Körper und Geist lieben das rhythmische Leben. Ein- und ausatmen, wachen und schlafen, essen und ausscheiden, der Herzschlag, Hormon-zyklen usw., je harmonischer und natürlicher diese Funktionen ablaufen, desto gesünder sind wir in der Regel.

Leidet man unter Müdigkeit, Gewichtszunahme, Verdauungsproblemen, Niedergeschlagenheit, Überessen, Heißhungerattacken und ähnlichem, lohnt sich ein tieferer Blick in die Rhythmen der Ernährung, um diese Symptome zu lindern.

Dem Frühstück kommt dabei eine große Bedeutung zu, auch wenn man in der ayurvdischen Lehre dem Prinzip „frühstücken wie ein Kaiser…“ nicht zustimmen würde.

 

Das Prinzip von Agni

Unser Verdauungsfeuer (sanskrit: agni) durchläuft während des Tages verschiedene Aktivitätsphasen. Dieses innere Feuer ist sehr direkt verbunden mit dem äußeren Feuer, der Sonne. Wenn die Sonne aufgeht, wird auch unser Agni langsam wach.
Zur Mittagszeit mit dem Höchststand der Sonne erreicht es seine volle Kraft, weshalb ein ausgiebiges Mittagessen („…wie ein König…“) sehr viel Sinn macht, denn wir können auch schwerere und größere Mahlzeiten gut verdauen.
Wenn die Sonne untergeht, glimmt auch unser Verdauungsfeuer eher wieder auf Sparflamme. Das „Abendessen wie ein Bettler…“ wäre also bei dieser Betrachtungsweise ebenfalls korrekt.

Vergleichbar ist das Agni auch mit einem Kaminfeuer, das einen Raum, in diesem Fall unseren Körper, einheizt, um die Funktionen im Inneren anzukurbeln.  „Glutreste“ des vorigen Abends kann man nutzen, um ein gesundes, langanhaltendes Feuer zu gewinnen. Ein reichhaltiges, schweres und kaltes Frühstück könnte diese Glut bzw. das Agni im Keim ersticken.  Das passende Frühstück jedoch gibt langanhaltende Energie bis zur Hauptmahlzeit am Mittag. Nebenbei ermöglicht es einen klaren Geist und hohe Konzentrationsfähigkeit.

 

Wann ist die beste Zeit für das Frühstück?

Dosha-Aktivität während des TagesIn den ayurvedischen Schriften beschreibt die „Dosha-Uhr“ den Biorhythmus für die thermischen Energien und wie sie Teile des Tages dominieren.

Betrachtet man diesen Tageszyklus, wird klar, dass ein Frühstück morgens um 6 Uhr auf eher schwache Resonanz stößt im Körper. Denn in der Kaphazeit (6-10 Uhr) hat das Agni noch nicht ausgeschlafen, alles ist schwer, verlangsamt,träge, verschleimt… Hunger hat man um diese Zeit meistens eh nicht, es sei denn, die letzte Mahlzeit war am späten Nachmittag des Vortages. Entscheidend für die Frühstückszeit ist deshalb auch der Zeitpunkt des vorigen Abendessens. Je später dieses stattfindet, desto später und kleiner sollte auch die erste Mahlzeit am Morgen sein. So machen es die Franzosen, Italiener, Brasilianer und alle Menschen, in deren Kultur später zu Abend gegessen wird. Dem Franzosen reicht dann das kleine Croissant am Vormittag, zumindest hab ich noch keinen gesehen, der sich zum Frühstück mit bacon & eggs versorgt hat ;-).
Early Birds können mit einem wärmenden Getränk oder Chai den Zeitpunkt überbrücken, bis das Verdauungsfeuer auf Touren kommt.

Wir fühlen übrigens am besten unseren natürlichen Morgenhunger, wenn wir im Urlaub sind oder am Sonntagmorgen. Wenige haben da in aller Herrgottsfrüh das Bedürfnis, ein Frühstück zu nehmen. Eher kommt dieses zwischen 9 und 10 Uhr, kurz bevor sich der innere und äußere Rhythmus in die feurige Pittazeit bewegt.

 

Was ist denn nun das „richtige“ Frühstück?

Kombiniert man den Dosharhythmus mit dem individuellen Hunger und der individuellen Konstitution, kann man nachvollziehen, warum sich die Menschen in ihren Frühstücksgewohnheiten so stark unterscheiden. Denn das „richtige“ Frühstück ist für jeden etwas anderes. Körperlich arbeitende Menschen benötigen einen anderen Start in den Tag als z.B. ein Büromensch. In kälteren Monaten hat man in der Regel ein größeres Bedürfnis nach einem nährenderen Frühstück. In der heißen Jahreszeit bevorzugt man Leichtes.
Deshalb gibt es kein Patentrezept für das „richtige“ Frühstück. Man muss sich jedoch nicht verrückt machen lassen von der Theorie, dass man ohne Frühstück weder lernen noch arbeiten noch etwas leisten kann. Für manche Menschen stimmt dies tatsächlich und für andere eben nicht.

Drei Empfehlungen gelten jedoch tatsächlich für alle:

  • dass man erst frühstückt, wenn man Hunger hat. Diesen Hinweis kann man getrost als Flexibilitätsübung in Familien betrachten. Denn jedes Familienmitglied sollte seinem eigenen Rhythmus und Hungergefühl entsprechend frühstücken dürfen, auch die Kinder.
  • dass man so leicht frühstückt, dass der innere Kamin angeheizt und nicht überladen wird
  • dass sich ein regelmäßiger Rhytmus beim Frühstücks für den Körper sehr harmonisch anfühlt

 

Ein ausgleichendes Frühstück ist in der Regel warm, gut gewürzt und leicht verdaulich. Der Schwerpunkt in unserer europäischen Küche liegt bei warmem Getreide und gekochten/gedämpften Früchten. In Indien dagegen genießt man einen leichten Pfannkuchen mit Gemüse, das Masala Dosa, oder einen Gemüsegriesbrei. Wenn man mehrere Wochen durch Indien reist, hat man nach der Rückkehr durchaus Anpassungsschwierigkeiten an Marmeladenbrot, Müsli oder Frühstückseier. Wieder andere Kulturen (Japan) kennen die kräftigende Morgensuppe.

Manche übertreiben es mit der Leichtigkeit und nehmen auf dem Weg zur Arbeit beim U-Bahn-Bäcker ein paar süße Teilchen (Apfeltaschen etc.) und Kaffee aus der Pappe mit, die durch den leeren Zucker und das Weißmehl ein kurzes Strohfeuer entfachen, das ganz schnell wieder zusammenfällt und mit dem Blutzucker Achterbahn fährt. Kein perfektes Frühstück also.

Das Gegenteil passiert mit dem typisch westlichen Frühstück: Müsli, Brot, Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade und Eierspeisen lähmen die Kraft des Agni. Dadurch fühlen wir uns schwer, träge und können den Tag nicht voller Kraft und Enthusiasmus beginnen. Man kann sich das wie ein schwach glimmendes Feuer vorstellen, auf das man einen dicken Holzscheit legt. Das Feuer wird lange Zeit nur schwelen und hat große Mühe, wieder in Gang zu kommen. Dies gilt in besonderem Maße  für das vermeintlich „gesunde“ Müsli, kombiniert mit kaltem Yoghurt und Früchten. Manche wundern sich, warum das so schwer im Magen liegt und man gleich wieder müde ist. Ungekochte Milch und zuckrige Speisen wirken ähnlich, es ist wie wenn man einen Eimer kaltes Wasser auf das Feuer kippt. Denn solche kapha-erhöhenden Mahlzeiten innerhalb der eh schon schweren Kaphazeit machen wenig Sinn. Hier kommt das Prinzip „Gleiches erhöht Gleiches“ zum Tragen, das immer Disharmonie bringt. Dem Körper morgens etwas Feuer zu geben mit einer warmen Mahlzeit unterstützt dagegen das harmonisierende Prinzip „Gegensätzliches gleicht sich aus“.

 

Frühstücksbrei

Ideale Frühstückszutaten zum „Anfeuern“ am Morgen

  • warmer, leichter Brei aus Obst und Getreide, z.B. Dinkel- / Kamutgries, Dinkelflocken, Haferflocken, Reisflocken etc., Hirse, Quinoa
  • saisonale und regionale Früchte (Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pflaumen, Erdbeeren etc.) gekocht, gedämpft oder püriert
  • Grüne Smoothies, sofern sie mit einem Powermixer hergestellt werden, die das Gemüse so klein schreddern, dass es auch roh verdaut werden kann
  • Reissuppen in jeglicher Form (Kanjis oder Conjees), gewürzt mit Ingwer, Pfeffer, Kreuzkümmel
  • verdauungsfördernde Gewürze für süße Speisen: Ingwer, Kardamon, Zimt, Vanille, Nelken (nicht ideal am Morgen sind die kühlenden Gewürze Koriander, Fenchel und Minze)
  • leichte Pfannkuchen (ohne Ei), süß oder salzig

zusätzliche „Feuerhilfen“ vor dem Frühstück

  • Ingwerwasser, Gewürztee (Zimt, Nelken, Ingwer, Pfeffer) oder Chai trinken
  • ein paar Yogaübungen
  • Atemübungen (Pranayama)

Diese Speisen sind morgendliche Energiefresser

  • trockenes Müsli (ungekochte Getreideflocken)
  • kalte Milchprodukte und kühlende Nahrungsmittel
  • die Kombination aus schwer verdaulichem Getreide, kalten Milchprodukten und Früchten
  • trockene Nahrungsmittel
  • Gebäck mit raffiniertem Industriezucker
  • Eierspeisen, Fleisch, Wurst, Käse (sind alle schwer verdaulich)
  • Frühstück im Auto, in der U-Bahn, im Gehen

 

Diese Wochen mit ihren extremen Temperaturschwankungen (die Eisheiligen?) sind ideal, um sein Frühstücksverhalten zu beobachten und Neues auszuprobieren. Zu testen, ob man mit einem kleinen Frühstück bis zur Mittagszeit durchhält. Oder wie sich ein warmes Frühstück anfühlt. Für viele so undenkbar wie das Marmeladenbrot für einen Inder… 😉

 

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