Es ist Sommer und somit Zeit für die jährlich wiederkehrenden Streetfood Festivals. Gemeint ist eine Ansammlung von „Foodtrucks“, wie mobile Kioske seit einiger Zeit heißen, und die auch auf vielen Sommerfesten wie z.B. dem Tollwood in München schon seit Jahrzehnten vertreten sind. Junge Gastronomen haben vor einigen Jahren das Fastfood auf Rädern in den Fokus gerückt mit kreativen Ideen, viel Herzblut und Zutaten aus Bio- oder regionalem Anbau. Zeitgleich kam ein kleiner Kochbuchhype zum Thema in die Buchläden und schon waren die kleinen, exotischen Speisen aus der Hand schick.

Anfangs hab ich mich gerne durch das Angebot gefuttert auf der Suche nach neuen Ideen, Aromen und vor allem aus Freude über die jungen Enthusiasten IM Foodtruck und das schöne Design eben selber. Aber wie jeder Trend, kann die Kommerzialisierung der ursprünglichen Idee schnell den Garaus machen und so scheint es mir auch bei besagten Streetfood Festivals zu sein. Wenn man an den Wagen vorbeischlendert ist nicht mehr alles Design und kreativ, sondern da steht dann auch der ganz normale Suppenwagen neben dem Brezenstand, den es eh in jeder Touristenmeile gibt. Geschmacklich und qualitativ liegen zudem Welten zwischen den einzelnen Anbietern.

Die Botschaft, die von den Veranstaltern transportiert wird, lautet: Dieses Essen ist gesund, weil bio, vegetarisch, vegan, frisch gekocht usw.. Das glaubt man gerne und doch, wenn man genauer hinschaut, gibt es hinter dem Licht auch einen Schatten: Ein cupcake oder süße Waffeln werden nun mal nicht gesünder, wenn sie aus einem hübschen Wagen gereicht werden. Auch wenn die vielen Eier darin von glücklicheren Hühnern stammen. Ein Burger aus dem Foodtruck bleibt Fast Food, auch wenn das Fleisch vom Biorind ist. Das Weißmehlbrötchen macht die Biorind-Bilanz eben wieder zunichte. Es wird viel Fett verwendet bzw. frittiert und ich nehme an, dass keine kaltgepressten Spitzenöle zum Einsatz kommen. Dazu trinkt man ein hippes Getränk mit zauberhaftem Namen, das nicht viel weniger Zucker beinhaltet als eine „normale“ Cola oder Limo.

Die Idee des bewußteren und nachhaltigeren Essens finde ich super. Der Genuß fürs Auge und das Kennenlernen von z.B. asiatischem Streetfood scheint mir ebenfalls großartig. Doch in den Köpfen bleibt hängen: streetfood ist gesund (ist es nicht), schnelles Essen im Stehen ist cool (ist es nicht), frittiertes Eis ist großartig (sicher nicht für den Magen), selber kochen ist uncool (ist es nicht), usw..

Somit legitimiert die hippe Fassade ein schnelles Essen (fast food), das sicherlich in vielen Fällen qualitativ hochwertiger und gesünder ist als alles, was aus dem Schnellrestaurant kommt. Aber weit entfernt von frisch gekochter, harmonisierender Nahrung aus der eigenen Küche, dem „real food“. Denn nur dort kann ich auf weiße Lebensmittel verzichten (Zucker, Tafelsalz, Weißmehl, weißer Reis) sowie auf zuckrige Saucen, die den Burgern, dem geflammten Lachs, den Spiralkartoffeln, den Texmex Gerichten und vielem mehr beigemischt werden. Wird man durch einen Streetfood-Markt inspiriert, kann man zuhause experimentieren. Vermutlich der beste Kompromiss, es gibt wie gesagt feine Bücher dazu.

 

 

Beitragsphoto by Adrianna Calvo from Pexels

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