Wer in Län­der nahe dem Äqua­tor reist, kennt das Bild von Kokos­nuss-Stän­den ent­lang den Stras­sen, die jeder Rei­sen­de irgend­wann auf­sucht, um sich einen küh­len­den, süß­li­chen und sehr lecke­ren Durst­lö­scher zu gön­nen. Ein Segen für die Men­schen in die­sen Län­dern, denen die Natur die­ses Eli­xier fast zum Null­ta­rif lie­fert. Kokos­was­ser wirkt zudem stär­kend und ist voll­be­packt mit Mine­ra­li­en, die man im schweiß­trei­ben­den Kli­ma nach­la­den kann. Und weil immer mehr Tou­ris­ten die­ses Getränk eben­falls lie­ben gelernt haben, wur­de irgend­wann das Kokos­was­ser extra­hiert und in Tetra­packs zu uns ver­schifft.

Nun gibt es einen sinn­vol­len Kon­text, in dem Kokos­was­ser sehr hilf­reich ist. In Asi­en trin­ken es die Men­schen am Vor­mit­tag bis zum frü­hen Nach­mit­tag, wenn die Hit­ze run­ter­brennt, spä­ter am Tag wäre denen das zu küh­lend. Obwohl sie ver­mut­lich nicht wis­sen, dass der Kör­per ab nach­mit­tags eh anfängt, sei­ne Tem­pe­ra­tur nach unten zu regu­lie­ren (was mit der schwä­cher wer­den­den Son­ne und unse­rem natür­li­chen Hor­mon­zy­klus zu tun hat), leben sie das nach Intui­ti­on und Tra­di­ti­on.
Asia­ten trin­ken auch nie mehr als eine Kokos­nuss, weil die küh­len­de Wir­kung so stark ist, dass sie ab der zwei­ten Por­ti­on auf der Stel­le einen Schnup­fen krie­gen wür­den. Außer­dem wirkt das Was­ser außer­or­dent­lich harn­trei­bend, für nicht-männ­li­che Asia­tin­nen (und weib­li­che Tou­ris­tin­nen) ein klei­nes Hin­der­niss ab und an… :-).

Die Kokos­nüs­se wer­den nur sel­ten in Kühl­schrän­ken gela­gert, man trinkt das Was­ser also auf „Raum„temperatur, was eine äußerst gro­ße Band­brei­te zuläßt, je nach­dem ob der Kokos­händ­ler sein Standl in der Son­ne oder unterm Baum geparkt hat. Trotz­dem fühlt sich das Kokos­was­ser immer sehr erfri­schend auf der Zun­ge und im Kör­per an.

Und was machen wir? Wir trin­ken das Was­ser, weil es ja inzwi­schen fächen­de­ckend im Han­del und hip­pen Cafes ange­prie­sen wird, in Men­gen und zu allen Tages­zei­ten, ger­ne auch mal abends nach dem gro­ßen Din­ner, wenn die küh­len­de Eigen­schaft die gan­ze Ver­dau­ungs­ma­schi­ne lahm­legt. Und zu allen Jah­res­zei­ten, also auch im Okto­ber oder im April auf der Cafe­ter­as­se, ein­ge­hüllt in eine Fleece­de­cke. Makes Sen­se? No… :-).
Unser Umgang mit Kokos­was­ser ist eines der Bei­spie­le von Trend­fol­lo­wing, das die Intui­ti­on und das eige­ne Kör­per­ge­fühl über­rum­pelt, weil das jetzt halt alle gut zu fin­den schei­nen. Und wer je ein gutes Kokos­was­ser im Ursprungs­land genies­sen durf­te, kommt mit dem Geschmack des Tetra­pack-Was­sers sowie­so nicht klar, was eher ein Glück ist.

Fazit: Kokos­was­ser im Hoch­som­mer und tags­über ist super. Weni­ger als 250 ml/Tag ist aus­rei­chend (man kann das gut stre­cken mit Säf­ten oder Was­ser). Extra Eis­wür­fel oder chil­ling cool ist nicht nötig, es sei denn der Magen brennt. Und: in Ver­bin­dung mit Mahl­zei­ten ist Kokos­was­ser über­haupt kei­ne gute Idee. Löscht umge­hend das so wich­ti­ge Ver­dau­ungs­feu­er.

 

Pho­to by Max Laku­tin on Uns­plash

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