Über­ar­bei­tet im April 2018

Früh­ling. Man sieht und vor allem riecht es. Wie­sen und Bäu­me wer­den bunt und am Wald­rand kommt einem der wür­zi­ge Bär­lauch­duft schon von wei­tem ent­ge­gen. Alles fühlt sich nach restart an. Man­ches nach Neu­start.

Seit 2013 gibt es im „Maschi­nen­park“ der Semi­nar­kü­che einen Power­mi­xer! Die­ses Ding mit 2–3 Pfer­de­stär­ken, bei denen der „Mer­ce­des” unter den Gerä­ten (Vit­amix) schon mal 650+ Euro kos­tet. Ich hab mir den deut­schen Bru­der gegönnt (Rev­o­blend) und seit­her gibt es des öfte­ren grü­ne, saf­ti­ge Smoot­hies, mit Löwen­zahn und Blut­amp­fer aus dem Gar­ten, Stan­gen­sel­le­rie, Apfel oder Bana­ne, Ruco­la und/oder Min­ze, was eben gera­de so im Ange­bot ist. Jedes mal schmeckt es anders. Ich wer­de sicher nicht zum Roh­köst­ler, aber die­se Smoot­hies machen je nach Kon­text Sinn. Z.B. an hei­ßen Früh­lings­ta­gen und im Som­mer, um den Kör­per zu küh­len und gGrüner Smoothieleich­zei­tig Toxi­ne aus­zu­schleu­sen. Oder für Men­schen, die viel Feu­er in sich haben, also eher mal am über­hit­zen sind. Saft­bars mit fri­schen grü­nen Smoot­hies gibts inzwi­schen reich­lich, um ver­schie­de­ne Kom­bi­na­tio­nen aus­pro­bie­ren. Nicht die fer­ti­gen aus dem Super­markt, die ja schon ein paar Tage alt sind… ;-). Und die mit Milch­pro­duk­ten ver­mei­det man eben­so, es passt nicht wirk­lich zusam­men, fri­sches Grün und Milch.

 

Frühling essen!

Der Spei­se­plan ändert sich auch sonst umfang­reich. End­lich Spar­gel, Radies­chen, Mai­rüb­chen, Kohl­ra­bi, fri­scher Spi­nat, Bär­lauch, Löwen­zahn und fri­sche Kräu­ter! Früh­ling ist Kapha­zeit, alles wächst, neu­es Poten­zi­al ent­wi­ckelt sich, Wär­me und Feuch­tig­keit sind domi­nant. In unse­rem Kör­per hat sich das Kapha (ein Mix aus Erde und Was­ser) über den Win­ter auf­ge­baut (man­che nen­nen es Win­ter­speck) und die­se Schwe­re wür­den wir nur all­zu ger­ne wie­der los­wer­den. Der Schutz­man­tel des Win­ters wird nicht mehr benö­tigt, im Gegen­teil, er bedroht nun unse­re Gesund­heit. Alles strebt nach Ent­las­tung, Aus­lei­tung, Erneue­rung, Rei­ni­gung.

Die Wär­me der Früh­lings­ta­ge lässt das Kapha im Kör­per „schmel­zen“ wie Schnee in der Son­ne und zir­ku­liert in Blut und Lym­phe wie ein über­lau­fen­der Fluss, was sich in Früh­jahrs-Erkäl­tun­gen, Heu­schnup­fen, Früh­jahrs­mü­dig­keit, Über­ge­wicht, einem wei­ßen Belag auf der Zun­ge, schlei­mi­gem Stuhl u.ä. zeigt. Man muss nun nicht wis­sen, wel­cher ayur­ve­di­sche Kon­sti­tu­ti­ons­typ man ist, um sich im Früh­jahr opti­mal zu ernäh­ren. Die Prin­zi­pi­en pas­sen für (fast) jeden, es geht um „leich­ter wer­den, leich­ter essen, leich­ter den­ken, usw…“. Die Nah­rungs­mit­tel, die gera­de um uns her­um geern­tet wer­den, sind genau rich­tig für uns und für die­se Zeit. Man darf sich also eine Wei­le von Wur­zel­ge­mü­se und Kür­bis ver­ab­schie­den, auch wenn die­se Din­ge selt­sa­mer­wei­se im Bio­la­den erhält­lich sind. Z.B. Hoka­i­do ein­ge­flo­gen aus Süd­ame­ri­ka. Fal­scher Kon­ti­nent, fal­sche Jah­res­zeit. Der Kör­per benö­tigt rei­ni­gen­de, ent­schla­cken­de Gemü­se und nicht näh­ren­de und auf­bau­en­de, die kön­nen war­ten bis zum Herbst. Noch ein biss­chen war­ten kön­nen auch Toma­ten (der­zeit rote Was­ser­bäl­le ohne Geschmack) oder Boh­nen und Erb­sen aus Kenia. Dem­nächst kommt das eh aus der Hei­mat. Das gan­ze gilt auch für Äpfel, Bir­nen und Pflau­men, die der­zeit den Glo­bus umrun­den, nur weil es in Süd­ame­ri­ka und Neu­see­land gera­de Herbst ist… Die Obst­zeit kommt früh genug, spä­tes­tens wenn die Erd­bee­ren süß und reif zum Sel­ber­pfü­cken bereit sind. Und sie dau­ert bis in den Win­ter, wenn Man­da­ri­nen und Gra­nat­äp­fel die Vor­weih­nachst­zeit fruch­tig ver­süs­sen. Mehr braucht der Kör­per nicht.

 

Einkaufsliste fürs Frühlingsessen

Das Essen auf unse­rem Tel­ler kommt der­zeit weiß und grün daher. Far­be brin­gen Karot­ten und Radies­chen, wäh­rend Pas­ti­na­ken und Toma­ten nicht mehr bzw. noch nicht Sai­son haben, man kann sie also getrost weg­las­sen. Über­haupt wäre es span­nend, mal all die bekann­ten Stan­dard­ge­mü­se, die es 365 Tage im Jahr gibt (woher die wohl kom­men?), lie­gen­zu­las­sen…

Im Früh­ling soll­te man die­se Nah­rungs­ei­gen­schaf­ten bevor­zu­gen:

  • Leicht: z.B. Brü­hen, Blatt­ge­mü­se, Spi­nat, Spar­gel, Rha­bar­ber, Reis, Qui­noa
  • Tro­cken: z.B. Rog­gen, Hir­se, Gers­te, Hül­sen­früch­te
  • Warm: z.B. gedämpf­tes und gekoch­tes Gemü­se, Gewür­ze, Sup­pen, Kit­cha­ri (eine idea­le Fas­ten­spei­se, zum Rezept)

 

Die idea­len Geschmacks­rich­tun­gen sind:

  • Bit­ter: z.B. Blatt­ge­mü­se, Bro­ko­li, Küchen­kräu­ter und Wild­kräu­ter (Löwen­zahn, Bren­nes­seln, Giersch, Sauer­amp­fer usw.), Kur­ku­ma, Spi­ru­li­na, Mai­rüb­chen, Zitro­nen- und Oran­gen­scha­len
  • Astrin­gie­rend: z.B. Buch­wei­zen, Rog­gen, Gers­te, Stan­gen­sel­le­rie, Kur­ku­ma, Cran­ber­ry, Rosi­nen, Honig, Spi­nat
  • Scharf: z.B. Senf­sa­men, fri­scher Ing­wer, Pfef­fer, Ret­tich, Radies­chen, Knob­lauch, Zwie­beln, Bär­lauch   Alle die­se Nah­rungs­mit­tel hel­fen, über­schüs­si­gen Schleim und Gift­stof­fe aus dem Kör­per aus­zu­lei­ten, für Erleich­te­rung zu sor­gen und die Ver­dau­ungs­kraft zu ver­bes­sern.

 

Nah­rungs­mit­tel, die redu­ziert wer­den soll­ten:

  • Schwer: z.B. Wur­zel­ge­mü­se (Pas­ti­na­ken, Peter­sie­li­en­wur­zeln, etc.), Nüs­se und Samen (Aus­nah­me: Man­deln, Sesam­sa­men und Kür­bis­ker­ne), Eier, Milch­pro­duk­te wie Joghurt und Käse, Fleisch und Wurst, Voll­korn­brot, Kuchen und Weis­mehl­pro­duk­te
  • Ölig: Fet­te und Öle (außer Ome­ga3-Öle wie Lein­öl), öli­ge Nüs­se, Frit­tier­tes, öli­ge Spei­sen
  • Kühl: kal­tes Essen, Roh­kost, Eis­ge­kühl­tes

 

Geschmacks­rich­tun­gen, die redu­ziert wer­den soll­ten:

  • Süß: ist gleich­zei­tig schwer, z.B. sehr süße Gemü­se (Wur­zel­ge­mü­se, Süß­kar­tof­feln), Zucker in kon­zen­trier­ter Form, Süß­spei­sen
  • Sau­er: z.B. Yoghurt, Essig, Toma­ten,
  • Sal­zig: z.B. Käse, Wurst, Fer­tig­ge­rich­te, Soja­sauce im Über­maß

    frühlingsgemüse

 

Frühlings-Gewürze-Mix

2 EL gemah­le­ner Zimt 2 EL gemah­le­ner Ing­wer 1 EL gemah­le­ner Kar­da­mon (ide­la­er­wei­se frisch gemah­len) 1/2 TL schwar­zer Pfef­fer Gut für küh­le Mor­gen­stun­den. Die­ser Gewürz­mix ist ide­al für süße Gerich­te und Chai. Es wärmt und unter­stützt die Ver­dau­ung. Passt sehr gut zu Früh­stücks­brei, Por­ridge, in hei­ße Milch, Tee, Kaf­fee, etc. Man kann es groß­zü­gig ver­wen­den.

 

Zusätzliche Unterstützung für die Entlastung und einen reibungslosen Übergang bieten:

  • Viel war­mes Was­ser trin­ken
  • Tees mit wär­men­den Gewür­zen (Ing­wer, Zimt, Nel­ken)
  • Weni­ger Essen
  • Aus­rei­chend schla­fen, früh zu Bett gehen, die frü­hen Son­nen­strah­len nut­zen
  • Über­sti­mu­la­ti­on ver­mei­den: TV, Radio, Inter­net, Zei­tun­gen, Sozia­le Akti­vi­tä­ten redu­zie­ren
  • Ölmas­sa­gen, 2–3 mal die Woche (idea­ler­wei­se täg­lich) vor dem Duschen
  • Auf Bodylo­tions ver­zich­ten, um die Haut­po­ren frei zu hal­ten für den Abtrans­port der Gif­te
  • Idea­ler­wei­se che­mie­freie Kos­me­tik­pro­duk­te, Putz- und Wasch­mit­tel ver­wen­den
  • Ins Freie gehen, Spa­zie­ren gehen, Radeln, kur­ze Son­nen­bä­der genies­sen, usw.
  • Neu­es aus­pro­bie­ren: Essen, Pflan­zen, Yoga, Medi­ta­ti­on, …

 

Nicht wun­dern, auch die See­le atmet auf und die Gele­gen­heit ist güns­tig, ein paar alte Gedan­ken­mo­del­le über Bord zu wer­fen. Somit wün­sche ich einen erfri­schen­de und äußerst inspi­ra­ti­ven Früh­ling! 🙂

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