don't eat
Es gibt Men­schen, die immer Hun­ger haben bzw. immer essen. Man erlebt sie ständg knab­bernd, sna­ckend, oder rich­tig essend und wun­dert sich, wo das alles hin­geht.
Per­ma­nen­tes Essen oder Sna­cken wird durch das Phä­no­men des fal­schen Hun­gers aus­ge­löst und zeigt an, dass die Ver­bin­dung vom Esser zum Essen gestört ist.
Nimmt man über einen län­ge­ren Zeit­raum Essen zu sich bevor die letz­te Mahl­zeit ver­daut ist, stört dies die Balan­ce aller 3 Bio­en­er­gi­en (Doshas), was meist zu schwe­re­ren Erkran­kun­gen führt.

 

Ursachen für falschen Hunger:

1. Die letz­te Mahl­zeit hat­te kei­ne oder nur weni­ge Nähr­stof­fe (Junk­food, Weiß­mehl­pro­duk­te, Sala­te etc.). Der Kör­per signa­li­siert Nach­schub-Bedarf durch Hun­ger. Der Super­si­ze XL Bur­ger hat noch nie­man­den lan­ge befrie­digt. Hoch­wer­ti­ges Essen macht die­sem fal­schen Hun­ger schnell den Gar­aus.
2. Das Ver­dau­ungs­feu­er ist so gestört, dass die Nah­rung nicht ver­daut wer­den kann. Meist wird sie unver­daut wie­der aus­ge­schie­den, evtl. sogar kurz nach dem Essen. Durch die feh­len­de Auf­nah­me der Nähr­stof­fe kann es zum Hun­ger­ge­fühl kom­men. Die­se Situa­ti­on, die eher sel­ten vor­kommt, lässt sich durch ärzt­li­che bzw. natur­heil­kund­li­che Betreu­ung (Ayur­ve­da, TCM, ande­re) nach eini­ger Zeit meist wie­der hei­len.
3. Der Geist (oder die See­le) ist „hung­rig“. Essen ist für vie­le Men­schen eine Kom­pen­sa­ti­on von Streß, einem schwie­ri­gen Arbeits­um­feld oder einer her­aus­for­dern­den Lebens­pha­se. Manch­mal ist auch ein­fach nur Lan­ge­wei­le oder eine feh­len­de Lebens­auf­ga­be dafür ver­ant­wort­lich. Wenn man sich schlecht oder leer fühlt, wer­den durch das Unter­be­wusst­sein Ver­dau­ungs­säf­te frei­ge­setzt, was sich wie Hun­ger anfühlt.
Der Geist sucht nach Glücks­ge­füh­len und die­se sind am unmit­tel­bars­ten durch Essen zu errei­chen. Man­che Men­schen seh­nen sich auch oft nach Süßem für eine schnel­le Befrie­di­gung der See­le.

Fol­gen­de Maß­nah­men sind in die­ser Situa­ti­on emp­feh­lens­wert:

  • - die Pau­se zwi­schen den Mahl­zei­ten wird schritt­wei­se auf 3–4 Stun­den erhöht
  • - die Anzahl der Mahl­zei­ten pro Tag wird zuerst auf 4–5, dann auf 3 redu­ziert
  • - die Men­ge pro Mahl­zeit wird soweit erhöht, dass man sich gut satt fühlt. Hier­bei kann man (aller­dings nur vor­über­ge­hend) getrost alles ver­ges­sen, was über Essens­men­gen emp­foh­len wird (sie­he #1/52). Spe­zi­ell Früh­stück und Mit­tag­essen dür­fen grö­ßer aus­fal­len.
  • - es kann schwe­rer ver­dau­li­ches geges­sen wer­den, damit man sich län­ger satt fühlt
  • - Snacks und Süßig­kei­ten wer­den am bes­ten weit­ge­hend aus dem Haus ent­fernt

Par­al­lel zu die­sen Maß­nah­men müs­sen die psy­cho­lo­gi­schen / men­ta­len Ursa­chen und das Kom­pen­sa­ti­ons­ver­hal­ten bear­bei­tet wer­den. Und nach einer gewis­sen Zeit kann man schritt­wei­se die Men­ge und Schwe­re der Mahl­zeit wie­der redu­zie­ren.
Die­se Vari­an­te des fal­schen Hun­gers ist sehr ver­brei­tet.

4. Heiß­hun­ger (beson­ders auf Süßes) kann ein Resul­tat von inkom­pa­ti­blen Nah­rungs­mit­tel­kom­bi­na­tio­nen sein. Wenn durch zuviel erhit­zen­de und säu­ern­de Nah­rungs­mit­tel (Süßes, Sau­res, Kaf­fee, sau­res Obst, Schar­fes, viel Fleisch etc.) eine Über­säue­rung ent­steht, erhöht sich das Feu­er­ele­ment im Kör­per, was sich wie­der­um wie Hun­ger anfüh­len kann. Meist kom­men inne­re Hit­ze oder bren­nen­den Emp­fin­dun­gen hin­zu.
Die­ser Zustand ist inso­fern pro­ble­ma­tisch, weil man die­ses Hun­ger­ge­fühl als ech­ten Hun­ger wahr­nimmt und die Per­son glaubt, dass sie ein sehr star­kes Ver­dau­ungs­feu­er hat.
Wenn man nun die­sen Hun­ger vor­zei­tig (also bevor die letz­te Mahl­zeit ver­daut ist) befrie­digt, ver­stärkt sich das eh schon erhöh­te Feu­er wei­ter und ver­ur­sacht eine kom­ple­xe Pro­ble­ma­tik, die sich in mas­si­ven Ver­dau­ungs­stö­run­gen mani­fes­tiert.
In die­sem Fal­le ist es wich­tig, alle süßen und säu­ern­den Lebens­mit­tel zu redu­zie­ren (oder zu ver­mei­den) und den Abstand der Mahl­zei­ten auf den ech­ten Hun­ger aus­zu­rich­ten. Eine Pau­se von mind. 4 Stun­den ist eine Faust­re­gel, an der man sich ori­en­tie­ren kann.
Die­se Vari­an­te des fal­schen Hun­gers ist eben­falls sehr ver­brei­tet, aus­ge­löst durch die all­ge­mei­ne Über­säue­rung auf­grund unse­rer west­li­chen Ernäh­rungs­wei­se. Zucker, Süßig­kei­ten, Weiß­mehl­pro­duk­te und Fleisch ver­ur­sa­chen dabei einen gro­ßen Anteil der Über­säue­rung.

5. Eine wei­te­re ayur­ve­di­sche Erklä­rung für fal­schen Hun­ger geht auf einen ande­ren Aspekt ein.
Die durch­schnitt­li­che Ver­dau­ungs­zeit einer Mahl­zeit von 4–8 Stun­den kann man zeit­lich drit­teln. Im ers­ten Drit­tel ist die schwe­re Kapha-Ener­gie vor­herr­schend. Man merkt das an der Schwe­re, die nach dem Essen ent­steht, unab­hän­gig davon was man isst. Im mitt­le­ren Drit­tel ist das feu­ri­ge Pit­ta aktiv, der eigent­li­che Motor für den Stoff­wech­sel. Es ist dem Ver­dau­ungs­feu­er agni sehr ähn­lich. Im letz­ten Drit­tel kommt die luf­ti­ge Vata-Ener­gie zum Zuge, was sich durch die Bewe­gung im Darm (und die dar­auf fol­gen­de Aus­schei­dung) bemerk­bar macht, aber auch durch Gase, die sich wäh­rend des Ver­dau­ungs­pro­zes­ses bil­den, beson­ders spür­bar, wenn man Hül­sen­früch­te isst, aber auch bei Gemü­se­ge­rich­ten.
Die mitt­le­re Pitt­a­pha­se der Ver­dau­ung kann sich auf­grund der Ver­wand­schaft mit Agni anfüh­len wie Hun­ger, was aber ein Fehl­si­gnal ist, da eine so schnel­le Ver­dau­ung nicht mög­lich ist. Jeder kennt die­ses Phä­no­men übri­gens. Es tritt z.B. nach einem Fest­essen auf, wenn man viel und lan­ge in die Nacht hin­ein geges­sen hat. Wacht man früh­mor­gens auf, fühlt man sich (schon wie­der) hung­rig und wun­dert sich über die­sen Zustand. Tat­säch­lich kann das Fest­mahl noch nicht ver­daut sein, in Wirk­lich­keit ist die Ver­dau­ung in der mitt­le­ren Pha­se und noch lan­ge nicht abge­schlos­sen. Zu die­sem Zeit­punkt etwas zu essen wäre also äußerst kon­tra­pro­duk­tiv.
Die­se Art von fal­schem Hun­ger, sofern nicht mit men­ta­len Pro­ble­men ver­knüpft, ent­steht meist durch Essen über die Sät­ti­gungs­gren­ze hin­aus und lässt sich leicht durch igno­rie­ren aus der Welt schaf­fen. Ein Glas hei­ßes Was­ser, eine Tas­se Chai oder ein Schluck Brü­he hel­fen eben­falls. Eine Essens­pau­se von 4–6 Stun­den sowie ein Rhyth­mus von max. 3 Mahl­zei­ten pro Tag soll­te ein­ge­hal­ten wer­den. Eine opti­ma­le Essens­men­ge ver­hin­dert die­sen fal­schen Hun­ger!

6. Die Aus­nah­me aller Regeln: Men­schen, die kör­per­lich arbei­ten, sich viel bewe­gen oder sport­lich sehr aktiv sind (incl. Berufs­sport­ler), haben einen wesent­lich höhe­ren Ener­gie­be­darf als ande­re Men­schen. Die Nah­rung wird schnel­ler ver­daut und die­se Per­so­nen kön­nen öfter essen, ohne dass das Ver­dau­ungs­sys­tem in irgend einer Wei­se beein­träch­tigt wird.
Wen das nun zu ver­stärk­ten sport­li­chen Akti­vi­tä­ten moti­viert, macht bestimmt etwas rich­tig 😉

Print Friendly, PDF & Email