Erdbeeren mit SahneDa ist sie nun wie­der, die Zeit von Wim­ble­don, dem Ten­nis­tur­nier von Erd­bee­ren mit Sah­ne :-).

Sah­ne löst die unter­schied­lichs­ten Asso­zia­tio­nen in uns aus und ist in Ernäh­rungs­krei­sen ein weit dis­ku­tier­tes Lebens­mit­tel. Auch in der Ayur­ve­da­welt, in der es Sah­ne­geg­ner und Sah­ne­be­für­wor­ter gibt.

Fakt ist, dass Sah­ne das Essen sehr cre­mig macht, einen guten Geschmack ver­leiht, durch­aus Sucht­po­ten­zi­al hat und dick macht. Bis­her konn­te ich kei­ne Stu­di­en fin­den, in denen grö­ße­re gesund­heit­li­che Vor­tei­le durch Sah­ne­kon­sum beschrie­ben wur­den. Es bleibt also der rei­ne Genuß­fak­tor von Sah­ne­saucen, Sah­ne­des­serts und Sah­ne­tört­chen…

 

Tra­di­tio­nel­le Ayur­ve­da­ärz­te in Indi­en wun­dern sich, wie Sah­ne in west­li­che Ayur­ve­da-Koch­bü­cher gelan­gen konn­te. Sah­ne ist der Milch sehr ähn­lich, doch ist sie fet­ter und nahr­haf­ter. Sie macht das Essen schwer, ist schwer ver­dau­lich und för­dert Schleim­bil­dung und Ver­stop­fung. In gro­ßen Men­gen und in Ver­bin­dung mit ande­ren schwe­ren Lebens­mit­teln (Fleisch, Fisch, Käse) ist Sah­ne also sehr pro­ble­ma­tisch.

Wenn Sah­ne durch Ayur­ve­da­ärz­te (im Wes­ten) emp­foh­len wird, han­delt es sich ver­mut­lich um Pati­en­ten, die eher tro­cken und aus­ge­zehrt, also unter­ge­wich­tig sind und die eine nahr­haf­te, befeuch­ten­de Sub­stanz ganz gut brau­chen kön­nen. Aller­dings muss sicher­ge­stellt sein, dass die­se Per­son eine gute Ver­dau­ungs­kraft besitzt, sonst könn­te sich die Sah­ne als belas­tend erwei­sen. Eben­so ist das sah­ni­ge Essen nur für den Pati­en­ten gedacht, denn für wei­te­re Mit­es­ser, die z.B. eine schwä­che­re Ver­dau­ungs­kraft haben oder eher über­ge­wich­tig sind, könn­te das Essen die­se Pro­ble­ma­ti­ken ver­stär­ken. Somit wird ein klu­ger Ayur­ve­da­koch, der vie­le Men­schen zu beko­chen hat, sicher­heits­hal­ber auf Sah­ne ver­zich­ten.

 

Generelle Eigenschaften der Milchprodukte

Sah­ne und ande­re Milch­pro­duk­te sind wie das Aus­gangs­le­bens­mit­tel Milch näh­rend und schwer ver­dau­lich. Eines der Haupt­prin­zi­pi­en im Ayur­ve­da ist, der eige­nen Ver­dau­ungs­kraft ange­passt zu essen. Somit kön­nen Men­schen mit guter Ver­dau­ungs­kraft mehr Milch­pro­duk­te zu sich neh­men als Men­schen mit schwa­cher Ver­dau­ungs­kraft. Die Men­ge hat also einen gro­ßen Ein­fluss auf die gesund­heit­li­chen Wir­kun­gen.

Es gilt jedoch auch für Gesun­de und Ver­dau­ungs­star­ke, dass man Milch­pro­duk­te eher in klei­nen Men­gen ver­zeh­ren soll und nicht am Abend, da die Ver­dau­ungs­kraft nach Son­nen­un­ter­gang stark nach­lässt.

Zusätz­lich ist wie bei der Milch die Qua­li­tät des Milch­pro­duk­tes aus­schlag­ge­bend. Nimmt man die best­mög­li­che Milch und macht dar­aus Sah­ne, But­ter­milch, Joghurt, Crè­me Frai­che oder Frisch­kä­se, dann wer­den die­se bekömm­li­cher sein als die­sel­ben Pro­duk­te aus der Milch von unglück­li­chen Kühen.

 

 

Gut bekömmliche Milchprodukte sind:

But­ter­milch – ist sehr leicht ver­dau­lich und hat eine kräf­ti­gen­de Wir­kung. In Süd­in­di­en wird sie als Suppe/Sauce zu jedem Mit­tag­essen gereicht. Sie ist leich­ter als Joghurt und in Ver­bin­dung mit Gewür­zen wie Kur­ku­ma, Kreuz­küm­mel, Kori­an­der­blät­tern, Ing­wer etc. unter­stützt sie in hohem Maße die Ver­dau­ung. Dazu wird sie leicht ange­wärmt. But­ter­milch kalt und ohne Gewür­ze wird jedoch nicht emp­foh­len. But­ter­milch hat die gegen­tei­li­gen Eigen­schaf­ten von Joghurt und redu­ziert Schwel­lun­gen (s.u.)

buttermilchsuppeEine Beson­der­heit sind Bifi­dus­milch und Aci­do­phi­lis­milch, hier ent­steht die But­ter­milch durch Zusatz von pro­bio­ti­schen Bak­te­ri­en.

Rezept für eine schnel­le But­ter­milch­sauce.

 

 

Ghee – das geklär­te But­ter­fett wird zum kochen und als Medi­zin ver­wen­det. Es ist in klei­nen Men­gen ide­al, um das Ver­dau­ungs­feu­er zu unter­stüt­zen und die Nah­rung zu ver­dau­en. In gro­ßen Men­gen kann es das Gegen­teil bewir­ken und die Ver­dau­ungs­kraft schwä­chen. Einen Extral­öf­fel Ghee am Ende auf die Spei­se geben ist somit meis­tens nicht nötig und eher hilf­reich für aus­ge­zehr­te Men­schen mit guter Ver­dau­ung.

Rich­tig ver­wen­det gilt Ghee als lebens­ver­län­gernd, ver­jün­gend, ver­dau­ungs­för­dernd, intel­li­genz­för­dernd, stär­kend und schüt­zend für den gan­zen Kör­per. Es ist gut für die Augen, wirkt Ermü­dung ent­ge­gen und hilft bei best. Fie­ber­er­kran­kun­gen. Und: und es macht einen schö­nen Teint (!) 🙂

Altes Ghee (1–10 Jah­re alt) wird als Medi­zin und Medi­zin­trä­ger ver­wen­det.

Ghee läßt sich leicht sel­ber her­stel­len: 2 kg But­ter (ich bevor­zu­ge Roh­milch- oder Süß­rahm­but­ter) wer­den in einem Topf mit gutem Boden auf klei­ner Flam­me gekö­chelt. Eiweiß und Was­ser sepa­rie­ren sich bei die­sem Pro­zess vom Fett. Den Schaum neh­me ich von Zeit zu Zeit weg, um zu sehen, was auf dem Topf­bo­den pas­siert. Dort setzt sich ein Teil des Eiwei­ßes ab und es darf nicht ver­bren­nen. Wenn die Flüs­sig­keit, die am Anfang sehr geräusch­voll vor sich hin gur­gelt, sehr lei­se wird und nus­sig duf­tet, ist das Ghee fer­tig. Meist dau­ert das 30–60 Minu­ten, abhän­gig von Topf und Herd. Dann wird es durch ein Tuch in ein Glas gesiebt und dun­kel auf­be­wahrt. Ghee darf nicht in den Kühl­schrank. In der Regel hält es eini­ge Mona­te.

Eine beson­ders schmack­haf­te Vari­an­te erhält man, wenn man eine Pri­se Kur­ku­ma, ein paar Kar­da­mon­kap­seln und einen hal­ben Tee­löf­fel Bocks­horn­klee­sa­men bei­mischt.

Jeder Bio­la­den ver­kauft inzwi­schen Ghee in rela­tiv guter Qua­li­tät.

 

 

Belastende Milchprodukte sind

Sah­ne – s.o.

Joghurt – hat eini­ge gute Eigen­schaf­ten, z.B. nährt es die Gewe­be sehr gut und för­dert den Appe­tit was für abge­ma­ger­te Men­schen mit wenig Appe­tit sehr hilf­reich sein kann. Joghurt unter­stützt durch den Auf­bau des Fett­ge­we­bes die Gewichts­zu­nah­me und macht vor allem bei über­mä­ßi­gem Gebrauch dick. Joghurt stärkt die Fort­pflan­zungs­ge­we­be, das Blut und die Kraft. Die Darm­flo­ra wird posi­tiv beein­flusst. Bei Durch­fall ist Joghurt sehr hilf­reich, da er stark ver­stop­fend wirkt. Äußer­lich wirkt Joghurt küh­lend, was als sehr ange­nehm emp­fun­den wird im Gau­men. Hilf­reich ist die­se Eigen­schaft z.B. bei Son­nen­brand.

Selbst her­ge­stell­ter Joghurt ist wesent­lich hoch­wer­ti­ger als indus­tri­ell gefer­tig­ter.

Nega­ti­ve Eigen­schaf­ten: Joghurt ist trotz küh­len­dem „Touch” sehr stark erhit­zend wäh­rend des Ver­dau­ungs­pro­zes­ses, was zu Haut­un­rein­hei­ten und  Über­säue­rung füh­ren kann. Je sau­rer der Joghurt schmeckt des­to mehr über­säu­ert er das Sys­tem. Er ver­stopft außer­dem die Kanä­le und den Darm und führt zu Schwel­lun­gen im Kör­per. Joghurt ist extrem schwer ver­dau­lich und ver­schlei­mend. Die­se Eigen­schaf­ten kön­nen zu Blo­cka­den in allen Kör­per­ka­nä­len füh­ren.

Ver­zehr­emp­feh­lung nach Ayur­ve­da: Nicht jeden Tag, nie­mals am Abend und nicht in der hei­ßen Jah­res­zeit.

Joghurt in Ver­bin­dung mit Früch­ten (Frucht­jo­ghurt, Müs­li etc.) wird als inkom­pa­ti­bel ange­se­hen und ist die Ursa­che für vie­le ernäh­rungs­be­ding­te Krank­hei­ten. Dage­gen ist Joghurt eher unpro­ble­ma­tisch in der Ver­bin­dung mit Dal­ge­rich­ten (vor allem grü­nen Mung­boh­nen), Honig, Jag­ge­ry (Palm­zu­cker) und Ghee. Je mehr man sich bewegt und je bes­ser die Ver­dau­ungs­kraft ist, umso weni­ger Pro­ble­me macht der Joghurt­kon­sum.

 

But­ter – zählt zu den eher ver­stop­fen­den Milch­pro­duk­ten. In klei­nen Men­gen wird sie in der Regel aber gut ver­tra­gen. Abhän­gig von der Ver­dau­ungs­kraft.

 

Sauer­rahm / Crè­me Frai­che / Schmand / Quark (Top­fen) / Hüt­ten­kä­se etc. – in klei­nen Men­gen und nicht am Abend kön­nen sie vie­le Gerich­te ver­fei­nern und kön­nen ver­wen­det wer­den, wenn man kei­ne Pro­ble­me mit der Ver­dau­ung hat.

 

Inkom­pa­ti­ble Kom­bi­na­tio­nen mit Milchprodukten:

Die­se Kom­bi­na­tio­nen sind ungüns­tig und füh­ren im Kör­per sowohl zu sofor­ti­gen Reak­tio­nen (z.B. Ver­dau­ungs­pro­bleme, Haut­pro­bleme) als auch zu Lang­zeit­fol­gen (Ver­schlei­mung, schwa­che Ver­dau­ungs­kraft, unrei­ne Haut, Fie­ber­krank­hei­ten, u.v.m.:

  • Sah­ne und Milch­pro­duk­te in Ver­bin­dung mit Fisch, Fleisch, Blatt­ge­müse, Eiern
  • Milch­pro­duk­te in Ver­bin­dung mit Früch­ten und sau­ren Sub­stan­zen (Toma­ten)
    Dies betrifft die häu­fig als sehr gesund ver­kauf­ten Früch­te­jo­ghurts, Müs­li mit Früch­ten und Joghurt (oder Milch) und auch das Man­go­las­si
  • Milch und Joghurt (z.B. fro­zen yoghurt!)

 

Alles Käse?

Käse  ist schwer und hat eine küh­len­de Wir­kung. Er för­dert die Schleim­bil­dung und wirkt ver­stop­fend. Je fri­scher der Käse ist, des­to bes­ser, beson­ders leicht ver­dau­lich ist dabei der Zie­gen­frisch­kä­se. Lei­der gilt dies nicht für den Schafs­kä­se. Schalf­milch­pro­duk­te sind für den Kör­per schwer ver­träg­lich, weil das Schaf das am Men­schen unähn­lichs­te Gewe­be hat, ganz im Gegen­satz zur Zie­ge. Moder­ne Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­ler sehen das durch­aus anders. Doch wir hat­ten das The­ma schon bei der Mut­ter­milch, wo dem Baby als Ersatz ger­ne mal die Zie­gen­milch gege­ben wird.

Je älter der Käse ist, des­to mehr Erd­ener­gie hat er ange­sam­melt und wird dadurch schwer (ver­dau­lich). Bei Sor­ten wie Par­me­san macht aus ayur­ve­di­scher Sicht also der jün­ge­re mehr Sinn, der Gour­met wür­de den älte­ren bevor­zu­gen.

Je sal­zi­ger ein Käse des­to mehr erhitzt und über­säu­ert er das Ver­dau­ungs­sys­tem.

Je cremiger/fliessender er ist, des­to eher ver­stopft er die Kanä­le. Das ver­tra­gen nur die Fran­zo­sen, die auf eine gro­ße Käse­kul­tur zurück­bli­cken kön­nen ;-).

Büf­fel­kä­se ist extrem schwer ver­dau­lich, so schwer­fäl­lig wie das Tier…
Der belieb­te Moza­rel­la-Som­mer-Salat ist also pri­ma für Popeye, wir Ver­dau­ungs-Nor­ma­los neh­men das lie­ber nur ein­mal die Woche…

 

Käse, der nach alten Tra­di­tio­nen aus guten Aus­gangs­pro­duk­ten her­ge­stellt ist, gilt als bekömm­lich für die Men­schen, die in die­sen Käse­re­gio­nen (z.B. den Alpen) leben. Die­sen Käse fin­det man auf der Alm, im Käse-Fach­ge­schäft und im Fein­kost­la­den und er kos­tet so viel, dass sich die Men­ge auto­ma­tisch regu­liert. Es geht also wie­der zurück auf Qua­li­tät, Her­stel­lungs­ver­fah­ren und Ver­zehr-Men­ge, die den Aus­schlag gibt, ob ein Milch­pro­dukt gut tut und einen län­ger­fris­ti­gen Genuß ermög­licht, oder aber den Kör­per belas­tet.

Bil­lig­kä­se in gro­ßen Men­gen wird für die meis­ten Men­schen irgend­wann zu gesund­heit­li­chen Pro­ble­men füh­ren.

 

Für alle Nicht-Vega­ner wäre es also ein gro­ßes Geschenk an den Kör­per, die best­mög­li­chen Milch­pro­duk­te zu ver­kos­ten. In klei­ner Men­ge. Mit gro­ßem Genuß! 🙂

 

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