinigen verstopfte Körperkanäle, nähren die Körpergewebe und desinfizieren. Sie werden meist als leicht, scharf, durchdringend und erhitzend eingestuft.
Bestimmte Grundgewürze mischen sich in immer anderen Zusammenstellungen zu landestypischen Geschmacksnoten. Kreuzkümmel, Paprika, Fenchelsamen, Koriander, Bockshornklee, Senfsamen, Kardamon, Zimt, Nelken, Pfeffer in allen möglichen Variationen, Chili findet man in der asiatischen, orientalischen oder afrikanischen Küche gleichermaßen, doch die Kombination macht den aromatischen Unterschied. Alle diese Gewürze wurden schon vor Jahrtausenden als hilfreich für die Gesundheit der Menschen erkannt. Und zum Teil teuer verkauft in die Länder, in denen z.B. kein Pfeffer wächst…
Doch auch in unseren heimischen und mediteranen Gärten gab es schon immer eine Vielzahl von Kräutern, die ähnliche Heilwirkungen aufweisen.
Das unterscheidet eine Ernährung mit Gewürzen in ihrer Wirkungsvielfalt so sehr von Gerichten, die maximal mit Salz und Pfeffer auskommen. Und Essen wird durch die unterschiedlichen Aromen abwechslungsreich wie noch nie.

 

Gewürze kaufen

Qualitativ hochwertige Gewürze sind nicht überall zu finden, am ehesten in Bioläden und Reformhäusern (Herbaria, Sonnentor, Lebensbaum, Brecht etc.), im Onlineversand (z.B. Spice for life, 1001 Gewürze) oder in Spezialgeschäften, die eine hohe Fluktuation aufweisen.
Billige Gewürze (z.B. aus dem Supermarkt) werden begast oder bestrahlt, um sie transportsicher und länger haltbar zu machen, von der Heilwirkung bleibt dabei nicht viel übrig.
Einzelgewürze kauft man am besten als Samen. Diese sind ca. ein Jahr lang potent, d.h. sie würzen nicht nur sondern sie besitzen auch die medizinischen „Nebenwirkungen“. Nach einem Jahr gehen diese jedoch verloren. Bei Gewürzen in gemahlenem Zustand schon viel früher. Sie verlieren schnell ihr Aroma und sollten rasch aufgebraucht werden. Dies gilt auch für fertige Gewürzmischungen (Currys, Ras el Hanout, Herbes des Provence etc.). Deshalb kaufe ich lieber kleinere Mengen, dafür öfter und frisch.

 

Gewürze verwenden

Idealerweise zerkleinert man Gewürze erst kurz vor ihrem Einsatz. Hierzu eignet sich ein Mörser, eine Gewürzmühle oder eine elektrische Kaffeemühle (mit Schlagmesser). Das Aroma frisch gemahlener Gewürze ist unvergleichlich besser als das eines Gewürzpulvers. Auch die Heilkräfte sind stärker.
Der Geruch durch die ätherischen Öle, dem eigentlichen Träger der Wirkung, macht das Kochen zu einem sinnlichen Vergnügen. Und das Essen schmeckt wesentlich intensiver und runder. Ob man die Gewürze am Anfang oder Ende des Kochvorgangs zugibt hängt vom jeweiligen Rezept ab. Alle Varianten funktionieren in der Regel.

 

Gewürze aufbewahren

Alle Gewürze sollten in gut verschlossenen Behältern aufbewahrt werden. Es eignen sich z.B. braune Apothekengläser, Porzellandosen etc.. Bei Verwendung von transparenten Gläsern ist es besser, die Gewürze im Dunkeln zu lagern, auch wenn das sichtbare Regal für die Küchenästhetik hübsch aussehen mag. Das Sonnen- oder Tageslicht läßt die Gewürze schneller „altern“. Plastikbehälter sind für einige Gewürze nicht geeignet (z.B. Kardamon), man sollte sie meiden.
Gewürze sind nur begrenzt haltbar. Ganze Gewürze verlieren nach spätestens einem Jahr ihre Eigenschaften. Gemahlene sogar schon nach ca. 6-8 Monate. Dann sollten alle Gewürze radikal aussortiert werden, da Sie ihre Heilwirkung verloren haben. Deshalb achte ich bei Gewürzen mehr als bei allen anderen Nahrungsmitteln auf das „best before“-Datum. Da wandert ein Gewürz auch mal vor dem Ablaufdatum in die Biotonne.

Vielleicht ergibt sich für den einen oder anderen ein kleiner Qualitätscheck mit anschließendem Frühjahrsputz im Gewürzregal? 😉

Print Friendly, PDF & Email